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Mittwoch, 22. April 2009

15.04.2009 West Highland Way - Von Bridge of Orchy nach Lairigmor

Tag fünf begann mit einem herrlichen Sonnenaufgang direkt vor unserem Zelteingang hinter den Bergen. Da steht man natürlich schon mal gerne auf. :) Nach dem Frühstück, Haferbrei wie immer, ging Steffen dann Abwaschen und Trinkwasser holen. Als er wieder zurückkam sah sein Gang schon nicht mehr so gut aus und als er dann meinte, dass es mit seinem Fuß nicht gut ausschaut sondern sich die Schmerzen beim Laufen sogar noch verschlimmerten war erstmal Ratlosigkeit angesagt. Alles hin und her überlegen half nichts, denn da wir bis zu diesem Punkt gerade mal knapp über die Hälfte der Tour hinter uns hatten, war auf die Zähne zu beißen und durchzuziehen (mit Ben Nevis!) wohl doch sehr optimistisch. Vor allem, wenn es noch schmerzhafter werden würde. So entschied sich Steffen schweren Herzens, an diesem Punkt das Handtuch zu werfen und komplett auszusteigen. Würde er versuchen wollen weiter zu wandern, hätten ich und Holger ihn natürlich unterstützt und geholfen. Aber es ist natürlich auch wahr, dass bei starken Schmerzen selbst die schönste Landschaft nicht mehr viel Wert ist, da man nur noch mit sich selber beschäftigt ist. Es folgte daher ein trauriger Abschiedsmoment und Holger und ich machten uns alleine Auf den Weg mit den letzten Worten: „Morgen Abend sehen wir uns wieder!“ :)

Was als verrückte Idee begann, beschlossen wir einfach mal in Angriff zu nehmen. Die eigenen Grenzen sozusagen voll auszutesten und das Ding in zwei Tagen abzuschließen. Wenn es natürlich nicht klappt, wäre auch nicht so schlimm, aber ein Versuch war es wert. Noch dazu hatten wir heute wieder traumhaftes Wetter, also gleich doppelten Grund einfach so lange zu laufen wie uns die Füße tragen. Die Etappe begann dann gleich mal mit einem starken Anstieg bis auf halber Höhe eines Gipfels. Von dort oben hatten wir einen wahnsinnigen Blick auf die vor uns liegenden Bergketten, die größtenteils noch schneebedeckte Gipfel aufwiesen! Das hätte ich echt nicht gedacht.

Es ging wieder bergab und der West Highland Way begab sich auf die alten Hauptverkehrsstraße, welche 1303 durch die Highlands gezogen wurde. Die willkürlich platzierten, spitzen Steine auf dem Weg waren auf Dauer wirklich eine Qual für die Füße, sodass wir bei jeder Gelegenheit auf die Wiese auswichen. Man kam wirklich ins Grübeln, wie das die Pferde damals durchgestanden haben. Die atemberaubende Landschaft mit mehreren Schneebedeckten Bergen um uns herum entschädigte aber alle Schmerzen und Blessuren. Wir hatten auch wirklich ein ziemlich gutes Tempo drauf. Uns viel es auch beiden leichter in einem flotteren Takt zu laufen. Spätestens hier haben wir endgültig alle Leute die wir vorher immer wieder mal getroffen haben, z.B. die Osterhasengruppe, hinter uns gelassen. Bei Tageskilometer 21 und um 14:00Uhr hielten wir dann eine etwas längere Mittagspause. Es gab Brot mit Wurst und Honig. Sehr lecker!

Da ja aber bekanntlich rostet wer rastet beschlossen wir auch schon bald darauf wieder weiter zu ziehen. Ein beeindruckender Berg jagte den nächsten und wir näherten uns den Devil’s staircases, einem serpentinenartigen Anstieg der zu den steilsten der ganzen Wanderung zählt und oben auf einer Bergkette endet, die den höchsten Punkt des West Highland Ways markiert, sofern man die Besteigung des Ben Nevis nicht mit einplant. Einem langen Aufstieg folgte ein noch längerer und nicht enden wollender Abstieg zum am Loch Leven gelegenen Ort Kinlochleven. Einer der größten Orte auf unserer ganzen Route. Dort angekommen wollten wir uns vielleicht irgendwo mit ein paar Sandwiches versorgen, um gleich wieder durchstarten zu können. Statt einem Laden entdeckten wir aber eine Fish & Chips Imbissbude und so tankten wir einfach noch ein wenig britische Esskultur. Kalorienhaltig und gut wie immer. Man spürte nun auch zum ersten Mal die Füße, aber da es noch immer ein so schöner Tag war, beschlossen wir noch mal alles zu geben und ein Stück weiter zu laufen. Auf der Karte haben wir zuvor ein auf 300 Meter gelegenes Tal zwischen Berggipfeln als Schlafplatz ausgewählt. Dort gab es eine alte Hausruine. Da wollten wir hin.

Aber erstmal musste von Höhenmeter 0 das Tal erreicht werden. Es galt also wieder ein ganzes Stück bergauf zu laufen. Ab der Hälfte spürte ich auf einmal einen Piecks in der Ferse, was wohl auf die große Belastung des Tages zurückzuführen war. Also Zähne zusammenbeißen und weiter geht’s. Oben angekommen hatten wir wieder einen grandiosen Blick auf den See im Tal und die umliegenden Berge mit der schon leicht rötlich am Himmel stehenden Sonne. Der Blick in das obere Tal, durch das wir weiterliefen und welches Lairigmor genannt wird, war wirklich unbeschreiblich. Trotz starker Ermüdungserscheinungen war es ein Genuss, hier noch ein paar Kilometer zu wandern. Ein paar Schafe leisteten uns am Wegesrand immer wieder Gesellschaft, bis endlich in der Ferne die Ruine auftauchte. Wurde aber auch Zeit. Sehr viel länger hätten wir wirklich nicht mehr durchgehalten. Wir waren jetzt mitten im Nirgendwo. Holger wollte noch zu Hause anrufen und jemanden zum Geburtstag gratulieren, aber wo man auch hinlief war kein Empfang.

So bauten wir einfach schnell das Zelt auf, da die Sonne immer schneller hinter den Gipfeln verschwand. Als wir unser Abendessen, Nudeln aus der Packung, zu kochen begannen, war es schon fast Nacht. Der stark auffrischende Wind stellte zusätzlich noch ein Problem für den ganzen Kochprozess dar. Aber irgendwie wurde das Essen dann schon warm. Völlig platt vielen wir dann in unsere Schlafsäcke. War echt ein geiler Tag! Schade nur, dass Steffen nicht dabei sein konnte.

Fazit:
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gelaufen: 42km
Abmarsch: ca. 08:30Uhr
Ankunft: ca. 19:30Uhr

15.04.2009 West Highland Way - Von Bridge of Orchy nach Lairigmor

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