Das Wetter in Sambias Hauptstadt
(manchmal gibt es keine Daten oder sie sind verzögert)

Dienstag, 29. September 2009

Allmählich einstellender Alltag

Hallo liebe Freunde, Verwandte und Bekannte aus aller Welt, die ihr euch abermals auf meine bescheidene Blogseite verirrt habt. Zur Belohnung gibt es hier nun auch ein paar Zeilen zu den letzten beiden Wochen, die seit meiner „Montagewoche“ in Mulilansolo nun schon wieder vergangen sind.

Auch wenn sich, wie die Überschrift verrät, so langsam ein kleiner Alltag hier einzustellen scheint, sprich, man weiß einfach was man wo findet und wie in so manchen Situationen der Hase läuft, wird es hier definitiv nicht langweilig. Die erste der letzten beiden Wochen habe ich meinen Arbeitsgeist wieder dem Hospital in Chilonga gewidmet. An diesem Ort kann es einem schon gar nicht langweilig werden, aufgrund der Vielzahl an Kleinigkeiten oder eben auch größeren Aktionen, die permanent in diesem schon seit etwas mehr als 50 Jahren bestehenden „Komplex“ tag täglich anfallen. Wie ich bereits in meinem letzten Eintrag erwähnte, sollen im laufe des Jahres mehr Aufgaben, vor allem die Wartung der gesamten Wasserversorgung, an die Wartungstruppe des Krankenhauses übergeben werden. Bei der Gelegenheit soll auch das ganze System wie die Wartung des Krankenhauses bisher läuft beleuchtet werden. Da soll ich mich mit Moses, Rambo und Martin, die drei, die dort die Truppe bilden und mit denen ich permanent zusammenarbeite, mal ein paar eventuelle Verbesserungen überlegen. Aber momentan arbeite ich einfach mit ihnen mit, um überhaupt einmal einen Überblick zu bekommen. Und vor allem will ich auch erst mal Vertrauen zu Ihnen aufbauen, nicht, dass die am Ende denken, wenn ich irgendeinen Vorschlag mache es gleich eine Art Vorschrift sein soll. Das wird sich mit Sicherheit noch eine Weile hinziehen, denn in vielen Situationen wissen Sie noch gar nicht so recht, was ich hier eigentlich mache und ich glaube, sie haben auch ein wenig Angst davor, dass ich jetzt der große Kontrolleur bin der Ihnen auf die Finger haut wenn’s nicht passt, was natürlich absoluter Blödsinn ist. Die Kommunikation ist teilweise ebenfalls mühsam, da die drei untereinander viel Bemba sprechen, auch über anstehende Aufgaben, sodass ich erst mit vielen Fragezeichen dastehe und dann einfach mal nachhake, was denn gerade eigentlich das Problem ist. Dann erklären Sie mir aber auch gerne alles bereitwillig. Man braucht eben, wie so oft, Geduld. Vor allem, weil natürlich auch die komplette Arbeitsweise der Leute hier ganz anders ist, als die in Europa und in Deutschland im speziellen. Da muss man sich einfach umstellen und seine Programmierung von Zuhause hinten anstellen. Manchmal ist das echt schwer, aber ich habe das Gefühl, dass es mir ziemlich gut gelingt und ich gewöhne mich bereits an so vielerlei Eigenarten, eben zum Beispiel dass man sich während der Arbeit auch immer mal wieder kurz hinsetzt und sich unterhält. Das gehört hier einfach dazu und man muss sich deshalb nicht faul vorkommen.

Ansonsten bekommt man natürlich wenn man sich ständig im Krankenhaus auf und ab bewegt auch viel Leid mit. An einem Tag sieht man einen röchelnd auf einer Matratze sitzen, am nächsten Tag ist er wegen Tuberkulose verstorben. Solche Situationen habe ich hier schon ein paar Mal erlebt, auch in Mulilansolo. Dort war es natürlich besonders bitter, da das Krankenhaus natürlich für viele Fälle nicht gut genug ausgerüstet ist und vor allem Neugeborene, die in einem großen Krankenhaus evtl. noch eine Chance hätten, hier versterben. Aber mit solchen Dingen ist man in diesem Bereich denke ich weltweit konfrontiert. Für mich ist das hier aber natürlich noch zusätzlich eine neue Erfahrung. Da ich jedoch nicht viel direkten Kontakt mit den Patienten habe, hatte ich bisher auch noch keine großen Schwierigkeiten damit umzugehen.

Die andere der beiden Wochen verbrachte ich in Mpika bei den diversen Einrichtungen der Diozöse und arbeitete an vielerlei Reparaturen, die einfach schon ewig brach liegen und dringend nötig waren. Vom Neuverlegen eines Stromkabels für die Hebebühne in der Werkstatt bis zum Reparieren der Nachtbeleuchtung an den Gebäuden war eigentlich alles dabei. Die Qualität der ganzen Elektroteile die man hier bekommt, wenn man sie überhaupt bekommt, ist meist echt unterirdisch. Oftmals steht „Made in W-Germany“ drauf, kommen aber alle aus China oder sonst wo. Hinzu kommen die ständigen Spannungsschwankungen und Stromausfälle und man kann sich denken, dass die Lebensdauer der meisten Teile eine relativ kurze ist. Ein Hauptgrund warum ich aber diese Woche vor allem in Mpika war, ist jedoch auch um bei ein paar Verwaltungsaufgaben mitzuhelfen, da Thomas, sozusagen mein Chef und der das hier sonst eigentlich macht, noch für etwas länger in Deutschland ist. Also hat mich Lutz, seine Vertretung in diesen Angelegenheiten während seiner Abwesenheit, dazu gebeten, ihm ein wenig zur Hand zur gehen.

Derweil habe ich noch einen Nebenjob erworben. Natürlich aber ohne Bezahlung ;). Die Töchter einer Angestellten von der Diozöse beginnen mit einem Studium an der Universität, haben aber noch keinerlei Kenntnisse von Word, Excel oder Power Point und sie hat mich gefragt, ob ich ihnen nicht ein wenig Nachhilfe geben kann. Im Drang, andere an meinem bescheidenen Wissen teilhaben zu lassen, sagte ich natürlich zu und so hatten wir schon zwei etwas kürzere Sitzungen während der Woche. Am vergangen Sonntagmorgen um 8Uhr sollte dann das ganze in eine intensivere, dritte Runde gehen. Frau Magawa, so heißt die gute Frau, sollte ihre Töchter zu den Büros bringen und sie dann gegen Mittag wieder abholen. Ich dachte mir eigentlich schon, dass um 8Uhr hier definitiv noch keiner dastehen würde, aber man kann ja auch schlecht einfach auf Verdacht mal später kommen. Also kam ich und wartete, und wartete, und ach ja, ich wartete übrigens. Wie ich da so wartete, kam mir in den Sinn, vielleicht mal auf die Uhr zu schaun und oh, was seh ich da, es ist ja schon 12:30Uhr. Die Nachhilfestunde war demnach um und ich machte mich wieder vom Acker. Aus einem Office Kurs für die Mädels wurde also ein weiterer Kurs in der Landeskultur für mich. :)

Am Sonntagmorgen musste ich dann einen Priester abholen, der den Gottesdienst im Gefängnis von Mpika halten soll. Wieder einmal konnte ich ihn natürlich beim abgemachten Treffpunkt nicht antreffen sondern erfuhr, dass er an einem völlig anderen Ort weilt. Also hieß es erstmal 30 Minuten mit dem Auto durch den Busch, Priester einladen und zurück nach Mpika ins Gefängnis. Ich wohnte dann dem Gottesdienst auch bei, der mal eben 2 Stunden im offenen Gefängnis und in der prallen Sonne stattfand, aber ich hatte mich ja glücklicherweise Eingecremt. :) Bei der Gelegenheit muss ich noch erwähnen, dass ich seit meiner Ankunft am 16.08. noch keinen einzigen Tropfen von Oben gesehen habe und jetzt, also September und vor allem Oktober, ist hier die heißeste Jahreszeit mit täglichen Temperaturen, die weit über 30°C liegen. Im November sollen sich dann die ersten Ausläufe der Regenzeit hier her verirren und im Januar/Februar sind dann die Monate, in denen es am meisten bzw. fast nur noch regnet. Soweit der Ausflug in das Wettergeschehen, zurück zum Gottesdienst. Auf der einen Seite des Platzes saßen die Gefängnisinsassen auf dem Boden, in der Mitte der Priester an einem kleinen Tisch, auf der anderen Seite der Chor und die Band (Trommeln und Rasseln aus Kronkorken) und noch ein paar weitere Leute der Diozöse, unter anderem eben ich. Der Gottesdienst ist immer und überall auf Bemba, zumindest dort wo man es eben spricht. Somit habe ich inhaltlich eher wenig mitbekommen. Die vielen Gesangseinlagen waren zwar ebenfalls in Bemba, aber wirklich sehr schön mit anzuhören. Eben so richtig afrtikanische Musik wie man sich sie vorstellt. Allgemein war der ganze Gottesdienst viel lockerer als man ihn von uns her kennt. Es wird getanzt und gelacht oder Leute stehen permanent auf um sich immer wieder was zum trinken zu holen (bei der Hitze wär alles andere aber auch echt barbarisch). An einem bestimmten Punkt laufen dann alle kreuz und quer und man gibt einander die Hand. Schon verrückt. Natürlich gab es aber auch so Dinge wie Abendmahl oder Predigt, bei der Priester aber immer wieder Rückfragen an die Leute stellte die dann zögernd stammelnd entweder bejahten oder verneinten. War wirklich alles sehr interessant und die Zeit verging wirklich richtig fix. Religion und Spiritualität spielen hier in der Gesellschaft wirklich eine sehr wichtige Rolle. Neben den Kirchen gibt es in jedem Ort auch noch mindestens einen Hexenmeister, der einen von Flüchen oder ähnlichem wieder befreien soll.

So und wenn ich vorhin schon bereits „mein“ Dienstauto erwähnt hatte, da kann ich nun zum Abschluss noch ein paar kleine Anekdoten erzählen. In der Woche als ich in Chilonga gearbeitet hatte, blieb eines Morgens auf der Strecke mein Auto wegen Überhitzung liegen. Leider bekam ich auch die Motorhaube nicht auf, sodass ich nicht mal nach dem Wasser schauen konnte oder um es zumindest etwas besser zu kühlen. Es blieb mir also nichts anderes übrig, als zu warten bis es wieder einigermaßen abgekühlt war, um dann zaghaft bis nach Chilonga weiterzufahren. Währenddessen hielten ein paar an, die mir helfen wollten und aus allen umliegenden Häusern strömten Leute herbei, die sich wunderten, was denn da der Weiße am Straßenrand macht. Ich kam dann nach ca. 30 Minuten warten auch in Chilonga an, füllte Wasser nach und habe es dann am Abend auch wieder bis nach Mpika geschafft. Neben Öl., das das Auto eh schon lange verliert, herrscht also auch irreparabler Wasserverlust und muss nun ebenfalls immer wieder überprüft werden. Danach ging alles wieder eine ganze Zeit lang gut, bis ich am Sonntag den Priester zurückgefahren habe und zu Hause ankam. Da stand dann mein linkes Vorderrad schief. Ich bin daher gestern wieder in die hauseigene Werkstatt gegangen und da stand es nachdem das Problem erkannt war (ein paar lockere Bolzen und ein kaputtes Gewinde), für den Rest des Tages mit zerlegter Radaufhängung da. Mit etwas Glück, wird es heute Morgen noch fertig oder man wartet eben noch ein wenig. :)

Freitag, 11. September 2009

Arbeitsintensive Woche in Mulilansolo

Hallo und da bin ich wieder, frisch zurück aus dem Busch und einer arbeitsintensiven Woche in Mulilansolo. Es waren wieder so viele Eindrücke und Erlebnisse in dieser Woche, dass ich gar nicht weiß, wo anfangen, aber ich werde einfach mal versuchen ein wenig die letzten Tage zu beschreiben.

Zuerst einmal zum Ort: Mulilansolo befindet sich ca. 240km nördlich von Mpika, also fast schon am Ende von Sambia und zur Grenze nach Tanzania. Um dorthinzugelangen fährt man erst einmal ca. 170km auf der zwar mit Schlaglöchern übersäten, aber zumindest noch „geterten“ Straße bis nach Chinsali, von wo aus es dann die restliche Strecke über Buschpisten bis nach Mulilansolo geht. Dorthin gefahren bin ich gemeinsam mit Nyoka, der hier alles was irgendwie mit Bauen/Handwerken zu tun hat leitet, einem kleinen Teil seiner Familie den er mitnahm und ein paar Arbeitern. Wir quetschten uns alle zusammen gemeinsam mit Gepäck, Fressalien und Baumaterialien in einen Landcruiser, was alleine schon sehr abendteuerlich war. Ach ja, es sollte übrigens am Montag morgen um 10:0Uhr losgehen, Abfahrt war dann aber um 15:00Uhr, was jedoch für Sambische Verhältnisse überaus pünktlich ist, denn es lag noch nicht einmal ein Tag dazwischen, was wirklich nicht selten vorkommt. Man braucht eben Geduld mit allem was man hier so macht.

Auf der Hinfahrt sind wir dann unterwegs noch nach Mulanga gefahren, was ebenfalls im Busch liegt, jedoch nicht gerade auf unserer Route. Dort unterhält die Diozöse, wie auch in Mulilansolo, eine kleine Krankenstation in der die Nonnen Krankenschwester, Ärzte und Verwaltung in einem sind. In Mulanga stehen demnächst auch einige Arbeiten an und Nyoka wollte sich alles erst einmal anschauen um den Leuten dann sagen zu können, wie lange es dauert und vor allem, wie viel alles kostet.

Nachdem wir dort eine gute Stunde verbrachten, ging es weiter in Richtung Mulilansolo. Wir pressten uns sogar noch dichter zusammen, um einen Patienten ins Krankenhaus nach Chinsali mitzunehmen. Es wurde Nacht (so gegen 18:00Uhr) und somit noch schwieriger, den Schlaglöchern rechtzeitig auszuweichen. Eine wirklich anstrengende Fahrt. Gegen 21:00Uhr erreichten wir endlich wohlbehalten unser Ziel und waren ziemlich erschöpft. Die Priester erwarteten uns schon und versorgten uns erst einmal mit einem Abendessen bei ihnen im Haus. Danach wurde ich dann bei den Nonnen ins Gästezimmer einquartiert, da dies der einzig noch zur Verfügung stehende Raum war.

Am nächsten Tag ging es um 07:00Uhr in der Früh mit dem Arbeiten los. Der staatliche Stromversorger ZESCO hat beschlossen, einige Buschregionen an das Stromnetz anzuschließen, unter anderem Mulilansolo. Daher bestand nun meine Arbeit gemeinsam mit dem Elektriker Benedikt und seiner Truppe darin, die Solaranlagen bei den bestehenden Gebäuden abzuschließen, Steckdosen zu installieren und diese gemeinsam mit den bereits vorhanden Lichtern für das Stromnetz neu zu verkabeln. Darunter vielen das Gebäude der Nonnen und Priester, die Klinik, sowie einige Unterkünfte welche zum Gelände gehörten. Leider wird es wohl trotz allem nicht für alle im Dorf möglich sein, sich den Strom zu leisten. ZESCO verlangt schon alleine um nur den Strom zum Haus zu bringen 250€ und dann sind noch keine Kabel usw. gelegt, geschweige den der monatliche Strompreis bezahlt. Wirklch eine Menge Geld. Schon alleine Benedikt, der in Mpika lebt und einen nicht schlecht bezahlten Job hat kann es sich nicht leisten, sein Haus zu elektrifizieren und das, obwohl er Elektriker ist. Schon sehr verrückt. Dies liegt aber auch daran, dass Sambia einen großteil seines Stroms an andere Länder exportiert und somit in Sambia selbst mit am teuersten ist in ganz Afrika. Dazu noch gibt es häufig Stromausfälle weil das bißchen was zur Verfügung steht oft überlastet ist. So und nachdem ich jetzt mal wieder ein wenig abgeschweift bin komme ich aber zurück zum Thema.

Mein täglicher Arbeitstag begann also um 07:00Uhr und endete gegen 17:00Uhr. Die einzige Pause war zum Mittagessen von 12:00Uhr bis 13:00Uhr. Dazwischen ging es wirklich rund im Karton. Ca. 20 Mann alleine hämmerten am ersten Tag Schlitze in die Wände und meiselten Durchbrüche für die Kabel, während Benedikt und ich mit den Kabeln hantierten. Das ganze ist hier in Sambia weit zeitaufwendiger, da es nicht wie bei uns die tollen dreiadrigen Kabel in einer Kunststoffhülle gibt, sondern man kauft die adern einzeln und muss sie dann jweils durch die zurechtgesägten Kunststoffrohre stecken. So habe ich in den ersten beiden Tagen relativ wenig von Muliansolo gesehen, da es nach Feierabend und der erlösenden kalten Dusche bereits dunkel wurde bzw. war. Es war jedoch wirklich äußerst amüsant, sich mit den ganzen Arbeitern zu unterhalten, mit Ihnen rumzuscherzen und natürlich wieder viel Bemba zu lernen. Mit ein paar Brocken hat man gleich zu Beginn ein Stein im Brett und ich kam mit allen sehr gut aus. Besonders Benedikt, mit dem ich quasi ständig zusammenarbeitete, erklärte mir viel über Sambia und auch Mulilansolo, auch wenn er im absoluten Bemba-Englisch spricht. Besonders wenn es um die Arbeit ging hatte ich manchmal echte probleme ihn zu verstehen. Gegen Ende klappte es aber immer besser. Man muss eben erst sein Ohr für diese komischen Töne schulen. :)

Im Dorf war ich die ganzen Tage über natürlich DIE Hauptattraktion. Ich stand rund um die Uhr unter Beobachtung und wurde wenn ich umherlief von jedem angestarrt. Dazu sammelten sich immer Herscharen von kichernden Kindern hinter mir, welche noch schüchterner wurden, wenn ich Ihnen ein paar Wörter in Bemba entgegnete. Unterhielt ich mich abseits der Arbeit mit Benedikt oder einem anderen Arbeiter, trauten sie sich ein wenig näher her und alle wollten einmal die Hand des weißen Mannes schütteln. Schon irgendwie ein komisches Gefühl, eine solche Atraktion zu sein, aber wenn ich sie immerhin auf Bemba mittlerweile fragen kann, wie es Ihnen geht komme ich mir schon nicht mehr ganz wie ein Außerirdischer vor und ihr lächeln drückte ja auch aus, dass sie sich einfach freuten, jemanden wie mich zu sehen. Gegen Ende der Woche kam es mir so vor, als gewöhne sich das ganze Dorf allmählich an meine Anwesenheit und jeder grüßte mich freundlich auf der Straße. Stolz fuhr ich meine Sprachkentnisse auf, woraufhin viele gleich dachten, ich sei ein Bemba Profi und beim spätestens dritten Satz, hörte es dann auch schon auf. Ich verstand nichts mehr und da die meisten Menschen hier kein Englisch sprechen, konnte ich ihnen auch nicht so recht klar machen, dass ich sie nicht mehr verstehen kann und nur ein bißchen Bemba spreche, denn ich habe sie doch schon in Bemba angesprochen. Ich wüsste zu gern, was an dieser Stelle so mancher Gegenüber sich dachte, aber das bleibt wohl ein Geheimnis. Ein echtes Highlight der Tage war noch der aufgehende Mond. Das Schauspiel ereignete sich ca. 2-3 Stunden nach Sonnenuntergang, wenn ein riesiger, rot-orange leuchtender Mond wie die Sonne am Horizont aufging und alles taghell erleuchtete. Ich habe verscuht, ein Foto davon zu machen, was jedoch wirklich nihct annähernd so spektakulär ausschaut wie im Original. Ich habs zur allgemeinen Belustigung trotzdem mal zu den Bilder hinzugefügt. :)

Am Mittwochabend konnten wir dann den ersten Erfolg verbuchen und das Gebäude der Nonnen war als erstes ans Netz angeschlossen. Daraufhin flippten hier alle regelrecht aus. Es wurde so ziemlich jedes elektronische Gerät zusammengetragen dass sich irgendwo befand und angeworfen. Abends wurde noch halb Mulilansolo mit Musik beschallt und überall tanzten die Leute. Echt der Wahnsinn.

So verging die ganze Woche einfach wie im Flug und ich bin heute wieder vollbepackt mit neuen Eindrücken nach Mpika zurückgekehrt, auch wenn die Arbeit dort natürlich noch lange nicht abgeschlossen ist. Für mich geht es nächste Woche jedoch erst einmal am Krankenhaus in Chilonga weiter. Für die Zukunft soll es irgendwann mal so sein, dass ich mit ein paar anderen für das große Krankenhaus in Chilonga, sowie allen kleinen Buschkliniken zuständig bin und die Anlagen in Schuss halten soll. Ich werde also in den nächsten Wochen auch noch die anderen Dörfer besuchen um überall einen Eindruck zu erhalten und Fuß zu fassen. Es wird also wohl genauso ereignisreich weitergehen.

Ich habe nun übrigens oben auf der Seite auch eine Karte von Sambia eingebunden, die auf Mausklick größer wird, damit man mal so eine Ahnung bekommt, von welchen geographischen Punkten ich hier die ganze Zeit rede. Über die Zeit hinweg möchte ich dort noch die Punkte der Orte einzeichnen, in denen ich so tätig bin. Chilonga ist schonmal drin, mehr folgt in Kürze. :)

So und hier wie immer noch ein paar Bilder aus meiner Woche in Mulilansolo. Viel Spaß beim anschauen und eine gute Zeit!

07.09.09 - 11.09.09 Aufbau Busch in Mulilansolo

Sonntag, 6. September 2009

Beginn der Arbeit am Hospital in Chilonga

Mwashibukeni (Guten Morgen) bzw. Chungulopomukwai (Guten Tag) Frau/Herr Leserin/Leser meiner neuesten Blogzeilen!

Fast 2 Wochen sind seit meiner letzten Meldung nun schon ins Land gezogen und es hat sich wieder einmal einiges zugetragen. Hier also mal wieder ein paar Infos, um euch auf den Stand der Dinge zu bringen.

Wie man sieht, habe ich den letzten Tagen Fortschritte in Sachen Bemba, der lokalen Stammessprache hier in der Provinz, gemacht. In ganz Sambia werden immerhin 72 verschiedene Stammessprachen und Dialekte gesprochen, die meist verbreiteten sind aber Nyanja und eben Bemba. Englisch ist jedoch die offizielle Hauptsprache und wird in irgendeiner Art und Weise von eigentlich allen gesprochen, es sei denn man befindet sich in einem sehr abgelegenen Dorf. Da sich jedoch alle hier untereinander in ihren regionalen Sprachen unterhalten, ist es denke ich aber auch Pflicht für jemanden, der hier länger lebt, zu versuchen so viel wie möglich von der einheimischen Sprache sich anzueignen. Jeder hier war sofort sehr aufgeschlossen und will mir neue Wörter beibringen. Ich hätte schon eine sehr gute Aussprache. Sieht also gut aus. Mal schauen, ob es in diesem Tempo weitergeht.

So, was habe ich in den zwei Wochen sonst noch so getrieben. Vorletzte Woche war Nyoka, der mich einweisen und alles zeigen sollte, ja die ganze Woche in der Hauptstadt Lusaka. Das bedeutete für mich, dass ich in der Woche hier auf dem Gelände der Diozöse einfach geholfen habe, wo gerade was anstand. Ende der Woche wurde etwa eine defekte Solarpumpe aus Nabwalia, einem Dorf im tiefsten Busch wo sich eine kleine Krankenstation der Diozöse befindet. Diese haben wir dann gemeinsam auseinander genommen und wieder repariert. Oder am Sonntag sind ich und Günter, ein Elektroniker der gerade aus Lusaka hier ist um bei einem Hausbau mitzuhelfen, noch schnell zu einem Waisenhaus aufgebrochen, weil sich bei denen am Morgen fast ein Kabelbrand ereignete. So gab es halt immer was zu tun.

Die Woche darauf war dann Nyoka aus Lusaka wieder zurück und gleich am Montag fuhren wir gemeinsam nach Chilonga. Chilonga ist ein Dorf mit ca. 1500-2000 Einwohnern, in dem sich das große Krankenhaus der Diozöse und Zentrale für alle kleinen Krankenstationen in den abgelegenen Regionen befindet. Dort soll ich auch den Großteil meiner Arbeit in der Wartung aller Anlagen und dem gesamten Komplex verbringen. Zusammenarbeiten werde ich mit einem Flaschner, Moses, sowie zwei Elektrikern, Rambo und einem, dessen Namen ich mir leider noch immer nicht behalten konnte. Die drei zeigten mir zuerst das gesamte Krankenhaus mit all seinen Bereichen, anschließend die Versorgungsanlagen wie die Generatoren und das eigene Wasserreservoir. Danach folgte noch ein Rundgang durch die Schwesternschule. Die drei sind also verantwortlich für die gesamte Versorgung des Krankenhauses und stehen 24h auf Abruf bereit, sollte einmal etwas ausfallen. Dazu gehöre nun auch ich, auch wenn ich natürlich vorerst mal nicht auf Abruf bereit zu stehen habe. Dazu kenne ich mich noch lange nicht genug aus. Jedenfalls ging es die Woche sogleich los mit den verschiedensten Arbeiten. Z.B. Schlösser oder kleinere Wasserleitungen austauschen. An den Anschlussstellen der Leitungen sollte natürlich ein kleiner Dichtring noch angebracht sein, welche jedoch nicht vorhanden war. Mit einer Messerklinge aus dem OP und einem alten Schlauch eines Autoreifens war die Bastelstunde also eröffnet. Das Ergebnis war nicht gerade ästhetisch, erfüllte jedoch seinen Zweck. Rambo zeigte mir dann noch, wie man mit Schrauben umgeht, die nicht mehr ganz reinzudrehen sind. Man benötigt nur einen Hammer und etwas Muskelkraft. Naja, mal sehen ob ich ihm diese Taktik noch ausreden kann. :) In der Mittagspausen zeigte mir Moses immer ein wenig Chilonga. Wir aßen etwas und setzten uns vor die Bar (ohne Alkohol natürlich) und unterhielten uns mit seinen Freunden, was streckenweise wirklich sehr amüsant war. Gibt es mittlerweile nur einen Präsidenten für Ost und West? Wenn es in Deutschland keine großen Mienen mehr gibt, sind wir dann alle Bauern? Wie, Prostitution in Deutschland ist wirklich legal? Und und und. Ich stand natürlich für alles gerne Rede und Antwort.

Es lief also alles Bestens und die Arbeit in Chilonga machte echt rchtig Spaß. Am Mittwochabend kam dann aber der Hammer. Bereits vor dem ins Bett gehen fühlte ich mich ein wenig unwohl. Dachte mir jedoch nicht viel dabei. Im Bett dann hatte ich ein paar heftige Fieberschübe. Entweder war mir brutal heiß oder ich fror. Dann hatte ich dazu noch immer das Gefühl, als müsste ich mich übergeben. Auf dem Weg zur Toilette bekam ich dann noch einen Krampf in die Beine und konnte kaum noch laufen. Ich habe die ganze Nacht fast kein Auge zugemacht und dachte sofort, dass es Malaria sein könnte weil ich mich von einer Magenverstimmung noch nie so schlecht gefühlt hatte. Tags darauf war mir dann schwindelig und ich hatte Gliederschmerzen. Wenigstens das fiebrige Gefühl war verschwunden. Ich wollte trotzdem unbedingt einen Malariatest machen, um ganz sicher zu gehen. Also wurde ich wieder nach Chilonga gefahren und mein Blut wurde untersucht, was zweimaliges Blutabnehmen bedeutete. Ich war natürlich weniger begeistert, aber genauso wenig wollte ich eine Malaria verschleppen. Glücklicherweise war das Ergebnis negativ und ich hatte bzw. habe nur einen starken bakteriellen Infekt. Dabei habe ich am Mittwoch nicht einmal an der Straße gegessen sondern lediglich morgens und abends in der Kantine auf dem Diozösengelände in Mpika, wo ich zuvor schon mehrmals gegessen hatte. Also muss es wohl dort vom Abendessen kommen. Jetzt bin ich auf Antibiotika und Gott sei dank ging es seither stetig bergauf. Mein Mgen ist zwar noch etwas sensibel, aber heute fühlt es sich zum ersten Mal wieder richtig gut an. So musste ich also gleich zu Beginn drei Tage (Do, Fr, Sa) krank machen. Naja, dafür bin ich jetzt wieder einigermaßen fit und morgen geht es dann vermutlich nach Mulilansolo. Das ist ebenfalls ein Dorf mit einer kleinen Buschklinik, ähnlich wie Nabwalia. Wie ich schon in meinem ersten Eintrag geschrieben habe, geht es dort um Solaranlagen, die nicht mehr richtig funktionieren. Da bin ich auch schon sehr gespannt drauf.

Ansonsten habe ich mich weiter in Kultur und Leute eingelebt. Auch wenn ich es mir noch nicht getraut habe, im belebten Zentrum von Mpika ein Foto zu machen. Irgendwie hab ich da ein ganz komisches Gefühl, das man gar nicht so recht beschreiben kann. Vermutlich mache ich mir da selbst die meisten Gedanken. Naja, mit der Zeit wird sich das bestimmt legen und dann kann ich euch noch mehr Eindrücke präsentieren. Ein paar Bilder von den zwei Wochen habe ich aber noch zusammengekratzt und die könnt ihr wie gewohnt weiter unten betrachten. Ich hoffe, euch geht’s auch allen gut! Ich fühle mich noch immer sehr wohl hier, daran kann auch der kleine Infekt nichts ändern.

Erste Eindruecke vom Hospital in Chilonga und mehr