Da bin ich also wieder. Frisch zurück aus der Hauptstadt Lusaka, wo wir uns etwas länger aufhalten mussten als zuerst geplant. Aber ich beginne einfach mal ganz von vorne.
Am vergangenen Sonntag morgen um 4Uhr in der Frühe brachen wir, die Freiwilligen Jean-Baptist, Andreas, Franziska und ich sowie unser Fahrer und Nachbar Lutz, auf, um die fast neunstündige, 650km lange Reise in die Hauptstadt zurückzulegen. Vor allem die ersten 250km ab Mpika sind aufgrund des schlechten Zustands der Straße äußerst mühsam zu fahren. Je mehr man sich dann Lusaka nähert, desto besser wird es. Nach unserer Ankunft besuchten wir dann zuerst einmal Günter und Katja, wo wir auch schon bei unserer Ankunft in Sambia vor drei Monaten vorbeischneiten. Zur Erinnerung: Günter arbeitet auch immer mal wieder bei der Diozöse mit (Elektroinstallationen) und wohnt während dieser Zeit ein Haus weiter. Danach bezog jeder seine Unterkunft. Lutz und Franziska schlupften bei Günter und Katja unter, während ich, Jean-Baptist und Andreas uns in einem Gästehaus ganz in der Nähe einquartierten. Ebenfalls das Selbe wie schon bei unserer Ankunft vor drei Monaten. Am Nachmittag ging es dann noch geschlossen auf eine Art wöchentlichen Flomarkt, welcher vor allem viele Souvenirs wie Tücher, Kleidungsstücke, Trommeln, usw. im Aufgebot hatte. Ich besorgte mir aber an einem Stand mit gebrauchten Büchern etwas neue Freizeitlektüre für die kommenden Wochen/Monate. Abends saßen wir dann noch gemütlich bei Günter und Katja zusammen und spielten ein wenig Karten.
Am Montag war dann also der große Tag des Botschaftsempfangs im Garten der Privatresidenz des Botschafters anlässlich dem 20 jährigen Jubiläum des Berliner Mauerfalls. Wir waren alle schon sehr gespannt darauf, was uns am Abend wohl erwarten wird. Am Morgen ging es aber erstmal für Jean-Baptist, Andreas und Franziska zur Einwanderungsbehörde um die Arbeitserlaubnis abzuholen. Ein dreistündiger Prozess den ich schon vor drei Monaten hinter mich gebracht hatte. Franziskas Arbeitserlaubnis war zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht draußen. Während die drei also auf die übliche bürokratische Geduldsprobe gestellt wurden, begleitete ich Lutz bei seinen Besorgungen um dabei auch dem Optiker einen Besuch abzusatten, dem eigentlich Hauptgrund für meinen Reise nach Lusaka. Dort wurde ich sogleich überrascht, dass auch hier wie bei uns Brillenreparaturen kostenlos sind. Alle Achtung! Der gut gekleidete Techniker schnappte sich daraufhin meine Brille und bog einfach mal an allen möglichen Ecken und Enden drauf los, was bei mir allmählich den Gedanken nährte, ob er sich eigentlich darüber im Klaren ist, was er da genau tut. Auf seine Aussage „Das ist wirklich ein sehr schöner und guter Rahmen.“ dachte ich mir nur, ich weiß und ich würde ihn auch gerne noch ein wenig behalten. Ich versuchte ihn darauf hinzuweisen, wo das eigentliche Problem liegt und ein paar Zangenkniffe später hatte er es tatsächlich geschafft, die Brille an einem Stück zu lassen und gerade zu biegen. Ich war wirklich begeistert! Während Lutz dann am Nachmittag seine Frau Phoebe vom Flughafen abholte, sie war drei Monate für einen Intensivsprachkurs bei seinen Eltern in Deutschland, bereiteten wir uns schon einmal auf die Party am Abend vor. Auf der Einladung stand „Kleidung: formal“, woraufhin ich mir noch ein Hemd von Lutz leihen musste. Unserem französischen Kollegen Jean-Baptist, welchen wir mit einer Einladung reinschmuggeln wollten deren offizieller Inhaber nicht kommen konnte, brachten wir noch ein paar Brocken Deutsch bei, wie Guten Abend, Dankeschön, usw., damit er beim Händeschütteln am Einlass auch ohne Probleme durchgelangt. Um 18Uhr startete dann schließlich das ganze Spektakel. Am Eingang zum Gelände schüttelte man die Hand der obersten Botschaftsmitarbeiter, sowie der Frau Botschafterin, bevor man sich schließlich im mit einem Zelt überdachten Garten wiederfand. Es war schon irgendwie ein komisches Gefühl. Knapp 400 Leute, davon mindestens die Hälfte geladene Sambier sowie Diplomaten aus aller Herren Länder, der Rest Deutsche. Alle fein rausgeputzt mit Sektgläschen in der Hand. Schon der vergleich mit Lusaka allein reichte um zu realisieren, dass man gerade irgendwie in einer Parallelwelt angekommen ist. Auch auf einmal so viele Deutsche wieder um einen herum zu haben war wirklich seltsam. Es folgte eine Rede des Botschafters, sowie des sambischen Finanzministers als Vertreter der Regierung. Danach war zuerst die Bar eröffnet, an der es von Erfrischungsgetränken über Säfte, Südafrikansichem Wein bis zu Bier aus Sambia und Nambia (wo das Bier als Überbleibsel aus der Kolonialzeit noch nach dem „Reinheitsgebot“ gebraut wird und wirklich wie ein Bier aus Deutschland schmeckt) alles gab was das Herz begehrt. Nachdem sich jeder hier gut eingedeckt hatte folgte der zweite Streich, die Eröffnung des Buffets. Und was für eins. Das ganze war bestimmt gute 20m lang und es gab wirklich alles, was die (Süd-) Deusche Küche so zu bieten hat. Als Hauptgang wurden Bratartoffeln, Spätzle, Curry-Wurst, Gulasch, Reis, Züricher Geschnetzeltes, Pute, Gemüseauflauf sowie etliche Salate, u.a. Gurkensalat, Karrottensalat und Kartoffelsalat aufgefahren. Das Desert stand dem ganzen mit Mousse au Chocolat, Plätzchen, Käsekuchen, Bananenjoghurt und vielem mehr in nichts nach. Drei volle Teler, inkl. Desert, schaffte ich zu verdrücken, danach war Schicht im Schacht. Das Essen wurde von einem Deutschen Restaurant in Lusaka geliefert, dessen sambische Mitarbeiter in perfekter Aussprache der Speißen einem das Teller füllten. Man kann also sagen, ich bzw. wir sind mehr als auf unsere Kosten gekommen. Gegen 21Uhr war das ganze dann auch schon wieder vorbei und wir machten uns wieder auf den Rückweg. Es war aber wirklich nett, neben Lutz, Günter und co., die man ja schon kannte, noch ein paar andere Deutsche kennen zu lernen, von denen man teils auch schon gehört hatte und zu erfahren, was sie in Sambia so machen, wie sie leben und sich in der hießigen Gesellschaft zurechtfinden.
Am Dienstag wollten wir, vor allem Lutz, dann eigentlich die letzten Besorgungen in Lusaka erledigen, um evtl. am Mittwoch wieder aufzubrechen. Besorgungen in Lusaka zu machen ist aber alles andere als planbar, was mitunter daran liegt, dass man um in eine andere Himmelsrichtung der Stadt zu gelangen jedes Mal über das Zentrum fahren muss, wo sich alle Straßen treffen. Das Verkehrschaos ist also vorprogrammiert, vor allem im Berufsverkehr am Morgen, zur Mittagszeit und am späten Nachmittag. So kann es mitunter schonmal vorkommen, dass man zwischen den Geschäften geschlagene zwei Stunden im Auto verbringen muss. Es kam wie es kommen musste und bis zum Abend war noch lange nicht alles erledigt. Der nächste Tag musste also ebenfalls noch in Lusaka verbracht werden. Zum Abendessen holten wir uns alle Pizza, ein Pflichtprogramm für Lutz wenn er in Lusaka ist, da es hier die einzigen Pizzaläden im Land gibt. Bereits beim verzehr beschwerte sich aber vor allem Lutz über den komischen Geschmack, dachten uns allerdings nichts besonderes dabei.
Tagsdarauf beschlossen wir, die Freiwilligen, den extra Tag zu nutzen und anstatt mit Lutz und seiner Frau durch die Stadt zu irren lieber sebst ein wenig das Zentrum zu Fuß zu erkunden. Bereits beim Aufstehen klagte Andreas allerdings über Unwohlsein. Jean-Baptist, der in einem anderen Zimmer untergebracht war, kam gar nicht erst heraus und verkündete stattdessen per SMS, dass er die Nacht mit wenig Schlaf und viel Zeit auf dem stillen Örtchen verbrachte und ihm noch immer flau im Magen ist. Er bleibe lieber daheim. Andreas wollte trotzdem mit und so machten wir uns auf den Weg zu Günters Haus, wo wir uns mit dem Rest verabredeten. Dort angekommen trafen wir auf dem ebenfalls erkrankten Lutz, der die gleiche Nacht wie Jean-Baptist durchlebte. Seiner Frau Phoebe ging es am Morgen noch gut, allerdings wich im Laufe des Tages auch bei Ihr das Wohlbefinden. Lediglich ich und Franziska waren noch auf dem Damm und beschlossen einfach alleine in die Stadt aufzubrechen, während der Rest sich etwas ausruhen wollte. Mit einem der engen Minibusse, die hier das öffentliche Verkehrsnetz bilden, machten wir uns also auf den Weg ins Zentrum von wo aus wir weiter zu Fuß die Stadt erkunden wollten. Bei unserem Fußmarsch sind wir durch so manches Gebiet gekommen, in welches sich wohl kein Tourist (viel gibt es ja ohnehin nicht) mehr verirrt. Wie die Menschen dort zwischen all dem Müll (hier wird überall, auch in Mpika, der Müll einfach in Gruben geworfen und wenn sie voll sind verbrannt, teilweise Leben ist schon der Wahnsinn. Man sieht auch viele Obdachlose und Straßenkinder. Das ganze ist manchmal echt beklemmend und man weiß auch gar nicht so recht, wie man zum Beispiel mit einem Straßenkind das einen anbettelt umgehen soll. Dazwischen kommt man dann immer wieder an kleinen aber auch riesigen Märkten vorbei, wo es wirklich kunterbunt und chaotisch zugeht. Viele Menschen versuchen natürlich einem permanent was anzudrehen. Die meisten sind aber trotz allem nicht sonderlich aufdringlich und wenn man freundlich ablehnt, lassen sie einen auch schon wieder in Ruhe. Zum Beispiel wollte mir ein mit Gürteln behangener Verkäufer einen mit einer protzigen Obama Schnalle andrehen. Der würde mir super stehen. Ich sagte, dass ich schon einen habe und keinen neuen Benötige. Daruafhin wollte er meinen sehen und sagte, seiner sei doch viel besser. Wir unterhielten uns noch kurz und verabschiedeten uns schließlich mit einem Scherz wieder voneinander. Ohne neuen Gürtel. :) Vollbepackt mit neuen Eindrücken kehrten wir daraufhin am sptäten Nachmittag wieder zurück zur Invalidenstation. Unsere Patienten hatten mittlerweile eine Tour zum Krankenhaus hinter sich mit der Diagnose: Amöben, welche wohl von der Pizza kamen. Nach einer eintägigen Entwurmungskur und Antibiotika waren sie aber am nächsten Tag wieder alle auf dem Dampfer.
Nachdem am Donnerstag wie bereits erwähnt wieder alle einigermaßen Fit waren, beschloss Lutz mit seiner Frau am Morgen alleine in die Stadt aufzubrechen um mit etwas Glück zur Mittagszeit wieder zurück zu sein, was uns ermöglicht hätte noch am selben Tag zurück nach Mpika zu fahren (lange Nachtfahrten sind aufgrund der erwähnten Straßenverhältnisse und der vielen Menschen am Straßenrand nicht empfehlenswert). Auch dies sollte allerdings nicht gelingen und Lutz kehrte erst am späten Nachmittag wieder aus der Stadt zurück. Wir vertreiben uns derweil zu viert die Wartezeit im Haus mit Lesen oder Karten spielen. So verbrachten wir also noch eine (halbe) Nacht mehr in Lusaka und brachen schließlich am frühen Freitag Morgen um 4Uhr wieder richtung Norden auf wo wir, wie man lesen kann, gegen Nachmittag zwar leicht geschafft aber an einem Stück wieder ankamen. Am darauffolgenden Samstag, ein halber Arbeitstag für mich, nahm ich mir dann aufgrund anhaltendem Dieselmangel frei. Selbst in Lusaka war es schwer, Sprit aufzutreiben. Man konnte jedoch an den Meterlangen Schlangen gut erkennen, welche Tankstelle gerade mal wieder für einen halben Tag Sprit hatte. Mal schaun, wie es wohl morgen in Mpika ausschaut. Ich wünsch euch allen jedenfalls einen guten Start in die neue Woche (sofern ihr dies noch rechtzeitig lest :) ) und ich melde mich wieder. Dann hoffentlich noch immer Amöbenfrei. ;)
Ach ja, es gibt natürlich auch Bilder zu den ganzen Tagen. Auf die müsst ihr euch allerdings noch ein weilchen gedulden, da wir vor allem mit Franziskas Kamera Bilder geschossen haben, sie jedoch gleich von einem Auto ins nächste umgeladen wurde und nach Chalabesa weiterfuhr. Daher hatten wir noch keine Gelgeneheit, die Bilder zu tauschen. Diese folgen dann aber in ca. 2 Wochen, wenn sie mal wieder für ein, zwei Tage in Mpika weilt.
Das Wetter in Sambias Hauptstadt
(manchmal gibt es keine Daten oder sie sind verzögert)
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Sonntag, 15. November 2009
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