Ich fang jetzt einfach mal da an, wo ich aufgehört habe. Am Abend vor Heiligabend ;) haben wir, wie es sich für Mitteleuropäer gehört, unseren Weihnachtsbaum geschmückt. Ja, auch wir hatten einen. Alles was man hierfür benötigt ist ein großes Blatt Papier, einen Architekten der einem ein wahres Kunstobjekt von einem Baum auf selbiges von der Hand schwingt, alte Zeitschriften (gesponsert von Franzi aus Chalabesa, besser gesagt ihrer Mutter :) ), und eine Taschenmesserschere zum Ausschneiden von Kugeln und Stern. Franzi aus Ndola hat dann noch ein künstlierisches Solo hingelegt und uns eine Krippe passend zum Stil des Weihnachtsbaum vor die Latte geknallt. Bei so viel übersprudelnder Kreativität kann einem als analytischen Mathematiker schonmal schwindelig werden, aber ich habe versucht, auch meinen Teil der Bastelorgie beizutragen. :) So war schon der Vorabend ein voller Erfolg.
Aber es kam ja noch wie es kommen musste: Weihnachten stand vor der Tür. An diesem Tag hatten wir ein gemeinsames Abendessen geplant, welches wir zuvor gemeinsam zubereiten, um dann gemeinsam eine kleine Bescherung zu machen und im Anschluss gemeinsam in die Christmesse zu gehen (wie es sich eben gehört wenn man unter dem Dach einer Diözese lebt und arbeitet). Beim Punkt Bescherung wird der ein oder andere vielleicht schon die Augenbraue gerümpft haben. Dank unserer erweiterten Runde beschlossen wir, zu wichteln. Ebenfalls eine sehr lustige Idee, wenn man bedenkt, dass es in Mpika außer dem Markt und ein paar Tante Emma Läden, welche auch mehr oder weniger das selbe verkaufen, nichts weiter gibt. Geldlimit haben wir auf 20 000 Kwacha angesetzt (3€ und ein paar zerquetschte). Jetzt fang ich aber erstmal beim Heilig Morgen an, bevor ich mich mal wieder komplett verzettel. Während die Franzis und Linda die Einkäufe für unser Abendessen tätigten und Andreas sich beim Backen von 5 Apfelstrudeln für die Feiertage fast selbst in den Ofen schob, machte ich mich noch mit Bana Esther, eine sehr nette Frau und Mitarbeiterin der Diözese, auf den Weg für die Küche einzukaufen. Also dort, wo ich sonst immer esse, wenn ich in Mpika arbeite. Bana Esther bedeutet übrigens übersetzt “Mutter von Esther”. Hier ist es üblich, sowohl Mann als auch Frau, jedoch vor allem die Frauen, “umzutaufen”, sobald sie ein Kind haben. Meist nimmt man den Namen des ersten Kindes. Dies kann sich jedoch auch schnell mal ändern, wenn ein Nachfolger einen schöneren Namen erhält. Jedenfalls ein wirklich interessantes unterfangen, da sie natürlich auch genau weiß, wo man die günstigsten Sachen auf dem Markt bekommt. Z.B. kann man von einem neben dem Markt stehenden Pickup eine riesen Kiste grün/roter Tomaten (besonders gut zum kochen geeignet) für schlappe 2,50€ erhalten. Das waren bestimmt locker mal 20-30kg Tomaten, die dann von der Kiste einfach hinten ins Auto gekippt wurden. Natürlich noch mit einigen anderen Sachen. Wieder zu Hause angekommen konnten auch schon bald die Vorbereitungen für das Abendessen beginnen. Eines der wenigen Westprodukte die man hier bekommt sind Nudeln. Und so haben wir uns entschieden einen Gemüse-Nudelauflauf zu kochen. Käse bekommt man hier nämlich auch. Zwar nur Scheiblettenkäse und auch noch schweine teuer, aber an nem Tag wie Weihnachten kann man sich das schon mal leisten. Als Nachtisch zauberten wir uns einen Fruchtsalat mit ein wenig Naturjoghurt (ebenfalls tierisch teuer) und allem Obst, was die Jahreszeit in Sambia gerade so hergibt (Mangos, Orangen, Äpfel, Bananen, sowie ein paar ausgepresste Limetten). Das ganze natürlich gepaart mit nem Apfelstrudel mit freundlicher Unterstützung von Andreas, der schon seit einigen Wochen davon träumte, diesen an Weihnachten zu zaubern. Dass es kein Vanilleeis dazu gab haben wir ihm schweren Herzens verziehen. Was soll man auch machen, ist ja schließlich Weihnachten. :) Danach ging es dann zur großen Bescherung. Ich bewichtelte Andreas und habe ihm auf der Straße eine Selbstgebrannte MP3-CD mit sambischen Liedern gekauft. 100Lieder für den Preis! Schnäppsche! :) Ich wurde von Franziska aus Chalabesa bewichtelt und erhielt eine landestypische Kochplatte (ein rundes metallgestell, in welches man Kohlen einfüllt und dann den Topf direkt auf die Glut stellt), sowie Guthaben furs Handy. Die nächsten SMS nach Nigeria waren also gesichert! :) Ich bekam aber noch eine extra Überraschung. Am 23.12. erhielt ich Post aus Deutschland und pünktlich am Weihnachtstag konnte ich ein Überraschungspaket, Lebkuchen mit lieben Heimatgrüßen von Mutti und Vati, abholen. Ausgepackt wurde natürlich erst am Abend und es war wirklich der Wahnsinn. Der erste Biss in einen Obladenlebkuchen war für uns alle Weihnachtsstimmung pur. Ich denke, zum ersten Mal in der ganzen Weihnachtszeit. War jedenfalls eine gelungene Überraschung und ein paar habe ich noch immer in der Hinterhand. Meinen Kollegen im Krankenhaus haben sie übrigens wahnsinnig gut geschmeckt. Die hatten sowas natürlich noch nie gegessen. Nach der Bescherung ging es für drei Stunden in die Christmesse auf Bemba, in der wir natürlich mal wieder nichts verstanden, aber uns zumindest den Leuten zeigen konnten. Die Kirche war echt proppe voll. Es wurde noch mehr getrommelt und getanzt als sonst und für die allermeisten Menschen sind diese drei Stunden Messe am Abend das einzige, was an diesem Tag anders ist als sonst. Wir haben uns im Anschluss noch ein wenig zusammengesetzt, ein paar Bierchen geschlürft, geredet, gelacht und den Tag schön ausklingen lassen.
Am 1. Weihnachtsfeiertag wollten wir dann seinem Namen alle Ehre machen und haben hierfür, wie im letzten Eintrag erwähnt, eine kleine Feier organisiert. Jeder steuerte etwas Geld bei und Lutz stellte sein Haus als Versammlungsort zur Vefügung. Am Morgen hieß es jedoch erst mal wieder in Kirche. Erneut drei Stunden Messe auf Bemba. Das Programm war wirklich exakt das gleiche als am Abend zuvor. Die Unterschiede in der Predigt konnten wir ja leider nicht erkennen. :) Für die Feier im Anschluss, Beginn 14:00Uhr, hatten wir vor zu Grillen. Hierzu haben wir uns schon einen Grill aus einem alten Ölfass von den Priestern ausgeliehen, mussten ihn aber kurz davor wieder zurückgeben weil sie ihn selbst benötigten. Machte aber nichts. Das Fleisch schmeckte aus Backofen und Pfanne genauso gut. Unsere kleine Feier war von Anfang an als kleine Runde geplant. So fanden sich dann wir Freiwilligen, Lutz und seine Frau Phoebe, sowie Waldemar, Thomas vorläufige Vertretung, um +/- 14:00Uhr ein. Das Essen stand einem typischen Weihnachtsessen von zu Hause wirklich in nichts nach. Es gab gebratenes Hünchen, Wurst, Warzenschwein, Kartoffelsalat, Krautsalat und Tomatensalat. Vor allem das Warzenschwein war der Hammer. Ich habe ja schon einiges an sogenanntes “Buschfleisch” probiert, aber noch kein Warzenschwein. Solltet ihr mal die Gelegenheit dazu haben: Zugreifen! Das Fleisch schmeckt so ähnlich wie Schweinelendchen. Echt der Wahnsinn! Danach haben wir es dann mit sambischen Bier, Wein und Wodka gut gehen lassen. Irgendwann so kurz nach Mitternacht kam Lutz auf die Idee “So, neuer Befehl, wir warten auf den Sonnenaufgang!” Und so musste dem Hausherr natürlich Folge geleistet werden. Andreas, Phoebe, Linda und Franzi aus Chalabesa hielten leider nicht durch und Waldemar hat bereits vor der Order den Rückzug angetreten. Lutz, ich und die Franzi aus Ndola haben aber tapfer durchgehalten. Ich glaube, an Weihnachten habe ich bisher noch nie ne Nacht durchgemacht. Dazu muss man eben erst mal nach Sambia kommen. :)
Ohne zu schlafen ging es dann am Zweiten direkt weiter nach Chilonga zu den Müllers zum Mittagessen. Gefahren ist dieses Mal der Andi ;), auch wenn es bei mir vor allem am Schlafmangel gescheitert wäre. Ebenfalls wie im letzten Eintrag erwähnt haben uns Klaus und Martina zum Weihnachtsschmaus eingeladen. Er ist pensionierter Gynäkologe und bereits zum vierten Mal für sechs Monate am Krankenhaus in Chilonga, um die Ärzte hier an seinen Erfahrungen teilhaben zu lassen. Sie bleien noch bis ende April. Die Beiden kümmern sich außerdem noch um drei Waisenkinder. Drei Brüder, welche ihre Eltern durch AIDS verloren haben. Sie saßen mit uns am Tisch und wir spielten ein paar Runden Quartett, welches der jüngste, Patrick, zu Weihnachten geschenkt bekam. Martina hat uns wirklich ein wahnsinns Essen aufgetischt. Die Hauptspeiße war Wurst mit Spätzle und Soße! Noch heimatlicher geht es ja kaum. Der Spätzleteig war natürlich aufgrund Mehlmangels etwas anders als gewohnt, schmeckte aber vermmutlich gerade deshalb so genial! :) Nachdem wir uns als Nachtisch den dritten Tag in Folge einen Apfelstrudel gönnten, ging auch dieser Nachmittag dem Ende entgegen und mit ihm kam der Moment der Abreise von Franzi und Linda zurück nach Ndola. Franzi (Chalabesa) begleitete die Beiden und sie verbringen nun Silvester gemeinsam in Ndola. Susanne, die andere Freiwillige die mit mir hier her kam und in einem Waisenhaus in Mpika arbeitet, ist gerade mit ihrem Freund auf Sambia-Entdeckungstour und sie werden den Dreien noch zustoßen. Ich und Andreas hätten natürlich auch Silvester dort verbringen können, müssen bzw. mussten jedoch arbeiten. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben und es war eine super Woche mit den Dreien auf Besuch. Es waren natürlich nicht die “sambischen Weihnachten” wie man sie sich vorstellt, dass man eben viel von der Kultur hierzulande mitbekommt usw. Dies liegt einfach daran, wie schon so oft erwähnt, dass Weihnachten hier nicht gefeiert wird sondern nur aus dem Gang zur Kirche besteht. Ich kann hier nur Bana Esther zitieren, die meinte: “Wir sind alle sehr froh, dass Jesus geboren ist, freuen uns für ihn und beten noch mehr wie sonst.” … “ein großes Essen gab es bei mir nicht, nur beten, das ist alles was ich brauche.” Noch Fragen? ;)
So und zu guter letzt komm ich noch von der Vergangenheit in die nahe Zukunft. Es hat sich nämlich nun doch noch eine kleine Tour zu Silvester für mich und Andreas ergeben. Waldemar wird morgen, also am 31.12., bis zum 03.01. kurzfristig nach Nabwalya fahren. Dort baut er ja gerade eine Außenstelle der Diözese auf und ist zu dieser Zeit eigentlich von der Außenwelt abgeschnitten, ware er nicht gerade hier als Thomas’s Vertretung. Während der Regenzeit steigen die Flüsse, welche auf dem Weg zu durchqueren sind, stark an. Das größte Problem ist allerdings der aufgeweichte Boden. Der Chief, das Stammesoberhaupt, von Nabwalya ist diese Woche allerdings in das Krankenhaus in Chilonga eingeliefert worden. Zu Waldemar’s Überraschung mit dem Auto, womit wir wieder beim Thema zu wenig Regen wären. Also hat er den kruzfristigen Entschluss gefasst, über Neujahr zu versuchen dort hin zu fahren und ich und Andreas dürfen ihn begleiten. Wir sollen uns allerdings auf eine arbeitsreiche Fahrt mit viel schaufeln und schieben einstellen. Aber natürlich alles kein Problem. :) Ich bin schon sehr gespannt, wie alles wird und werde euch natürlich unter selber Adresse brühwarm erzählen, wie es war.
Rutscht gut ins nächste Jahrzehnt und lasst die Korken knallen!
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| Heilig Abend 2009 in Sambia |
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| 25.12.09 Kleine Party am 1. Weihnachtsfeiertag |




1 Kommentar:
na, das nenn ich mal tolle Weihnachtsfeiern. Alles Gute über die Jahreswende.
Armin und Moni
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