Seit meinem letzten Eintrag gibt es noch ein paar Aktivitäten im Reisesektor zu verzeichnen. Vorletzte Woche wurde ich abermals und zum letzten Mal nach Nabwalya entführt. Waldemar, der Priester, der dort gerade eine Außenstelle der Diözese aufbaut, hat Spendengelder aufgetrieben, um die örtliche Buschklinik mit einer Solaranlage für Licht zu versorgen. Ich durfte mitgehen und die Installation mit zwei Leuten vom Dorf durchführen, die quasi gar keine Ahnung von Elektroinstallationen haben. Ich musste daher den Anschluss der Solaranlage, sowie die komplette Verkabelung der Lichter in sieben Räumen planen und mit den Beiden “Lehrlingen” durchführen. Puh, da habe ich erst mal ganz schön geschluckt. Ich hatte zwar eine Ahnung, wie ich alles angehen werde, aber es war das aller erste Mal überhaupt, dass ich so etwas alleine, ohne einen zusätzlichen Elektriker durchführen sollte. Aber man wächst ja schließlich an der Herausvorderrung. 2 ½ Tage arbeiteten wir ununterbrochen daran und am Ende funktionierte alles auf anhieb. Ich glaube, ich war noch nie so stolz auf mich, wie in diesem Moment und überglücklich, dass alles funktionierte. Wir schafftn es erst am Tag der Abreise zurück nach Mpika alles fertigzustellen, sodass ohnehin kein Puffer für Fehlerkorrekturen mehr übrig gewesen wäre. Waldemar hatte sich wohl verschätzt in der Zeit, die ich mit meinen beiden Kollegen für alles brauche, aber Qualität geht schließlich vor Quantität und am Ende hat ja auch alles genau hingehauen. Es hat mir wirklich sehr großen Spaß gemacht. Vor allem auch nochmals die ganzen Leute in Nabwalya zu sehen. Damit hatte ich schon gar nicht mehr gerechnet und konnte mich dadurch bei jedem persönlich verabschieden. Vor unserer Abreise wurde mir sogar in der Kirche von allen für meine diversen Arbeiten vor Ort gedankt, was wirklich super lieb war.
Am vergangenen Wochenende machten wir einen letzten Ausflug an den Tanganyikasee, hoch oben im äußersten Norden von Sambia. Mit dem Ende der vergangenen Woche hatten meine Beiden Mitfreiwilligen der Brücke der Freundschaft, Susanne und Franziska, ihre Arbeit bereits beendet und wir fanden uns alle in Mpika ein. Wie geplant stieß auch noch die gute Franzi aus Ndola zu uns und mit meinen beiden Mitbewohnern, Andreas und Jean-Baptiste, bildeten wir ein hochmotiviertes 6er Gespann, das sich anschickte in unserem alten, klapprigen Daihatsu “Rocky” die 450km bis zum Hafenstädtchen Mpulungu am See zurückzulegen, wo wir für drei Nächte bleiben wollten.
So weite Touren hatten wir mit unserem Wagen noch nie gewagt und mit vier Leuten im kleinen Laderaum war Platztechnisch das absolute Maximum erreicht. Aber Auto und Motor, die schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben und komplett in einem Fluß abgesoffen sind, schnurrten wie ein Kätzchen und beförderten uns über die ganzen Tage sicher von A nach B. Nicht einmal einen Platten hatten wir zu vermelden, nachdem wir seit Mai das komplette Auto mit neuen Reifen “aufmotzten”.
Der Tanganyikasee ist volumenmäßig der größte See Afrikas und der zweittiefste See der Welt, hinter dem Baikalsee. Mit seiner enormen Länge von 673km bildet er das Grenzgebiet von Sambia im Süden, Tansania im Osten, dem Kongo im Westen und Burundi am äußersten Norden. Um den ganzen See herum hat auch ein großer Teil des menschlichen Ursprungs seine Herkunft.
Mpulungu, der größte Ort am Tanganyikasee in Sambia, hat für das Land ohne einen Zugang zum Meer eine ziemlich große Bedeutung. So findet man hier den größten Hafen des Landes und der See verschafft Sambia eine direkte Grenze zu Burundi. Auch die große Vielzahl an Fisch, welcher sich aus dem See ziehen lässt, ist ein wichtiger Bestandteil für die Region und das ganze Land. Die Tanganyika-Sardine, Kapenta genannt, wird in ganz Sambia gegessen und gehört eigentlich schon zum Grundnahrungsmittel. Der Fisch wird meist vor Ort getrocknet und dann in großen Säcken über das ganze Land verteilt. Für mich zählt sie ebenfalls zu einem der schmackhaftesten und dabei günstigsten Fische, die es hier gibt.
Die Nähe zu Tansania verschafft dem Städtchen einen unverkennbaren Swahili-Einfluss. Swahili wird die Volksgruppe genannt, die sich entlang der Ostküste Afrikas niedergelassen hat. Vor allem im heutigen Kenia, Tansania und Mosambique. Dort wird auch Kiswahili als Amtssprache gesprochen. Durch die See spezialisierten sich diese Leute über die Jahre auf den Handel. Die Volksgruppe hat, wie die Bembas, welche sich in großen Teilen Sambias befinden, und vielen andere Stämmen Zentralafrikas ihren Ursprung aus dem Stamm der Bantu. Ihre Kultur ist durch den Handel jedoch stark von den indischen, arabischen und auch europäischen Ländern beeinflusst worden.
In Mpulungu hatten wir eine tolle Unterkünft mit total netten Betreibern, wo man sich gleich zu Hause fühlte. Wir aßen dort jeden Abend und Charity, die sambische Managerin, zauberte uns jedes Mal ein weltklasse Abendessen basierend auf dem Nkupi Fisch, einem der größten Fische des Tanganyikasee. Er schmeckt wirklich super lecker! Im restlichen Sambia ist dieser Fisch quasi gar nicht zu bekommen und wenn, erst recht nicht in der Qualität. Es war einfach klasse, genauso wie unsere Zimmer bzw. Chalets zum Campingpreis. Einziger Nachteil waren die dutzenden Moskitos, welche sich vor allem in den Duschen und WC’s gerne tummelten. Man musste sich quasi in einem Schwarm waschen und jetzt hoffen wir alle mal, dass wir von der Malaria verschont wurden. Ich hatte mal kein Stich festgestellt. *dreimalaufholzgeklopft* :)
Wir beschlossen, Mpulungu als Ausgangspunkt für zwei Tagesausflüge zu nehmen. Zuerst machten wir uns mit dem Boot auf den Weg in die etwas entfernt gelegene Isanga Bucht, wo es DEN Traumstrand von Sambia geben soll. Was soll ich sagen, die Geschichten, die wir hörten, sind absolut wahr! Nach 30min Bootsfahrt über den See gelangt man auf einmal in eine Bucht mit perfektem Sandstrand. Dort gibt es eine Lodge, die einige Palmen angepflanzt und Strohschirme aufstellt hat. Einfach wie im Bilderbuch. Sogar schnorcheln konnte man entlang der Steine am Rand der Bucht, wo es jede Menge bunte Fische zu bestaunen gab. Und das in einem Süßwassersee! Der Wahnsinn! Wir verbrachten den ganzen Tag am Strand, schnorchelten, spielten Frisbee, lasen und tranken ein paar tansanische Safari, das Beste Bier welches ich in Afrika bisher getrunken habe und wo sogleich viele schöne Erinnerungen an unsere vier Wochen in Tansania und Sansibar hochkamen. War ein perfekter Tag an einem perfekten Strand, wo man sich eher am Meer in der Karibik vorkam als an einem Süßwassersee mitten in Afrika.
Unser zweiter Ausflug verlangte uns da schon ein wenig mehr ab. Am darauffolgenden Tag wollten wir uns den Kalambo-Wasserfall anschauen. Der Kalombo ist ein Zufluss zum Tanganyikasee und bildet die Grenze zwischen Sambia und Tansania. Ein paar Kilometer vor dem See stürzt der schmächtige Fluß 235m im freien Fall in ein Tal hinab. Der dabei entstehende Wasserfall bildet den zweithöchsten Afrikas und den zwölfthöchsten der Welt. Um ihn zu erreichen mussten wir zuerst ins 40km entfernte Mbala fahren und von dort ging es weiter über 40km schlechter Buschpiste. Bei der harten Federrung und ohne richtige Sitze war das eine ganz schöne Belastungsprobe der vier Passagiere im Laderaum des Rocky. Hunzu kam strahlender Sonnenschein, der die Temperaturen in die höhe trieb. Durch die tiefere Lage des Sees ist es um ihn herum einige Grad wärmer als im restlichen Land und vor allem schwüler durch das Wasser. 1,5km vor Schluss war dann aufgrund fehlendem Allradantrieb Schluss und wir legten die restliche Strecke durch den Busch zu Fuß zurück. Da man sich den Fällen von hinten nähert, kann man sie erst hören, wenn man direkt an ihnen steht. Das Tal scheint das ganze Rauschen einfach wegzuschlucken. Es war ein absolut beeindruckender Anblick. Dieses riesige Tal, in welches ein ungebrochener Wasserschweif hinabstürtzt. Auf der Anhöhe, die wir entlanggingen, war der Stein quasi senkrecht abgebrochen. Einfach gigantisch und die strapaziöse Fahrt hat sich absolut gelohnt. Auf dem Rückweg hatte Jean-Baptiste dann die Idee, dass sich zwei auf den leeren Gepäckträger auf dem Dach setzen können, wodurch sich die Rückfahrt für die beiden verbleibenden Passagiere in der sogennanten Kapenta-Klasse wesentlich angenehmer gestaltete. :)
Es war wirklich ein super letzter Ausflug in einem wunderschönen Land, das einem in diesem Jahr schon ziemlich ans Herz gewachsen ist. Nach unserer Rückkehr in Mpika hieß es nun aber auch von Franzi Klein, der Ndola-Franzi ;), Abschied nehmen. Aber wenn wir es schon schafften, uns in Sambia über große Entfernungen zusammenzufinden, sollte das in Deutschland ja erst recht gelingen. Daher wird es, wie schon drei Wochen zuvor bei Linda in Ndola, mit Sicherheit kein Abschied für immer sein sondern man wird sich hoffentlich bald in Deutschland wieder sehen. Ganz bestimmt. :)
Jaja, die Zeit des Abschied nehmens. Sie ist wahrlich angebrochen. Vergangene Woche hatte ich bereits meinen letzten Arbeitstag im Krankenhaus in Chilonga. Auch ein merkwürdiges Gefühl. Ich werde vor unserer Fahrt nach Lusaka aber nochmals im Krankenhaus vorbeischaun und allen auf Wiedersehen sagen. Das wollte ich 2 ½ Wochen vor Abfahrt dann doch nicht schon machen.
Am kommenden Samstag ist dann die im Vorfeld schon erwähnte Abschiedsparty angesagt. Irgendwie habe ich da aber gar keine Vorfreude drauf, wenn es auch bestimmt schön wird, den Großteil aller Leute nochmal auf einem Haufen zu sehen und mit ihnen anzustoßen auf dieses unvergessliche Jahr. Aber Abschied nehmen ist natürlich auch nie wirklich schön. War ja schon genauso, als ich in Deutschland nach Sambia aufbrach. Für die Feier habe ich vergangenen Freitag mit meinem Kumpel Pritchard schon zwei Zeigen gekauft. Hierzu sind wir einige Kilometer Buscheinwärts gefahren, wo ich mir dann zwei Exemplare ausgewählt habe. Momentan grasen sie noch am Eingang zum Diözesengelände, bevor wir sie dann am Samstag morgen schlachten werden. So wie es aussieht, bekomme ich von Andrew, einem weiteren sehr guten Freund, sogar eine weitere Ziege für die Feier geschenkt, was dann drei macht. Da ich mit 40-50Leuten rechne, denke ich mal, sollten da nicht viel Reste übrig bleiben. :) Bin mal gespannt, wie alles wird. Vielleicht schaffe ich es ja noch vor meiner Abfahrt nach Lusaka euch nochmal ein paar Zeilen diesbezüglich zukommen zu lassen. Ich freue mich jetzt auch schon wieder wirklich darauf, euch alle wieder zu sehen. Dann haben auch diese komischen Abschiedsgefühle wieder ein Ende.
Von dem her, wir sehen uns in 10 Tagen! :) Bis dahin, macht’s gut allesamt!
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| 15.07.10 - 18.07.10 Installation einer Solaranlage für die Buschklinik in Nabwalya |
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| 24.07.10 - 27.07.10 Ausflug zum Tanganyikasee |












