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Freitag, 11. September 2009

Arbeitsintensive Woche in Mulilansolo

Hallo und da bin ich wieder, frisch zurück aus dem Busch und einer arbeitsintensiven Woche in Mulilansolo. Es waren wieder so viele Eindrücke und Erlebnisse in dieser Woche, dass ich gar nicht weiß, wo anfangen, aber ich werde einfach mal versuchen ein wenig die letzten Tage zu beschreiben.

Zuerst einmal zum Ort: Mulilansolo befindet sich ca. 240km nördlich von Mpika, also fast schon am Ende von Sambia und zur Grenze nach Tanzania. Um dorthinzugelangen fährt man erst einmal ca. 170km auf der zwar mit Schlaglöchern übersäten, aber zumindest noch „geterten“ Straße bis nach Chinsali, von wo aus es dann die restliche Strecke über Buschpisten bis nach Mulilansolo geht. Dorthin gefahren bin ich gemeinsam mit Nyoka, der hier alles was irgendwie mit Bauen/Handwerken zu tun hat leitet, einem kleinen Teil seiner Familie den er mitnahm und ein paar Arbeitern. Wir quetschten uns alle zusammen gemeinsam mit Gepäck, Fressalien und Baumaterialien in einen Landcruiser, was alleine schon sehr abendteuerlich war. Ach ja, es sollte übrigens am Montag morgen um 10:0Uhr losgehen, Abfahrt war dann aber um 15:00Uhr, was jedoch für Sambische Verhältnisse überaus pünktlich ist, denn es lag noch nicht einmal ein Tag dazwischen, was wirklich nicht selten vorkommt. Man braucht eben Geduld mit allem was man hier so macht.

Auf der Hinfahrt sind wir dann unterwegs noch nach Mulanga gefahren, was ebenfalls im Busch liegt, jedoch nicht gerade auf unserer Route. Dort unterhält die Diozöse, wie auch in Mulilansolo, eine kleine Krankenstation in der die Nonnen Krankenschwester, Ärzte und Verwaltung in einem sind. In Mulanga stehen demnächst auch einige Arbeiten an und Nyoka wollte sich alles erst einmal anschauen um den Leuten dann sagen zu können, wie lange es dauert und vor allem, wie viel alles kostet.

Nachdem wir dort eine gute Stunde verbrachten, ging es weiter in Richtung Mulilansolo. Wir pressten uns sogar noch dichter zusammen, um einen Patienten ins Krankenhaus nach Chinsali mitzunehmen. Es wurde Nacht (so gegen 18:00Uhr) und somit noch schwieriger, den Schlaglöchern rechtzeitig auszuweichen. Eine wirklich anstrengende Fahrt. Gegen 21:00Uhr erreichten wir endlich wohlbehalten unser Ziel und waren ziemlich erschöpft. Die Priester erwarteten uns schon und versorgten uns erst einmal mit einem Abendessen bei ihnen im Haus. Danach wurde ich dann bei den Nonnen ins Gästezimmer einquartiert, da dies der einzig noch zur Verfügung stehende Raum war.

Am nächsten Tag ging es um 07:00Uhr in der Früh mit dem Arbeiten los. Der staatliche Stromversorger ZESCO hat beschlossen, einige Buschregionen an das Stromnetz anzuschließen, unter anderem Mulilansolo. Daher bestand nun meine Arbeit gemeinsam mit dem Elektriker Benedikt und seiner Truppe darin, die Solaranlagen bei den bestehenden Gebäuden abzuschließen, Steckdosen zu installieren und diese gemeinsam mit den bereits vorhanden Lichtern für das Stromnetz neu zu verkabeln. Darunter vielen das Gebäude der Nonnen und Priester, die Klinik, sowie einige Unterkünfte welche zum Gelände gehörten. Leider wird es wohl trotz allem nicht für alle im Dorf möglich sein, sich den Strom zu leisten. ZESCO verlangt schon alleine um nur den Strom zum Haus zu bringen 250€ und dann sind noch keine Kabel usw. gelegt, geschweige den der monatliche Strompreis bezahlt. Wirklch eine Menge Geld. Schon alleine Benedikt, der in Mpika lebt und einen nicht schlecht bezahlten Job hat kann es sich nicht leisten, sein Haus zu elektrifizieren und das, obwohl er Elektriker ist. Schon sehr verrückt. Dies liegt aber auch daran, dass Sambia einen großteil seines Stroms an andere Länder exportiert und somit in Sambia selbst mit am teuersten ist in ganz Afrika. Dazu noch gibt es häufig Stromausfälle weil das bißchen was zur Verfügung steht oft überlastet ist. So und nachdem ich jetzt mal wieder ein wenig abgeschweift bin komme ich aber zurück zum Thema.

Mein täglicher Arbeitstag begann also um 07:00Uhr und endete gegen 17:00Uhr. Die einzige Pause war zum Mittagessen von 12:00Uhr bis 13:00Uhr. Dazwischen ging es wirklich rund im Karton. Ca. 20 Mann alleine hämmerten am ersten Tag Schlitze in die Wände und meiselten Durchbrüche für die Kabel, während Benedikt und ich mit den Kabeln hantierten. Das ganze ist hier in Sambia weit zeitaufwendiger, da es nicht wie bei uns die tollen dreiadrigen Kabel in einer Kunststoffhülle gibt, sondern man kauft die adern einzeln und muss sie dann jweils durch die zurechtgesägten Kunststoffrohre stecken. So habe ich in den ersten beiden Tagen relativ wenig von Muliansolo gesehen, da es nach Feierabend und der erlösenden kalten Dusche bereits dunkel wurde bzw. war. Es war jedoch wirklich äußerst amüsant, sich mit den ganzen Arbeitern zu unterhalten, mit Ihnen rumzuscherzen und natürlich wieder viel Bemba zu lernen. Mit ein paar Brocken hat man gleich zu Beginn ein Stein im Brett und ich kam mit allen sehr gut aus. Besonders Benedikt, mit dem ich quasi ständig zusammenarbeitete, erklärte mir viel über Sambia und auch Mulilansolo, auch wenn er im absoluten Bemba-Englisch spricht. Besonders wenn es um die Arbeit ging hatte ich manchmal echte probleme ihn zu verstehen. Gegen Ende klappte es aber immer besser. Man muss eben erst sein Ohr für diese komischen Töne schulen. :)

Im Dorf war ich die ganzen Tage über natürlich DIE Hauptattraktion. Ich stand rund um die Uhr unter Beobachtung und wurde wenn ich umherlief von jedem angestarrt. Dazu sammelten sich immer Herscharen von kichernden Kindern hinter mir, welche noch schüchterner wurden, wenn ich Ihnen ein paar Wörter in Bemba entgegnete. Unterhielt ich mich abseits der Arbeit mit Benedikt oder einem anderen Arbeiter, trauten sie sich ein wenig näher her und alle wollten einmal die Hand des weißen Mannes schütteln. Schon irgendwie ein komisches Gefühl, eine solche Atraktion zu sein, aber wenn ich sie immerhin auf Bemba mittlerweile fragen kann, wie es Ihnen geht komme ich mir schon nicht mehr ganz wie ein Außerirdischer vor und ihr lächeln drückte ja auch aus, dass sie sich einfach freuten, jemanden wie mich zu sehen. Gegen Ende der Woche kam es mir so vor, als gewöhne sich das ganze Dorf allmählich an meine Anwesenheit und jeder grüßte mich freundlich auf der Straße. Stolz fuhr ich meine Sprachkentnisse auf, woraufhin viele gleich dachten, ich sei ein Bemba Profi und beim spätestens dritten Satz, hörte es dann auch schon auf. Ich verstand nichts mehr und da die meisten Menschen hier kein Englisch sprechen, konnte ich ihnen auch nicht so recht klar machen, dass ich sie nicht mehr verstehen kann und nur ein bißchen Bemba spreche, denn ich habe sie doch schon in Bemba angesprochen. Ich wüsste zu gern, was an dieser Stelle so mancher Gegenüber sich dachte, aber das bleibt wohl ein Geheimnis. Ein echtes Highlight der Tage war noch der aufgehende Mond. Das Schauspiel ereignete sich ca. 2-3 Stunden nach Sonnenuntergang, wenn ein riesiger, rot-orange leuchtender Mond wie die Sonne am Horizont aufging und alles taghell erleuchtete. Ich habe verscuht, ein Foto davon zu machen, was jedoch wirklich nihct annähernd so spektakulär ausschaut wie im Original. Ich habs zur allgemeinen Belustigung trotzdem mal zu den Bilder hinzugefügt. :)

Am Mittwochabend konnten wir dann den ersten Erfolg verbuchen und das Gebäude der Nonnen war als erstes ans Netz angeschlossen. Daraufhin flippten hier alle regelrecht aus. Es wurde so ziemlich jedes elektronische Gerät zusammengetragen dass sich irgendwo befand und angeworfen. Abends wurde noch halb Mulilansolo mit Musik beschallt und überall tanzten die Leute. Echt der Wahnsinn.

So verging die ganze Woche einfach wie im Flug und ich bin heute wieder vollbepackt mit neuen Eindrücken nach Mpika zurückgekehrt, auch wenn die Arbeit dort natürlich noch lange nicht abgeschlossen ist. Für mich geht es nächste Woche jedoch erst einmal am Krankenhaus in Chilonga weiter. Für die Zukunft soll es irgendwann mal so sein, dass ich mit ein paar anderen für das große Krankenhaus in Chilonga, sowie allen kleinen Buschkliniken zuständig bin und die Anlagen in Schuss halten soll. Ich werde also in den nächsten Wochen auch noch die anderen Dörfer besuchen um überall einen Eindruck zu erhalten und Fuß zu fassen. Es wird also wohl genauso ereignisreich weitergehen.

Ich habe nun übrigens oben auf der Seite auch eine Karte von Sambia eingebunden, die auf Mausklick größer wird, damit man mal so eine Ahnung bekommt, von welchen geographischen Punkten ich hier die ganze Zeit rede. Über die Zeit hinweg möchte ich dort noch die Punkte der Orte einzeichnen, in denen ich so tätig bin. Chilonga ist schonmal drin, mehr folgt in Kürze. :)

So und hier wie immer noch ein paar Bilder aus meiner Woche in Mulilansolo. Viel Spaß beim anschauen und eine gute Zeit!

07.09.09 - 11.09.09 Aufbau Busch in Mulilansolo

1 Kommentar:

Moni hat gesagt…

Herzlich willkommen zurück aus dem Busch. Du hörst dich ganz toll an, wie immer, super Kommentare, eindrucksvolle Bilder. Weiterhin frohes Schaffen.
Viele liebe Grüsse aus Hohenstadt.
A+M