Mein Abschied in Sambia ging am Ende über mehrere Tage. Ich wusste gar nicht, wie viel Arbeit lebe-wohl-sagen sein kann. :) Meine große Abschiedsfeier war da nur ein kleiner Teil. Die war aber ne Bombe! :) Alle waren sie gekommen, bis auf einen Arbeitskollegen in Mpika, der persönliche Gründe hatte, sowie zwei Arbeitskollegen aus dem Krankenhaus in Chilonga, die Bereitschaft hatten. Bis zum Tag der Feier hatte ich mich eigentlich nicht wirklich darauf gefreut, weil ich einfach keine Lust auf Abschied hatte. Am Tag selbst packte mich die Vorfreude dann doch noch, weil die ganzen Vorbereitungen endlich gestalt annahmen und ich mich einfach freute, mit allen nochmals ein paar schöne gemeinsame Stunden zu verbringen.
Die Ziegen schlachtete ich mit zwei Freunden, Pritchard und Henry, am morgen vor der Feier. Schon heftig, dem Tier bei vollem Bewusstsein die Kehle durchzusäbeln, nachdem es 10min vorher noch graste. Aber im Endeffekt ist es die natürlichste Art sein Fleisch zu beschaffen. Wenn einem die Schnitzel im Kühlregal entgegenblicken, denken bestimmt nur noch wenige daran, wo das ganze eigentlich her kommt. Ich hatte mir vorgenommen, bei der zweiten Ziege selbst den Hals durchzuschneiden, war mir dann aber unsicher, ob ich es mit der gleichen Entschlossenheit tun könnte wie meine Beiden Helfer und leiden lassen wollte ich die Ziege dann auch nicht noch, weshalb ich diesen Teil schön den Profis überlies. Ich half dafür beim Häuten, Ausnehmen und Zerkleinern. Immerhin. :)
Nachdem das Fleisch präpariert, die Getränke mit Eis in Tonnen gepackt und alles aufgebaut war, konnte die Fete dann steigen. Es war wirklich weltklasse! Allen war bereits bei Ankunft das Lächeln ins Gesicht geschrieben – gut, gab auch Freigetränke ;) – und ich bekam von ganz vielen Freunden und Bekannten sogar Abschiedsgeschenke überreicht. Diverse traditionelle Hemden, ein Phasenprüfer von einem Elektrikerkollegen, Bilder, uvm. Jeder kratzte irgendwie von seinem kleinen Vermögen was zusammen. Das fand ich wirklich richtig lieb. Die Feier nahm dann völlig selbst ihren Lauf. Ich hatte das Glück, dass einige mir im Vorfeld schon angeboten haben, die Getränkeausgabe zu überwachen und einer brachte seine „Anlage“ mit und spielte den DJ. Die hatten alle ihren heiden Spaß an daran und ich somit mehr Zeit, um mich ums Verabschieden zu kümmern. Das Ziegenfleisch schmeckte jedem und am Ende wurde noch die Tanzfläche gerockt! :) Es war wirklich sehr schön und irgendwie viel zu schnell vorbei. 15 Getränkekisten habe ich besorgt und nach fünf Stunden war das letzte Stück Ziege verschlungen und das letzte Bier getrunken (Softgetränke gab es auch, die gingen aber als aller erstes aus. :) ). Daraufhin verließ dann einer nach dem andern den Ort des Geschehens und ich glaube, durstig war trotzdem keiner mehr. :) Und man soll ja immer aufhören wenn’s am schönsten ist.
Ein komischer Moment war dann auch noch der letzte Tag in Mpika. An diesem Tag machte ich nochmals eine große Runde, um jedem persönlich lebe wohl zu sagen. Angefangen am Krankenhaus in Chilonga. Martin und Rambo, meine beiden Kollegen die an der Feier auf Abruf waren und an diesem Tag wieder arbeiteten, machten nicht gerade den glücklichsten Eindruck dabei und auch ich musste ein wenig schlucken, als wir uns ein letztes Mal umarmten. Es waren wirklich viele schöne Momente, die ich hier verbrachte und als ich so über das Gelände streifte, wurde mir zum ersten Mal bewusst, was ich eigentlich in dem Jahr hier alles geleistet habe. Ich dachte nämlich immer, gar nicht so besonders viel, aber da wurde mir bewusst, wie lange ein Jahr doch ist und wie viel Zeit ich hier verbrachte, in der man doch immer wieder hier und da was rackerte. Einfach ein schönes und erfüllendes Gefühl. Vom restlichen Krankenhaus verabschiedete ich mich genauso und jeder fragte mich, wann ich wieder komme und ein Jahr ist viiiiieeeeel zu kurz. Drei müssten es mindestens sein! :) Mit einem ganz merkwürdigen Gefühl trat ich dann die letzte Fahrt von Chilonga nach Mpika an und saugte nochmal alles auf, was an meinen Augen vorbeihuschte, bevor dann in Mpika derselbe Abschied nochmals folgte. Danach war ich erst mal ein wenig durcheinander, konnte mich aber mit Packen aber gut ablenken.
Ich bin wirklich sehr dankbar für jede Minute, die ich mit den Leuten in Sambia verbringen durfte. Sei es im Krankenhaus von Chilonga, in Mpika, in Nabwalya, in Mulilansolo oder irgendwo anders in Sambia und Afrika. Es war eine sehr intensive und bestimmt auch prägende Zeit. Die Tatsache, dass mir am Ende der Abschied schwer viel, bestätigt mir, dass ich in der Zeit wohl alles richtig gemacht haben muss. Die Orte die ich gesehen habe, die Einrichtungen an denen ich arbeitete und vor allem die Menschen, die ich traf und mit denen ich das Privileg hatte zu arbeiten, sind mir sehr ans Herz gewachsen. Dass diese Menschen am Ende ebenfalls ein wenig traurig waren, als ich die große Reise auf einen anderen Kontinent antrat, ist ein sehr schönes Gefühl und ich schätze, dass ich meiner Rolle als positiver Botschafter dieser komischen Europäer gerecht geworden bin. Das war im Vorfeld ein großes Ziel von mir, primär einfach ein wenig zur Völkerverständigung beizutragen. Alles weitere ist Bonus. Viele Dinge, wie sich zum Beispiel 10 Stunden in eine Blechwurst zu setzen, die dann in 10km Höhe und wahnsinniger Geschwindigkeit dich in fremde Länder befördert und das auch noch bezahlen zu können, sind vielen Menschen um mich herum wohl immer noch fremd und unvorstellbar. Aber ich gab mein Bestes, alles immer und immer wieder zu erklären. :) Ich kann eigentlich gar nicht arg viel mehr dazu sagen. Dieses ganze Jahr ist ein so ein Gefühl, das man wohl nie über Erzählungen rüberbringen kann, aber ich kann nur einfach nochmals sagen, dass ich jede Minute davon genossen und zu schätzen gewusst habe.
Jetzt bin ich aber froh, mal wieder unter euch in Deutschland zu sein. Es ist super schön, Familie und Freunde wieder zu sehen. Ich habe euch alle über Zeit schon echt vermisst und die Menschen, die mich mit Deutschland verbinden, haben mich immer wieder hier her gezogen und mich beim Abschied in neue Vorfreude versetzt. So auch dieses Mal. Und bevor die ersten Spekulationen auftreten, wo es als nächstes hingeht – ich werde jetzt erst mal wieder in Deutschland bleiben. :) Was ich hier treibe, steht noch nicht ganz fest, aber das könnt ihr dann ja wieder aus einem persönlichen Gespräch mit mir erfahren. :)
Ich möchte mich bei euch allen für euer Interesse an meiner Zeit in Sambia bedanken und dass ihr für ein Jahr unermüdlich dieses kleine Internetseitchen immer wieder angeklickt habt. Mir hat das schreiben, wie man sicherlich bemerkt hat, immer große Freude bereitet und hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in mein Leben „dort unten“ bieten. Bei weiteren Fragen, stehe ich von nun an auch wieder in Persona gerne zur Verfügung. :)
Abschließend biete ich euch in alter Manier visuelle Eindrücke meiner Abschiedsfeier und die Fleischgewinnung im Vorfeld. Ich habe auch noch zwei Links angehängt, wo ihr mehr Informationen zu meiner Entsendeorganisation, der „Brücke der Freundschaft“ und meiner Einsatzstelle vor Ort, der „Diözese Mpika“, erhalten könnt, für all diejenigen, die sich nicht satt lesen können. :) Auf der Homepage der Diözese wurde Franziska und mir sogar ein kleiner Eintrag gewidmet. Vielleicht findet ihr den ja. :)
Nochmals vielen Dank fürs lesen, wir sehen uns und die Nächste Reise kommt bestimmt…irgednwann ;)
- Euer Nomadencarsten
Brücke der Freundschaft:
http://www.bruecke-der-freundschaft.de
Diözese Mpika:
http://www.diompika.org
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| 31.07.10 Ziegen schlachten für die Abschiedsfeier |
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| 31.07.10 Abschiedsparty in Mpika |






















