Das Wetter in Sambias Hauptstadt
(manchmal gibt es keine Daten oder sie sind verzögert)

Mittwoch, 27. Januar 2010

Der Berg ruft

Hallo! Da isser wieder! Der Buschmann eures Vertrauens mit einem kleinem (ich werde mich bemühen! ;) ) Lebenszeichen inklusive Berichterstattung.

Es ist noch gar nichtmal so lange her seit meiner letzten Meldung, aber es gibt schon wieder ein paar Dinge zu beichten. Letzte Woche hat sich wirklich einiges getan. Vorneweg natürlich die langersehnte Ankunft von Thomas, meinem Cheffe. Am vergangenen Donnerstag kam er, nach zwei Tagen Zwischenstop in Lusaka um noch ein paar Besorgungen zu erledigen, in Mpika an. Seither ist er natürlich schwer beschäftigt alles aufzuarbeiten was in seiner langen Abwesenheit passiert ist. Sobald dies erledigt ist, vorraussichtlich Ende dieser Woche, wird dann mein temporärer Cheffe Waldemar wieder nach Nabwalya zurückkehren. Mit Thomas komme ich soweit wirklich super aus und man merkt, wie eng er hier mit den Leuten verflochten ist. Kein Wunder, denn er lebt immerhin schon seit rund 25 Jahren in Sambia und ist seither bei der Diözese in Mpika tätig.

Wir hatten uns in der kurzen Zeit auch schon ein wenig über meine Arbeit unterhalten und er konnte mir vor allem bzgl. der Arbeit im Krankenhaus ein paar zusätzliche Infos geben, was ihm dort am wichtigsten ist. Allen voran die Wasserversorgung. Wir als Wartungsteam sollen uns einen Plan überlegen, wie und in welchen Abständen die ganzen Geräte routinemäßig inspiziert werden. Dabei geht es vor allem um die Pumpen, welche das Wasser aus den Bohrlöchern pumpen. Also wollte ich diese Woche gleich mal mit den Jungs nach dem Rechten schauen. Dabei hatte sich gleich mal herausgestellt, dass sie den Schlüssel für den Schacht nicht besitzen. Einer hats auf den anderen geschoben mit dem Resultat, das Krankenhaus sagt, die Diözese hat ihn nicht übergeben und die Diözese sagt, das Krankenhaus hat ihn. Naja, aber auch dieses Problemchen wird sich sicherlich noch lösen. :)

Auch in Sachen Lagerverwaltung kam ich ein wenig voran, stark gebremst aber von unserem Problemhund Bella. Wenn sie gerade mal keine Welpen wirft oder Zäune auseinanderreißt, dann holt sie sich einfach mal ein Hämatom (Blutung – hoffe das schreibt man überhaupt so) im Ohr. Das beudete bzw. bedeutet noch immer einige Male in der Woche den Tierarzt abholen, der dann mit einer Spritze das Blut aus dem Ohr abpumpt und ihr Penizilin verabreicht. Hinzu kommen noch allerlei kleinere Aufgäbchen, die einem den Tag durcheinanderwirbeln können. Aber die Hauptsache ist ja, es geht voran. ;) Für den Rest der Woche müssen wir jetzt erstmal den Wert des Lagers erfassen, sprich, was alles an Material schon da ist. Dabei werden wir auch gleich die neuen Teile von den Alten trennen und neu einräumen. Eigentlich wollten wir das ja machen, wenn das Programm steht, aber Chimpali, welcher seit dem neuen Jahr die Bilanzen der Werkstatt leitet, braucht die Informationen jetzt schon. Ist aber natürlich auch kein Weltuntergang. Heute habe ich schon gemeinsam mit Monica, die das Lager verwaltet und auch sonst den ganzen Papierkram in der Werkstatt regelt, losgelegt und wir sind schon mächtig weit gekommen. Das ganze Geschleppe hat wahsninnig geschlaucht, dazu kommt noch der ganze Staub und Dreck. Aber wie gesagt, das Meiste haben wir an dem einem Tag abgearbeitet, sodass wir morgen spätestens am Nachmittag den Wert erfassen können. Auch diese Arbeit hat und macht abermals echt richtig Spaß.

Am Wochenende gab’s dann noch einen weiteren Höhepunkt. Ich kam wieder mal in den Genuss das einzigeartige Naturgebiet Mutinondo zu besuchen. Also dort, wo ich bereits Anfang Oktober mit Lutz war, um den beiden Betreibern der Lodge und des Naturparks (Mike und Larry) nach einem Überfall das E-Mailsystem neu aufzusetzen. Die Beiden sind nämlich auch sehr gute Freunde von Thomas und haben ihn für einen Tag und eine Nacht zu sich eingeladen. Mit dabei waren noch Waldemar, Lutz, seine Frau Phoebe und natürlich ich. Meine beiden Kollegen Andreas und Jean-Baptiste wurde während dieser Zeit von einem Ehepaar ihrer Organisation besucht und konnten daher nicht mitkommen. Am Samstag morgen gings los und wir verbrachten eigentlich den ganzen Tag mit Gesprächen. Als es dunkel wurde saßen wir um ein Lagerfeuer bei ihrer kleinen Bar und tranken noch ein paar Bierchen. War einfach ein super schöner Tag mit einem genialen Abendessen zum Abschluss, wonach wir auch alle ziemlich erschöpft ins Bett fielen. Am nächsten Morgen unternahm ich dann noch eine kleine Wanderung. Über das ganze Gebiet verteilt befinden sich mehrere Granithügel, drei davon direkt neben den Unterkünften. Also beschloss ich, wenn man schonmal hier ist und eine Nacht verbringt, einen der Dreien früh morgens zu erklimmen um vom “Gipfel” aus den Sonnenaufgang, sowie die Aussicht zu genießen. Um fünf Uhr früh bin ich hierzu schon aus dem Bett gestolpert, danach erst 15min durch den Busch gehechtet und dann nochmal 15min den Berg hochgerast. Eine Aktion, die sich mehr als gelohnt hat. Nicht nur das Wandern tat unwahrscheinlich gut, auch die Aussicht bei der aufgehenden Sonne war einfach der Wahnsinn. Über das ganze Gebiet endloser Buschlandschaften lagen mehrere weiße Nebelschleier aus denen immer wieder die Granithügel herausragten. Dazu noch der Sonnenaufgang und die Geräusche aller möglichen Tiere die am erwachen waren. Bilderbuchafrika lässt grüßen! :) Gegen 12Uhr traten wir dann wieder den Rückweg nach Mpika an und ich war wieder mal um ein traumhaftes Wochenende reicher.

Jetzt hat sich der ganze Eintrag doch noch länger gezogen als geplant. Ich bitte um Nachsicht, aber ich denke, wer diesen Blog noch immer fleißig liest ist meine Romane so langsam ja gewohnt. ;) Am Freitag hau ich jetzt dann aber erstmal wieder ab und lass euch für gut zwei Wochen in Ruhe. Anlass hierzu ist eine Reise nach Tanzania, wo ich mit Franziska und Susanne, die anderen beiden Freiwilligen die wie ich von der Brücke der Freundschaft gesendet wurden, ein einwöchiges Zwischenseminar besuchen werden. Das ganze wird sich dann inkl. der Hin- und Rückfahrt auf zwei Wochen ausweiten. Wir werden mit der TAZARA, der Tanzanisch-Zambsichen-Eisenbahn, fahren und fast zwei Tage im Zug bis zur Hauptstadt Dar es Salam sitzen. Dann geht’s mit anderen Verkehrsmitteln noch 70km weiter in den Norden nach Bagamoyo, wo dann das Seminar stattfinden wird. Linda und die andere Franziska aus Ndola werden auch zu dem Seminar fahren und wir haben uns zusammen zwei Kabinen im Zug gebucht. Bin ja mal gespannt, wie das alles wird. Das Seminar wird von dem Freiwilligenprogramm Weltwärts vorgeschrieben, da der Staat uns ja mit Flug und Taschengeld bezuschusst. Sobald ich wieder zurück bin werde ich euch dann natürlich wieder genaueres erzählen können und danach geht’s auch bald schon zu Tanja nach Nigeria. Auf die Reise freue ich mich natürlich jetzt schon wahnsinnig! Und ja, zwischendrin versuche ich auch noch ein wenig zu arbeiten. :)

Macht’s gut und frohes Festen an alle Närrinen und Narren!

23.01.2010 - 24.01.2010 Mutinondo Wilderness Area

Montag, 18. Januar 2010

Ende der Weihnachtspause bei der Diözese

So liebe Blogleser, ich raube mal wieder eure Zeit mit einer neuen Ausgabe von Carsten und seine neuesten Aktivitäten in Sambia.

Wie an der Überschrift abzulesen ist, ging für die Arbeiter der Diözese der einzige Jahresurlaub von drei Monaten am 11.01. zu Ende. Für mich spielte das jedoch keine Rolle, wie in vorherigen Beiträgen bereits erwähnt, da ich trotz Pause durchgearbeitet habe und mir somit meine Urlaubstage für später aufspare, vor allem natürlich wegen der ende Februar/anfang März bevorstehenden Nigeriareise, um dort meine Herzdame aufzusuchen und zur Stippvisite anzutreten. :) Arbeitstechnisch hat sich seit meiner letzten Meldung auch nicht viel verändert. Nachdem aber bis vor unserer Neujahrstour nach Nabwalya noch einige Reparaturen und andere Kleinigkeiten anstanden, habe ich nun seit vorletzter Woche mit dem neuen System für die Lagerhaltung in der Diözese begonnen. In der ersten Woche, während die Arbeiter noch alle Urlaub hatten, habe ich mich vor allem mit der elektronischen Seite beschäftigt. Das ganze soll ja digitalisiert werden. Hierfür versuchte ich zuerst im Internet ein frei verfügbares Programm aufzutreiben, welches sich zur Lagerverwaltung eignet. Internetrecherche bei den hießigen Geschwindigkeiten ist aber zum einen kein Spaß und zum zweiten waren die wenigen Programme dann meist frei nach dem Motto “mit Kanonen auf Spatzen schießen”. Sie hatten einfach zu viele Details und wären für unsere Anwendung viel zu komplex gewesen. Ich habe mich zwecks dem elektronsichen System dann mal mit Lutz beraten, der ja ein Computerspezi ist (installiert hier für die Leute Internet über Satellit – also größtenteils “Firmen”, Nationalparks, etc.) und zwar auf dem Diözesengelände wohnt, jedoch selbstständig ist. Er hat angeboten, mich in der Planung ein wenig zu unterstützen, weil es ihn erstens selbst interessiert und er zweitens ohnehin der einzige hier im Umfeld ist, der in diesem Bezug mehr Kentnisse besitzt. Dabei haben wir beschlossen, wenn ich schon ein abgeschlossenes Studium habe in dem ich auch einiges programmiert habe, die ganze Sache selbst zu erstellen. Das hätte ich auch nicht gedacht, dass ich so Sachen vom Studium hier benötigen werde. Wir sammelten also Ideen, was das Programm nachher können soll (bzw. die grundsetzlichen Anforderrungen waren mir natürlich schon von “höherer Stelle” vorgegeben). Im Endeffekt wird es nun ein Mix von Sachen die ich schon kenne (die Programmiersprache) und Sachen, in die ich mich auch noch etwas einarbeiten muss (mit der Programmiersprache eine Datenbank und die Windows-Oberfläche, die später der Benutzer sieht, darin was eingeben und lesen kann, erstellen). Puh, schon beim schreiben bemerke ich, dass das für den ein oder anderen ganz schön harter Tobak sein muss, auch wenn ich mich versuche einfach auszudrücken. Jedenfalls habe ich mittlerweile schon mit dem programmieren begonnen, bin zwar noch ziemlich am Anfang aber ich denke, was wir uns überlegt haben macht Sinn und bin schon gespannt, was am Ende rauskommt. Zwischendurch habe ich auch noch eine alte Möhre (Computer) in der Werkstatt aufgestellt und eingerichtet. Da soll das ganze dann nachher auch drauf laufen und zwei Leute der Werkstatt werden es bedienen, sowie auch Rechnungen usw. schreiben. Das heißt, ich werde noch ein paar Computerstunden geben. Darin habe ich mittlerweile ja Übung. :) Hinzu kommt noch die praktische Umstrukturierung der Lager (Sachen neu ordnen und erfassen, was eigentlich alles elektronisch verwaltet werden soll). Das werde ich mit den Leuten aber erst angehen, sobald das elektronische steht, damit im Anschluss gleich damit losgelegt werden kann.

Bei all dem habe ich meinen wöchentlichen Arbeitstermin im Krankenhaus natürlich ebenfalls wahrgenommen. Dort fühle ich mich nach wie vor super wohl und ich bekomme mittlerweile immer öfter ein “Wir vermissen dich” zugeworfen, seitdem ich von sechs Mal die Woche auf ein Mal die Woche umgestiegen bin. Mir geht das natürlich genauso, weil ich die Leute dort sehr gerne habe. Sowie die täglichen Sprachkurse in Bemba während dem Mittagessen. Es tut auch einfach gut zu wissen, dass man ein gern gesehener Gast für die Menschen um einen herum ist. Nichts desto trotz macht mir die Arbeit in Mpika genauso viel Spaß, weil ich mich in was auch kommt reinknien will. Dadurch ist, meiner Meinung nach, der Spaß meist nur noch reine Formsache, vor allem hier in diesem völlig anderen Umfeld. Die Arbeit im Krankenhaus ist wie immer super vielseitig gewesen. Als Besonderheit hervorzuheben sind anhaltende Probleme mit der Wasserversorung, welche wir mit hier und da Wasser pumpen und Rohre vom Dreck befreien versuchen zu lösen. Schuld daran ist die Regenzeit, da Wasserwurzeln wie Unkraut wuchern und die teils heftigen Regenfälle die Blätter von den Bäumen holen und allerlei Dreck in die Rohre spülen. Schon irgendwie witzig, dass während der Regenzeit das Wasser knapp wird. :) Mittlerweile haben wir es ganz gut im Griff und seit einer Woche ist eigentlich wieder ständig Wasser da. nur am Wochende muss einer meiner Kollegen immer mal wieder anrücken zum Wasser aus den Bohrlöchern in die Wassertanks zu pumpen.

Diese Woche erwarten wir dann noch die Rückkehr von Thomas, meinem eigentlichen Chef und der Schatzmeister der Diözese. Er musste aus gesundheitlichen Gründen seinen alljährlichen, einmonatigen Aufenthalt in Deutschland bis jetzt verlängern, ist mittlerweile aber genesen und so lerne ich ihn nun nach fünf Monaten auch endlich einmal kennen. Da er es auch ist, der meinen ganzen Aufenthalt hier von sambischer Seite aus organisierte, hat er auch die meiste Ahnung über meine Aufgaben, sprich, meine Aufgaben sind das, was er sich so vorgestellt hat. Darüber werde ich mich mit ihm natürlich auch unterhalten und bin mal gespannt, was dabei herauskommt.

Der nun doch groß gewordene Abschnitt meiner Arbeitstätigkein verrät schon, dass es mir nach wie vor nicht langweilig ist. Nichts desto trotz, für ein wenig Freizeit bleibt auch noch Zeit. Wenn mich mal der Sportraffel packt geht’s eigentlich immer zum Bolzen mit den Kindern aus der Nachbarschaft. Jedes Mal ein heiden Spaß und die fordern einem ganz schön was ab. Halbe Sachen machen ist da nicht! :) Hin und wieder geht’s auch mal in eine der kleinen Kneipen von Mpika ein Feierabendbierchen trinken. Eigentlich mit die liebste Freizeitbeschäftigung der Sambier in und um Mpika, vermutlich auch, weil es sonst einfach keine anderen Freizeitbeschäftigungen gibt. Seit einer Woche ist dann auch noch der Afrika Cup in Angola am laufen. Sozusagen die afrikanische Alternative zur Europmeisterschaft, welcher im Vorfeld durch den Zwischenfall mit der togolesischen Nationalmannschaft sogar in Deutschland Schlagzeilen machte. Sambia ist, nach verpasster Qualifikation zur WM, ebenfalls vertreten, jedoch mit Kamerun, Tunesien und Gabun in einer vergleichsweise starken Gruppe gelandet. Hier sind gerade alle ein wenig im Fußballfieber und ich verfolge das Turnier natürlich auch ein wenig mit. Für Sambia steht nach zwei von drei Gruppenspielen ein Unentschieden und eine Niederlage zu buche, sind aber noch mit im Rennen aufs Weiterkommen. Aufgrund der viel geringeren Medienwirkung auf die Menschen ensteht hier jedoch noch lange kein solcher Hype wie etwa bei uns während einer Europameisterschaft, doch das Ganze ist echt eine nette Abwechslung zum Alltag. Genauso sehen das vermutlich viele Menschen hier.

Zum Abschluss gibt es jetzt noch eine fotografische Aktualisierung. Zum einen wartet mein allzeit beliebtes Essen und Trinken Album mit ein paar neuen Leckerbissen auf. Und zum anderen habe ich ein neues Album über Sambias wundersame Welt der Alltagstiere zusammengestellt, damit ihr u.a. mal seht, mit wem ich mir noch alles die Wohnung teile. Ist eine ausgewählte Sammlung von allen, die ich seit mitte August abgelichtet habe. Es sei jedoch schonmal vorgewarnt, dass jemand mit Problemen beim Betrachten von Krabbelgetier besser die Finger von dem Album lassen sollte. Nicht, dass es nachher heißt, ich hätte euch nicht gewarnt. :)

In diesem Sinne, bis zum nächsten Eintrag! Euch allen eine super Zeit!

Essen und Trinken in Sambia


Das große Krabbeln in Sambia

Sonntag, 3. Januar 2010

Harte Arbeit unter Zebras und Antilopen

Hallo alle zusammen! Da bin ich auch schon wieder. Zurück von unserem vier-tages-Trip nach Nabwalya. Es war wirklich der Wahnsinn. Ich schwafel auch gar nicht lang rum sondern fang einfach gleich mal an zu Erzählen.

Wie im letzten Eintrag bereits erwähnt, hatte Waldemar, unser vorrübergehender Chef während Thomas Abwesenheit, es gemeinsam mit mir und Andreas versuchen wollen, seine Wahlheimat Nabwalya, wo er eine Außenstelle der Diözese gerade aufbaut, zu erreichen. Nabwalya befindet sich im Luangwa-Tal, an der nördlichen Grenze des South Luangwa Nationalparks mitten in der Jagdregion. Der Nationalpark ist einer von vielen hier im Land und ist ein Naturschutzgebiet, vor allem für die afrikanische Tierwelt, wie z.B. Löwen und wie sie alle heißen. In den Nationalparks gibt es auch keine Siedlungen. Rund um den South Luangwa Nationalpark befindet sich eine Pufferzone, in der es auch erlaubt ist zu jagen, vorrausgesetzt, man hat eine Jagdlizenz (kein Jagdschein!) und schießt nur für die Jahreszeit freigegebenes Wild ab. Also z.B. Antilopen, Büffel, Warzenschweine, …, eben alles, was zum Essen verwendet wird. Elefanten, Löwen, usw. dürfen nicht gejagt werden, es sei denn, es handelt sich um eine Überzahl die das Gleichgewicht der Tierarten bedroht. In diesem Fall wird jedoch meist versucht, den Überbestand in andere Nationalparks, wo sie Mangelware sind, umzusiedeln. Zur Überwachung der Wilderei gibt es in Sambia auch Wildhüter, die über das ganze Land verteilt die Nationalparks und vor allem die Jagdgebiete überwachen. In genau dieser Pufferzone befindet sich also auch Nabwalya, das Hauptdorf eines Verbundes vieler kleinerer Dörfer, die sich ebenfalls in der Pufferzone befinden. Verbund deshalb, weil es einen Chief in Nabwalya gibt, der das Stammesoberhaupt bildet. Summa summarum immerhin rund 10 000 Seelen. Um das Dorf zu erreichen geht es von Mpika zuerst rund 40km richung Süden. An Chilonga, wo sich auch das Krankenhaus befindet in dem ich viel arbeite, vorbei und dann noch 120km nach Osten in den Busch über mehr oder weniger befahrbaren “Straßen”. Auf dem Weg passiert man zwei Lager der Wildhüter, welche Waldemar normalerweise immer als Stationen zum nächtigen nutzt, wenn er in der Regenzeit Nabwalya verlassen will oder muss und dann dazu gezwungen ist, zu laufen. Also genau zu der Jahreszeit, in der wir uns gerade befinden. Wie ich aber ebenfall im vorherigen Eintrag erwähnt habe, war gerade der bisher verhältnismäßig “schwach” ausfallende Regen der Grund dafür, die Reise mit dem Auto anzutreten. Ich habe ja keine Vergleichsmöglichkeiten, dadurch das schwach in Anführungszeichen, denn in Mpika regent es mittlerweile jeden Tag, mitunter auch stark und teilweise ohne Unterbrechung.

So machten wir uns also am Silvestermorgen auf den Weg. Es war von Anfang an ungewiss, ob wir nicht auf halber Strecke (vor dem Abstieg ins Tal) dazu gezwungen sein werden, wieder umzukehren, da uns konstanter Regen auf der Fahrt begleitete. Im Tal müssen nämlich einige, kleinere Flüsse durchquert werden und der Boden besteht größtenteils aus einer Schwarz-grauen Lehmerde, in der man schnell festsitzt. Wir sollten uns ja von Anfang an auf eine arbeitsreiche Reise mit viel Körpereinsatz einstellen und waren dazu bereit, unser Bestes zu geben. Die Fahrt bis zum ersten Wildhüterlager verlief trotz regen aber dank relative gut befestigter Buschpisten und Allradantrieb problemlos. Vor dem Absteig ins Tal checkten wir am Lager über Funk die Wetterlage am zweiten Lager und ob die Strecke mit dem Geländewagen passierbar ist. Wir bekamen grünes Licht auf eigene Gefahr und entschlossen uns, trotz schwarzer Wolken im Tal, die Fahrt fortzusetzen. Zwei der Wildhüter schlossen sich uns an, zum einen weil sie auch nach Nabwalya wollten aber zum anderen, um noch zusätzliche Muskelkraft zur Verfügung zu haben. Eine echte Notwendigkeit, wie sich schon bald herausstellen sollte. Auf dem weiteren Weg blieben wir wirklich unzählige Male mit dem Auto stecken. Beim zehnten Mal habe ich das Zählen aufgehört, denn es ging weiter und weiter. Bei jeder Flußdurchquerung schafften wir den Ausstieg aus dem Flußbett nicht. Hinzu kamen die vielen überfluteten Streckenteile und der glitschig-matschige Boden. Immer wieder half alles schieben und schaufeln nichts, sondern es musste die Seilwinde herhalten, die glücklicherweise zur Grundausstattung eines solchen Gefährts gehört. Ohne hätten wir keine Chance gehabt. Unterdessen regnete es freudig weiter und wir waren allmählich nass bis auf die Knochen. Auf halber Strecke entledigte ich mich auch meiner Wanderschuhe, bei denen ebenfalls das wasserdichte Material schon lange seine Belastungsgrenze überschritten hatte. Stattdessen watete ich weiter Barfuß im Schlamm rum oder stand bis zu den Schenkeln im Wasser. Unsere mitgereisten Wildhüter hatten natürlich durch ihre Erfahrung mitgedacht und gleich von Beginn an das Schuhwerk weggelassen. Danke für den Tip! :) Es war wirklich anstrengend und ermüdend, aber je öfter man ausstieg zum ackern desto mehr Spaß machte es irgendwie. Daran konnten auch die penetranten Tsetsefliegen nichts daran ändern, welche sogar im Auto zur Plage wurden und einem nach dem Blut trachteten. Außerdem weiß ich nun, wofür man diese Haltegriffe über dem Fenster hat. Ohne die hätte ich wohl eine mittelschwere Gehirnerschütterung. :) Völlig platt erreichten wir aber kurz vor Sonnenuntergang und nach siebenstündiger Fahrt unser Ziel Nabwalya. Eine warme Dusche durfte man allerdings natürlich nicht erwarten. Für die nötige Aufwärumung sorgten dafür Tee und eine ordentliche Brotzeit, sowie ein Gläschen Wein, welchen Waldemar mitgebracht hatte, als Belohnung. Man darf ja nicht vergessen, es war immer noch Silvester! Auch wenn das wohl das bisher arbeitsreichste meines Lebens war und mir am Abend andere Dinge wichtiger waren, als der bevorstehende Jahreswechsel. Waldemar hat sich wirklich ein kleines Paradies in Nabwalya geschaffen. Drei Wohnhäuser, eines für den Priester (also momentan er) und zwei Gästehäuser (eines davon teilten ich mir mit Andreas), sowie ein Ess- und Wohnzimmer. Alle im afrikanischen Stil gebaut und passen wirklich perfekt hier her. Er hat sogar eine Solarpumpe, die ihm das Wasser aus einem Bohrloch in einen Wassertank pumpt und somit fließend Wasser in den Häusern. So saßen wir noch ein wenig in seinem Wohnzimmer zusammen, tranken Wein und warteten auf Mitternacht. Waldemar machte um 22Uhr schlapp, ich und Andreas hielten es noch eine Stunde länger aus bis auch uns die Müdigkeit dahinraffte. Wir quälten uns aber auch die letzte Stunde noch bis Mitternacht durch, wünschten uns ein frohes Neues und ab ging es ins Bett. :)

An Neujahr war am Morgen erstmal Gottesdienst angesagt. Zuvor erkundeten wir allerdings noch ein wenig das Dorf. Beim Gottesdienst in der kleinen Kirche wurden wir am Ende noch nach vorne geholt, den ganzen Leuten vorgestellt und unter Trommeln und Gesang schüttelte uns einer nach dem anderen zur offiziellen Begrüßung die Hand. Eine wirklich nette Geste. Für den Rest des Tages und auch den darauffolgenden Tag ging es dann wieder an die Arbeit. Waldemar möchte im Ort eine neue, größere Kirche bauen und Andreas soll als Architekt selbige aufs Papier bringen. Zuvor hätte er aber gerne noch einen Übersichtsplan über das ganze Gelände, was auch zukünftige Planungen vereinfachen würde. Im August kamen zwar bereits zwei Vermesser aus Lusaka und haben einen Tag lang alle Daten aufgenommen, aber wie es in Sambia eben oft so läuft, ist noch nichts geschehen. Es war also Andreas und meine Aufgabe, das ganze Areal abzugehen und Schritte zu zählen. Das selbe Prozedere für die Gebäude und mit einem kleinen Spielzeugkompass bestimmten wir die Winkel für die Anordnung. Gar nicht so einfach und man fühlte sich echt um Jahrzehnte in der Zeit zurückversetzt. Aber man kann sagen, wir wuchsen an der Herausvorderrung. Wie wir so durch den Busch stampften wurden wir natürlich ständing von allen genau beobachtet, was denn hier diese zwei verrückten Weißschnäbel treiben. Vor allem die Kinder zeigten wie immer reges Interesse. Die Kommunikation war meist auf Zeichensprache beschränkt. Von ein paar schossen wir noch ein Foto und sie waren alle total fasziniert davon, ihr Abbild anschließend auf dem Bildschirm sehen zu können. Dies löste eine wahre Fotografiersucht aus. :) Es sind immer wieder so viele Momente, die man gar nicht beschreiben kann. Auch eben gerade mit Menschen, denen so viele Dinge fremd sind, die bei uns schon fast Alltagsgegenstände sind. Das Leben hier ist mit Sicherheit anstrengender für die Menschen, aber doch auch irgendwie noch natürlicher und daher definitiv nicht ärmer. Einfach faszinierend.

Den letzten Schliff an der Karte musste Andreas dann alleine vollführen, denn ich durfte mit Waldemar ein Abwasserrohr reparieren, welches er beim letzten Mal mit dem Auto zerstörte. Dann war noch eine der Außenlampen kaputt (wo eine Solarpumpe, da ist Solarbeleuchtung nicht weit), bzw. die Verkabelung in der Erde wurde feucht und einige Kabel brannten durch. Mit ein paar Kindern buddelte ich die Anschlüsse frei und wurde bei der anschließenden Verkabelung genau beobachtet. Nun weiß ich auch, was zum Beispiel Glühbirne auf Bemba heißt und die Kinder haben mitunter den Begriff Isolierband auf Englisch dazugelernt. Also eine “Win-Win”-Situation wie man auf Neudeutsch so schön sagt. :)

Um 8Uhr morgens traten wir heute wieder die Heimreise nach Mpika an. Auch wenn es jeden Tag danach aussah, wurden wir, zu unser aller Überraschung, im Tal von weiterem Regen seit Silvester verschont. Natürlich exzellente Nachrichten für die Heimfahrt, da wir statt der unzähligen Male von der Hinfahrt nur noch vier Mal festsaßen und dabei reichte auch schaufeln und schieben schon aus. Auf der anderen Seite aber wieder ein Indiz mehr für die verrückte Regenzeit in diesem Jahr. Vor allem im Tal, wo die Menschen auf die eigenen Erzeugnisse angewiesen sind, denn es gibt im Ort nur drei Autos. Das von Waldemar und zwei der Wildhüter. Öffentliche Verkehrsmittel sind bei der Buschpiste unmöglich. Wollen sie irgendwo einkaufen heißt das 2 ½ Tage Fußmarsch bis zum nächsten großen Dorf, welches Mpika ist. (Eigentlich gilt Mpika schon als Stadt, aber es ist mehr mit einem größeren Dorf von Deutschland zu vergleichen – für alle Älbler: Laichingen kommt ganz gut hin – allerdings ohne Supermärkte) Es war jedenfalls eine super Tour dorthin mit ganz vielen Eindrücken. Auf der Fahrt sahen wir sogar noch Zebras und Antilopen, die seelenruhig nahe der Buschpiste grasten. Echt der Wahnsinn! Ich kann wieder mal einfach nur auf die Bilder verweisen. Vielleicht kann man sich dadurch einen besseren Eindruck verschaffen.

Ich hoffe, ihr seid alle genauso gut in das neue Jahr gestartet! Genießt die restlichen Urlaubstage und die ersten im Jahr 2010!

31.12.09 - 03.01.10 Nabwalya