Lange ist es her und ich weiß, dass manche schon sehr auf diesen Eintrag warten. Hier ist sie also, meine erste Nachricht aus Mpika/Sambia. Es hat nach meiner Ankunft ein ganz schönes Stück gedauert, bis ich mich mal wieder melden konnte, aber besser spät als nie wie man so schön sagt. ;) Erst mal noch an alle die es nicht wissen: Die Diplomarbeit habe ich gut über die Bühne gebracht, Schottland war eine verdammt schöne Zeit (siehe auch vorherige Einträge :) ), mein Diplom habe ich in der Tasche und somit stand vor meiner Abreise dem Freiwilligendienst nichts mehr im Wege. Nun bin ich schon fast eine Woche hier und man, was für ereignisreiche erste Tage, aber fangen wir doch mal ganz von vorne an:
Wir schreiben das Jahr 2009 und befinden uns im 8. Monat der Jahreszählung. An Tag 15 um 22:35 macht sich ein arbeitsloser Diplommathematiker (FH) aus dem Süddeutschen Raum vom hessischen Luftraumbahnhof Frankfurt/Main auf, für ein Jahr einen Freiwilligendienst in Sambia (Südhalbkugel/Afrika) zu absolvieren. Der Abschied von Freunden und Verwandten zuvor und vor allem von der Freundin (Tanja ;) ) am Flughafen fiel alles andere als leicht, aber so hat er es gewollt. Begleitet haben Ihn noch zwei andere Freiwille, Susanne und Franziska, die über die gleiche Organisation sich ins goße Unbekannte aufmachten, aber in anderen Projekten tätig sind. So, genug rumgesponnen, ich geh mal wieder in die Ich-Form über. :)
Der Flug war über South African Airways gebucht und sollte mit einem Zwischenstopp in Johannesburg weiter nach Lusaka, der Hauptstadt von Sambia, gehen. Also einmal über Sambia drüber und dann nochmal 2h zurück. War aber der günstigste Flug, also nimmt man das eben in Kauf. ;) Am Flughafen dann die erste Überraschung: Der Flug nach Johannesburg geht mit der Lufthansa. South African Airways ist nämlich eine Tochter der Lufthansa, weshalb dies keine ungwöhnliche Aktion war. Jedenfalls hätte ich es mir im Traum nie gedacht, einmal mit der Lufthansa zu fliegen. Sonst sind die ja preislich oft am oberen Ende angesiedelt. An Board dann das perfekte Deutschland in der Luft. Deutscher Pilot, Deutsche Flugbegleiterinnen- und Flugbegleiter, der kleine Bauer als Nachtisch und über den Bildschirm flackert die Warsteinerwerbung, natürlich auch auf Deutsch. Nur mein Platz, eingeengt zwischen einer Holländerin und einer Südafrikanerin, war mäßig, aber zumutbar. Zum Essen gabs dann nen schönen Weißwein, man will ja schließlich bei 10h Flug über Nacht auch ein wenig die Äuglein schließen, da kann ein Betthupferl gar nicht schaden. Während dem Essen liefen die Flugbegleiterinnen- und Flugbegleiter sogar noch mit den Weinflaschen durch und boten einen Aufguss an. Zugeschlagen! ;) Jedenfalls war das alles nach meinen letzten Ryanair Flügen mal wieder eine wahre Wonne. So muss Fliegen eben sein. Der Flug selbst verlief ebenfalls problemlos. Mit den großen Fliegern ist es irgendwie immer am angenehmsten. Lediglich über dem Kongo gab es ein paar stärkere Turbulenzen, die uns zum Anlegen des Sicherheitsgurtes zwangen. Schlaf habe ich jedoch trotz Wein eher wenig abbekommen. An einem Punkt hatte ich es endlich geschafft einzuschlafen, da riss mich wenig später die Südafrikanerin freundlich aber bestimmt aus dem Ruhezustand, um die Toiletten aufsuchen zu können. Danach konnte ich dann nicht mehr schlafen. Naja, so ist das eben.
Der Umstieg in Johannesburg verlief problemlos und dieses Mal saßen wir drei zusammen in einer Reihe im Flieger nach Lusaka. Spätestens jetzt fing nun das Bauchkribbeln an. Die Zeit verging schneller als gedacht und schon befanden wir uns wieder im (etwas turbulenten) Landeanflug. Von oben bekam man noch einen Eindruck, wie riesig Lusaka eigentlich ist. Immerhin leben hier fast ein drittel aller Sambier. Abgesehen von den paar Vorzeigegebäuden im Stadtkern, besteht die Stadt aber aus vielen Wellblechhütten. Wie in vielen Ländern mit einer großen, ärmeren Bevölkerungsschicht, pilgern eben auch viele Sambier aus dem ganzen Land von ihren Dörfern in die Hauptstadt in der Hoffnung, hier mehr Geld zu verdienen. Dies gelingt aber natürlich leider nur den wenigsten.
Nach unserer Ankunft mussten wir uns erst einmal in die Schlange bei der Immigration einreihen. Nach einigen Minuten des Wartens durften wir dann an einen anderen Schalter wechseln, welcher eigentlich für “VIP’s und Diplomaten“ reserviert war. Hört, hört! Die Einreise ging überraschend schnell über die Bühne. Nicht einmal eine Bestätigung der zwingend notwendigen Gelbfieberimpfung wollten sie sehen. Zu unser aller Erleichterung hat es auch unser Gepäck bis nach Lusaka geschafft. Am Ausgang dann erwartete uns bereits Lutz mit einem Zettel in der Hand. Lutz hatte ebenfalls 1998 einen Freiwilligendienst für ein Jahr absolviert. Sogar bei der gleichen Stelle wie ich jetzt. Danach hat er noch für ein Jahr in einem Nationalpark gearbeitet und ist dann nach Deutschland zurückgekehrt. Seit 2003 ist er nun wieder in Sambia, hat sich in Mpika als Computerfachmann (aufbauen von Internetverbindungen, etc pp) selbstständig gemacht und ist mit einer Sambierin verheiratet. Er betreut unter anderem die Diözese von Mpika, bei der ich tätig sein werde, in Sachen Internet/Computer/Netzwerk.
Der weiter Plan sah nun wie folgt aus: Statt wie zuerst gedacht nur eine Nacht in Lusaka zu verbringen um dann am nächsten Tag nach Mpika zu fahren, blieben wir zwei, um alle organisatorischen Dinge zu erldigen und Lutz musste noch ein paar Sachen besorgen. Zuerst einmal machten wir uns auf den Weg in unser Gästehaus. Wir waren in der Gossner Mission untergebracht, was früher wohl ein Gelände der katholischen Kirche war. Heute werden die Gebäude als Gästehäuser vermietet. Auf dem Weg tauchten wir schon in eine komplett andere Welt ein. Straßen, Autos, die Menschen, einfach alles ist komplett anderes. Links und rechts der unbefestigten Straße laufen Fußgänger und fahren Radfahrer. Hin und wieder findet sich ein kleiner Obst und Gemüsestand am Straßenrand und an roten Ampeln laufen Händler zwischen den Autos umher und verkaufen Obst, Gemüse, Zeitungen, Aufladekarten fürs Handy, Gürtel, Rolexuhren (natürlich alle Original! ;) ), Hosen, Schraubenschlüssel, Sonnenbrillen, Klobürsten und und und. Ist eine Ampel zu lange Rot wird einfach der Warnblinker reingehauen um zu signalisieren „die Ampel funktioniert nicht mehr“ und es wird losgebrettert. Zebrastreifen sind natürlich auch hier, wie so ziemlich überall außerhalb Deutschlands, reine Straßenmalkunst. Die Straßen sind meist geteert, jedoch gibt es auch einige Sandpisten gespickt mit Schlaglöchern. Als wir an der Unterkunft ankamen luden wir schnell das Gepäck ab und es ging gleich weiter an das andere Ende der Stadt zu Josef, einem Kunden von Lutz der Ihn für ein paar Wartungsarbeiten herbeordert hatte. Josef ist Deutscher, lebt nun bereits seit über 30 Jahren in Sambia und betreibt einen eigenen, großen Schlachthof mit ca. 150 Angestellten. Eigentlich ist er gar kein Metzger, jedoch hatten er während eines Freiwilligendienstes in Südamerika mit ein paar anderen das Schlachten angefangen, da sie mit der Zeit Lust auf eine deutsche Wurst bekamen. Aus Lateinamerika wurde dann Sambia und aus privater Schlachterei wurde eine Großmetzgerei mit Kunden in ganz Sambia und sogar im Kongo. Er zeigte uns noch seinen Schlachthof, inkl. vor einem Tag geschlachterter Kühe. Seine Ware würde man glaube ich in vielen Metzgereien Deutschlands nicht mehr zu dieser Qualität bekommen, da hier alles noch reine Handarbeit und ohne Chemie ist. Zum Abschied schenkte er uns noch ein paar Bierstengel zum „dran lutschen“ :) Die waren echt saugut! Vor der langen Fahrt nach Mpika empfahl uns Lutz, mit einheimischen Essen hier in Lusaka noch etwas vorsichtig zu sein, um nicht mit 2h mehr im Gepäck und einer großen Rolle Toilettenpapier die Reise antreten zu müssen. Man weiß ja nie, wie es jeder so verträgt. So holten wir uns auf dem Heimweg noch jeder eine Pizza (die jedoch komplett anders aussah und schmeckte als jede andere Pizza die ich bisher as), nach der sich vor allem Lutz schon sehr sehnte ;) (der einzige Pizzastand in Sambia befindet sich in Lusaka) und ein paar Bier, um den Abend auf der Veranda vor unserer Unterkunft ausklingen zu lassen. Nachts soll man schließlich nicht mehr in Lusaka unterwegs sein, da die Kriminalitätsrate doch beträchtlich ist. Das Tehermometer sank nach dem Sonnuntergang beachtlich auf unter 10°. Es ist ja schließlich noch das Ende des Winters. Es regnet zwar eigentlich nie (ich hatte bis jetzt nur klaren Himmel), dafür wird es tierisch kalt in der Nacht. Lange Hose und Jacke waren bzw. sind also Pflicht! Ganz Sambia befindet sich oberhalb von 1000m und es geht eigentlich immer ein Lüftchen. In Lusaka befanden wir uns auf stolzen 1300m. In Mpika, von wo aus ich gerade schreibe, sind es schon ganze 1800m. Zum Thema Bier sei noch erwähnt, dass Sambia was den pro Kopf Konsum von Bier anbelangt in der Welklasse mitspielt. Ein Bierchen am Abend ist daher eine der Standardbeschäftigungen von Sambiern. Sozusagen also ein standesgemäßer Abschluss des Tages.
Tags darauf tastete ich mich etappenweise am frühen Morgen in die eiskalte Dusche vor. Aufgrund der ohnehin kühlen Temperaturen eine echt Überwindung, aber wenigstens war ich danach top fit! Um 07:45 machten wir uns auf den Weg zur Verwaltung der gesamten katholischen Kirche in Sambia, welche auch zuständig für die Beantragung meiner Arbeitsgenehmigung war. Der Kollege, der hierfür zuständig ist, hatte Lutz in all den Jahren noch nie zu Gesicht bekommen, da er anscheinend ständig außer Haus zu sein scheint. Immerhin wäre es auch sein Job, mit mir dann zur Einwanderungsbehörde zu gehen um die Genehmigung abzuholen. Wir hatten Glück und trafen ihn in der Verwaltung sogar an. Nach gemächlichem durchstöbern der Akten kam heraus, dass meine Arbeitserlaubnis schon durch sei und abgeholt werden kann. Die Frage, ob er mich dorthin begleiten würde, wich er allerdings gekonnt aus. So mussten wir also auch dies wieder alleine in die Hand nehmen. Bevor die Einwanderungsbehörde Ihre Pforte öffnete, erledigten wir noch ein paar Einkäufe von Lutz. Bei der Behörde später lief dann alles problemlos. Der Sachbearbeiter durchwühlte seinen Schrank, welcher vollgestopft mit Schnellheftern aus Karton war und fand ein zerflettertes Exemplar mit meinem Namen darauf. Ein Stempel hier, eine Kopie da, eine Unterschrift dort und nach einem Wechsel zu einem anderen Sachbearbeiter, welcher mir dann noch einen neuen Stempel in den deutschen Pass drückte, war es dann geeschafft und ich kann nun ganz offiziell als Freiwilliger loslegen. Der Nachmittag war weiteren Besorgungen von Lutz gewidtmet. Währendessen versuchten wir, eine Sim-Karte für unsere Handys aufzutreiben, was wirklich leichter gesagt als getan ist. Die ersten 5 Läden die wir ansteuerten hatten keine mehr. Alle vergriffen. Schließlich fand ich noch eine an einem kleinen Straßenstand (die letzte), während Susanne und Franziska Ihr Glück an einer Tankstelle versuchten, die sich wenige Meter weiter befand. Kurzerhand wurde ich mal wieder an der Straße um 30cent beschissen. Naja, so ist das halt wenn man sich noch nicht auskennt. Nachdem dann alle Besorgungen abgeschlossen waren, kauften wir uns im Supermarkt noch das Abendessen, welches wir heute selber kochen wollten. Maccaroni mit Tomatensoße. ;) Zuvor besuchten wir aber noch „kurz“ Günter und Katja, zwei Deutsche die ebenfalls in Lusaka leben. Günter hatte gemeinsam mit Lutz 1998 einen Freiwilligendienst bei der Diözese von Mpika gemacht und arbeitet nun weiterhin in verschiedenen anderen Projekten in Sambia mit. Seine Frau, Katja, ist beim DED (Deutscher Entwicklungsdienst) tätig und betreut dort unter anderem die Freiwilligen des DED in Sambia. Jedenfalls wurde aus kurz schließlich lang und wir kamen gegen 21:00 wieder in unserer Unterkunft an, wo wir erst kochten und dann noch ein paar Bierchen tranken. In Sambia hat übrigens so ziemlich jeder einen Hund und natürlich keinen Mops ;). Auf dem Gelände des Gästehuses laufen gleich drei bis vier frei herum, die sch permanent mit anderen Hunden zofften. Günter und Katja haben ebenfalls einen. Eine ganz schöne Umstellung wenn man, so wie ich, vor Hunden eigentlich ziemlichen Respekt hat. Ich kann es eben immer schlecht einschätzen wenn einer auf mich zurennt, ob er sich jetzt freut oder mich attackieren will. So geschehen bei Günter und Katjas Hund. Der hatte sich aber glücklicherweise nur gefreut. Einer der Hunde bei der Diözese in Mpika, Captain, hatte dem letzten Freiwilligen nach einem halben Tag in die Brust gebissen. Er ist jetzt zum Glück aber angekettet und auch bei allen als abslouter Psychohund verschrien. Es soll sogar schon vorgekommen sein, dass er einfach so die Wand anbellt.... :)
Tagsdarauf stand nun also die große Fahrt durch den Busch nach Mpika an. Das ganze dauert, wenn alles glatt läuft, 8h Stunden und sollte aufgrund der vielen Schlaglöcher unbedingt bei Tageslicht stattfinden. Deshalb war die Abfahrt auf 06:30 angesetzt, da wir zuvor nochmals bei Josef vorbei mussten, um dann noch rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit in Mpika anzukommen. Die kalte Dusche war noch immer keine Gewohnheit, aber da musste man eben durch. Nachdem wir nochmals bei Josef waren, Lutz noch ein paar Einstellungen am Computer machte und wir währenddessen den ganzen Arbeitstrubel mitbekamen, machten wir uns also auf den Weg. Kaum hatten wir die Stadt verlassen, sah man am Straßenrand jede Menge kleinerer Dörfer, in denen viele Menschen noch in Lehm- und Strohhütten leben. Man sah Leute, die aus den Brunnen Wasser pumpten oder Frauen, die teilweise ganze Stapel von schweren Ästen auf Ihren Köpfen umhertrugen. Am Horizont stiegen immer wieder Rauchwolken von Buschbränden auf und in größeren Siedlung verkaufte ein kleiner Stand am anderen lokales Obst oder Gemüse am Straßenrand. Zu Beginn der Reise waren Tomaten der Hit, gefolgt von Honig bis zu Speiße- und Süßkartoffeln kurz vor Mpika. Ich kam oftmals aus dem Staunen fast nicht mehr heraus. Das war wirklich eine ganz andere Welt, in die wir da fuhren. Hin und wieder begegneten wir einem Unfall oder ein Fahrzeug hatte eine Panne. Um die Gefahr anzuzeigen, liegen einige Meter vor und nach der Stelle jede Menge Äste und Zweige auf der Straße, sozusagen als Warndreieck. Nach 2/3 des Weges hörte dann die gut befestigte Straße auf und es ging auf einer grobasphaltierten Straße mit einigen sehr tiefen Schlaglöchern weiter. Neben der Straße liefen permanent Menschen, die zum Teil wieder halbe Bäume umherschleppten. Nach 8h und dem passieren der letzten Polizeisperre kamen wir dann endlich in Mpika an. Dort fuhren wir zuerst einmal auf das Gelände der Diözese, wo nun auch mein Zuhause sein wird. Dort gibt es neben dem Haus in dem ich jetzt wohne noch eine ganze Menge anderer für die ganzen Menschen, die dort arbeiten und auch für die ganzen Geistlichen, u.a. dem Bischof. Die Angestellten arbeiten entweder in der Werkstätte (KFZ-Werkstatt, Schreinerei, Bauarbeiten oder Elektroinstallationen [dort werde auch ich sein]), den Stallungen (hier werden unter anderem Esel zum Lastentragen trainiert, die dann in den abgelegenen Dörfern eingesetzt werden sollen) oder in der Verwaltung. All diese Einrichtungen befinden sich ebenfalls auf dem Gelände. Nach einer kurzen Erkundung meines neuen Reiches und ersten Beschnupperungen der Hunde (Bella, Foxy, Captain und Kosha) die hier frei rumlaufen, außer unser Psycho Captain natürlich, ging es weiter zum „Village of hope“, einem Waisenhaus für AIDS-Waisen in Mpika, wo Susanne Ihren Frewilligendienst absolvieren wird. Anschließend haben wir noch Franziska zu den Schwestern gebracht, mit denen Sie dann in ein kleines Dorf weiter in den Norden gefahren ist, wo sie die dortigen Kinder und Jugendlichen betreut. Den restlichen Abend habe ich dann noch ein wenig mit Lutz verbracht, welcher gelichzeitig mein Nachbar ist und mich in meinem Zimmer ein wenig eingerichtet.
Am nächsten Tag wurde ich erst einmal allen Arbeitern in der Werkstätte vorgestellt. Echt ein lustiger Haufen und alle waren sehr freundlich. Darunter auch Nyoka, der hier der Hauptverantwortliche für die Elektroinstallationen ist und mit dem ich viel zusammenarbeiten werde. Danach fuhr ich gemeinsam mit Lutz noch die gesamte Stadt ab, damit ich mich ein wenig orientieren kann. Mpika hat mit allen umliegenden Gebieten ca. 20 000 Einwohner. Die Stadt ist in den letzten 5 Jahren fast explosionsartig gewachsen. Damals gab es in ganz Mpika noch ungefär 10 Autos. Heute sind es enige mehr, wenn auch noch immer die wenigsten ein Auto besitzen. Trotz der Größe kam mir Mpika beim Erkunden eher wie ein sehr großes Dorf vor, da viele Menschen in kleinen Häusern oder Hütten wohnen. Es ist irgendwie schwer zu beschreiben, wie alles hier aussieht. Vielleicht gelingt es mir ja, über die nächsten Wochen ein paar Bilder zu schießen. Dann läßt sich das alles bestimmt ein wenig besser nachvollziehen.
Eine meiner ersten Aufgaben hier in Sambia wird sein, gemeinsam mit Nyoka und anderen Arbeitern in ein Dorf zu fahren, um dort Solaranlagen zu installieren. Da diese Woche jedoch schon so gut wie vorbei war und Nyoka zu Beginn der kommenden Woche für ein paar Tage nach Lusaka fahren muss, ist dies im Anschluss, also so Mitte nächster Woche, geplant. Stattdessen habe ich mich gestern (20.08.) gemeinsam mit Lutz in den nahegelegenen North Luangwa Nationalpark aufgemacht. Dort, wo man also Safari machen kann und mit etwas Glück all die Löwen, Elefanten, Zebras, Büffel, Giraffen, etc. zu Gesicht bekommt, was man sonst ja nur aus dem Fernsehen kennt. Bevor jetzt aber falsche Schlüsse entstehen: Es ging nicht um Freizeit sondern um Arbeit. :) Es gibt ein Programm zur Überwachung und Kontrolle von Wilderei im Nationalpark, das Lutz mit aufgebaut hat und betreut. Dort sind einige Daten verlorengegangen, die nun in London wiederhergestellt wurden. Diese sollten wieder eingespeißt werden, damit das Programm wieder richtig funktioniert. Geplant war noch eine Übernachtung im Park im Lager der Ranger zu verbringen. Um ersteinmal zum Park zu gelangen ging es erst einmal 2h über Sandstraßen durch den Busch. Die Straße ist noch relativ neu, jedoch mit einem Geländewagen (Lutz besitzt einen von der Bundeswehr ausrangierten Iltis, der wieder restauriert wurde) gut befahrbar. Das ganze lief auch problemlos ab, bis wir ca. ¾ der Strecke hinter uns hatten. Die Plattgewalzte Sandstraße wurde ersetzt durch eine ungewalzte Sandstrecke. Selbst Lutz hatte eine Straße in so einem Zustand noch nie gesehen und das ganze wurde, um es mit Lutz seinen Worten zu beschreiben, „barbarisch“. Der Iltis ist, wie auf den Bildern zu sehen, ein Geländewagen ohne Dach und Seitenwände. Dementsprechend großzügig wurden wir mit feinem, roten Sand einbalsamiert. Wir konnten echt froh sein, dass wir nicht ncoh stecken geblieben sind! Von Kopf bis Fuß mit rotem Sand überhäuft kamen wir schließlich am Tor des Nationalparks an. Ich hatte natürlich, gewohnterweise, auch noch meine Kontaktlinsen drin, welche mir aber trotz allem relativ wenig Probleme bereiteten. Kaum vorzustellen, wenn man sich mal die Bilder anschaut. Ein Wunder auch, dass die Kamera noch funktioniert! Die Sicherheitsmänner am Tor mussten sich das Lachen bestimmt auch gut verkneifen. An dieser Stelle fängt es aber nun an kompliziert zu werden. Als Tourist muss man natürlich ein Eintrittsgeld für jeden Tag, den man im Nationalpark verbringt, entrichten. Wir sind aber natürlich keine Touristen, sondern gehen rein um zu arbeiten. Die Sicherheitsmänner kannten Lutz auch bereits. Immerhin kommt er bereits zum 8. Mal zu den gleichen Leuten in den Park und es waren die gleichen Wachmänner wie jedes Mal. Nach langem Warten verweigerte uns der Wächter die Einfahrt ohne zu bezahlen, da er uns nicht trauen kann, dass wir wirklch was zu tun hätten. Und das, obwohl er Kontakt mit den Leuten im Park hatte und er, wie bereits erwähnt, Lutz kannte. Nach ein paar Diskussionsrunden war er noch immer uneinsichtig und wir machten wieder kehrt. Schließlich kamen wir um den Leuten im Park einen Gefallen zu tun. Das weiß eigentlich auch er. Also ging es gleich noch einmal durch die Sandpiste. Danach sahen wir echt aus wie zwei so Deppen und mussten in dem Zustand auch noch durch zwei Dörfer und halb Mpika fahren. Mit einem Auto, dass bis auf die Windschutzscheibe komplet offen ist. Man wird als Weißer ja ohnehin schon ganz genau beäugt, aber dieses Mal verfolgten uns die Blicke noch mehr. Einmal ernteten wir von einem Mann der uns wiedererkannte ein: „Ah, the dusty boys!“ (Ah, die staubigen Jungs!) oder der Wächter am Eingang zum Gelände der Diözese lief, wie wir tags darauf erfuhren, verwundert zu seinen Kumpels: „Keine Ahnung warum die beiden schon wieder zurück sind, aber sie haben sich irgendwie komisch bemalen lassen.“ Eine Dusche allein hat im Anschluss gar nicht erst gereicht, um das alles wieder runter zu bekommen. Am Auto selbst war der Luftfilter verstopft und der Blinker verklebt.Und das alles für eigentlich nichts. Schade. Die Leute vom Park schrieben am selben Tag Lutz noch eine E-Mail, in der sie sich für alles entschuldigten. Sie haben also bemerkt, dass sie nen Fehler gemacht hatten. Vermutlich werden Sie jetzt die ganze Anlage nach Mpika bringen. Wir werden sehen.
Ansonsten habe ich bereits schon die erste Elektroinstallation in luftiger Höhe (ca. 10m) erfolgreich abgeschlossen. Mal sehen, was die Tage noch so ansteht. Jetzt ist ja erstmal Wochenende. Ich werde die Tage auf jeden Fall ncoh am Krankenhaus in Chilonga (ein etwas größeres Dorf ca. 25km von Mpika entfernt) eingeführt, wo ich als Elektriker/Hausmeister vorgesehen bin und die meiste Zeit des Jahres mitarbeiten werde. Bevor ich dort aber richtig durchstarte, stehen noch wie bereits erwähnt die Solaranlagen auf dem Plan. Ansonsten habe ich mit den Hunden bereits gut angefreundet. Foxy liegt sogar schon gerne mal auf meinem Schoß. Einen eigenen kleinen Jeap habe ich auch. Der würde zwar in Deutschland nie und nimmer durch den TÜV kommen, ist hier aber noch 1A in Schuss! Den werde ich brauchen, um dann nach Chilonga zu fahren. Ich war auch bereits mal alleine in der Stadt zum Tanken und lokale Kost zu essen. Es gibt eigentlich nur ein richtiges Gericht. Nyshima (ein dicker Hirsebrei, etwa wie dicker Grießbrei, nur dass er so gut wie geschmacklos ist), welcher dann mit verschiedenen Beilagen wie Hühnchen (so der Standard), Schweinefleisch, Rindfleisch oder Gemüse mit den Händen gegessen wird. Man fällt als Weißer aber wirklich unglaublich auf und steht eigentlich 24h unter Beobachtung. In dem kleinen Restaurant in dem ich gegessen hatte waren noch ein paar Jungs, die Billard spielten. Die Frau die den Laden betreibt versuchte auch gleich mich anzugraben. Da muss man schon echt aufpassen. Auch, dass einem nicht irgendwelche Beziehungen angehängt werden. Man ist für viele Menschen hier einfach immer der reiche Mann, was natürlich wenn man den Lebenstandard von vielen hier sieht auch durchaus berechtigt ist. Solange man aber Nachts nicht mehr alleine auf der Straße unterwegs ist, kann einem aber eigentlich nichts passieren. Ich war auch bereits mit Lutz an einem Abend in einer Kneipe. Hier trifft man dann viele Leute und kommt auch leicht ins Gespräch. Viele Menschen hier sind wirklich sehr freundlich, aufgeschlossen und interessiert. Mir gefällt es also bisher wirklich sehr gut hier. Auch wenn es mit Sciherheit die bisher größte Herausvorderrung meines Lebens sein wird, hier zurecht zu kommen. Aber dessen bin ich mir auch bewusst und sehe wirklich sehr positiv in die Zukunft. Ich bin mal gespannt, wie alles so weitergeht. Die Neuigkeiten erfahrt Ihr dann natürlich ebenfalls hier, auch wenn ich vermutlich nicht mehr so regelmäßig was schreiben kann wie zuvor in Schottland und Singapur. Warten wir es einfach mal ab.
So und zu guter letzt noch die versprochenen Bilder mit ersten Eindrücken aus Sambia! Macht’s gut und euch allen auch eine schöne gute Zeit im Rekordsommer Deutschlands!
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| Die erste Woche in Sambia |


