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Mittwoch, 31. März 2010

Laute Schläge von kaputten Bremsscheiben kündigen das Osterfest an

Mein heutiges Lebenszeichen sollte erneut Lesefaul-freundlich ausfallen, denn es gibt seit meiner letzten Meldung wenig außerordentliches zu berichten. Dafür wartet dieser Beitrag mit einem neuen Fotoalbum, sowie einer Aktualisierung auf. :)

In den letzten Wochen habe ich mich stark auf die Arbeit konzentriert und es geht wirklich einiges voran. Besonders am Krankenhaus nimmt die Sache allmählich Hand und Fuß an. Wir sind immer noch am kontrollieren von sämtlichen Rohren, Ventilen, Pumpen und Tanks, welche die Wasserversorgung des Krankenhauses, des angrenzenden Wohnviertels für einige Angestellte, sowie der Schwestern- und Hebammenschule bilden. Dabei gilt es Wassertürme zu erklimmen, sich mit Bienenschwärmen rumzuschlagen die es sich in den kleinen Schächten der Hauptventile des Wassersystems auf dem Gelände gemütlich gemacht haben, sowie so manche kleine Dusche zu riskieren. Dienstag diese Woche konnten wir dann schon die ersten neuen Wartungspläne einführen, die festelgen, in welchen Abständen Wasser für das Wohnviertel gepumpt wird und eine Teilwartung der Leitungen vom nahgelegnen Bach zum Wasserreservoir beschreiben. Das ganze soll dann auf dem selben Zettel jedes Mal nach getaner Arbeit mit einem Servus bestätigt werden. Selbiges wird in nächster Zeit noch für die Handhabung des Generators erstellt werden, welcher in Anspruch genommen wird wenn mal wieder für den halben bis ganzen Tag der staatliche Stromversorger den Schalter umlegt oder bei einem der zahlreichen Kurz-Stromausfälle ein Notfall im OP ansteht. Und auch sonst deckt unsere Großinspektion jedes kleinsten Winkels so einige Mängel oder Arbeit der Kategorie “wär schon lange mal nötig gewesen” auf, um die wir uns Schritt für Schritt kümmern.

Nebenher laufen natürlich auch nach wie vor noch die generellen Wartungsarbeiten am Krankenhaus, bei denen ich während meiner Anwesenheit auch gerne tatkräftig mitwirke. Dabei ertappe ich mich noch immer ab und zu dabei, wie ich mich in manche Tätigkeiten reinsteigere und mir die Art und Weise, wie vor allem mein Kollege Martin so manche Dinge angeht, einfach nicht gut oder überlegt genug sind. So wieder letzte Woche bei der Reparatur einer nicht mehr schließenden Tür geschehen. Diese hatte sich so verzogen, dass vom Schloss bis nach unten ein Teil abgehobelt werden musste. Es handelte sich sogar um eine der wenigen schönen, handgefertigten Türen aus der Schreinerei der Diözese, die am Krankenhaus angebracht sind. Umso mehr ein Grund, die Sache mit Gefühl und Bedacht anzugehen, um die die Türe nicht komplett zu verschandeln. Das ganze wird allerdings durch den noch immer akuten Werkzeugmangel erschwert. Der uralte Hobel, eines der wenigen Werkzeuge die überhaupt da sind, funktioniert schon lange nicht mehr richtig, sodass wir jedes Mal die Klinge ausbauen und sie als Meisel verwenden, was wesentlich besser klappt. Leider Gottes war an diesem Tag auch noch der einzige Hammer nicht mehr auffindbar, sodass wir zu einer alten, gebrochenen Autofelge als Ersatz griffen. Zu Beginn lief alles noch wunderbar und wir wechselten uns immer wieder mit dem Hämmern ab. Zwar brachte Martin bereits hier das Holz mit in paar ungestümen Schlägen zum Splittern und es brachen Stücke ab, die viel tiefer waren als wir eigentlich gehen wollten, jedoch habe ich mich an solche Minimalschäden schon gewohnt. Richtig übel wurde es erst, als wir die Türe wieder einsetzten und sie noch immer nicht passte. Es musste noch etwas mehr abgemeiselt werden, besonders dort, wo sich das Schloss und der Schließmechanismus befinden. Martin zückte den Meisel und hämmerte gleich ohne Rücksicht auf Verluste los. Das Metall von Schloss und Türklinke verbog sich in alle Himmelsrichtungen und alle guten Ratschläge, wie z.B. das Schloss erst auszubauen, weil es im Anschluss ohnehin neu eingesetzt werden muss, verhallten ungehört. Am Ende war das Holz an der schmalen Türseite ziemlich zugerichtet, die geschraubten Einzelteile von Schloss und Klinke wurden herausgebrochen und in der neuen Position mit Nägeln und ein paar überkräftigen Hammerschlägen wieder festgenagelt. Der Schließmechanismus funktionierte längst nicht mehr, was aber durch ein paar Hammerschlägen mehr ebenfalls noch hingedeichselt wurde. Echt der Wahnsinn und ich musste einfach abermals einsehen, dass die Ansprüche mit denen ich an so eine Arbeit rangehen würde, nämlich dass die Türe im Anschluss nicht einfach nur zugehen sondern auch noch einigermaßen unbeschadet aussehen sollte, hier nicht angebracht waren sondern, nicht nur für Martin, die Funktion im Vordergrund steht, dass die Türe eben wieder schließt. Und das war ja schließlich gegeben. :)

Das nur mal als kleines Beispiel von allerhand Unterschiede, die man tag täglich erlebt. Vieles beachte ich vermutlich auch schon gar nicht mehr sondern gehören einfach zum Alltag dazu. Hier viel mir das aber mal wieder besonders auf, wie mir die misshandlung der Tür innerlich weh tat, jedoch vielen mir die zahlreichen Spuren unserer Arbeit eine Woche später bereits gar nicht mehr auf. :)

Auch mein zweites Projekt, das Programm für die Lagerverwaltung, schreitet stetig vorwärts. Mein selbstgesetztes Ziel die Sache vor Ostern soweit fertig zu haben, dass es danach nur noch an den Feinschliff und dann auch schon ans Testen mit den Leuten von der Werkstatt geht, werde ich vermutlich nicht ganz erreichen. Ein paar Tage mehr benötige ich noch, dann sollten die wichtigsten Funktionen gewährleistet sein, wenn nicht noch ein paar weitere Anforderrungen hinzukommen.

An Ostern selbst werden wir eine kleine Reise antreten. Franziska aus Ndola wird in der Nacht von Karfreitag auf Samstag mit dem Bus zu uns nach Mpika stoßen, bevor ich mich dann am nächsten Morgen mit ihr, Susanne, Andreas und Jean-Baptiste in unserem kleinen, klapprigen Daihatsu auf den Weg in den Busch nach Chalabesa mache, wo wir die Tage bis Ostermontag mit Franziska an ihrem Einsatz- bzw. Heimatort :) verbringen. Das werden bestimmt wie immer geniale und lustige Tage. Ich hatte ja schon ein paar mal bei ihr vorbeigeschaut und freue mich schon wieder auf die nächste Ausgabe mit der ganzen Bande. :)

So und nun zum Abschluss noch ein paar neue Bilder von der Arbeit in Chilonga, sowie ein neues Album über Mpika, meine Heimat für ein Jahr. Werde das Album genauso wie das von Chilonga bis zum Ende meiner Zeit immer mal wieder aktualiesieren und hoffe, ihr könnt euch dadurch ein wenig ein Bild darüber machen, wo ich hier gelandet bin. Apopro Ende meiner Zeit, auch dieser Tag steht mittlerweile fest und so werde ich am 07. August 2010 um 06:10Uhr in Frankfurt wieder deutschen Boden betreten. Bis dahin genieße ich aber noch die Zeit im schönen Sambia bei Arbeit und der gelegentlichen Frohlockung von mal mehr, mal weniger sambischer Braukunst. :)

Chilonga


Mpika - meine Heimat für ein Jahr