Das Wetter in Sambias Hauptstadt
(manchmal gibt es keine Daten oder sie sind verzögert)

Mittwoch, 31. März 2010

Laute Schläge von kaputten Bremsscheiben kündigen das Osterfest an

Mein heutiges Lebenszeichen sollte erneut Lesefaul-freundlich ausfallen, denn es gibt seit meiner letzten Meldung wenig außerordentliches zu berichten. Dafür wartet dieser Beitrag mit einem neuen Fotoalbum, sowie einer Aktualisierung auf. :)

In den letzten Wochen habe ich mich stark auf die Arbeit konzentriert und es geht wirklich einiges voran. Besonders am Krankenhaus nimmt die Sache allmählich Hand und Fuß an. Wir sind immer noch am kontrollieren von sämtlichen Rohren, Ventilen, Pumpen und Tanks, welche die Wasserversorgung des Krankenhauses, des angrenzenden Wohnviertels für einige Angestellte, sowie der Schwestern- und Hebammenschule bilden. Dabei gilt es Wassertürme zu erklimmen, sich mit Bienenschwärmen rumzuschlagen die es sich in den kleinen Schächten der Hauptventile des Wassersystems auf dem Gelände gemütlich gemacht haben, sowie so manche kleine Dusche zu riskieren. Dienstag diese Woche konnten wir dann schon die ersten neuen Wartungspläne einführen, die festelgen, in welchen Abständen Wasser für das Wohnviertel gepumpt wird und eine Teilwartung der Leitungen vom nahgelegnen Bach zum Wasserreservoir beschreiben. Das ganze soll dann auf dem selben Zettel jedes Mal nach getaner Arbeit mit einem Servus bestätigt werden. Selbiges wird in nächster Zeit noch für die Handhabung des Generators erstellt werden, welcher in Anspruch genommen wird wenn mal wieder für den halben bis ganzen Tag der staatliche Stromversorger den Schalter umlegt oder bei einem der zahlreichen Kurz-Stromausfälle ein Notfall im OP ansteht. Und auch sonst deckt unsere Großinspektion jedes kleinsten Winkels so einige Mängel oder Arbeit der Kategorie “wär schon lange mal nötig gewesen” auf, um die wir uns Schritt für Schritt kümmern.

Nebenher laufen natürlich auch nach wie vor noch die generellen Wartungsarbeiten am Krankenhaus, bei denen ich während meiner Anwesenheit auch gerne tatkräftig mitwirke. Dabei ertappe ich mich noch immer ab und zu dabei, wie ich mich in manche Tätigkeiten reinsteigere und mir die Art und Weise, wie vor allem mein Kollege Martin so manche Dinge angeht, einfach nicht gut oder überlegt genug sind. So wieder letzte Woche bei der Reparatur einer nicht mehr schließenden Tür geschehen. Diese hatte sich so verzogen, dass vom Schloss bis nach unten ein Teil abgehobelt werden musste. Es handelte sich sogar um eine der wenigen schönen, handgefertigten Türen aus der Schreinerei der Diözese, die am Krankenhaus angebracht sind. Umso mehr ein Grund, die Sache mit Gefühl und Bedacht anzugehen, um die die Türe nicht komplett zu verschandeln. Das ganze wird allerdings durch den noch immer akuten Werkzeugmangel erschwert. Der uralte Hobel, eines der wenigen Werkzeuge die überhaupt da sind, funktioniert schon lange nicht mehr richtig, sodass wir jedes Mal die Klinge ausbauen und sie als Meisel verwenden, was wesentlich besser klappt. Leider Gottes war an diesem Tag auch noch der einzige Hammer nicht mehr auffindbar, sodass wir zu einer alten, gebrochenen Autofelge als Ersatz griffen. Zu Beginn lief alles noch wunderbar und wir wechselten uns immer wieder mit dem Hämmern ab. Zwar brachte Martin bereits hier das Holz mit in paar ungestümen Schlägen zum Splittern und es brachen Stücke ab, die viel tiefer waren als wir eigentlich gehen wollten, jedoch habe ich mich an solche Minimalschäden schon gewohnt. Richtig übel wurde es erst, als wir die Türe wieder einsetzten und sie noch immer nicht passte. Es musste noch etwas mehr abgemeiselt werden, besonders dort, wo sich das Schloss und der Schließmechanismus befinden. Martin zückte den Meisel und hämmerte gleich ohne Rücksicht auf Verluste los. Das Metall von Schloss und Türklinke verbog sich in alle Himmelsrichtungen und alle guten Ratschläge, wie z.B. das Schloss erst auszubauen, weil es im Anschluss ohnehin neu eingesetzt werden muss, verhallten ungehört. Am Ende war das Holz an der schmalen Türseite ziemlich zugerichtet, die geschraubten Einzelteile von Schloss und Klinke wurden herausgebrochen und in der neuen Position mit Nägeln und ein paar überkräftigen Hammerschlägen wieder festgenagelt. Der Schließmechanismus funktionierte längst nicht mehr, was aber durch ein paar Hammerschlägen mehr ebenfalls noch hingedeichselt wurde. Echt der Wahnsinn und ich musste einfach abermals einsehen, dass die Ansprüche mit denen ich an so eine Arbeit rangehen würde, nämlich dass die Türe im Anschluss nicht einfach nur zugehen sondern auch noch einigermaßen unbeschadet aussehen sollte, hier nicht angebracht waren sondern, nicht nur für Martin, die Funktion im Vordergrund steht, dass die Türe eben wieder schließt. Und das war ja schließlich gegeben. :)

Das nur mal als kleines Beispiel von allerhand Unterschiede, die man tag täglich erlebt. Vieles beachte ich vermutlich auch schon gar nicht mehr sondern gehören einfach zum Alltag dazu. Hier viel mir das aber mal wieder besonders auf, wie mir die misshandlung der Tür innerlich weh tat, jedoch vielen mir die zahlreichen Spuren unserer Arbeit eine Woche später bereits gar nicht mehr auf. :)

Auch mein zweites Projekt, das Programm für die Lagerverwaltung, schreitet stetig vorwärts. Mein selbstgesetztes Ziel die Sache vor Ostern soweit fertig zu haben, dass es danach nur noch an den Feinschliff und dann auch schon ans Testen mit den Leuten von der Werkstatt geht, werde ich vermutlich nicht ganz erreichen. Ein paar Tage mehr benötige ich noch, dann sollten die wichtigsten Funktionen gewährleistet sein, wenn nicht noch ein paar weitere Anforderrungen hinzukommen.

An Ostern selbst werden wir eine kleine Reise antreten. Franziska aus Ndola wird in der Nacht von Karfreitag auf Samstag mit dem Bus zu uns nach Mpika stoßen, bevor ich mich dann am nächsten Morgen mit ihr, Susanne, Andreas und Jean-Baptiste in unserem kleinen, klapprigen Daihatsu auf den Weg in den Busch nach Chalabesa mache, wo wir die Tage bis Ostermontag mit Franziska an ihrem Einsatz- bzw. Heimatort :) verbringen. Das werden bestimmt wie immer geniale und lustige Tage. Ich hatte ja schon ein paar mal bei ihr vorbeigeschaut und freue mich schon wieder auf die nächste Ausgabe mit der ganzen Bande. :)

So und nun zum Abschluss noch ein paar neue Bilder von der Arbeit in Chilonga, sowie ein neues Album über Mpika, meine Heimat für ein Jahr. Werde das Album genauso wie das von Chilonga bis zum Ende meiner Zeit immer mal wieder aktualiesieren und hoffe, ihr könnt euch dadurch ein wenig ein Bild darüber machen, wo ich hier gelandet bin. Apopro Ende meiner Zeit, auch dieser Tag steht mittlerweile fest und so werde ich am 07. August 2010 um 06:10Uhr in Frankfurt wieder deutschen Boden betreten. Bis dahin genieße ich aber noch die Zeit im schönen Sambia bei Arbeit und der gelegentlichen Frohlockung von mal mehr, mal weniger sambischer Braukunst. :)

Chilonga


Mpika - meine Heimat für ein Jahr

Montag, 22. März 2010

Arbeit, Busch und die Freude am Grillen

Mal wieder eine kurze Meldung meinerseits über eine Woche voller Alltag und Nicht-Alltag. ;) Fangen wir gleich mal beim Alltag an.

Meine momentan reguläre Arbeitswoche besteht aus arbeiten im Büro der Diözese um das Programm für das Lager der Werkstätten fertigzustellen, sowie einen Tag am Krankenhaus in Chilonga zu verbringen. So auch in der vergangenen Woche. Das Programm machte abermals einige Fortschritte und am Krankenhaus dreht sich noch immer alles um das Thema Wasser. Dieses Mal ging es vor allem darum, das große Reservoir, von welchem im Notfall Wasser in alle Wassertanks gepumpt werden kann, zu inspizieren. Nebenher bauten wir noch einen Zaun, der den Müllverbrennungsbereich von den Krankenhausgebäuden trennt. Eine schweistreibende aber überaus spaßig Arbeit. :)

Am Wochenende sollte dann Waldemar, der polnische Priester, der die Außenstelle in Nabwalya leitet und seit fast 20 Jahren in Sambia lebt, von der Brücke am Mutinondo (ein Fluß kurz nach dem Abstieg ins Luangwatal) abgeholt werden. Um uns bis dorthin entgegen zu kommen hatte er einen 60km langen Fußmarsch zurückzulegen. Nabwalya ist der Ort im Luangwatal, den ich gemeinsam mit meinem Mitbewohner Andreas schon zu Silvester unter tatkräftigem Autoschiebe-Einsatz einen Besuch abstattete. Am Samstag morgen um acht Uhr machte ich mich gemeinsam mit Lutz im Geländewagen auf, eine Strecke zurückzulegen, die während dieser Jahreszeit mit all dem Regen eigentlich kaum noch zurückzulegen ist. Vor allem der Teil unten im Tal bis Nabwalya ist alljährlich während dieser Zeit nicht mehr passierbar. Daher musste uns Waldemar auch entgegenlaufen. Der Grund für seine beschwerliche Reise nach Mpika sind einige Meetings anlässlich dem Ende des Finanzjahres, wie man das eben auch von Europa her kennt. :)

Da es auch noch unklar war, wann Waldemar an diesem Tag eintrudeln wird, sorgten wir mit einer Kühlbox, die zugehörigen kalten Getränke, sowie einer kleinen Feuerstelle (die traditionelle Herdplatte) und etwas Fleisch zum grillen schonmal vor, um bei einer längeren Wartezeit nicht auf dumme Gedanken zu kommen. :) Auf der Fahrt bis zum Ende der Hochebene und hinunter ins Tal wurden wir dann ordentlich durchgeschüttelt und Fahrer Lutz musste ein paar kleinere, knifflige Situationen bewältigen. Meine Fingerfärtigkeiten als Autoschieber wurden jedoch nicht beansprucht und die Reifen trotzten ebenfalls allen Strapazen. Es ist aber immer wieder erstaunlich, wie sich die Landschaft und Straßenverhältnisse hier innerhalbt kurzer Zeit ändern können, wie soeben wieder mal am Beispiel von 2 ½ Monaten selbst erlebt. Nach unserer Ankunft an der Brücke über den Mutinondo berichtete uns Waldemar noch davon, dass die “Strecke” bis nach Nabwalya teilweise komplett weggespült wurde und selbst nach der Regenzeit vorerst nicht mehr passierbar ist. Bereits einige hundert Meter vor unserem Ziel, der Brücke, mussten auch wir das Auto stehen lassen und ihn zu Fuß abholen, da das abfließende Wasser bis zu einem halben Meter tiefe Rillen aus der Strecke gewaschen hat. Bei unserer Ankunft gegen elf Uhr wartete er dann sogar bereits auf uns, sodass wir unser geplantes warte-grillen auf ein gemeinsames wiedersehen-grillen am Abend verschoben. Die mitgebrachten Getränke überlebten die Heimfahrt dennoch nicht, sondern mussten zum Anstoßen auf seinen 60km langen Fußmarsch in 1 ½ Tagen herhalten. :)

20.03.2010 Waldemar im Luangwatal abholen


Hier noch ein Bildchen, auf dem man sehen kann, was die Regenzeit hier mit den Straßen alles anstellen kann. Das Bild zeigt die Strecke zwischen Maamba und Batoka in der Südprovinz am 18.03.2010.
(copyright by Post Zambia; taken from http://www.postzambia.com/post-read_article.php?articleId=7156&highlight=southern%20province%20road)

Sonntag, 14. März 2010

Jetzt schlägt’s 24!

Jaja, da war es also mal wieder soweit. Der Kalender hat wie jedes Jahr um diese Zeit beschlossen, mein Alter um eine Stelle hochhüpfen zu lassen und zum zweiten Mal in Folge durfte ich den sogennanten Geburtstag in einem anderen Land miterleben. Es war auch wahrlich ein anderer Geburtstag als sonst. Erstmal möchte ich mich noch bei allen Gratulanten bedanken, die an dem Tag so zahlreich an mich von weiter Ferne gedacht haben. Hat mich wirklich wahnsinnig gefreut! Ansonsten hatte ich wohl den entspanntesten Geburtstag aller Zeiten. Dies liegt mitunter daran, dass für viele Menschen in Sambia, genauer in Nordsambia, der Geburtstag keine wichtige Rolle spielt. Er wird viel mehr zur Kenntniss genommen, was ich am eigenen Leib bei meinem sambischen Nachbar und Arbeitskollegen Humphrey erfahren konnte. Der hatte wohl irgendwie mitbekommen, dass ich Geburtstag habe und nur gemeint:
– “So, heute ist also dein Geburtstag?”
– “Ja.”
– “Oh, na das ist ja toll.”
Schon echt lustig. Ich habe mir gar sagen lassen, dass viele noch nicht einmal ihr Geburtsdatum wissen. Eine große Party fiel dieses Jahr dementsprechend flach (im Gegensatz dazu was letztes Jahr im Studentenwohnheim in Schottland ablief ;) ). Es war aber wie gesagt trotzdem ein schöner Tag und es gab sogar einen kleinen Kuchen. Noch dazu hatte ich an dem Tag überraschend frei. Wie jedes Jahr fällt mein Stichtag auf den Weltfrauentag, der in Sambia schon lange eine große Rolle spielt, jedoch seit diesem Jahr nun offiziell ein gesetzlicher Feiertag ist. Das ganze hatten wir morgens beim Frühstück erfahren. Zu schade, dass das selbe nicht in Deutschland gilt. :) Eine kleinere Feier gab es dann aber nachträglich doch noch am vergangenen Samstag. Im kleinen Kreis haben wir gegrillt und ein paar Bierchen getrunken. Thomas, mein Chef, hatte bei seiner Rückkehr aus Deutschland sogar im deutschen Metzger in Lusaka eine ganze Stange Leberkäse am Stück gekauft, den er großzügig zu diesem Anlass spendete. Dazu gabs noch Brot und Kartoffelsalat. Ein echter Festschmaus also und sehr schöner Abend.

Auch ansonsten liefen die ersten beiden Wochen nach Tansania und Sansibar wirklich blendend. Der erste Tag nach meiner Rückkehr war echt super schön, weil ich so herzlich von allen Leuten wieder begrüßt wurde und sich alle mächtig freuten, dass ich nun wieder da bin. Einfach ganz so, als wenn man wieder nach Hause zurückkehrt und so fühlte es sich auch echt an. :) Es gab auch sofort wieder jede Menge zu tun. Im Krankenhaus kümmerten wir uns bei meinen beiden Arbeitstagen wieder verstärkt um die Wasserversorgung. Die noch immer anhaltende Regenzeit sorgt wirklich für wahnsinnig viel Laub und Schlamm in den Rohren, sodass wir alle möglichen Stellen abklapperten um die Leitungen zu säubern, allen voran die Eintrittsstelle an der Bachquelle, welche mittlerweile durch den gestiegenen Wasserspiegel unter Anwendung von Kletterkünsten zu erreichen ist. Auch war es an der Zeit, die Pumpen, welche Wasser aus verschiedenen Bohrlöchern in die Versorgungstanks für das Krankenhaus transportieren, zu inspizieren. Daneben gab es natürlich wie immer noch eine Reihe kleinerer Aufgaben wie verstopfte Wasserhahnen oder eletrischen Krims Krams. Wie immer, ein heiden Spaß! :)

Auch in sachen Lagerverwaltung geht es immer mehr voran. Das Programm steht beinahe und freu mich schon darauf, wenn ich den Leuten dann alles zeigen kann.

Noch kurz zum Wetter: Der Dauerregen an den ersten Tagen meiner Rückkehr wird mittlerweile von immer mehr Sonnenstunden abgelöst. An besagtem Grill-Samstag hatten wir sogar den ersten Tag seit November, an dem es durchgehend sonnig war. Ein Zeichen also dafür, dass die Regenzeit sich dem Ende neigt und mit ihrem gehen kommt die nächtliche Kälte, die man teilweise schon ein wenig zu spüren bekommt, jedoch im Mai/Juni ihren Höhepunkt erreicht. Im Laufe des Aprils hört der Regen dann komplett auf und es bleibt regenfrei bis November. Echt verrückt.

So, nach dem Megaeintrag vom letzten Mal, lass ich es für heute auch mal wieder gut sein und schone eure Lesekünste ein wenig. Als Abschluss noch den Link zu meinem erneuertem Chilonga-Album mit brand neuen Bildern, sowie ein paar Impressionen von unserem kleinen Grillabend und ein Schnappschuss meines Geburtstagsessens 2010. :)

Ich wünsch euch was und allen sich in Deutschland befindenden Lesern ein baldiges Ende des Schneeschippens und einen freudigen Beginn der Biergartensaison! ;)


Mein Geburtstagsessen: Wels, Pilze in Erdnussbutter, Bohnen und Nyshima – Super lecker! :)


13.03.2010 Kleine Geburtstags(nach)feier


Chilonga

Sonntag, 28. Februar 2010

Auf Reisen in Tansania und Sansibar

Ein recht herzliches Grüß Gott an alle Blogleser! Nein, ich bin noch nicht verschollen, wenn auch lange Zeit seit meinem letzten Eintrag vergangen ist. Dies lag daran, dass sich kruzfristig mein Aufenthalt in Tansania verlängert hat, nachdem aus meinen Nigeriaplänen nun leider nichts geworden. Spontan habe ich mich auf der Zugfahrt nach Tansania dazu entschlossen, mich meinen Mitreisenden (Franzi L., Franzi K., Linda und Susi) nach dem Zwischenseminar in Bagamoyo/Tansania anzuschließen und zwei Wochen Urlaub dranzuhängen um einen Abstecher auf Sansibar zu machen. Ich kann schonmal vorweg nehmen, dass wir dabei so einiges erlebt haben, fange jetzt aber erstmal ganz von vorne an.

Wie bereits erwähnt und auch schon in meinem letzten Blogeintrag angedeutet, machten wir Fünf uns mit der Tansanisch-Sambischen-Eisenbahn, kurz TAZARA, auf nach Dar es Salaam, von wo aus es in das sich 70km nördlich befindliche Bagamoyo weiterging. Dort fand das Zwischenseminar statt. Das einwöchige Seminar ist eine Pflichtveranstaltungen für den Freiwilligendienst über das Programm “Weltwärts”, d.h. man wird vom Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit finanziell unterstützt. Dementsprechend fällt das Seminar selbst auch nicht unter die Kategorie Urlaub und man bekommt die Reisekosten erstattet. Die Zugfahrt war wirklich ein wahnsinniges Erlebnis für uns alle. Wir hörten im Vorfeld die buntesten Stories von stundenlangen Aufenthalten mitten im Busch aufgrund technischer Probleme und allgemein von einer elend langen und langweiligen Zugfahrt. Nun, das elend lange trifft bei einer 48 stündigen Zugfahrt von Mpika nach Dar es Salaam zwar zu, langeweile kam dabei aber zu keiner Zeit auf und es war dazu noch wahnsinnig komfortabel, mal von dem schwankenden Zug der es nur durch stoßweise Vollbremsungen schafft anzuhalten abgesehen. Wir hatten uns zwei erste Klasse Abteile gebucht, was jeden für die ganze Fahrt knapp 30€ kostete, also für die Strecke fast nix. In den Abteils gab es vier Betten (zwei unten, zwei oben) und ein kleines Tischchen. Eines der Abteile nutzten wir aber eigentlich nur zum schlafen, da, wer jetzt gut aufgepasste, bestimmt schon festgestellt hat, dass wir für ein Abteil eine Person zu viel waren. Für die erste Klasse gibt es zusätzlich noch einen Wagon mit einer Bar, an der man sich während der ganzen Fahrt mit Tansanischem Bier versorgen kann, was wir gerne in Anspruch genommen haben. Beim Bierchen oder Cola trinken genießt man dann die an einem vorbeiziehende Landschaft. Auf die unendlichen Buschweiten in Sambia folgen die bergigen Landschaften im Süden von Tansania, die dann, je mehr man sich Dar es Salaam nähert, wieder abflachen. Kurz vor dem Ziel durchquerten wir mit dem Zug noch einen Nationalpark und kamen so sogar in den Genuss einer kostenlosen Safari! Zebras, Giraffen, Elefanten, Warzenschweine, Antilopen und Gnus konnten wir am vorbeifahren erspähen. Gegen 23:30Uhr Ortszeit und ziemlich genau 48h Zugfahrt erreichten wir dann das wahnsinnig heiße Dar es Salaam. Fast ganz Sambia befindet sich über 1000m, sodass man schon einen ganz schönen Unterschied im Klima feststellen konnte, zumal in Sambia gerade ohnehin die etwas kühlere Regenzeit ist. Nach unserer Ankunft wurden wir auch gleich von einem Taxifahrer abgeholt, den uns die Seminarleitung schickte. Im Anschreiben hieß es “Abholdienst für große Gruppen in Dar es Salaam möglich”. Hätten wir gewusst, dass es sich dabei um ein Taxi handelt, hätten wir das auch selbst organisieren können. Noch dazu schickten sie uns ein Standardtaxi um fünf Personen mit großem Gepäck abzuholen. Allein das Gepäck in den kleinen Kofferraum zu verstauen war eine Aktion für sich, dann mussten sich die vier Mädels auch noch für eine Stunde zu viert hinten rein quetschen. Das ganze ist hier aber eigentlich kein Problem und oft genug auch gang und gebe, wenn man nicht gerade von der Polizei erwischt wird. Aber genau das musste natürlich uns passieren. Der Taxifahrer brachte uns in Dar es Salaam noch zu einem Geldautomaten und als wir wieder kamen, standen auf einmal zwei bis auf die Zähne bewaffnete Polizisten bei unserem Fahrer. Die Anklage lautete nicht nur das Transportieren von zu vielen Persponen, sondern zusätzlich noch falsch parken. Unser Taxifahrer hatte anscheinend kein Geld dabei, sodass sich dein Freund und Helfer an uns wendete. Die beiden verlangten rund 50€ für beides. Auf die Antwort, so viel Geld haben wir nicht kam zurück: “Wie viel habt ihr denn?” Die Korruption lies also mal wieder grüßen. Am Ende bekamen wir die beiden auf 25€ für beide Verstoße runter und wir durften mit überladenem Taxi weiterfahren. So einfach ist das. Als wir unser Ziel Bagamoyo erreichten und unser Taxifahrer dies auch freudig mit einem “Wir sind jetzt in Bagamoyo” verkündete, platzte im selben Moment der rechte Vorderreifen. Er hatte weder Wagenheber noch Ersatzrad dabei, sodass er sich auf die Suche begab, während die Weißschnäbel um ein Uhr nachts das Taxi bewachten. Nach knapp 30min war dann alles vor Ort, der Reifen fluchs gewechselt und wir konnten die restlichen paar hundert Meter bis zum Seminarhaus fortsetzen. Es waren also bereits zwei sehr abwechslungsreiche Tage, bevor überhaupt mal alles losging.

So fanden wir uns also in dem historischen Küstenstädtchen Bagamoyo in einer 1A Unterkunft wieder. Der brüh warme Indische Ozean war gerade mal 5min Fußweg entfernt, sodass wir während der ganzen Seminarwoche immer mal wieder das Meer genießen konnten. Das Seminar an sich war dann eine sehr, sehr pädagogische und eher zähe Veranstaltungen. Wir waren 32 Freiwillige von kleinen Organisation aus den verschiedensten Ländern. Irgendwie war jeder mit seinen eigenen Eindrücken so voll, dass es schwer war sich auf so ein Seminar einzulassen. Es waren ein paar gute Dinge dabei, aber leider hat man sich eben auch sehr oft gefragt, was jetzt der Sinn an dem nächsten Punkt ist oder dass der heutige Tag leider nichts gebracht hat. Es war jetzt nicht total schlecht, aber ob es wirklich nötig ist dafür diese lange Strecke zurückzulegen und zwei Wochen die Arbeit zu verlassen, ist zumindest fragwürdig. Wir machten aber einfach das Beste daraus, genossen das Meer, erkundeten ein wenig Bagamoyo und saßen eigentlich jeden Abend noch gemütlich bei nem Bierchen zusammen. An einem Seminartag war auch noch eine Stadtführung angesetzt, wo man noch ein wenig mehr zu sehen bekam. Tansania war z.B. bis nach dem ersten Weltkrieg deutsche Kolonie und Bagamoyo wurde zum Verwaltungssitz gemacht. Daher findet man noch heute viele Gebäude aus der Kolonialzeit. Bereits viel früher errichteten aber die Araber einen Posten in Bagamoyo und kolonialisierten eigentlich die ganze Küstenregion, sowie vor allem Sansibar. Aus ganz Ostafrika wurden damals Sklaven eingesammelt und nach Bagamoyo verfrachtet. Von dort ging es weiter auf den Sklavenmarkt nach Sansibar und von dort in alle Herren Länder, vor allem aber die arabischen Länder, sowie nach Süd Asien. Bagamoyo und die ganze Küstenregion Tansanias ist daher bis heute noch sehr vom Islam geprägt und man findet einiges an arabischer Architektur. Alles in allem war es echt eine super schöne Woche in der wir viel gesehen und vor allem viel Spaß hatten.

Nach dem Seminar machten wir uns gemeinsam mit dem größten Teil der anderen Freiwilligen auf den Weg nach Dar es Salaam, wo es sich dann verteilte. Wir Fünf fuhren gemeinsam mit Christian, einem Freiwilligen in Südafrika und den wir auf dem Seminar kennengelernt hatten, direkt zur Fähre, welche uns in 1 ½ Stunden nach Sansibar transportierte. Sansibar ist eine große Insel unweit vom Festland entfernt. Auf ihr leben knapp eine Millionen Menschen und als in den 60er Jahren sowohl Sansibar als auch Tanganika, das Festland, die Unabhängigkeit erlangten gründeten sie gemeinsam den Staat Tansania. Sansibar ist weltberühmt für seine traumhaften Strände und die historische, arabisch geprägte Hauptstadt Stone Town, was wir uns einmal selbst genauer ansehen wollten. Wir verbrachten die ersten vier Tage in Stone Town, wo wir auch mit der Fähre ankamen. Man merkt sofort, dass es eine wirklich besondere Stadt ist mit vielen alten Häusern, arabischer Architektur und unzähligen engen Gassen. Es ist aber auch ein Ort mit vielen Touristen aus aller Welt, vor allem aber Deutschland. Logischerweise haben sich die Menschen darauf eingestellt und so trifft man an jeder Ecke irgendjemand, der einem Schmuck, CD’s, Trikots und T-Shirts oder eine der vielen Touren auf Sansibar andrehen möchte. Ich habe das auf Dauer doch als anstrengend empfunden, nicht, dass es mich besonders genervt hatte, aber weil man einfach ständing in diese Touri-Rolle gedrückt wird und fast keine Chance hat, das Leben der Leute einfach so zu genießen und beobachten. In den vier Tagen haben wir vor allem die Stadt erkundet und den Nachtmarkt genossen. Dieser wird jeden Abend in den Forodhani Gärten direkt am Meer aufgebaut und man kann allerlei gegrillten Fisch, Meeresfrüchte und die berühmte Sansibar-Pizza bei einem Glas Zuckerrohrsaft mit Limette probieren. Ich kam kulinarisch also wieder voll und ganz auf meine Kosten. Daneben unternahmen wir an einem Tag eine Tour durch die Gewürz- und Obstlandschaft Sansibars, auf der wir sahen, wie die verschiedenen Gewürze angebaut werden (auch dafür ist Sansibar sehr bekannt) und noch einiges an tropischen Früchten kosten konnten. Unter anderem wird auf Sansibar Durian angebaut! Die Stinkfrucht, die als König der Früchte bezeichnet wird und mir schon in Singapur ans Herz gewachsen ist. Mein Herz hüpfte vor Freude! :) Unser Aufenthalt auf Sansibar fiel dazu noch genau in die Zeit eines sechstägigen Festivals mit vielen Künstlern aus Ostafrika. Auch diesem statteten wir an einem Abend noch einen Besuch ab. Dort hatten wir echt eine geniale Zeit. Ich lernte unter anderem noch den Mohammed, einen Sansibari, kennen. Er ist Fischer und wir hatten uns den ganzen Abend über total nett unterhalten und am Ende noch das Tanzbein geschwungen. Einfach klasse. Am ersten Abend auf Sansibar feierten wir dann noch in den Geburtstag von Franzi K. (also die, die ihren Freiwilligendienst in Ndola macht) bei Kerzenschein auf der Dachterrasse unserer Unterkunft hinein. Kerzenschein deshalb, da Sansibar bereits seit drei Monaten ohne Strom ist. Die Stromleitung zum Festland ging kaputt und bis heute hatte sich noch keiner dafür verantwortlich gefühlt, sie zu reparieren. Es dreht sich wohl viel um Politik, sodass die Leute vermuten, dass sich vor der nächsten Wahl wohl nichts an dem Zustand ändern wird. Und die Wahlen sind wohlgemerkt erst Ende 2010! Das kann man sich echt nicht vorstellen. Nachts sind die Gassen streckenweise stock finster. Alle Preise sind angestiegen, vor allem von Getränken, da die Kühlschränke, wer es sich leisten kann, mit Generatoren angetrieben werden müssen. Man findet in ganz Stone Town momentan eigentlich keinen Fleck, an dem man nicht irgendwo einen Generator knattern hört und steht in den engen Gassen standing in ihren Abgasen. Echt der Wahnsinn, zumal viele den Strom auch benötigen um mit Pumpen ihre Wassertanks zu füllen.

Nach vier Tagen Stone Town machten wir uns allerdings erstmal an die Ostküste auf, wo wir für ein paar Tage Strand und Meer genießen, sowie einfach ein wenig die Seele baumeln lassen wollten. Christian kam ebenfalls mit, allerdings nur für zwei Tage, dann musste er mit dem Flieger wieder zurück nach Süd Afrika. Wir kamen in einer netten, kleinen Unterkunft unter, die uns zuvor von jemanden in Stone Town empfohlen wurde, da diese eigentlich keine Werbung machen und preislich günstig sind. Es war echt super schön. Die Anlage bestand aus vielen kleinen Bungalows die wie in einem Dorf zusammen standen mit einem großen, offenen Gebäude in dem eine Bar und das Restaurant untergebracht waren. Noch dazu waren wir die einzigsten Gäste und wurden von den Leuten super nett empfangen und hatten einfach eine schöne Zeit gemeinsam. Der Strand war nur eine Minute Fußweg entfernt und besteht auf fast ganz Sansibar aus feinem, weißen Korallenstaub, welcher schwerer ist wie normaler Sand und das Meerwasser unglaublich klar macht. Es war alles wie im Bilderbuch, bis morgens an Tag 4 unseres Aufenthaltes wir alle in und um die Bar/Restaurant saßen, Postkarten schrieben, gelesen haben oder musik hörten. Auf einmal sagte Franzi L., welche im Restaurant drin saß, “kuckt mal, das Dach brennt!” Alle Dächer waren aus getrockneten Bananenblättern gebaut und tatsächlich, über dem Bereich wo sich die Bar befand began das Dach fast schon ganz oben zu brennen. Keiner der Angestellten war in der Nähe, sodass wir zuerst einmal versuchten sie herbeizuholen und das Durcheinander startete. Weil es ja keinen Strom gibt, hatte die Unterkunft eigentlich nie Wasser im Tank. Wollten wir duschen, mussten wir ihnen bescheid geben und sie schmissen Generator und Pumpe an. Das ganze natürlich um Kosten zu sparen. In dem Fall war jetzt aber einfach kein Wasser da, um mit einem Schlauch zu versuchen das Feuer zu löschen. Nachdem einer vom Personal versuchte, mit einem Eimerwurf das Feuer am Dach zu erreichen, was natürlich völlig sinnlos war, begannen wir mit den Leuten die Möbel aus dem Gebäude nach draußen zu räumen und zu retten was zu retten ist. Mittlerweile brannte das Dacht schon lichterloh und als wir alles draußen hatten kam Gott sei Dank Franzi L. auf die Idee, auch unsere Sachen aus den Bungalows zu räumen, bevor das Feuer überschlägt. Als wir uns auf dem Weg machten fing auch schon einer der größeren Bungalows feuer. Wir packten alles provisorisch zusammen und schafften es erstmal nach draußen, später dann zum Strand. Beim ausräumen fing auch unser Häuschen schon Feuer, was aber gerade noch, vorerst, gelöscht werden konnte. Alles ging resend schnell. Mittlerweile war auch ein riesen Menschenauflauf da. Viele um zu helfen, aber leider, wie sich später herausstellte, auch viele Plünderer. Ich hatte bei der Aktion mein MP3-Player verloren, den ich als das Feuer startete einfach ins Gebüsch geworfen hatte und danach nicht mehr wieder zu finden war, sowie mein Ersatzhandy, welches wohl unter das Bett rutschte und als wir wieder kamen nicht mehr da war. Also verkraftbar. Nach knapp 15 Minuten war die ganze Anlage abgebrannt. Ein paar Häuser konnten noch gesichert werden indem das Dach immer wieder mit Wasser benetzt wurde. Irgendwann, als fast alles schon vorbei war, kam dann sogar noch die Feuerwehr. Die spritzte kurz für ca. 30 Sekunden in der Gegend herum, dann war das Auto leer und die abgebrannten Teile mussten wieder mit Eimern erloschen werden. Wie das ganze losgegangen ist kann sich bis heute noch immer keiner Erklären, da das Feuer auch so weit oben am Dach anfing. Tags darauf musste ich den Hergang nochmal bei der Polizei zu Protokoll geben. Zu zwei Polizisten, die kaum Englisch konnten und denen ich jedes zweite Wort buchstabieren musste. Zumindest der Umzug in eine andere Unterkunft verlief problemlos und wir haben was nettes gleich in der Nachbarschaft gefunden. Ibrahim, der Besitzer, und seine Leute waren wirklich super nett und haben uns nochmal zwei schöne letzte Tage an der Ostküste beschert.

Danach ging es nochmals für zwei weitere Nächte zurück nach Stone Town, wo wir uns mit Mohammed zum wiedersehen verabredet hatten. Mit ihm und seinem Boot wollten wir auf eine kleine Insel fahren, auf der man Riesenschildkröten hautnah sehen kann und um die Insel herum noch ein wenig schnorcheln. Es war echt schön, ihn nochmal wieder zu sehen. Wir hatten einen super schönen Tag mit Mittagessen am Strand, interessanten Gesprächen und das Schnorcheln war wie immer der Wahnsinn. Ich habe es sogar geschafft mit einem Schwarm Sardinen zu schwimmen, die immer geschlossen versuchen einem auszuweichen. Einfach perfekt!

Tags darauf ging zur Mittagszeit unsere Fähre zurück nach Dar es Salaam. Hier wollten wir noch eine gemeinsame Nacht verbringen. Dann sind Franzi K. und Linda mit dem Flieger nach Ndola zurückgereist, während die andere Franzi, Ich und Susi noch zwei weitere Nächte ausharren mussten bis unser Zug fuhr. Dieser fährt nämlich nur zwei Mal die Woche. Dar es Salaam ist irgendwie echt eine witzige Stadt. Man merkt sofort, dass es eine der wichtigsten Städte in Ostafrika und das wirtschaftliche Zentrum von Tansania ist, besonders durch den Hafen. Dementsprechend findet man hier auch einige mehrstöckige Gebäude und ein Stadtzentrum, welches man wirklich als Stadtzentrum sehen kann. Vergleichen mit Lusaka, der Hauptstadt von Sambia, ein Unterschied wie Tag und Nacht. Wir verbrachten die ganzen drei Tage eigentlich damit, einfach ein wenig durch die Stadt zu flanieren und das Leben zu beobachten. Am Tag unserer Abreise (unser Zug fuhr am späteren Nachmittag) beschloss ich dann noch den morgen für ein paar kleinere Besorgungen in der Stadt zu nutzen. Ich machte mich alleine auf den Weg, denn tagsüber ist dies eigentlich wirklich unbedenklich und ich wollte noch eine tansanische Flagge besorgen, was sich als äußerst schwierig herausstellte. Meine Suche wurde dann wohl von einem Passanten bemerkt, der mich freundlich ansprach und wir unterhielten uns ein wenig. Unter anderem kam eben zum Gespräch, dass ich auf der Suche einer Flagge bin. Er war sofort sehr hilfsbereit und empfohl mir eine Marktgegend mit vielen kleinen Läden. Er bot noch an, dass er mich begleiten kann, denn er muss sowieso in diese Richtung. Ich nahm das Angebot einfach mal an und wir unterhielten uns unterwegs noch richtig nett und lachten viel über dies und das. Er war echt sehr gebildet und konnte auch super gut Englisch. Dort angekommen half er mir noch die Läden abzuklappern und fragte auch immer wieder ein paar andere Leut. Sein “Bruder” kam noch dazu, den er treffen wollte. Genau der gleiche Typ mit sehr gutem Englisch, höflich und richtig nett. Am Ende stellte sich heraus, dass das Verkaufen von Flaggen in Tansania verboten ist. Aus welchem Grund auch immer. Jedenfalls redeten wir noch kurz und dann wollte ich mich auf den Rückweg machen. Daraufhin boten sie mir an, mich zu fahren, denn der Bruder ist mit dem Auto da. Sie würden jetzt auch nach Hause fahren und können mich bei der Unterkunft rauslassen. Ich überlegte kurz, ob ich wirklich bei jemanden, den ich noch nicht lange kenne, ins Auto einsteigen soll. Aber weil die einfach so freundlich waren und ich auch nicht hinter jeder Ecke einen Verbrecher sehen will, entschied ich mich einfach dazu, ihnen zu trauen. Unterwegs mussten sie noch einen Freund aufsammeln. Danach fuhren wir um ein paar Ecken, das Auto hielt an und der eben eingestiegene Freund sagte nur, dass ich jetzt ein Problem hätte. So wurde ich im Auto von den Dreien ausgeraubt. Ich hatte zum Glück nie viel Bargeld bei mir und auch meine Kreditkarte immer an der Unterkunft gelassen, sodass sie mir nur 30€ an Bargeld nehmen konnten, sowie meine Kamera und mein Handy. Meine Chipkarte von der Kamera konnte ich sogar behalten, nachdem ich sagte, dass sie und meine Bilder ja bestimmt keinen Wert für sie hätten. Sogar meine Nummern durfte ich, nachdem ich fragte, noch auf die Simkarte ziehen. Sie wollten aber immer wieder mehr Geld, sonst würden sie mich nicht frei lassen und drohten immer, sie fahren mich zum Strand, dann werde ich schon sehen was passiert. Ich redete mich einfach immer wieder um Kopf und Kragen, dass ich nicht mehr hätte, usw. Am Ende ließen sie mich dann nahe einer Bushaltestelle gehen und sagten, ich solle den Bus zurück nehmen. Die ganzen Drohungen waren also nur dazu da, dass ich meine letzten Reserven aktiviere. Ich war echt Gott froh, als ich wieder aus dem Auto draußen war und für den Rest des Tages schon noch ein wenig geschockt. Es ist einfach traurig, dass, wenn man offen auf die Menschen zugeht und aufgeschlossen ist, so enttäuscht werden kann. Nichts desto trotz habe ich schon so viele gute Erfahrungen gemacht und dadurch ist es nur noch trauriger, dass auf viele positive Menschen die man hier kennen lernt aufgrund einer Minderheit immer wieder ein schlechtes Licht fällt. Dennoch habe ich natürlich aus der Situation gelernt, auch wenn ich trotzdem noch genauso offen auf die Leute zugehen werde, vielleicht aber einfach ein bißchen vorsichtiger. Es ist nichts passiert und auch der materielle Schaden ist nicht übermäßig groß. Ich war jedoch auch sehr froh, dass mit Franzi und Susi gleich zwei da waren, mit denen ich drüber reden konnte. Auch auf der Heimreise, da meine Gedanken doch noch lange um dich Sache herum kreisten.

Die Heimfahrt verlief dann aber wieder wie geschmiert. Dieses Mal hatten wir sogar einen schnelleren Zug und schafften es bereits nach 36 Stunden wieder in Mpika zu sein. Wir drei haben die Zugfahrt wirklich nochmal sehr genossen und es war ein schöner Abschluss einer schönen Zeit in Tansania. Daran können auch die negativen Erlebnisse nichts ändern. :)

29.01.10 - 31.01.10 Mit der TAZARA von Mpika nach Dar es Salaam


01.02.10 - 09.02.10 Bagamoyo


09.02.10 - 20.02.10 Sansibar


20.02.10 - 23.02.10 Dar es Salaam


23.02.10 - 25.02.10 Mit der TAZARA von Dar es Salaam nach Mpika

Mittwoch, 27. Januar 2010

Der Berg ruft

Hallo! Da isser wieder! Der Buschmann eures Vertrauens mit einem kleinem (ich werde mich bemühen! ;) ) Lebenszeichen inklusive Berichterstattung.

Es ist noch gar nichtmal so lange her seit meiner letzten Meldung, aber es gibt schon wieder ein paar Dinge zu beichten. Letzte Woche hat sich wirklich einiges getan. Vorneweg natürlich die langersehnte Ankunft von Thomas, meinem Cheffe. Am vergangenen Donnerstag kam er, nach zwei Tagen Zwischenstop in Lusaka um noch ein paar Besorgungen zu erledigen, in Mpika an. Seither ist er natürlich schwer beschäftigt alles aufzuarbeiten was in seiner langen Abwesenheit passiert ist. Sobald dies erledigt ist, vorraussichtlich Ende dieser Woche, wird dann mein temporärer Cheffe Waldemar wieder nach Nabwalya zurückkehren. Mit Thomas komme ich soweit wirklich super aus und man merkt, wie eng er hier mit den Leuten verflochten ist. Kein Wunder, denn er lebt immerhin schon seit rund 25 Jahren in Sambia und ist seither bei der Diözese in Mpika tätig.

Wir hatten uns in der kurzen Zeit auch schon ein wenig über meine Arbeit unterhalten und er konnte mir vor allem bzgl. der Arbeit im Krankenhaus ein paar zusätzliche Infos geben, was ihm dort am wichtigsten ist. Allen voran die Wasserversorgung. Wir als Wartungsteam sollen uns einen Plan überlegen, wie und in welchen Abständen die ganzen Geräte routinemäßig inspiziert werden. Dabei geht es vor allem um die Pumpen, welche das Wasser aus den Bohrlöchern pumpen. Also wollte ich diese Woche gleich mal mit den Jungs nach dem Rechten schauen. Dabei hatte sich gleich mal herausgestellt, dass sie den Schlüssel für den Schacht nicht besitzen. Einer hats auf den anderen geschoben mit dem Resultat, das Krankenhaus sagt, die Diözese hat ihn nicht übergeben und die Diözese sagt, das Krankenhaus hat ihn. Naja, aber auch dieses Problemchen wird sich sicherlich noch lösen. :)

Auch in Sachen Lagerverwaltung kam ich ein wenig voran, stark gebremst aber von unserem Problemhund Bella. Wenn sie gerade mal keine Welpen wirft oder Zäune auseinanderreißt, dann holt sie sich einfach mal ein Hämatom (Blutung – hoffe das schreibt man überhaupt so) im Ohr. Das beudete bzw. bedeutet noch immer einige Male in der Woche den Tierarzt abholen, der dann mit einer Spritze das Blut aus dem Ohr abpumpt und ihr Penizilin verabreicht. Hinzu kommen noch allerlei kleinere Aufgäbchen, die einem den Tag durcheinanderwirbeln können. Aber die Hauptsache ist ja, es geht voran. ;) Für den Rest der Woche müssen wir jetzt erstmal den Wert des Lagers erfassen, sprich, was alles an Material schon da ist. Dabei werden wir auch gleich die neuen Teile von den Alten trennen und neu einräumen. Eigentlich wollten wir das ja machen, wenn das Programm steht, aber Chimpali, welcher seit dem neuen Jahr die Bilanzen der Werkstatt leitet, braucht die Informationen jetzt schon. Ist aber natürlich auch kein Weltuntergang. Heute habe ich schon gemeinsam mit Monica, die das Lager verwaltet und auch sonst den ganzen Papierkram in der Werkstatt regelt, losgelegt und wir sind schon mächtig weit gekommen. Das ganze Geschleppe hat wahsninnig geschlaucht, dazu kommt noch der ganze Staub und Dreck. Aber wie gesagt, das Meiste haben wir an dem einem Tag abgearbeitet, sodass wir morgen spätestens am Nachmittag den Wert erfassen können. Auch diese Arbeit hat und macht abermals echt richtig Spaß.

Am Wochenende gab’s dann noch einen weiteren Höhepunkt. Ich kam wieder mal in den Genuss das einzigeartige Naturgebiet Mutinondo zu besuchen. Also dort, wo ich bereits Anfang Oktober mit Lutz war, um den beiden Betreibern der Lodge und des Naturparks (Mike und Larry) nach einem Überfall das E-Mailsystem neu aufzusetzen. Die Beiden sind nämlich auch sehr gute Freunde von Thomas und haben ihn für einen Tag und eine Nacht zu sich eingeladen. Mit dabei waren noch Waldemar, Lutz, seine Frau Phoebe und natürlich ich. Meine beiden Kollegen Andreas und Jean-Baptiste wurde während dieser Zeit von einem Ehepaar ihrer Organisation besucht und konnten daher nicht mitkommen. Am Samstag morgen gings los und wir verbrachten eigentlich den ganzen Tag mit Gesprächen. Als es dunkel wurde saßen wir um ein Lagerfeuer bei ihrer kleinen Bar und tranken noch ein paar Bierchen. War einfach ein super schöner Tag mit einem genialen Abendessen zum Abschluss, wonach wir auch alle ziemlich erschöpft ins Bett fielen. Am nächsten Morgen unternahm ich dann noch eine kleine Wanderung. Über das ganze Gebiet verteilt befinden sich mehrere Granithügel, drei davon direkt neben den Unterkünften. Also beschloss ich, wenn man schonmal hier ist und eine Nacht verbringt, einen der Dreien früh morgens zu erklimmen um vom “Gipfel” aus den Sonnenaufgang, sowie die Aussicht zu genießen. Um fünf Uhr früh bin ich hierzu schon aus dem Bett gestolpert, danach erst 15min durch den Busch gehechtet und dann nochmal 15min den Berg hochgerast. Eine Aktion, die sich mehr als gelohnt hat. Nicht nur das Wandern tat unwahrscheinlich gut, auch die Aussicht bei der aufgehenden Sonne war einfach der Wahnsinn. Über das ganze Gebiet endloser Buschlandschaften lagen mehrere weiße Nebelschleier aus denen immer wieder die Granithügel herausragten. Dazu noch der Sonnenaufgang und die Geräusche aller möglichen Tiere die am erwachen waren. Bilderbuchafrika lässt grüßen! :) Gegen 12Uhr traten wir dann wieder den Rückweg nach Mpika an und ich war wieder mal um ein traumhaftes Wochenende reicher.

Jetzt hat sich der ganze Eintrag doch noch länger gezogen als geplant. Ich bitte um Nachsicht, aber ich denke, wer diesen Blog noch immer fleißig liest ist meine Romane so langsam ja gewohnt. ;) Am Freitag hau ich jetzt dann aber erstmal wieder ab und lass euch für gut zwei Wochen in Ruhe. Anlass hierzu ist eine Reise nach Tanzania, wo ich mit Franziska und Susanne, die anderen beiden Freiwilligen die wie ich von der Brücke der Freundschaft gesendet wurden, ein einwöchiges Zwischenseminar besuchen werden. Das ganze wird sich dann inkl. der Hin- und Rückfahrt auf zwei Wochen ausweiten. Wir werden mit der TAZARA, der Tanzanisch-Zambsichen-Eisenbahn, fahren und fast zwei Tage im Zug bis zur Hauptstadt Dar es Salam sitzen. Dann geht’s mit anderen Verkehrsmitteln noch 70km weiter in den Norden nach Bagamoyo, wo dann das Seminar stattfinden wird. Linda und die andere Franziska aus Ndola werden auch zu dem Seminar fahren und wir haben uns zusammen zwei Kabinen im Zug gebucht. Bin ja mal gespannt, wie das alles wird. Das Seminar wird von dem Freiwilligenprogramm Weltwärts vorgeschrieben, da der Staat uns ja mit Flug und Taschengeld bezuschusst. Sobald ich wieder zurück bin werde ich euch dann natürlich wieder genaueres erzählen können und danach geht’s auch bald schon zu Tanja nach Nigeria. Auf die Reise freue ich mich natürlich jetzt schon wahnsinnig! Und ja, zwischendrin versuche ich auch noch ein wenig zu arbeiten. :)

Macht’s gut und frohes Festen an alle Närrinen und Narren!

23.01.2010 - 24.01.2010 Mutinondo Wilderness Area