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(manchmal gibt es keine Daten oder sie sind verzögert)

Sonntag, 11. Juli 2010

Lusaka, Mutinondo, Ndola, Kitwe – und der Countdown tickt schon…

In den letzten Wochen war wieder einiges geboten und die Zeit rast unaufhaltsam der Rückreise nach Deutschland entgegen, was einem nach und nach auch immer mehr bewusst wird.

Aber anfangen möchte ich erstmal da, wo ich bei meinem letzten Eintrag aufgehört habe. Dem Trip mit Franzi nach Lusaka, um ihre Eltern abzuholen, die für zwei Wochen ihrer Tochter einen Besuch abstatteten. Es kommt mir mal wieder schon ewig vor, dass wir dort waren, dabei ist es gerade mal drei Wochen her. Franziska und ich fuhren gemeinsam am Freitag Abend nach der Niederlage gegen Serbien leicht angeheitert mit dem Bus nach Lusaka. Nach unserer Ankunft am frühen morgen des darauffolgenden Tages holten wir Thomas (mein “Einsatzleiter”) Audi bei Josef, ein Deutscher, der dort einen Schlachthof betreibt und ein guter Freund von ihm ist, ab. Franzi und ihre Eltern bekommen ihn von für ihre Reise geliehen. Den restlichen Tag machten wir noch ein paar Besorgungen in der Stadt und konnten den Audi schon mal im etwas ruhigeren Wochenendverkehr testen. Funktionierte alles einwandfrei :), bis auf dass er eine provisorische Heckscheibe aus Plexiglas hatte, nachdem das Original im Februar kaputt ging. Diese war schon leicht beschädigt und am unteren Ende nicht mehr befestigt. Da die Regenzeit ja aber bereits vorbei ist, störte das nicht besonders. Blöd war nur, als sie uns dann am darauffolgenden Tag auf dem Weg zum Flughafen mit einem Knall komplett herausflog. Trotz geschlossener Fenster und einer Geschwindigkeit von 80km/h war der Sog wohl zu groß. Aber besser es passierte in Lusaka, als irgendwo unterwegs. Thomas und Christine, Franziska’s Eltern, hatten dadurch gleich mal ein Abholkommando der besonderen Art. :)

Eigentlich wollten wir am darauffolgenden Tag früh morgens die Tagesfahrt nach Mpika antreten, aber aufgrund der kaputten Scheibe ging es erst einmal zu einer Werkstatt, wo uns erneut eine provisorische Plexiglasscheibe eingesetzt wurde. Der Audi hat eine spezielle Heckscheibe mit einer Biegung am unteren Ende, die man leider nur in Deutschland erhält und im Frühjahr nächsten Jahres mit einem Container kommen soll. Während der Reparaturarbeiten verbrachten wir die Zeit im näheren Umfeld der Werkstatt, einem todschicken Industriegebiet in Lusaka. :) Von einem nahegelegenen Supermarkt kaufen wir uns ein paar Brote, Obst und Gemüse und machten erstmal ein Frühstückspicknick auf der Wiese vor der Werkstatt. Der Gesichtsausdruck der vorbeilaufenden Passanten sprach Bände über die Verwunderung, was diese vier verrückten Weißen da nur treiben. :)

Am frühen Nachmittag war das Werk dann vollbracht und wir konnten die Reise nach Mpika leicht verspätet, aber immerhin noch am gleichen Tag, antreten. Die ganze Strecke wollten wir uns aber nicht mehr antun, da Nachtfahrten generell schon risikoreich sind bzgl. der Schlaglöcher und Fußgänger am Straßenrand, die man teilweise erst im aller letzten Moment sieht und dann hatten wir noch nicht einmal einen Geländewagen, der zumindest kleinere Schlaglöcher problemlos wegsteckt. Knapp zwei Stunden Fahrt durch die stockfinstere Nacht mussten wir dann allerdings doch noch auf uns nehmen, um ein Gästehaus auf halber Strecke zu erreichen, wo wir dann die Nacht verbrachten. Dort hatten wir noch ein sau starkes Abendessen und ließen den Tag bei einem Bierchen und WM ausklingen.

Am nächsten Tag erreichten wir dann problemlos Mpika, von wo aus Franziska und ihre Eltern gleich die Weiterreise nach Chalabesa antraten. War wirklich eine sehr lustige Zeit zu viert, in der es in so einigen Situationen was zu lachen gab. :) Auch das Fahren im Verkehrchaos von Lusaka hat mir richtig Spaß gemacht! War einfach spitze!

Nach ein paar Tagen Arbeit folgte am darauffolgenden Wochenende gleich wieder das nächste Highlight. Ich und Susanne begleiteten Franziska und ihre Eltern zur Mutinondo Wilderness Area. Dieses Naturreservat habe ich nun schon ein paar Mal besucht und ich wollte mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, kurz vor dem Ende meiner Zeit in Sambia diese einzigartige Landschaft noch ein letztes Mal zu sehen und zu erleben. Rund vier Stunden wanderten wir durch den Busch und auf den Mayense, den höchsten der vielen Granithügel die sich in dem Gebiet befinden. Wir hatten bestes Wanderwetter. Sonnenschein aber kühles Klima bedingt durch die momentane Jahreszeit. Es war wieder einmal unglaublich schön und im Anschluss aßen wir mit Mike und Larry, den beiden sambischen Inhabern, zu Mittag. Echt ein super Tag!

Es folgte erneut eine Woche vollgestopft mit Arbeit und WM, bevor ich dann gemeinsam mit Susanne über das nächste, verlängerte Wochenende für vier Tage einen schon lange geplanten Besuch bei unseren Freunden und ebenfalls Freiwilligen Linda und Franzi Klein in ihrer sambischen Heimat Ndola antrat. Franzi Leidreiter war noch mit ihren Eltern unterwegs, weshalb wir dieses Mal lediglich ein Quartett bildeten. Ich kann aber nur eins sagen: es war ein geniales Wochenende und wir hatten, wie immer wenn wir uns alle sehen, jede Menge Spaß! Es war einfach total interessant und spannend, den Kupfergürtel, das wirtschaftliche Herz Sambias bedingt durch die dort ansässigen Kupfermienen, die Städte Ndola, Kitwe und das Leben von den Beiden zu sehen und zu erleben. Momentan ist auch der “Trade Fair”, ein Markt mit Ausstellern aus ganz Afrika, für eine Woche in der Stadt. Aufgrund dessen ist auch drumherum einiges geboten. Praktisch jeder Musikkünstler befand sich für dieses Wochenende in der Stadt, unter anderem DER Star in Sambia: Dandy Krazy. Als wir das Plakat sahen, dass er am Samstag ein Konzert gibt, beschlossen wir natürlich sofort, dort hinzugehen. Leider sang er viel Playback, aber die Lieder waren uns alle geläufig, da sie einem von jeder Straßenecke entgegenschallen und wir hatten einen sau witzigen Abend! :) Zuvor schauten wir noch die Demütigung Argentiniens in einer Bar ganz in der Nähe von Linda’s Unterkunft an. Die machten dort echt richtig Stimmung. Bei jedem Tor von Deutschland wurde der Ton ausgeschaltet und laute Musik lief. Ausnahmslos JEDER in der Bar war für Deutschland! Unglaublich, was für eine Deutschlandeuphorie in ganz Sambia ausgebrochen ist. Auch in Mpika. Erst recht nachdem Ghana ausgeschieden ist und es gab kein anderes Thema mehr, außer wie gut die Deutsche Mannschaft doch spiele. Aus dem Titel ist es ja nun leider doch nichts geworden, aber wir sind auch hier die Weltmeister der Herzen. :)

Übernachtet haben wir während der ganzen Tage alle bei Franzi, weil sie dir größere Wohnung hat. Neben dem Konzertbesuch und dem Trade Fair fuhren wir für einen Tag nach Kitwe, wo Franzi ihr erstes halbes Jahr in Sambia verbrachte. Anders als bei uns mussten die Beiden bei der Halbzeit ihre Stellen wechseln. Das ist von ihrer Organisation so vorgesehen. In Kitwe arbeitete Franzi bei einem Waisenhaus und wohnte bei einer sambischen Gastfamilie. Beiden statteten wir einen Besuch ab. Von meinem kurzen Eindruck von rund zwei Stunden fand ich das Waisenhaus wirklich total schön. Obwohl jede Menge Kinder dort leben, hatte ich trotzdem das Gefühl, das alle lieb umsorgt werden. Von dem halben Jahr, in dem Franzi dort arbeitete, hat sie uns ein paar andere Dinge erzählt. Wenn Gäste da sind, versuchen natürlich auch immer alle einen guten Eindruck zu machen. Aber an ihren Erfahrungen in ihrer neuen Arbeitsstelle in Ndola sieht man, dass es auch noch extremer geht. Franzi kommt jedenfalls immer wieder gerne hier her zurück und kann sich auch vorstellen, nach Sambia dem Waisenhaus von Deutschland aus immer mal wieder ein Paket zu schicken.

Geleitet wird das Haus von einer italienischen Nonne, die wirklich goldig ist. Ihre stolzen 80 Jahre sind ihr absolut nicht anzumerken. Mit 20 ging sie nach Chile um dort an einer Schule zu unterrichten. Mit 40 wechselte sie dann nach Sambia und ist dort bis heute. Sie, alle anderen Nonnen, die Angestellten und natürlich auch die Kinder haben sich sehr über unseren Besuch, vor allem aber natürlich über das Erscheinen von Franzi, gefreut. :) Wir wurden sogar noch mit einem echten italienischen Espresso und Kuchen verwöhnt.

Zwei Häuser weiter wohnt Franziska’s ehemalige Gastfamilie, die sich ebenfalls riesig über unseren Besuch gefreut haben. Sie ist dort wirklich in einer total lieben Gastfamilie untergekommen. Leider war es schon sehr spät und wir konnten nicht allzu lange bleiben, um unseren Bus zurück nach Ndola zu erwischen.

Vor unserer Besuchstour waren wir auf dem großen Markt von Kitwe, um uns vor allem mit Stoffen einzudecken. Durch die unmittelbare Nähe zum Kongo hat man hier die Beste und günstigste Auswahl aus beiden Ländern.

Am Ende hieß es dann schon wieder viel zu schnell Abschied nehmen. Mit Franzi werden wir in zwei Wochen nochmal eine Reise zum Tanganyikasee machen. Linda habe ich an diesem Wochenende jedoch zum letzten Mal gesehen. Wir haben allerdings schon fest beschlossen, uns in Deutschland nach unser aller Rückkehr bald wieder zu sehen. Nachdem wir jetzt alle das sambische Leben voneinander kennen, muss man ja auch das in Deutschland ein wenig erforschen. :)

Ein Highlight bei der Arbeit wartete dann gleich nach unserer Rückkehr von Ndola auf mich. In Chilonga startete endlich die Operation neue Wassertanks. Mit 23 Mann rückten wir an, um beide neuen Tanks auf den Turm zu hiefen. Alles durch reine Muskelkraft mit Taus und Seilen. Echt ein Knochenjob und gar nicht so einfach, die richtige Strategie zu finden. So zerrten wir gleich mal rund zwei Stunden am ersten Tank herum, bis wir ihn endlich in einem gemeinsamen Kraftakt auf den Turm gehieft hatten. Nachdem wir den zweiten Vorbereitet hatten, benötigten wir für ihn, dank einer besseren Strategie, nicht mal eine halbe Stunde. Trotz der Anstrengung hat es sehr großen Spaß gemacht. Vor allem war es total interessant, denn so etwas macht man schließlich nicht jeden Tag. Man wünscht sich das danach auch wirklich nicht. :) War echt klasse, wie wir alle an einem Strang zogen und am Ende über unser Werk jubeln konnten.

In den nächsten beiden Tagen war ich dann weiter mit Lennard, einem Klempner der Diözese und seinen beiden Helfer am Werk, die Tanks anzuschließen, sowie eines der Wasserrohre auszutauschen. Es war an einer Stelle total durchgerostet. Der Knochenjob ging hier in die nächste Runde. Rohre und Gewinde mussten von Hand geschnitten, das ganze Material auf den Turm gehieft und Rohrverbindungen, die nicht zum wieder öffnen vorgesehen waren, wieder getrennt werden. Um die Anschlussstücke an den Tanks zu befestigen musste Lennard in beide Tanks hineinsteigen. In einen gleich zwei Mal, da der Anschluss nach dem ersten Mal nicht richtig hielt. Am Ende schafften wir aber alles tropffrei anzuschließen und der Sieg war durch die ganzen Anstrengungen umso süßer. :)

Es ist schon ein seltsames Gefühl, das sich so langsam einschleicht. So langsam wird einem wirklich richtig bewusst, dass man nun bald die Heimreise nach Deutschland antritt und diese Welt hier, die in dem Jahr wirklich zu einem Teil von einem geworden ist, hinter sich lassen wird. Ich genieße die Zeit und das Leben hier wirklich sehr und nach einem Jahr Sambia hat man mitlerweile einfach auch das Gefühl, richtig angekommen zu sein. Ich freue mich aber auch schon wieder darauf, euch alle in Deutschland wieder zu sehen. Im Kopf bin ich schon mindestens zur Hälfte wieder zurück und befasse mich mit allerlei Dingen, die jetzt auf mich zukommen. Job, Wohnung, organisatorisches, das alles beschäftigt mich bereits. Auf der anderen Seite steht man hier noch voll im Leben, erlebt so viele Dinge und genießt die Zeit mit den Menschen. Ein wirklich komisches Gefühl und irgendwie hängt man zwischen zwei Welten. Ich sauge momentan aber alles noch viel intensiver auf. Auch Dinge, die schon alltäglich geworden sind, wie unsere Fußballrunde mit den Kindern der Nachbarschaft, die gestern zum Beispiel wieder extrem lustig war, mit Herscharen von Mädchen, die alle Torwart spielten und den Spaß des Jahrhunderts dabei hatten. Wenn man sich dann bewusst macht, wo man sich in genau einem Monat befindet, ist das irgendwie ein ganz unfassbares, unbeschreibliches Gefühl. Aber die Vorfreude auf euch alle ist definitiv vorhanden und da hab ich was, zum vorrauschauen und drauf freuen.

Bis dahin werkel ich hier noch weiter fleißig rum und genieße die letzten Wochen. Ich werde mich auf alle Fälle nochmal zu Wort melden, bevor ich die Heimreise antrete. Euch allen eine gute Zeit im Jahrhundertsommer Deutschlands und denkt vielleicht ab und zu an mich, wenn ich hier an manchen Tagen bei 9°C und eisigem Wind bibbere. :) Heute und gestern waren aber mal wieder überaus warme Tage, doch die kalte Jahreszeit ist noch nicht überstanden.

26.06.10 Mutinondo Wilderness Area


03.07.10 - 06.07.10 Auf Besuch bei Franzi und Linda in Ndola


05.07.10 Kitwe


07.07.10 - 09.07.10 Operation Wassertanks für Chilonga

3 Kommentare:

Moni hat gesagt…

Na also, geht doch, daß wir wieder tolle Neuigkeiten von dir hören. Gottlob sind jetzt auch die Tanks an Ort und Stelle und funktionieren. Die Wanderung hat sich auch toll angehört, hätte uns bestimmt auch gefallen.
Wir wünschen dir schnellstens wärmere Temperaturen und noch eine schöne Zeit.
Amin und Moni bei 30° im Schatten und ohne Lüftchen.

Holger hat gesagt…

Hey Carsti,
echt tolle Bilder. Kann man echt neidisch werden. Schön, dass es dir da noch gefällt. Aber es ist auch gut, dass du dich schon wieder auf zuhause freust...sonst wär was schief gegangen :)
Also bis in paar Wochen.
Viel Spass noch

Unknown hat gesagt…

Hallo Karsten, hier ist der Vati vom Holger, nun da bei Dir das Jahr bald um ist, wünschen wir Dir eine gute Heimreise. Hoffentlich fällt Dir die Umstellung nicht zu schwer oder Du bleibst nicht für immer von Deutschland fern. Auf alle Fälle viel Erfolgt für Deine letzten Wochen und viel Glück in der Heimat.
PS: geht Dein Tagebuch dann weiter? Hast Du mal daran gedacht, Deine Erlebnisse als Buch zu veröffentlichen?