Hallo liebe Freunde, Verwandte und Bekannte aus aller Welt, die ihr euch abermals auf meine bescheidene Blogseite verirrt habt. Zur Belohnung gibt es hier nun auch ein paar Zeilen zu den letzten beiden Wochen, die seit meiner „Montagewoche“ in Mulilansolo nun schon wieder vergangen sind.
Auch wenn sich, wie die Überschrift verrät, so langsam ein kleiner Alltag hier einzustellen scheint, sprich, man weiß einfach was man wo findet und wie in so manchen Situationen der Hase läuft, wird es hier definitiv nicht langweilig. Die erste der letzten beiden Wochen habe ich meinen Arbeitsgeist wieder dem Hospital in Chilonga gewidmet. An diesem Ort kann es einem schon gar nicht langweilig werden, aufgrund der Vielzahl an Kleinigkeiten oder eben auch größeren Aktionen, die permanent in diesem schon seit etwas mehr als 50 Jahren bestehenden „Komplex“ tag täglich anfallen. Wie ich bereits in meinem letzten Eintrag erwähnte, sollen im laufe des Jahres mehr Aufgaben, vor allem die Wartung der gesamten Wasserversorgung, an die Wartungstruppe des Krankenhauses übergeben werden. Bei der Gelegenheit soll auch das ganze System wie die Wartung des Krankenhauses bisher läuft beleuchtet werden. Da soll ich mich mit Moses, Rambo und Martin, die drei, die dort die Truppe bilden und mit denen ich permanent zusammenarbeite, mal ein paar eventuelle Verbesserungen überlegen. Aber momentan arbeite ich einfach mit ihnen mit, um überhaupt einmal einen Überblick zu bekommen. Und vor allem will ich auch erst mal Vertrauen zu Ihnen aufbauen, nicht, dass die am Ende denken, wenn ich irgendeinen Vorschlag mache es gleich eine Art Vorschrift sein soll. Das wird sich mit Sicherheit noch eine Weile hinziehen, denn in vielen Situationen wissen Sie noch gar nicht so recht, was ich hier eigentlich mache und ich glaube, sie haben auch ein wenig Angst davor, dass ich jetzt der große Kontrolleur bin der Ihnen auf die Finger haut wenn’s nicht passt, was natürlich absoluter Blödsinn ist. Die Kommunikation ist teilweise ebenfalls mühsam, da die drei untereinander viel Bemba sprechen, auch über anstehende Aufgaben, sodass ich erst mit vielen Fragezeichen dastehe und dann einfach mal nachhake, was denn gerade eigentlich das Problem ist. Dann erklären Sie mir aber auch gerne alles bereitwillig. Man braucht eben, wie so oft, Geduld. Vor allem, weil natürlich auch die komplette Arbeitsweise der Leute hier ganz anders ist, als die in Europa und in Deutschland im speziellen. Da muss man sich einfach umstellen und seine Programmierung von Zuhause hinten anstellen. Manchmal ist das echt schwer, aber ich habe das Gefühl, dass es mir ziemlich gut gelingt und ich gewöhne mich bereits an so vielerlei Eigenarten, eben zum Beispiel dass man sich während der Arbeit auch immer mal wieder kurz hinsetzt und sich unterhält. Das gehört hier einfach dazu und man muss sich deshalb nicht faul vorkommen.
Ansonsten bekommt man natürlich wenn man sich ständig im Krankenhaus auf und ab bewegt auch viel Leid mit. An einem Tag sieht man einen röchelnd auf einer Matratze sitzen, am nächsten Tag ist er wegen Tuberkulose verstorben. Solche Situationen habe ich hier schon ein paar Mal erlebt, auch in Mulilansolo. Dort war es natürlich besonders bitter, da das Krankenhaus natürlich für viele Fälle nicht gut genug ausgerüstet ist und vor allem Neugeborene, die in einem großen Krankenhaus evtl. noch eine Chance hätten, hier versterben. Aber mit solchen Dingen ist man in diesem Bereich denke ich weltweit konfrontiert. Für mich ist das hier aber natürlich noch zusätzlich eine neue Erfahrung. Da ich jedoch nicht viel direkten Kontakt mit den Patienten habe, hatte ich bisher auch noch keine großen Schwierigkeiten damit umzugehen.
Die andere der beiden Wochen verbrachte ich in Mpika bei den diversen Einrichtungen der Diozöse und arbeitete an vielerlei Reparaturen, die einfach schon ewig brach liegen und dringend nötig waren. Vom Neuverlegen eines Stromkabels für die Hebebühne in der Werkstatt bis zum Reparieren der Nachtbeleuchtung an den Gebäuden war eigentlich alles dabei. Die Qualität der ganzen Elektroteile die man hier bekommt, wenn man sie überhaupt bekommt, ist meist echt unterirdisch. Oftmals steht „Made in W-Germany“ drauf, kommen aber alle aus China oder sonst wo. Hinzu kommen die ständigen Spannungsschwankungen und Stromausfälle und man kann sich denken, dass die Lebensdauer der meisten Teile eine relativ kurze ist. Ein Hauptgrund warum ich aber diese Woche vor allem in Mpika war, ist jedoch auch um bei ein paar Verwaltungsaufgaben mitzuhelfen, da Thomas, sozusagen mein Chef und der das hier sonst eigentlich macht, noch für etwas länger in Deutschland ist. Also hat mich Lutz, seine Vertretung in diesen Angelegenheiten während seiner Abwesenheit, dazu gebeten, ihm ein wenig zur Hand zur gehen.
Derweil habe ich noch einen Nebenjob erworben. Natürlich aber ohne Bezahlung ;). Die Töchter einer Angestellten von der Diozöse beginnen mit einem Studium an der Universität, haben aber noch keinerlei Kenntnisse von Word, Excel oder Power Point und sie hat mich gefragt, ob ich ihnen nicht ein wenig Nachhilfe geben kann. Im Drang, andere an meinem bescheidenen Wissen teilhaben zu lassen, sagte ich natürlich zu und so hatten wir schon zwei etwas kürzere Sitzungen während der Woche. Am vergangen Sonntagmorgen um 8Uhr sollte dann das ganze in eine intensivere, dritte Runde gehen. Frau Magawa, so heißt die gute Frau, sollte ihre Töchter zu den Büros bringen und sie dann gegen Mittag wieder abholen. Ich dachte mir eigentlich schon, dass um 8Uhr hier definitiv noch keiner dastehen würde, aber man kann ja auch schlecht einfach auf Verdacht mal später kommen. Also kam ich und wartete, und wartete, und ach ja, ich wartete übrigens. Wie ich da so wartete, kam mir in den Sinn, vielleicht mal auf die Uhr zu schaun und oh, was seh ich da, es ist ja schon 12:30Uhr. Die Nachhilfestunde war demnach um und ich machte mich wieder vom Acker. Aus einem Office Kurs für die Mädels wurde also ein weiterer Kurs in der Landeskultur für mich. :)
Am Sonntagmorgen musste ich dann einen Priester abholen, der den Gottesdienst im Gefängnis von Mpika halten soll. Wieder einmal konnte ich ihn natürlich beim abgemachten Treffpunkt nicht antreffen sondern erfuhr, dass er an einem völlig anderen Ort weilt. Also hieß es erstmal 30 Minuten mit dem Auto durch den Busch, Priester einladen und zurück nach Mpika ins Gefängnis. Ich wohnte dann dem Gottesdienst auch bei, der mal eben 2 Stunden im offenen Gefängnis und in der prallen Sonne stattfand, aber ich hatte mich ja glücklicherweise Eingecremt. :) Bei der Gelegenheit muss ich noch erwähnen, dass ich seit meiner Ankunft am 16.08. noch keinen einzigen Tropfen von Oben gesehen habe und jetzt, also September und vor allem Oktober, ist hier die heißeste Jahreszeit mit täglichen Temperaturen, die weit über 30°C liegen. Im November sollen sich dann die ersten Ausläufe der Regenzeit hier her verirren und im Januar/Februar sind dann die Monate, in denen es am meisten bzw. fast nur noch regnet. Soweit der Ausflug in das Wettergeschehen, zurück zum Gottesdienst. Auf der einen Seite des Platzes saßen die Gefängnisinsassen auf dem Boden, in der Mitte der Priester an einem kleinen Tisch, auf der anderen Seite der Chor und die Band (Trommeln und Rasseln aus Kronkorken) und noch ein paar weitere Leute der Diozöse, unter anderem eben ich. Der Gottesdienst ist immer und überall auf Bemba, zumindest dort wo man es eben spricht. Somit habe ich inhaltlich eher wenig mitbekommen. Die vielen Gesangseinlagen waren zwar ebenfalls in Bemba, aber wirklich sehr schön mit anzuhören. Eben so richtig afrtikanische Musik wie man sich sie vorstellt. Allgemein war der ganze Gottesdienst viel lockerer als man ihn von uns her kennt. Es wird getanzt und gelacht oder Leute stehen permanent auf um sich immer wieder was zum trinken zu holen (bei der Hitze wär alles andere aber auch echt barbarisch). An einem bestimmten Punkt laufen dann alle kreuz und quer und man gibt einander die Hand. Schon verrückt. Natürlich gab es aber auch so Dinge wie Abendmahl oder Predigt, bei der Priester aber immer wieder Rückfragen an die Leute stellte die dann zögernd stammelnd entweder bejahten oder verneinten. War wirklich alles sehr interessant und die Zeit verging wirklich richtig fix. Religion und Spiritualität spielen hier in der Gesellschaft wirklich eine sehr wichtige Rolle. Neben den Kirchen gibt es in jedem Ort auch noch mindestens einen Hexenmeister, der einen von Flüchen oder ähnlichem wieder befreien soll.
So und wenn ich vorhin schon bereits „mein“ Dienstauto erwähnt hatte, da kann ich nun zum Abschluss noch ein paar kleine Anekdoten erzählen. In der Woche als ich in Chilonga gearbeitet hatte, blieb eines Morgens auf der Strecke mein Auto wegen Überhitzung liegen. Leider bekam ich auch die Motorhaube nicht auf, sodass ich nicht mal nach dem Wasser schauen konnte oder um es zumindest etwas besser zu kühlen. Es blieb mir also nichts anderes übrig, als zu warten bis es wieder einigermaßen abgekühlt war, um dann zaghaft bis nach Chilonga weiterzufahren. Währenddessen hielten ein paar an, die mir helfen wollten und aus allen umliegenden Häusern strömten Leute herbei, die sich wunderten, was denn da der Weiße am Straßenrand macht. Ich kam dann nach ca. 30 Minuten warten auch in Chilonga an, füllte Wasser nach und habe es dann am Abend auch wieder bis nach Mpika geschafft. Neben Öl., das das Auto eh schon lange verliert, herrscht also auch irreparabler Wasserverlust und muss nun ebenfalls immer wieder überprüft werden. Danach ging alles wieder eine ganze Zeit lang gut, bis ich am Sonntag den Priester zurückgefahren habe und zu Hause ankam. Da stand dann mein linkes Vorderrad schief. Ich bin daher gestern wieder in die hauseigene Werkstatt gegangen und da stand es nachdem das Problem erkannt war (ein paar lockere Bolzen und ein kaputtes Gewinde), für den Rest des Tages mit zerlegter Radaufhängung da. Mit etwas Glück, wird es heute Morgen noch fertig oder man wartet eben noch ein wenig. :)
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(manchmal gibt es keine Daten oder sie sind verzögert)
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Dienstag, 29. September 2009
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