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Sonntag, 6. September 2009

Beginn der Arbeit am Hospital in Chilonga

Mwashibukeni (Guten Morgen) bzw. Chungulopomukwai (Guten Tag) Frau/Herr Leserin/Leser meiner neuesten Blogzeilen!

Fast 2 Wochen sind seit meiner letzten Meldung nun schon ins Land gezogen und es hat sich wieder einmal einiges zugetragen. Hier also mal wieder ein paar Infos, um euch auf den Stand der Dinge zu bringen.

Wie man sieht, habe ich den letzten Tagen Fortschritte in Sachen Bemba, der lokalen Stammessprache hier in der Provinz, gemacht. In ganz Sambia werden immerhin 72 verschiedene Stammessprachen und Dialekte gesprochen, die meist verbreiteten sind aber Nyanja und eben Bemba. Englisch ist jedoch die offizielle Hauptsprache und wird in irgendeiner Art und Weise von eigentlich allen gesprochen, es sei denn man befindet sich in einem sehr abgelegenen Dorf. Da sich jedoch alle hier untereinander in ihren regionalen Sprachen unterhalten, ist es denke ich aber auch Pflicht für jemanden, der hier länger lebt, zu versuchen so viel wie möglich von der einheimischen Sprache sich anzueignen. Jeder hier war sofort sehr aufgeschlossen und will mir neue Wörter beibringen. Ich hätte schon eine sehr gute Aussprache. Sieht also gut aus. Mal schauen, ob es in diesem Tempo weitergeht.

So, was habe ich in den zwei Wochen sonst noch so getrieben. Vorletzte Woche war Nyoka, der mich einweisen und alles zeigen sollte, ja die ganze Woche in der Hauptstadt Lusaka. Das bedeutete für mich, dass ich in der Woche hier auf dem Gelände der Diozöse einfach geholfen habe, wo gerade was anstand. Ende der Woche wurde etwa eine defekte Solarpumpe aus Nabwalia, einem Dorf im tiefsten Busch wo sich eine kleine Krankenstation der Diozöse befindet. Diese haben wir dann gemeinsam auseinander genommen und wieder repariert. Oder am Sonntag sind ich und Günter, ein Elektroniker der gerade aus Lusaka hier ist um bei einem Hausbau mitzuhelfen, noch schnell zu einem Waisenhaus aufgebrochen, weil sich bei denen am Morgen fast ein Kabelbrand ereignete. So gab es halt immer was zu tun.

Die Woche darauf war dann Nyoka aus Lusaka wieder zurück und gleich am Montag fuhren wir gemeinsam nach Chilonga. Chilonga ist ein Dorf mit ca. 1500-2000 Einwohnern, in dem sich das große Krankenhaus der Diozöse und Zentrale für alle kleinen Krankenstationen in den abgelegenen Regionen befindet. Dort soll ich auch den Großteil meiner Arbeit in der Wartung aller Anlagen und dem gesamten Komplex verbringen. Zusammenarbeiten werde ich mit einem Flaschner, Moses, sowie zwei Elektrikern, Rambo und einem, dessen Namen ich mir leider noch immer nicht behalten konnte. Die drei zeigten mir zuerst das gesamte Krankenhaus mit all seinen Bereichen, anschließend die Versorgungsanlagen wie die Generatoren und das eigene Wasserreservoir. Danach folgte noch ein Rundgang durch die Schwesternschule. Die drei sind also verantwortlich für die gesamte Versorgung des Krankenhauses und stehen 24h auf Abruf bereit, sollte einmal etwas ausfallen. Dazu gehöre nun auch ich, auch wenn ich natürlich vorerst mal nicht auf Abruf bereit zu stehen habe. Dazu kenne ich mich noch lange nicht genug aus. Jedenfalls ging es die Woche sogleich los mit den verschiedensten Arbeiten. Z.B. Schlösser oder kleinere Wasserleitungen austauschen. An den Anschlussstellen der Leitungen sollte natürlich ein kleiner Dichtring noch angebracht sein, welche jedoch nicht vorhanden war. Mit einer Messerklinge aus dem OP und einem alten Schlauch eines Autoreifens war die Bastelstunde also eröffnet. Das Ergebnis war nicht gerade ästhetisch, erfüllte jedoch seinen Zweck. Rambo zeigte mir dann noch, wie man mit Schrauben umgeht, die nicht mehr ganz reinzudrehen sind. Man benötigt nur einen Hammer und etwas Muskelkraft. Naja, mal sehen ob ich ihm diese Taktik noch ausreden kann. :) In der Mittagspausen zeigte mir Moses immer ein wenig Chilonga. Wir aßen etwas und setzten uns vor die Bar (ohne Alkohol natürlich) und unterhielten uns mit seinen Freunden, was streckenweise wirklich sehr amüsant war. Gibt es mittlerweile nur einen Präsidenten für Ost und West? Wenn es in Deutschland keine großen Mienen mehr gibt, sind wir dann alle Bauern? Wie, Prostitution in Deutschland ist wirklich legal? Und und und. Ich stand natürlich für alles gerne Rede und Antwort.

Es lief also alles Bestens und die Arbeit in Chilonga machte echt rchtig Spaß. Am Mittwochabend kam dann aber der Hammer. Bereits vor dem ins Bett gehen fühlte ich mich ein wenig unwohl. Dachte mir jedoch nicht viel dabei. Im Bett dann hatte ich ein paar heftige Fieberschübe. Entweder war mir brutal heiß oder ich fror. Dann hatte ich dazu noch immer das Gefühl, als müsste ich mich übergeben. Auf dem Weg zur Toilette bekam ich dann noch einen Krampf in die Beine und konnte kaum noch laufen. Ich habe die ganze Nacht fast kein Auge zugemacht und dachte sofort, dass es Malaria sein könnte weil ich mich von einer Magenverstimmung noch nie so schlecht gefühlt hatte. Tags darauf war mir dann schwindelig und ich hatte Gliederschmerzen. Wenigstens das fiebrige Gefühl war verschwunden. Ich wollte trotzdem unbedingt einen Malariatest machen, um ganz sicher zu gehen. Also wurde ich wieder nach Chilonga gefahren und mein Blut wurde untersucht, was zweimaliges Blutabnehmen bedeutete. Ich war natürlich weniger begeistert, aber genauso wenig wollte ich eine Malaria verschleppen. Glücklicherweise war das Ergebnis negativ und ich hatte bzw. habe nur einen starken bakteriellen Infekt. Dabei habe ich am Mittwoch nicht einmal an der Straße gegessen sondern lediglich morgens und abends in der Kantine auf dem Diozösengelände in Mpika, wo ich zuvor schon mehrmals gegessen hatte. Also muss es wohl dort vom Abendessen kommen. Jetzt bin ich auf Antibiotika und Gott sei dank ging es seither stetig bergauf. Mein Mgen ist zwar noch etwas sensibel, aber heute fühlt es sich zum ersten Mal wieder richtig gut an. So musste ich also gleich zu Beginn drei Tage (Do, Fr, Sa) krank machen. Naja, dafür bin ich jetzt wieder einigermaßen fit und morgen geht es dann vermutlich nach Mulilansolo. Das ist ebenfalls ein Dorf mit einer kleinen Buschklinik, ähnlich wie Nabwalia. Wie ich schon in meinem ersten Eintrag geschrieben habe, geht es dort um Solaranlagen, die nicht mehr richtig funktionieren. Da bin ich auch schon sehr gespannt drauf.

Ansonsten habe ich mich weiter in Kultur und Leute eingelebt. Auch wenn ich es mir noch nicht getraut habe, im belebten Zentrum von Mpika ein Foto zu machen. Irgendwie hab ich da ein ganz komisches Gefühl, das man gar nicht so recht beschreiben kann. Vermutlich mache ich mir da selbst die meisten Gedanken. Naja, mit der Zeit wird sich das bestimmt legen und dann kann ich euch noch mehr Eindrücke präsentieren. Ein paar Bilder von den zwei Wochen habe ich aber noch zusammengekratzt und die könnt ihr wie gewohnt weiter unten betrachten. Ich hoffe, euch geht’s auch allen gut! Ich fühle mich noch immer sehr wohl hier, daran kann auch der kleine Infekt nichts ändern.

Erste Eindruecke vom Hospital in Chilonga und mehr