Das Wetter in Sambias Hauptstadt
(manchmal gibt es keine Daten oder sie sind verzögert)

Mittwoch, 22. April 2009

16.04.2009 West Highland Way - Lairigmor nach Fort William mit Ben Nevis

Um 6Uhr wachten wir am sechsten Tag mittlerweile schon ganz ohne Wecker auf. Wir hatten wirklich eine stürmische Nacht. Manchmal dachte man echt, jetzt fliegt jeden Moment das Zelt davon. Umso überraschter war ich als ich gesehen habe, dass das Zelt noch da stand wie eine eins! Sturmtest also bestanden! Das heutige Frühstück bot mal etwas Abwechslung. Es gab Kartoffelbrei, natürlich ebenfalls aus der Packung, mit Röstzwiebeln. Hat ganz schön gestopft, also das perfekte Frühstück. Wir schafften dieses Mal auch unsere früheste Startzeit mit 7:30Uhr.

Los ging es nach wie vor in Lairigmor und wir konnten dieses schöne Tal bei der aufgehenden Sonne noch ein ganzes Stück weit genießen, bis zum ersten mal der Gipfel des Ben Nevis vor uns auftauchte. Wow, schon ein mächtiges Stück Erde, aber wir schaffen das schon. Auch wenn man den ganzen Tag über die Füße wirklich zu spüren bekam. Der Weg ging nach dem Tal in ein Waldgebiet über, wo wir zwei Anstiege sozusagen schon einmal als Training für den bevorstehenden Gipfel bezwingen mussten.

Kurz vor Ben Nevis ging es dann, wie nicht anders zu erwarten, ein ganzes Stück wieder nach unten. Wirklich sehr motivierend das ganze. :) Am Fuße von Großbritanniens höchstem Berg stoppten wir dann an der Jugendherberge zur letzten Henkersmahlzeit. Motto: Reste vernichten. Es ist schon erstaunlich, was man alles mit Honig essen kann oder wie vielseitig Salatdressing schmecken kann. :) Danach ließen wir unsere großen Rucksäcke in der Jugendherberge um ohne Gepäck, nur mit Schokolade, Müsliriegel und Wasserflasche bewaffnet, den Ben Nevis (1343m) zu erklimmen. Eine weise Entscheidung, wie sich schon kurz nach dem Start herausstellte!

Die ersten paar hundert Meter verliefen ohne Probleme. Der Pfad war gut befestigt, so dass wir fix vorankamen. Wir fuhren sozusagen ständig auf der Überholspur. Bei 600m hatten wir einen direkt an den Ben Nevis angrenzenden anderen Berg erklommen. Hier hörte dann auch der gut befestigte Pfad auf. Es ging in Serpentinen weiter nach oben auf Wegen die von Geröll übersät waren. Erste Schneedecken ragten in die Spur und wir kamen immer langsamer voran. Man spürte nun deutlich, dass man bereits 140km in den Knochen hatte. Der Gipfel (zumindest der, den wir als Gipfel angenommen hatten) rückte nur langsam näher. Besonders ab dem Punkt, wo sich der Weg komplett im Schnee verlor und man bei jedem Schritt 20-30cm im festen Schnee versank. Das ist auf Dauer wirklich ziemlich ermüdend. Aber wir kämpften uns natürlich weiter durch. Wir hatten fast den von uns angenommenen Gipfel erreicht, da sahen wir, dass es dahinter noch ein ganz schönes Stück weiter ging. Mit natürlich noch mehr Schnee. Hilft ja nix, muss man eben noch weiter laufen. Nach einer weiteren halben Stunde ermüdenden Schneestampfens erreichten wir den Gipfel. Das Dach der Insel. Überglücklich und ziemlich fertig. Die Aussicht war natürlich unglaublich. Die Wolkendecke befand sich nur wenige Meter über uns. So etwas hab ich noch nie gesehen. Kann man gar nicht beschreiben. Schaut euch daher am besten einfach die Bilder an.

Umso quälender der Aufstieg durch den Schnee ist, desto schneller und einfacher geht der Abstieg in diesem Bedingungen. War ein Heidenspaß auf dem Schnee hinunter zu gleiten und ratz Fatz hatte uns der Geröllweg wieder. Dies war nun, vor allem für mich, der schmerzhafteste Teil der ganzen Wanderung. Der Abstieg. Mein linkes Knie litt an Ermüdungserscheinungen, was beim Aufstieg oder beim Geradeauslaufen jedoch überhaupt kein Problem darstellte. Nur die komischen Belastungen beim Abstieg, da man ja jeden Schritt mit den Beinen bzw. vor allem mit den Knien abfängt, setzten mir auf Dauer ziemlich zu. Es zog sich daher ewig, bis wir wieder unten an der Jugendherberge angekommen waren. Aber wir haben es beide heil geschafft und es hat sich mehr als gelohnt, diesen Abstecher noch mitzunehmen. War echt der Wahnsinn!

Nach einer kurzen Verschnaufpause und lecker Eis hieß es dann aber noch die letzten 3,5km des West Highland Ways bis nach Fort William zu bewältigen. Das schafften wir dann natürlich auch noch lässig und konnten uns so voller Stolz vor dem abschließenden Schild der Kamera präsentieren. Zur Feier ging es dann erstmal in ein Pub im Stadtzentrum auf ein Bier und gehackten Rindfleisch. Ein weiteres echt britisches bzw. schottisches Gericht.

Um 19:10Uhr befanden wir uns dann überglücklich im Bus nach Glasgow. Unterwegs konnten wir noch ein paar schöne Eindrücke der Highlands bei Sonnenuntergang mitnehmen. Nach 3 Stunden kamen wir in Glasgow an. Es galt wieder dieselbe Prozedur zu bewältigen wie bei der Anfahrt. Erstmal wieder quer durch die Stadt zum Hauptbahnhof laufen um den Zug nach Paisley zu schnappen, wo wir dann um 23:00Uhr ankamen. Es fuhr natürlich längst kein Bus mehr zum Wohnheim. Also Frage: Taxi oder laufen? Hm, jetzt sind wir schon so weit gelaufen, dann schaffen wir das auch noch! Also noch mal 4km oben drauf gelegt und zum Wohnheim gelaufen, wo wir den sehr verdutzten Steffen antrafen, der nun wirklich nicht mit uns gerechnet hatte.

War mal wieder ein grandioser Tag, genau wie die ganze Wanderung. Wirklich schade, dass es Steffen nicht auch geschafft hat. Das ist natürlich echt ein Makel. Aber wir hatten trotzdem wieder jede Menge Spaß zusammen und es war unglaublich erholsam, mal 6 Tage weg vom Bildschirm zu kommen und Natur pur zu genießen. Würde das ganze jederzeit wieder machen!

Fazit:
-------
gelaufen: 38km (17km davon Ben Nevis)
Abmarsch: ca. 07:30Uhr
Ankunft: ca. 23:45Uhr

gelaufen (gesamt): 181km in 6 Tagen

16.04.2009 West Highland Way - Lairigmor nach Fort William mit Ben Nevis

Keine Kommentare: