Das Wetter in Sambias Hauptstadt
(manchmal gibt es keine Daten oder sie sind verzögert)

Montag, 18. Januar 2010

Ende der Weihnachtspause bei der Diözese

So liebe Blogleser, ich raube mal wieder eure Zeit mit einer neuen Ausgabe von Carsten und seine neuesten Aktivitäten in Sambia.

Wie an der Überschrift abzulesen ist, ging für die Arbeiter der Diözese der einzige Jahresurlaub von drei Monaten am 11.01. zu Ende. Für mich spielte das jedoch keine Rolle, wie in vorherigen Beiträgen bereits erwähnt, da ich trotz Pause durchgearbeitet habe und mir somit meine Urlaubstage für später aufspare, vor allem natürlich wegen der ende Februar/anfang März bevorstehenden Nigeriareise, um dort meine Herzdame aufzusuchen und zur Stippvisite anzutreten. :) Arbeitstechnisch hat sich seit meiner letzten Meldung auch nicht viel verändert. Nachdem aber bis vor unserer Neujahrstour nach Nabwalya noch einige Reparaturen und andere Kleinigkeiten anstanden, habe ich nun seit vorletzter Woche mit dem neuen System für die Lagerhaltung in der Diözese begonnen. In der ersten Woche, während die Arbeiter noch alle Urlaub hatten, habe ich mich vor allem mit der elektronischen Seite beschäftigt. Das ganze soll ja digitalisiert werden. Hierfür versuchte ich zuerst im Internet ein frei verfügbares Programm aufzutreiben, welches sich zur Lagerverwaltung eignet. Internetrecherche bei den hießigen Geschwindigkeiten ist aber zum einen kein Spaß und zum zweiten waren die wenigen Programme dann meist frei nach dem Motto “mit Kanonen auf Spatzen schießen”. Sie hatten einfach zu viele Details und wären für unsere Anwendung viel zu komplex gewesen. Ich habe mich zwecks dem elektronsichen System dann mal mit Lutz beraten, der ja ein Computerspezi ist (installiert hier für die Leute Internet über Satellit – also größtenteils “Firmen”, Nationalparks, etc.) und zwar auf dem Diözesengelände wohnt, jedoch selbstständig ist. Er hat angeboten, mich in der Planung ein wenig zu unterstützen, weil es ihn erstens selbst interessiert und er zweitens ohnehin der einzige hier im Umfeld ist, der in diesem Bezug mehr Kentnisse besitzt. Dabei haben wir beschlossen, wenn ich schon ein abgeschlossenes Studium habe in dem ich auch einiges programmiert habe, die ganze Sache selbst zu erstellen. Das hätte ich auch nicht gedacht, dass ich so Sachen vom Studium hier benötigen werde. Wir sammelten also Ideen, was das Programm nachher können soll (bzw. die grundsetzlichen Anforderrungen waren mir natürlich schon von “höherer Stelle” vorgegeben). Im Endeffekt wird es nun ein Mix von Sachen die ich schon kenne (die Programmiersprache) und Sachen, in die ich mich auch noch etwas einarbeiten muss (mit der Programmiersprache eine Datenbank und die Windows-Oberfläche, die später der Benutzer sieht, darin was eingeben und lesen kann, erstellen). Puh, schon beim schreiben bemerke ich, dass das für den ein oder anderen ganz schön harter Tobak sein muss, auch wenn ich mich versuche einfach auszudrücken. Jedenfalls habe ich mittlerweile schon mit dem programmieren begonnen, bin zwar noch ziemlich am Anfang aber ich denke, was wir uns überlegt haben macht Sinn und bin schon gespannt, was am Ende rauskommt. Zwischendurch habe ich auch noch eine alte Möhre (Computer) in der Werkstatt aufgestellt und eingerichtet. Da soll das ganze dann nachher auch drauf laufen und zwei Leute der Werkstatt werden es bedienen, sowie auch Rechnungen usw. schreiben. Das heißt, ich werde noch ein paar Computerstunden geben. Darin habe ich mittlerweile ja Übung. :) Hinzu kommt noch die praktische Umstrukturierung der Lager (Sachen neu ordnen und erfassen, was eigentlich alles elektronisch verwaltet werden soll). Das werde ich mit den Leuten aber erst angehen, sobald das elektronische steht, damit im Anschluss gleich damit losgelegt werden kann.

Bei all dem habe ich meinen wöchentlichen Arbeitstermin im Krankenhaus natürlich ebenfalls wahrgenommen. Dort fühle ich mich nach wie vor super wohl und ich bekomme mittlerweile immer öfter ein “Wir vermissen dich” zugeworfen, seitdem ich von sechs Mal die Woche auf ein Mal die Woche umgestiegen bin. Mir geht das natürlich genauso, weil ich die Leute dort sehr gerne habe. Sowie die täglichen Sprachkurse in Bemba während dem Mittagessen. Es tut auch einfach gut zu wissen, dass man ein gern gesehener Gast für die Menschen um einen herum ist. Nichts desto trotz macht mir die Arbeit in Mpika genauso viel Spaß, weil ich mich in was auch kommt reinknien will. Dadurch ist, meiner Meinung nach, der Spaß meist nur noch reine Formsache, vor allem hier in diesem völlig anderen Umfeld. Die Arbeit im Krankenhaus ist wie immer super vielseitig gewesen. Als Besonderheit hervorzuheben sind anhaltende Probleme mit der Wasserversorung, welche wir mit hier und da Wasser pumpen und Rohre vom Dreck befreien versuchen zu lösen. Schuld daran ist die Regenzeit, da Wasserwurzeln wie Unkraut wuchern und die teils heftigen Regenfälle die Blätter von den Bäumen holen und allerlei Dreck in die Rohre spülen. Schon irgendwie witzig, dass während der Regenzeit das Wasser knapp wird. :) Mittlerweile haben wir es ganz gut im Griff und seit einer Woche ist eigentlich wieder ständig Wasser da. nur am Wochende muss einer meiner Kollegen immer mal wieder anrücken zum Wasser aus den Bohrlöchern in die Wassertanks zu pumpen.

Diese Woche erwarten wir dann noch die Rückkehr von Thomas, meinem eigentlichen Chef und der Schatzmeister der Diözese. Er musste aus gesundheitlichen Gründen seinen alljährlichen, einmonatigen Aufenthalt in Deutschland bis jetzt verlängern, ist mittlerweile aber genesen und so lerne ich ihn nun nach fünf Monaten auch endlich einmal kennen. Da er es auch ist, der meinen ganzen Aufenthalt hier von sambischer Seite aus organisierte, hat er auch die meiste Ahnung über meine Aufgaben, sprich, meine Aufgaben sind das, was er sich so vorgestellt hat. Darüber werde ich mich mit ihm natürlich auch unterhalten und bin mal gespannt, was dabei herauskommt.

Der nun doch groß gewordene Abschnitt meiner Arbeitstätigkein verrät schon, dass es mir nach wie vor nicht langweilig ist. Nichts desto trotz, für ein wenig Freizeit bleibt auch noch Zeit. Wenn mich mal der Sportraffel packt geht’s eigentlich immer zum Bolzen mit den Kindern aus der Nachbarschaft. Jedes Mal ein heiden Spaß und die fordern einem ganz schön was ab. Halbe Sachen machen ist da nicht! :) Hin und wieder geht’s auch mal in eine der kleinen Kneipen von Mpika ein Feierabendbierchen trinken. Eigentlich mit die liebste Freizeitbeschäftigung der Sambier in und um Mpika, vermutlich auch, weil es sonst einfach keine anderen Freizeitbeschäftigungen gibt. Seit einer Woche ist dann auch noch der Afrika Cup in Angola am laufen. Sozusagen die afrikanische Alternative zur Europmeisterschaft, welcher im Vorfeld durch den Zwischenfall mit der togolesischen Nationalmannschaft sogar in Deutschland Schlagzeilen machte. Sambia ist, nach verpasster Qualifikation zur WM, ebenfalls vertreten, jedoch mit Kamerun, Tunesien und Gabun in einer vergleichsweise starken Gruppe gelandet. Hier sind gerade alle ein wenig im Fußballfieber und ich verfolge das Turnier natürlich auch ein wenig mit. Für Sambia steht nach zwei von drei Gruppenspielen ein Unentschieden und eine Niederlage zu buche, sind aber noch mit im Rennen aufs Weiterkommen. Aufgrund der viel geringeren Medienwirkung auf die Menschen ensteht hier jedoch noch lange kein solcher Hype wie etwa bei uns während einer Europameisterschaft, doch das Ganze ist echt eine nette Abwechslung zum Alltag. Genauso sehen das vermutlich viele Menschen hier.

Zum Abschluss gibt es jetzt noch eine fotografische Aktualisierung. Zum einen wartet mein allzeit beliebtes Essen und Trinken Album mit ein paar neuen Leckerbissen auf. Und zum anderen habe ich ein neues Album über Sambias wundersame Welt der Alltagstiere zusammengestellt, damit ihr u.a. mal seht, mit wem ich mir noch alles die Wohnung teile. Ist eine ausgewählte Sammlung von allen, die ich seit mitte August abgelichtet habe. Es sei jedoch schonmal vorgewarnt, dass jemand mit Problemen beim Betrachten von Krabbelgetier besser die Finger von dem Album lassen sollte. Nicht, dass es nachher heißt, ich hätte euch nicht gewarnt. :)

In diesem Sinne, bis zum nächsten Eintrag! Euch allen eine super Zeit!

Essen und Trinken in Sambia


Das große Krabbeln in Sambia

Sonntag, 3. Januar 2010

Harte Arbeit unter Zebras und Antilopen

Hallo alle zusammen! Da bin ich auch schon wieder. Zurück von unserem vier-tages-Trip nach Nabwalya. Es war wirklich der Wahnsinn. Ich schwafel auch gar nicht lang rum sondern fang einfach gleich mal an zu Erzählen.

Wie im letzten Eintrag bereits erwähnt, hatte Waldemar, unser vorrübergehender Chef während Thomas Abwesenheit, es gemeinsam mit mir und Andreas versuchen wollen, seine Wahlheimat Nabwalya, wo er eine Außenstelle der Diözese gerade aufbaut, zu erreichen. Nabwalya befindet sich im Luangwa-Tal, an der nördlichen Grenze des South Luangwa Nationalparks mitten in der Jagdregion. Der Nationalpark ist einer von vielen hier im Land und ist ein Naturschutzgebiet, vor allem für die afrikanische Tierwelt, wie z.B. Löwen und wie sie alle heißen. In den Nationalparks gibt es auch keine Siedlungen. Rund um den South Luangwa Nationalpark befindet sich eine Pufferzone, in der es auch erlaubt ist zu jagen, vorrausgesetzt, man hat eine Jagdlizenz (kein Jagdschein!) und schießt nur für die Jahreszeit freigegebenes Wild ab. Also z.B. Antilopen, Büffel, Warzenschweine, …, eben alles, was zum Essen verwendet wird. Elefanten, Löwen, usw. dürfen nicht gejagt werden, es sei denn, es handelt sich um eine Überzahl die das Gleichgewicht der Tierarten bedroht. In diesem Fall wird jedoch meist versucht, den Überbestand in andere Nationalparks, wo sie Mangelware sind, umzusiedeln. Zur Überwachung der Wilderei gibt es in Sambia auch Wildhüter, die über das ganze Land verteilt die Nationalparks und vor allem die Jagdgebiete überwachen. In genau dieser Pufferzone befindet sich also auch Nabwalya, das Hauptdorf eines Verbundes vieler kleinerer Dörfer, die sich ebenfalls in der Pufferzone befinden. Verbund deshalb, weil es einen Chief in Nabwalya gibt, der das Stammesoberhaupt bildet. Summa summarum immerhin rund 10 000 Seelen. Um das Dorf zu erreichen geht es von Mpika zuerst rund 40km richung Süden. An Chilonga, wo sich auch das Krankenhaus befindet in dem ich viel arbeite, vorbei und dann noch 120km nach Osten in den Busch über mehr oder weniger befahrbaren “Straßen”. Auf dem Weg passiert man zwei Lager der Wildhüter, welche Waldemar normalerweise immer als Stationen zum nächtigen nutzt, wenn er in der Regenzeit Nabwalya verlassen will oder muss und dann dazu gezwungen ist, zu laufen. Also genau zu der Jahreszeit, in der wir uns gerade befinden. Wie ich aber ebenfall im vorherigen Eintrag erwähnt habe, war gerade der bisher verhältnismäßig “schwach” ausfallende Regen der Grund dafür, die Reise mit dem Auto anzutreten. Ich habe ja keine Vergleichsmöglichkeiten, dadurch das schwach in Anführungszeichen, denn in Mpika regent es mittlerweile jeden Tag, mitunter auch stark und teilweise ohne Unterbrechung.

So machten wir uns also am Silvestermorgen auf den Weg. Es war von Anfang an ungewiss, ob wir nicht auf halber Strecke (vor dem Abstieg ins Tal) dazu gezwungen sein werden, wieder umzukehren, da uns konstanter Regen auf der Fahrt begleitete. Im Tal müssen nämlich einige, kleinere Flüsse durchquert werden und der Boden besteht größtenteils aus einer Schwarz-grauen Lehmerde, in der man schnell festsitzt. Wir sollten uns ja von Anfang an auf eine arbeitsreiche Reise mit viel Körpereinsatz einstellen und waren dazu bereit, unser Bestes zu geben. Die Fahrt bis zum ersten Wildhüterlager verlief trotz regen aber dank relative gut befestigter Buschpisten und Allradantrieb problemlos. Vor dem Absteig ins Tal checkten wir am Lager über Funk die Wetterlage am zweiten Lager und ob die Strecke mit dem Geländewagen passierbar ist. Wir bekamen grünes Licht auf eigene Gefahr und entschlossen uns, trotz schwarzer Wolken im Tal, die Fahrt fortzusetzen. Zwei der Wildhüter schlossen sich uns an, zum einen weil sie auch nach Nabwalya wollten aber zum anderen, um noch zusätzliche Muskelkraft zur Verfügung zu haben. Eine echte Notwendigkeit, wie sich schon bald herausstellen sollte. Auf dem weiteren Weg blieben wir wirklich unzählige Male mit dem Auto stecken. Beim zehnten Mal habe ich das Zählen aufgehört, denn es ging weiter und weiter. Bei jeder Flußdurchquerung schafften wir den Ausstieg aus dem Flußbett nicht. Hinzu kamen die vielen überfluteten Streckenteile und der glitschig-matschige Boden. Immer wieder half alles schieben und schaufeln nichts, sondern es musste die Seilwinde herhalten, die glücklicherweise zur Grundausstattung eines solchen Gefährts gehört. Ohne hätten wir keine Chance gehabt. Unterdessen regnete es freudig weiter und wir waren allmählich nass bis auf die Knochen. Auf halber Strecke entledigte ich mich auch meiner Wanderschuhe, bei denen ebenfalls das wasserdichte Material schon lange seine Belastungsgrenze überschritten hatte. Stattdessen watete ich weiter Barfuß im Schlamm rum oder stand bis zu den Schenkeln im Wasser. Unsere mitgereisten Wildhüter hatten natürlich durch ihre Erfahrung mitgedacht und gleich von Beginn an das Schuhwerk weggelassen. Danke für den Tip! :) Es war wirklich anstrengend und ermüdend, aber je öfter man ausstieg zum ackern desto mehr Spaß machte es irgendwie. Daran konnten auch die penetranten Tsetsefliegen nichts daran ändern, welche sogar im Auto zur Plage wurden und einem nach dem Blut trachteten. Außerdem weiß ich nun, wofür man diese Haltegriffe über dem Fenster hat. Ohne die hätte ich wohl eine mittelschwere Gehirnerschütterung. :) Völlig platt erreichten wir aber kurz vor Sonnenuntergang und nach siebenstündiger Fahrt unser Ziel Nabwalya. Eine warme Dusche durfte man allerdings natürlich nicht erwarten. Für die nötige Aufwärumung sorgten dafür Tee und eine ordentliche Brotzeit, sowie ein Gläschen Wein, welchen Waldemar mitgebracht hatte, als Belohnung. Man darf ja nicht vergessen, es war immer noch Silvester! Auch wenn das wohl das bisher arbeitsreichste meines Lebens war und mir am Abend andere Dinge wichtiger waren, als der bevorstehende Jahreswechsel. Waldemar hat sich wirklich ein kleines Paradies in Nabwalya geschaffen. Drei Wohnhäuser, eines für den Priester (also momentan er) und zwei Gästehäuser (eines davon teilten ich mir mit Andreas), sowie ein Ess- und Wohnzimmer. Alle im afrikanischen Stil gebaut und passen wirklich perfekt hier her. Er hat sogar eine Solarpumpe, die ihm das Wasser aus einem Bohrloch in einen Wassertank pumpt und somit fließend Wasser in den Häusern. So saßen wir noch ein wenig in seinem Wohnzimmer zusammen, tranken Wein und warteten auf Mitternacht. Waldemar machte um 22Uhr schlapp, ich und Andreas hielten es noch eine Stunde länger aus bis auch uns die Müdigkeit dahinraffte. Wir quälten uns aber auch die letzte Stunde noch bis Mitternacht durch, wünschten uns ein frohes Neues und ab ging es ins Bett. :)

An Neujahr war am Morgen erstmal Gottesdienst angesagt. Zuvor erkundeten wir allerdings noch ein wenig das Dorf. Beim Gottesdienst in der kleinen Kirche wurden wir am Ende noch nach vorne geholt, den ganzen Leuten vorgestellt und unter Trommeln und Gesang schüttelte uns einer nach dem anderen zur offiziellen Begrüßung die Hand. Eine wirklich nette Geste. Für den Rest des Tages und auch den darauffolgenden Tag ging es dann wieder an die Arbeit. Waldemar möchte im Ort eine neue, größere Kirche bauen und Andreas soll als Architekt selbige aufs Papier bringen. Zuvor hätte er aber gerne noch einen Übersichtsplan über das ganze Gelände, was auch zukünftige Planungen vereinfachen würde. Im August kamen zwar bereits zwei Vermesser aus Lusaka und haben einen Tag lang alle Daten aufgenommen, aber wie es in Sambia eben oft so läuft, ist noch nichts geschehen. Es war also Andreas und meine Aufgabe, das ganze Areal abzugehen und Schritte zu zählen. Das selbe Prozedere für die Gebäude und mit einem kleinen Spielzeugkompass bestimmten wir die Winkel für die Anordnung. Gar nicht so einfach und man fühlte sich echt um Jahrzehnte in der Zeit zurückversetzt. Aber man kann sagen, wir wuchsen an der Herausvorderrung. Wie wir so durch den Busch stampften wurden wir natürlich ständing von allen genau beobachtet, was denn hier diese zwei verrückten Weißschnäbel treiben. Vor allem die Kinder zeigten wie immer reges Interesse. Die Kommunikation war meist auf Zeichensprache beschränkt. Von ein paar schossen wir noch ein Foto und sie waren alle total fasziniert davon, ihr Abbild anschließend auf dem Bildschirm sehen zu können. Dies löste eine wahre Fotografiersucht aus. :) Es sind immer wieder so viele Momente, die man gar nicht beschreiben kann. Auch eben gerade mit Menschen, denen so viele Dinge fremd sind, die bei uns schon fast Alltagsgegenstände sind. Das Leben hier ist mit Sicherheit anstrengender für die Menschen, aber doch auch irgendwie noch natürlicher und daher definitiv nicht ärmer. Einfach faszinierend.

Den letzten Schliff an der Karte musste Andreas dann alleine vollführen, denn ich durfte mit Waldemar ein Abwasserrohr reparieren, welches er beim letzten Mal mit dem Auto zerstörte. Dann war noch eine der Außenlampen kaputt (wo eine Solarpumpe, da ist Solarbeleuchtung nicht weit), bzw. die Verkabelung in der Erde wurde feucht und einige Kabel brannten durch. Mit ein paar Kindern buddelte ich die Anschlüsse frei und wurde bei der anschließenden Verkabelung genau beobachtet. Nun weiß ich auch, was zum Beispiel Glühbirne auf Bemba heißt und die Kinder haben mitunter den Begriff Isolierband auf Englisch dazugelernt. Also eine “Win-Win”-Situation wie man auf Neudeutsch so schön sagt. :)

Um 8Uhr morgens traten wir heute wieder die Heimreise nach Mpika an. Auch wenn es jeden Tag danach aussah, wurden wir, zu unser aller Überraschung, im Tal von weiterem Regen seit Silvester verschont. Natürlich exzellente Nachrichten für die Heimfahrt, da wir statt der unzähligen Male von der Hinfahrt nur noch vier Mal festsaßen und dabei reichte auch schaufeln und schieben schon aus. Auf der anderen Seite aber wieder ein Indiz mehr für die verrückte Regenzeit in diesem Jahr. Vor allem im Tal, wo die Menschen auf die eigenen Erzeugnisse angewiesen sind, denn es gibt im Ort nur drei Autos. Das von Waldemar und zwei der Wildhüter. Öffentliche Verkehrsmittel sind bei der Buschpiste unmöglich. Wollen sie irgendwo einkaufen heißt das 2 ½ Tage Fußmarsch bis zum nächsten großen Dorf, welches Mpika ist. (Eigentlich gilt Mpika schon als Stadt, aber es ist mehr mit einem größeren Dorf von Deutschland zu vergleichen – für alle Älbler: Laichingen kommt ganz gut hin – allerdings ohne Supermärkte) Es war jedenfalls eine super Tour dorthin mit ganz vielen Eindrücken. Auf der Fahrt sahen wir sogar noch Zebras und Antilopen, die seelenruhig nahe der Buschpiste grasten. Echt der Wahnsinn! Ich kann wieder mal einfach nur auf die Bilder verweisen. Vielleicht kann man sich dadurch einen besseren Eindruck verschaffen.

Ich hoffe, ihr seid alle genauso gut in das neue Jahr gestartet! Genießt die restlichen Urlaubstage und die ersten im Jahr 2010!

31.12.09 - 03.01.10 Nabwalya

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Weihnachten und Silvester in Sambia

So mein festtagsverwöhntes Blogpublikum. Jetzt müsst ihr für ein paar Minuten ein Päuschen vom alljährlichen Ächzen über die ganzen Weihnachtsleckereien einlegen und stattdessen eure Sehnerven anstrengen. Auch ich habe Weihnachten gut über die Bühne gebracht. Gut ist eigentlich untertrieben. Es waren wirklich sehr schöne und lustige Tage. Einen großen Anteil hatte dabei auch der Besuch meiner Mitstreiterin Franzi aus Chalabesa, sie sollte euch ja allmählich bekannt sein, sowie der anderen Franzi und Linda aus Ndola. In meinem letzten Eintrag hatte ich ja schon von ihrer Anwesenheit über die Feiertage berichtet und wir haben uns alle zusammen echt ein paar schöne, FEIERLICHE Tage gemacht. Jean-Baptiste, meiner anderer Mitbewohner, ist über Weihnachten für drei Wochen nach Monze gefahren, einem Ort im Süden nahe Livingstone wo er bei zwei französischen Freiwilligen haust. Sonst ware er natürlich hier mit aufgeführt.

Ich fang jetzt einfach mal da an, wo ich aufgehört habe. Am Abend vor Heiligabend ;) haben wir, wie es sich für Mitteleuropäer gehört, unseren Weihnachtsbaum geschmückt. Ja, auch wir hatten einen. Alles was man hierfür benötigt ist ein großes Blatt Papier, einen Architekten der einem ein wahres Kunstobjekt von einem Baum auf selbiges von der Hand schwingt, alte Zeitschriften (gesponsert von Franzi aus Chalabesa, besser gesagt ihrer Mutter :) ), und eine Taschenmesserschere zum Ausschneiden von Kugeln und Stern. Franzi aus Ndola hat dann noch ein künstlierisches Solo hingelegt und uns eine Krippe passend zum Stil des Weihnachtsbaum vor die Latte geknallt. Bei so viel übersprudelnder Kreativität kann einem als analytischen Mathematiker schonmal schwindelig werden, aber ich habe versucht, auch meinen Teil der Bastelorgie beizutragen. :) So war schon der Vorabend ein voller Erfolg.

Aber es kam ja noch wie es kommen musste: Weihnachten stand vor der Tür. An diesem Tag hatten wir ein gemeinsames Abendessen geplant, welches wir zuvor gemeinsam zubereiten, um dann gemeinsam eine kleine Bescherung zu machen und im Anschluss gemeinsam in die Christmesse zu gehen (wie es sich eben gehört wenn man unter dem Dach einer Diözese lebt und arbeitet). Beim Punkt Bescherung wird der ein oder andere vielleicht schon die Augenbraue gerümpft haben. Dank unserer erweiterten Runde beschlossen wir, zu wichteln. Ebenfalls eine sehr lustige Idee, wenn man bedenkt, dass es in Mpika außer dem Markt und ein paar Tante Emma Läden, welche auch mehr oder weniger das selbe verkaufen, nichts weiter gibt. Geldlimit haben wir auf 20 000 Kwacha angesetzt (3€ und ein paar zerquetschte). Jetzt fang ich aber erstmal beim Heilig Morgen an, bevor ich mich mal wieder komplett verzettel. Während die Franzis und Linda die Einkäufe für unser Abendessen tätigten und Andreas sich beim Backen von 5 Apfelstrudeln für die Feiertage fast selbst in den Ofen schob, machte ich mich noch mit Bana Esther, eine sehr nette Frau und Mitarbeiterin der Diözese, auf den Weg für die Küche einzukaufen. Also dort, wo ich sonst immer esse, wenn ich in Mpika arbeite. Bana Esther bedeutet übrigens übersetzt “Mutter von Esther”. Hier ist es üblich, sowohl Mann als auch Frau, jedoch vor allem die Frauen, “umzutaufen”, sobald sie ein Kind haben. Meist nimmt man den Namen des ersten Kindes. Dies kann sich jedoch auch schnell mal ändern, wenn ein Nachfolger einen schöneren Namen erhält. Jedenfalls ein wirklich interessantes unterfangen, da sie natürlich auch genau weiß, wo man die günstigsten Sachen auf dem Markt bekommt. Z.B. kann man von einem neben dem Markt stehenden Pickup eine riesen Kiste grün/roter Tomaten (besonders gut zum kochen geeignet) für schlappe 2,50€ erhalten. Das waren bestimmt locker mal 20-30kg Tomaten, die dann von der Kiste einfach hinten ins Auto gekippt wurden. Natürlich noch mit einigen anderen Sachen. Wieder zu Hause angekommen konnten auch schon bald die Vorbereitungen für das Abendessen beginnen. Eines der wenigen Westprodukte die man hier bekommt sind Nudeln. Und so haben wir uns entschieden einen Gemüse-Nudelauflauf zu kochen. Käse bekommt man hier nämlich auch. Zwar nur Scheiblettenkäse und auch noch schweine teuer, aber an nem Tag wie Weihnachten kann man sich das schon mal leisten. Als Nachtisch zauberten wir uns einen Fruchtsalat mit ein wenig Naturjoghurt (ebenfalls tierisch teuer) und allem Obst, was die Jahreszeit in Sambia gerade so hergibt (Mangos, Orangen, Äpfel, Bananen, sowie ein paar ausgepresste Limetten). Das ganze natürlich gepaart mit nem Apfelstrudel mit freundlicher Unterstützung von Andreas, der schon seit einigen Wochen davon träumte, diesen an Weihnachten zu zaubern. Dass es kein Vanilleeis dazu gab haben wir ihm schweren Herzens verziehen. Was soll man auch machen, ist ja schließlich Weihnachten. :) Danach ging es dann zur großen Bescherung. Ich bewichtelte Andreas und habe ihm auf der Straße eine Selbstgebrannte MP3-CD mit sambischen Liedern gekauft. 100Lieder für den Preis! Schnäppsche! :) Ich wurde von Franziska aus Chalabesa bewichtelt und erhielt eine landestypische Kochplatte (ein rundes metallgestell, in welches man Kohlen einfüllt und dann den Topf direkt auf die Glut stellt), sowie Guthaben furs Handy. Die nächsten SMS nach Nigeria waren also gesichert! :) Ich bekam aber noch eine extra Überraschung. Am 23.12. erhielt ich Post aus Deutschland und pünktlich am Weihnachtstag konnte ich ein Überraschungspaket, Lebkuchen mit lieben Heimatgrüßen von Mutti und Vati, abholen. Ausgepackt wurde natürlich erst am Abend und es war wirklich der Wahnsinn. Der erste Biss in einen Obladenlebkuchen war für uns alle Weihnachtsstimmung pur. Ich denke, zum ersten Mal in der ganzen Weihnachtszeit. War jedenfalls eine gelungene Überraschung und ein paar habe ich noch immer in der Hinterhand. Meinen Kollegen im Krankenhaus haben sie übrigens wahnsinnig gut geschmeckt. Die hatten sowas natürlich noch nie gegessen. Nach der Bescherung ging es für drei Stunden in die Christmesse auf Bemba, in der wir natürlich mal wieder nichts verstanden, aber uns zumindest den Leuten zeigen konnten. Die Kirche war echt proppe voll. Es wurde noch mehr getrommelt und getanzt als sonst und für die allermeisten Menschen sind diese drei Stunden Messe am Abend das einzige, was an diesem Tag anders ist als sonst. Wir haben uns im Anschluss noch ein wenig zusammengesetzt, ein paar Bierchen geschlürft, geredet, gelacht und den Tag schön ausklingen lassen.

Am 1. Weihnachtsfeiertag wollten wir dann seinem Namen alle Ehre machen und haben hierfür, wie im letzten Eintrag erwähnt, eine kleine Feier organisiert. Jeder steuerte etwas Geld bei und Lutz stellte sein Haus als Versammlungsort zur Vefügung. Am Morgen hieß es jedoch erst mal wieder in Kirche. Erneut drei Stunden Messe auf Bemba. Das Programm war wirklich exakt das gleiche als am Abend zuvor. Die Unterschiede in der Predigt konnten wir ja leider nicht erkennen. :) Für die Feier im Anschluss, Beginn 14:00Uhr, hatten wir vor zu Grillen. Hierzu haben wir uns schon einen Grill aus einem alten Ölfass von den Priestern ausgeliehen, mussten ihn aber kurz davor wieder zurückgeben weil sie ihn selbst benötigten. Machte aber nichts. Das Fleisch schmeckte aus Backofen und Pfanne genauso gut. Unsere kleine Feier war von Anfang an als kleine Runde geplant. So fanden sich dann wir Freiwilligen, Lutz und seine Frau Phoebe, sowie Waldemar, Thomas vorläufige Vertretung, um +/- 14:00Uhr ein. Das Essen stand einem typischen Weihnachtsessen von zu Hause wirklich in nichts nach. Es gab gebratenes Hünchen, Wurst, Warzenschwein, Kartoffelsalat, Krautsalat und Tomatensalat. Vor allem das Warzenschwein war der Hammer. Ich habe ja schon einiges an sogenanntes “Buschfleisch” probiert, aber noch kein Warzenschwein. Solltet ihr mal die Gelegenheit dazu haben: Zugreifen! Das Fleisch schmeckt so ähnlich wie Schweinelendchen. Echt der Wahnsinn! Danach haben wir es dann mit sambischen Bier, Wein und Wodka gut gehen lassen. Irgendwann so kurz nach Mitternacht kam Lutz auf die Idee “So, neuer Befehl, wir warten auf den Sonnenaufgang!” Und so musste dem Hausherr natürlich Folge geleistet werden. Andreas, Phoebe, Linda und Franzi aus Chalabesa hielten leider nicht durch und Waldemar hat bereits vor der Order den Rückzug angetreten. Lutz, ich und die Franzi aus Ndola haben aber tapfer durchgehalten. Ich glaube, an Weihnachten habe ich bisher noch nie ne Nacht durchgemacht. Dazu muss man eben erst mal nach Sambia kommen. :)

Ohne zu schlafen ging es dann am Zweiten direkt weiter nach Chilonga zu den Müllers zum Mittagessen. Gefahren ist dieses Mal der Andi ;), auch wenn es bei mir vor allem am Schlafmangel gescheitert wäre. Ebenfalls wie im letzten Eintrag erwähnt haben uns Klaus und Martina zum Weihnachtsschmaus eingeladen. Er ist pensionierter Gynäkologe und bereits zum vierten Mal für sechs Monate am Krankenhaus in Chilonga, um die Ärzte hier an seinen Erfahrungen teilhaben zu lassen. Sie bleien noch bis ende April. Die Beiden kümmern sich außerdem noch um drei Waisenkinder. Drei Brüder, welche ihre Eltern durch AIDS verloren haben. Sie saßen mit uns am Tisch und wir spielten ein paar Runden Quartett, welches der jüngste, Patrick, zu Weihnachten geschenkt bekam. Martina hat uns wirklich ein wahnsinns Essen aufgetischt. Die Hauptspeiße war Wurst mit Spätzle und Soße! Noch heimatlicher geht es ja kaum. Der Spätzleteig war natürlich aufgrund Mehlmangels etwas anders als gewohnt, schmeckte aber vermmutlich gerade deshalb so genial! :) Nachdem wir uns als Nachtisch den dritten Tag in Folge einen Apfelstrudel gönnten, ging auch dieser Nachmittag dem Ende entgegen und mit ihm kam der Moment der Abreise von Franzi und Linda zurück nach Ndola. Franzi (Chalabesa) begleitete die Beiden und sie verbringen nun Silvester gemeinsam in Ndola. Susanne, die andere Freiwillige die mit mir hier her kam und in einem Waisenhaus in Mpika arbeitet, ist gerade mit ihrem Freund auf Sambia-Entdeckungstour und sie werden den Dreien noch zustoßen. Ich und Andreas hätten natürlich auch Silvester dort verbringen können, müssen bzw. mussten jedoch arbeiten. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben und es war eine super Woche mit den Dreien auf Besuch. Es waren natürlich nicht die “sambischen Weihnachten” wie man sie sich vorstellt, dass man eben viel von der Kultur hierzulande mitbekommt usw. Dies liegt einfach daran, wie schon so oft erwähnt, dass Weihnachten hier nicht gefeiert wird sondern nur aus dem Gang zur Kirche besteht. Ich kann hier nur Bana Esther zitieren, die meinte: “Wir sind alle sehr froh, dass Jesus geboren ist, freuen uns für ihn und beten noch mehr wie sonst.” … “ein großes Essen gab es bei mir nicht, nur beten, das ist alles was ich brauche.” Noch Fragen? ;)

So und zu guter letzt komm ich noch von der Vergangenheit in die nahe Zukunft. Es hat sich nämlich nun doch noch eine kleine Tour zu Silvester für mich und Andreas ergeben. Waldemar wird morgen, also am 31.12., bis zum 03.01. kurzfristig nach Nabwalya fahren. Dort baut er ja gerade eine Außenstelle der Diözese auf und ist zu dieser Zeit eigentlich von der Außenwelt abgeschnitten, ware er nicht gerade hier als Thomas’s Vertretung. Während der Regenzeit steigen die Flüsse, welche auf dem Weg zu durchqueren sind, stark an. Das größte Problem ist allerdings der aufgeweichte Boden. Der Chief, das Stammesoberhaupt, von Nabwalya ist diese Woche allerdings in das Krankenhaus in Chilonga eingeliefert worden. Zu Waldemar’s Überraschung mit dem Auto, womit wir wieder beim Thema zu wenig Regen wären. Also hat er den kruzfristigen Entschluss gefasst, über Neujahr zu versuchen dort hin zu fahren und ich und Andreas dürfen ihn begleiten. Wir sollen uns allerdings auf eine arbeitsreiche Fahrt mit viel schaufeln und schieben einstellen. Aber natürlich alles kein Problem. :) Ich bin schon sehr gespannt, wie alles wird und werde euch natürlich unter selber Adresse brühwarm erzählen, wie es war.

Rutscht gut ins nächste Jahrzehnt und lasst die Korken knallen!

Heilig Abend 2009 in Sambia


25.12.09 Kleine Party am 1. Weihnachtsfeiertag

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Einige Änderrungen zu Weihnachten und Besuch aus Ndola

Morgen ist also Weihnachten und doch will sich hier nicht wirklich weihnachtliche Stimmung einstellen. Ein Grund dafür sind bestimmt u.a. die fehlenden Gefrierschranktemperaturen wie ihr sie momentan in Deutschland erlebt. Weihnachten wird hier aber schlichtweg auch nicht wirklich gefeiert, wie ich in den letzten Tagen in Gesprächen mit vielen Leuten herausgefunden habe. Die meisten Menschen in Sambia sind zwar tiefgläubige Christen und wissen, was es mit Weihnachten auf sich hat. Auch in die Kirche wird gegangen und der 25.12. ist ein Feiertag. Um daraus allerdings ein Fest zu machen fehlt den meisten Menschen schlicht das Geld. Für viele ist noch nicht mal ein großes Essen am Heiligabend drin. Geschenke natürlich erst recht nicht. Manche besuchen über den Feiertag, sofern sie auch noch ein paar Tage mehr frei haben, ihre Verwandtschaft oder lassen sich besuchen. Von vielen habe ich jedoch wiederum gehört, dass sie sich gar nicht besuchen lassen wollen, weil sie momentan mit der Arbeit auf dem Feld schwer beschäftigt sind. Ich erinnere an einen meiner letzten Einträge mit dem Titel “Ohne einen Acker bist du in Sambia ein nichts”. Ausnahmslos jeder den ich hier kenne pflanzt momentan irgendetwas an. Allem voran Mais, welcher der Grundbestandteil des Nyshimas, dem Brei zu jedem Essen, ist. So werden es für viele Menschen vor allem arbeitsintensive Festtage.

Jetzt komm ich aber erstmal zu meiner Überschrift. Die letzte Woche verlief zu Beginn eigentlich wie jede andere. Ich fuhr täglich nach Chilonga in das Krankenhaus zur Arbeit. Es hat nun allerdings in der Diözese ein paar Änderrungen gegeben. Thomas, ein deutscher Priester der seit rund 25 Jahren in Sambia lebt, der Schatzmeister der Diözese ist und meinen Freiwilligendienst hier koordiniert, weilt seit meiner Ankunft aus persönlichen Gründen immer noch in Deutschland. Seither schwebte aus diesem Grund so einiges in der Luft, weil eben niemand vor Ort war, der meine Aufgabe so richtig kannte und dafür verantwortlich war. Ursprünglich war sein Aufenthalt in Deutschland für einen Monat geplant, mittlerweile wurden schon etwas mehr als vier daraus. Dies störte mich allerdings nicht wirklich, da ich mich ja in Chilonga zu beschäftigen wusste und die Arbeit alles andere als langweilig ist. Seit zwei Wochen gibt es nun eine vorrübergehende Vertretung für ihn. Waldemar, ein Priester aus Polen der momentan eigentlich eine weit abgelegene Außenstelle aufbaut, hat sein Amt übernommen ist somit auch Ansprechpartner Nummer eins für mich. Ich hatte ihn vorher bereits einige Male getroffen und er ist wirklich ein sehr netter und kooperativer Mann. Falls sich jetzt jemand fragt, ob es hier nur so von Europäern wimmelt, dem ist nicht so. Neben den beiden gibt es noch Lonnie, einen Amerikaner der auf einer der Baustellen beschäftigt ist. Alle anderen sind Sambier. Am Donnerstag vergangener Woche war ich dann in Mpika beschäftigt, da es noch einige Raparturen zu erledigen gab. Seit Montag hat die Diözese nämlich für drei Wochen geschlossen, sprich, Büro, Werkstatt, Schreinerei, sowie alle Bauarbeiten stehen still. Den einzigen Urlaub aller Angestellten im ganzen Jahr. Am selben Tag hatte ich dann noch ein längeres Gespräch mit Waldemar über meine Arbeit und vor allem meine Tätigkeiten im Krankenhaus. Ihm schwebten dann ein paar Änderrungen vor. Ich werde ab jetzt nur noch ein Mal die Woche im Krankenhaus arbeiten, denn er möchte, dass ich auch an anderen Projekten der Diözese mitarbeite. Als erstes werde ich mich mit den Leuten der KFZ-Werkstatt und der Schreinerei dem Lager annehmen. Dort soll zum einen alles ein wenig neu geordnet bzw. manches geordnet werden. Anschließend sollen wir die vorhanden Teile und Materialien zählen und auch erstmal herausfinden, was zu zählen ist (zum Beispiel nicht jede einzelne Schraube). Und dann soll es noch ein idotensicheres System geben, wenn möglich elektronisch, damit jeder neue Stand festgehalten wird, man einen prompten Überblick darüber hat, welche Dinge man neu kaufen muss und auch, wie viel Material im einzelnen eigentlich verbraucht wird. Eine Aufgabe, an der ich mit den Leuten sicherlich einige Wochen beschäftigt sein werde. Im Krankenhaus soll ich mit meinen Kollegen fortan einen Plan über die Aufaben in der Woche erstellen. Ich habe ihm bereits meine Zweifel über eine mögliche Realisierung mitgeteilt, da es sich in 99% der Fälle nicht um längere und schon gar nicht planbare Aufgaben handelt. Es ändert sich eben von Tag zu Tag. Aber gut, wir werden es einfach mal versuchen und ich kann ihm ja nach einem Monat mal Rückmeldung geben, wie es läuft. Die Zeichen stehen auch gut, dass Thomas mitte/ende Januar wieder nach Sambia kommt. Gut möglich, dass sich dann wieder ein paar Dinge ändern werden. Abwarten, arbeiten und das beste daraus machen lautet also die Devise. :) Die Aufgabe mit dem Lager wird sicherlich auch eine spannende Sache. Durch die ganzen Änderrungen habe ich nun über die Feiertage aber auch einiges mehr an Freizeit. Mein Plan war ja eigentlich im Krankenhaus ganz normal weiter zu arbeiten. Das tu ich zwar nach wie vor, allerdings nur noch Montags. Für die restlichen Tage werde ich mir einfach schonmal Gedanken über ein System für das Lager machen, bis ich dann nach den drei Wochen mit den Leuten von der Werkstatt loslegen kann. Ich bin also nach wie vor beschäftigt.

Dann noch zum zweiten Teil der Überschrift. Franziska und Susanne, die beiden anderen Frewilligen die wie ich über die Brücke der Freundschaft in Sambia tätig sind, haben im Vorbereitungsseminar zwei Freiwillige, Linda und noch eine Franziska, kennengelernt, die bei der Diözese in Ndola tätig sind. Ndola liegt etwas nördlich von Lusaka und ist sowas wie die Hauptstadt von Sambias Kupfergürtel, dem wirtschaftlichen Rückrat des Landes. Sambia ist einer der größten Kupferproduzenten weltweit, allerdings spürt man hier wie in so vielen afrikanischen Ländern welche mit Bodenschätzen gesegnet sind relativ wenig davon, sondern das ganze versickert irgendwo in der Politik. Die beiden sind jedenfalls seit Montag für ein paar Tage auf Besuch in Mpika und bleiben noch bis zum 26.12. Nachdem ich ja bereits beschrieben habe, dass Weihnachten hier nicht groß gefeiert wird, haben wir bereits in den letzten Tagen ein kleines Privatprogramm aufgestellt. Wir werden wichteln und an heilig Abend gemeinsam kochen. So geht der Tag zumindest nicht ganz unter. :) Am 25.12. haben wir noch eine größere Weihnachtsfeier bei unserem Nachbar Lutz mit ein paar Bekannten vor Ort geplant. Hierfür habe ich heute schon vier lebende Hühner eingekauft, welche nun Kopflos auf Eis liegen. Und am 26.12. sind wir in Chilonga bei Dr. Müller, einem pensioniertem Frauenarzt aus Deutschland der seit mitte November für sechs Monate am Krankenhaus ist um sein Wissen und seine Erfahrungen zu teilen, zum Mittagessen eingeladen. Mal schauen, ob es auch dort wie im Hause Schulz an diesem Tag sonst üblich Rouladen gibt… ;) Und so ist dann auch schon wieder jeden Tag etwas geplant.

Am vergangenen Dienstag haben wir uns noch eine kleine Auszeit gegönnt, um unseren Gästen aus Ndola ein wenig die Gegend zu zeigen. Wir machten einen Tagesausflug nach Kapishya, einem Ort im Busch, ca. 100km nördlich von Mpika. Dort gibt es heiße Quellen in denen man baden kann und man sieht auch noch ein wenig etwas von der Landschaft. Es war auch für mich und Andreas der erste Ausflug dorthin. Ich spielte den Pilot und nach zwei Stunden waren wir am Ziel. Die Quellen sind sehr schön eingebettet zwischen großen Bäumen und sogar Palmen. Das Wasser war wirklich Badewannenwarm. So knapp 30°C oder mehr hat es auf jeden Fall gehabt. Eigentlich echt bekloppt da rein zu gehen, wenn man die Außentemperaturen bedenkt. Glücklicherweise ist ja aber gerade Regenzeit und wir haben einen relativ kühlen Tag ohne Sonnenschein erwischt. So konnte man es gerade noch drin aushalten und ein wenig entspannen, vor allem wenn man dabei noch ein Bierchen zur Erfrischung schlürft. :) War jedenfalls echt ein schöner Tag und mir hat auch das weite Fahren über Sambias eigensinnige Straßen und Buschpisten im klapprigen Auto riesigen Spaß gemacht. Im Anschluss an diesen Beitrag gibt’s auch noch ein Albümchen mit visuellen Eindrückchen.

Wenn ich hier schon einige Male das Wetter angesprochen habe und ich auch immer wieder hierzu befragt werde, hier diesbezüglich noch ein paar Infos. In Sambia befinden wir uns gerade mitten in der Regenzeit. Es sollte Ende Dezember eigentlich jeden Tag regnen. Januar und Februar sind die regenreichsten Monate im Jahr, in denen es im Regelfall die meiste Zeit des Tages schüttet. Allerdings, mit Wink zur gerade beendeten Konferenz in Kopenhagen, macht sich auch in Sambia ein Wetterumschwung bemerkbar. Nachdem die Regenzeit dieses Jahr ja viel später anbrach als normal, regent es auch jetzt noch immer nicht jeden Tag. Zwar meistens, aber der Regen bleibt auch oft aus. Die Menschen sind wirklich sehr besorgt, vor allem natürlich aufgrund der Landwirtschaft. Einige Maisernten werden jetzt schon niedere Erträge einbringen, da die Pflanzen nicht hoch genug wachsen. Ich hoffe mal, die Menschen müssen nicht noch mehr Ausfälle hinnehmen. Termperaturmäßig ist es bei bedecktem Himmel angenehm um die 25°C, wenns regent kanns auch schonmal kühler werden, vermutlich so um die 20°C oder noch kälter. Kommt aber die Sonne raus, wird es richtig heiß und schwül. Diese ist momentan echt noch aggresiver als in den ersten Wochen nach meiner Ankunft. Die ganzen Temperaturangaben sind allerdings nur gefühlt, da ich seit meiner Ankunft kein Thermometer mehr gesehen habe.

So meine lieben Blogleser. Dann wünsche ich euch am Ende natürlich allen frohe Weihnachten! Genießt die Zeit zu Hause im Kreise eurer Familien und Freunde, erholt euch vom alljährlichen Vorweihnachtsstress und lasst das Jahr gebührend ausklingen.

Aus Sambia berichtete euer Korrespondent
Carsten Schulz

22.12.09 Kapishya Hot Springs

Sonntag, 13. Dezember 2009

Der Nikolaus in Sambia muss ein Geist sein

So meine lieben Blogleser, hier bin ich mal wieder. Der in der Adventszeit schwitzende Carsten. Man, man, man, ist das gefühlt schon wieder lange her seit meiner letzten Meldung. Dort habe ich euch ja meine Malaria geschildert. Ich kann nur so viel sagen: ich hatte nachdem ich gezwungendermaßen drei Tage flach lag am darauffolgenden Montag so viel Energie und Tatendrang, dass ich mich besser und fitter fühle als zuvor! Dementsprechend enthusiastisch war ich seither wieder unterwegs und am Werk, sodass die Zeit wie im Flug verging und es allerhöchste Eisenbahn für einen neuen Eintrag ist.

Also, wenn ich hier schon von Tatendrang berichte, fangen wir doch am besten gleich bei der Arbeit an. Nach der Malaria musste erstmal wieder umdisponiert werden. An meinem roten Businessflitzer hatte der Kühlerdeckel entgültig den Geist aufgegeben, nachdem er schon einen leichten Riss in der Dichtung hatte und ich alle drei bis vier Tage das Wasser nachfüllen musste. Dieser Riss hatte sich aber so stark vergrößert, dass mittlerweile knapp bei der Hälfte des Weges nach Chilonga die Temperaturanzeige (mit der Tankanzeige das einzig funktionierende Überwachungsinstrument im Cockpit des besagten Businessflitzers) zu steigen beginnt und der Kühler fast bis zum letzte Tropfen ausgedampft war. Da halfen auch die zwei 10l Kanister Wasser nix mehr, die ich immer mitschleppe bereits zur Standardausrüstung gehören. Da es besagten Deckel jedoch in Mpika nicht gab, musste eine Reparatur warten bis der Leiter der Werkstatt wieder aus Lusaka zurückkommt und gemeinsam mit den anderen Ersatzteilen selbigen mitbringt. So hatte ich mich am Montag nach meiner Genesung abermals um die Welpen gekümmert. Mittlerweile sind die übrigens richtig groß, lieben es ihr Gebiss an meinen Schuhen zu testen und sind Grobiane, was meine Hände und Füße bereits ein paar Mal zu Spüren bekamen. Auch der Mutter Bella sind die Zähne der Rabauken wohl mittlerweile zu bissfest geworden, wodurch sie ihnen keine Milch mehr geben will. Sie hat es zwar von Anfang nicht gerne getan, aber das bißchen ist nun zu einer großen Null geschrumpft. Wahre Mutterliebe schaut anders aus. Vor ein paar Tagen schoss sie allerdings den Vogel ab, als sie einen unnachgiebigen Welpen in der Nacht in zwei Stücke biss. Am nächsten Morgen war natürlich mal wieder ich der Erste, der die Sauerei entdeckte und beseitigen durfte. Hier der Kopft, da das Hinterteil, ein paar Organe dazwischen und seine Brüder und Schwestern knabberten fleißig an seinen Überresten rum. Na dann Prost Mahlzeit. Ein paar von ihnen sind mittlerweile an neue Besitzer vergeben worden. Hoffen wir mal, dass der Rest ebenfalls zu Beginn der neuen Woche ein neues zu Hause findet. Ich konnte allerdings auch noch ein paar Sachen reparieren wie z.B. ein Bügeleisen, eine Dusche, sowie eine neue Funkantenne gemeinsam mit Prichert, einem Arbeiter der Diözese, hissen und anschließen.

Am Dienstag konnte ich dann aber bis zur Fertigstellung meines eigentlichen Wagens (Freitag) ein anderes Auto für meine täglichen Tour nach Chilonga nehmen. An diesem Tag, dem 01.12., war dann auch der Welt-AIDS-Tag, welcher in den Afrikansichen Ländern groß zelebriert wird. Dieser Tag, sowie die Wochen davor und danach, lenkt eine große Aufmerksamkeit auf dieses Thema. Vor allem in Afrika ist HIV/AIDS natürlich ein großes Thema. Sambia im speziellen ist nach Süd-Afrika und Botswana sogar das Land mit der drittgrößten HIV-Rate auf der Welt. So bietet speziell dieser Tag eine große Gelegenheit, die Menschen vor Ort über diese Krankheit zu informieren, wie man sich dagegen schützt und den Umgang damit, wenn man infiziert ist. Zum Beispiel dass infizierte Menschen nicht ausgegrenzt werden dürfen, wie es hier vielerorts leider noch sehr häufig geschieht und man keine Berührungsängste zu haben bracht. Auch am Krankenhaus in Chilonga gab es den ganzen Morgen über viele Aktionen und eine große Veranstaltung. Es gibt hier eine eigene Station, welche sich ausschließlich um HIV Patienten kümmert. Begonnen hat der Tag mit einer (Mini-) “Demonstration” aus dem Krankenhaus hinaus, auf die “Schnellstraße”, welche von Lusaka bis hoch nach Dar-es-salam in Tanzania führt, eine kleine Runde durch Chilonga und wieder zurück ins Krankenhaus. Einziges Publikum waren ein paar verstört blickende Menschen und Kinder am Straßenrand, sowie drei große LKWs die für kurze Zeit ihre Fahrt stark verlangsamen mussten. Danach fand man sich um eine etwas größere Freifläche im Krankenhaus ein. Ein paar Leute sangen und machten Tanzaufführungen, es gab drei Sketche zum Thema HIV, Ausgrenzung betroffener und die Angst vor einem HIV Test und noch zwei, drei Reden von Ehrengästen. Am Nachmittag ging dann der Betrieb im Krankenhaus wieder zur Normalität über. Es war wirklich sehr interessant, wenn ich die Hälfte auch nicht verstanden habe da vieles in Bemba vorgetragen wurde. Aber mittlerweile verstehe ich wenigsten meist, um was es denn gerade geht. Ich bekam sogar einen Chetenge, der traditionelle Wickelrock den hier alle Fragen tragen, geschenkt, welcher extra für den Welt-Aids-Tag 2009 angefertigt wurde. Männer lassen sich aus dem Stoff meist ein T-Shirt schneidern oder hängen ihn an Anlässen wie diesen als Schärpe über die Schulter.

Meine sonstigen Tätigen im Krankenhaus in den vergangenen beiden Wochen waren wieder mal echt wahnsinnig vielfältig. Eine Aufgabe die mich für längere Zeit beschäftigt hatte war abermals, achtung Quiz……..genau! Streichen! :) Es handelte sich wieder mal um die selben Gebäude. Die Schwangeren- und Geburtsstation. Diese sollen nämlich auch noch außen neu gestrichen werden. Gesagt, getan, zumindest ein Gebäude. Für das zweite fehlte es an Farbe. Gemeinsam mit Moses schwang ich wieder mal Roller und Pinsel. Es ist wirklich unglaublich, wie man sich an alles gewöhnen kann. Mittlerweile komme auch ohne Farbsieb ziemlich gut zurecht. Teilweise war ich alleine am Streichen, da Moses ja unser einziger Klemptner ist und somit öfters mal für ein paar Reparaturen seine Streichausrüstung niederlegen musste. Natürlich kein Problem, das besondere war aber, dass ich sehr viel alleine an genau der langen Wand am streichen war, an dessen einen Ende die ganzen hochschwangeren Frauen sich und ihren Bäuchen ein Päschen gönnen und sich zum tratschen treffen. So strich ich so vor mich hin während knapp über zehn Frauen all meine Handgriffe beobachteten. Jedes Mal, wenn ich an ihrem Lager vorbeischlenderte um neue Farbe zu holen, ging das gekicher los. Ich kam mir echt vor wie ein Bauarbeiter in einem schlechten Film. War schon eine lustige Situation. Das war aber nicht das einzige was mir beim Streichen wiederfuhr. Es kamen noch zwei Kontrolleure vom Gesundheitsministerium vorbei. Was die hier wollten und kontrollierten habe ich nicht wirklich verstanden. Jedenfalls wurde ich ihnen vorgestellt. Als sie dann herausbekamen, dass ich aus Deutschland komme, nahmen sie ohne einen Kommentar ihre Mütze ab und zeigten mir wie getreue Soldaten den Hitlergruß, mit einem grinsenden Gesicht auf die Art: “So macht man doch in Deutschland oder?” Echt der Wahnsinn! Ich meine, schon in Singapur, Malaysia, Thailand, wie natürlich auch hier musste ich mich oftmals Fragen stellen wie “Hitler lebt noch oder?”, sowie Sätze anhören wie “Ich finde, er war ein sehr guter, starker Mann und wollte nur das allerbeste für sein Volk.”, doch bei dieser Aktion hat es mir echt die Sprache verschlagen. Aber sie können natürlich nicht wissen, dass man bei uns auf solche Dinge sehr empfindlich reagiert, sodass ich das ganze mit einem “Jetzt ja zum Glück nicht mehr” weglächelte. :)

Wie schon angedeutet wurde jedoch nicht nur gestrichen, nein nein. Die Wasserleitungen z.B. welche von der Bachquelle etwas oberhalb des an das Krankehaus angrenzenden Hügel zum Reservoir laufen hatten an zwei Stellen ein Leck. So schnitten wir aus einem alten Schlach eines Autoreifens uns mit einer Rasierklinge Gummibänder zurecht, welche wir um die gebrochenen Stellen spannten. Und siehe da, nix tropft mehr. Eine komplette Ersetzung wäre übrigens schlichtweg zu teuer und so geht’s ja auch. In der Regenzeit können auch immer wieder Wasserwurzeln die Enden der Wasserleitungen verstopfen. Auch da mussten wir Hand anlegen. Dazu unternahmen wir noch allerlei Elktroreparaturen. Steckdosen, Leuchtstofflampen, Verteilerkästen, alles dabei! Einer der Hammer in den letzten beiden Wochen war allerdings ein verstopfter Spülkasten einer Toilette auf der Geburtsstation. Dort waren wir gezwungen, die Ursache mit der Hand zu erforschen und es kamen ca. fünf benutzte Binden, sowie ein Kopftuch hervor. Was für ein Glück, dass man im Krankenhaus schnell mal etwas Desinfektionsmittel zur Hand hat. :) Dann habe ich mit meinem Vorschlag mal eine Bestandsaufnahme auf den Stationen zu machen, welche Glühbirnen und Leuchtstofflampen defekt sind oder wo erst gar keine Halterung vorhanden ist sondern nur die Kabel herumhängen gehör gefunden. Jetzt warten wir nur noch darauf, bis die knapp 40 bis 50 Birnen, sowie einige Halterungen eintreffen und das Krankenhaus nachts hell erleuchtet werden kann, natürlich nur sofern Strom vorhanden ist. :) Als eine weitere Großaufgabe hatten wir immernoch mit den Folgen eines schweren Gewitters mit einigen Blitzeinschlägen zu tun, die so ziemlich jades Gerät einen mittleren bis schweren Schaden zugefügt hatten. Unter anderem mussten wir die Röntgenanlage reparieren, sowie das interne Telefonsystem. Dort sind am zentralen Kasten einige Leitungen auf der Platine durchgebrannt gewesen, wodurch ich noch Löten als ein weiteres Tätigkeitsfeld am Krankenhaus anfügen kann. Wir redeten noch mit der Leitung des Krankenhaus, ob es nicht sinnvoll wäre an die Gebäuden Blitzableiter anzubringen, aber das wird wohl noch dauern bis dies entschieden wird. Bis dahin kann natürlich jederzeit wieder das gleiche geschehen. Auch über die Werkzeugsituation haben wir uns unterhalten. Dieses wurde ja in der Vergangenheit wohl immer mal wieder vom ein oder anderen unter den Nagel gerissen. Dementsprechend war die Leitung nicht besonders begeistert, neues zu besorgen. Immerhin, mein Vorschlag Martin, Rambo sowie Moses mit einem Grundset an Schraubenziehern und Zangen auszustatten, sodass jeder selbst dafür verantwortlich ist und man es abends im Lager bis zum nächsten Tag deponiert und von der dortigen Aufsicht auf Vollständigkeit geprüft wird, kam gut an und die Sache wird bei der nächsten Budgetplanung berücksichtigt. Zumindest wurde es mir so gesagt. Warten wir es einfach mal ab. Um die kunterbunten Wochen in der Adventszeit noch das i-Tüpfelchen aufzusetzen, haben wir sogar noch auf dem Bau malocht. Ein neues Regendach für eines der Autos soll gebaut werden. Also gruben wir Löcher, flexten Rohre zurecht und betonierten selbige in die gegrabenen Löcher ein. Der Beton wurde natürlich von Hand in einer alten Schubkarre angemischt. Dabei lernte ich noch, wie man mit einem Schweißgerät Löcher in ein Stahlrohr “bohren” kann, wenn man keinen Bohrer hat. Die Löcher werden benötigt, um die Holkonstruktion für das Dach festzunageln. Die Bretter sind allerdings noch nicht vorhanden, sodass auch hier eine Fortsetzung in den nächsten Tagen zu erwarten ist. Da musste ich wieder an den Satz von Benedikt, dem Elektriker mit dem ich mal die Woche in Mulilansolo auf dem Bau gearbeitet habe, denken: “In den westlichen Ländern wird alles zunehmend automatisiert, aber in Ländern wie Sambia ist alles noch Manuel.” :) Wie wahr, wie wahr.

Dann gab es noch zwei Naturspekatakel zu erleben. Am vergangen Sonntag, sowie am darauffolgenden Montag gab es jeweils in der Nacht mit Werten zwischen 5 und 6 zwei beachtliche Erdbeben. Ich bekam leider beide nicht mit. Mich scheint wohl wirklich nichts aus dem Schlaf reißen zu können. Das Zentrum lag jeweils ein paar Kilometer im Norden am Tanganikasee. In der Zeitung stand, dass die Leute dort das ganze als die Erscheinung von Geistern beschrieben, die jades Jahr auftauchen und beim Fortbewegen die Erde zum beben bringen. Als Randnotiz wurde noch bemerkt, dass irgendeiner aus der Universität behauptet hätte, es handele sich um die Bewegung von Erdplatten. Womit wir nun also endlich wissen, wodurch die Erdbeben wirklich enstehen. Irgendwas scheint da bei uns Bildungstechnisch schief zu laufen. ;) Vielleicht war es auch nur der Nikolaus, der sich an den Tanganikasee verlaufen hatte.

So, dass waren jetzt nur mal die herausstechenden Ereignisse der letzten beiden Wochen. Es gab aber noch so viel mehr zu tun. Also langweilig ist mir hier definitiv nicht. In der Zeit die dann noch übrig blieb konnte man aber auch mal ein Feierabendbierchen in einer der kleinen Kneipen genießen und/oder sich ein wenig mit den Leuten unterhalten. Das ist immer wahnsinnig interessant und zwei mit denen ich mich hier besonders gut verstehe musste ich nun sogar ein paar Brocken Deutsch bei bringen. Schließlich könne es ja nicht sein, dass ich ihre Stammessprache lerne und sie nicht meine. :) Es passieren einfach immer wieder so viele witzige und interessante Situation und ich hier schon gar nicht mehr alle aufführen kann. Aber selbst nach vier Monaten merke ich noch immer, dass die Menschen noch offener zu mir werden, also eine gewisse Einlebungsphase noch nicht abgeschlossen ist. Sei es bei der Arbeit oder bei normalen Gesprächen. Allerdings kann ich mittlerweile denke ich behaupten, mich in das Leben hier sehr gut eingefunden habe. Ich glaube, so manche großen Unterschiede zu Deutschland realisiert man gar nicht mehr. Man lebt einfach das Leben mit.

Dann wünsche ich euch einfach weiterhin eine schöne Adventszeit und trinkt nicht so viel Glühwein! Vielleicht denkt ihr beim ein oder anderen Schluck auch mal an mich. ;) Das einzige, was mich hier an die Adventszeit erinnert sind eigentlich die Orangen. Und selbst diese sind teilweise grün! Schmecken aber genauso süß wie die orangenen Orangen. :) Auf den Markt zu gehen ist echt immer wieder ein Highlight und DIE Adresse um Bemba zu üben. Also werde ich auch nach wie vor mich mit Obst eindecken und dabei hoffentlich die ein oder andere Vokabel hinzu lernen.

In diesem Sinne, oh du fröhliche!
Euer Carsten aus Sambia

Hier natürlich noch ein paar Bilder. Habe das Chilonga-Album wieder einmal um ein paar Schnappschüsse bereichert und auch vom Welt AIDS Tag gibt es visuelle Eindrücke.

Chilonga


01.12.09 World AIDS Day