Eigentlich begann die Woche ganz normal wie schon die letzte aufgehört hatte. An der Tankstelle gab es noch immer keinen Sprit und ich tuckerte mit meinem roten Geschäftswagen gemütlich nach Chilonga um im Krankenhaus die Renovierung der Schwangeren- und Neugeborenenstation voranzutreiben. Man will ja schließlich in diesen Zeiten nicht unnötig Sprit verbraten. So atmete ich gemeinsam mit Martin tag ein tag aus die Lackfarbe ein und brachten dabei auch noch was an die Wand. Natürlich hätte man wieder einmal den ein oder anderen Rollerstrich von Martin schöner machen können, auch die verschmierten Türrahmen und die Tropfen auf den Fließen hätten evtl. Nicht ganz so zahlreich ausfallen müssen, aber den Perfektionismus wie er bei uns üblich ist legt man hier schnell ab. Das Ergebnis sah und sieht auch so bei weitem besser aus, wie der Zustand in dem sich die Stationen vorher befanden. Und so am vorbeilaufen kann man die Tropfen an der Wand oder an den Fließen und Türrahmen auch nicht mehr erkennen. Die ganze Woche, inkl. heute (ich arbeite ja Montag bis Samstag) waren wir mit streichen beschäftigt und am kommenden Dienstag sollte das ganze dann, wenn nichts dazwischen kommt, eigentlich erledigt sein und die Patienten sind endlich davon erlöst, von einem Zimmer ins nächste zu ziehen.
Eines der Highlights dieser Woche war der Besuch zweier Tanklaster mit Benzin und Diesel am Mittwoch Nachmittag an der Tankstelle in Mpika, nachdem die Durststrecke bereits 6 Tage andauerte. Dieses Ereignis sorgte auch prompt dafür, dass alle mit sämtlichen Kanistern oder Tanks die sie nur irgendwie auftreiben konnten die Tankstelle stürmten und innerhalb drei Stunden war alles wieder futsch. Ich selbst bin leider leer ausgegangen. Also hieß es weiter tuckern, denn seit Mittwoch sitzen wir wieder auf dem trockenen. Vor Deinstag wird laut dem Tankstellenpersonal auch nichts ankommen und wenn es schon heißt, vor Dienstag.....über die Zeiteinteilung hier habe ich ja bereits ausführlich berichtet. :) Das Barbarische dabei ist wirklich, dass aufgrund politischen Geplänkel, wer jetzt dafür zuständig ist den Sprit zu importieren und mit großer Wahrscheinlichkeit auch wie viel von dem ganzen Kuchen in die eigene Tasche abbekommt, dazu führt, dass das ganze Land quasi still steht. Zugegeben, prozentual gesehen besitzen die wenigsten Sambier ein Auto und haben keinen anderweiligen Bedarf an Sprit. Aber ich erkundigte mich z.B. auch mal beim Krankenhaus, wie es denn nun mit den Autos weitergeht, jetzt, da kein Sprit da ist. Das Krankenhaus hat nämlich 3 Geländewagen, die die Patienten in Notfällen von den letzten Winkeln des Landes abholen und kostenlos ins Krankenhaus transportieren. Da sagte eine der Schwestern eiskalt zu mir: „Dann sterben eben die Leute im Busch.“ Schon echt hart. Hoffen wir einfach, die Lage entspannt sich bald.
Tagsdarauf, am Donnerstag, war es dann soweit. Der erste richtige Regenzeit-Regen brach über den Norden des Landes herein. Und wie. Es regnete sozusagen von 12:00Uhr bis 20:00Uhr durch. Somit hatte ich nach Feierabend auch gleich meine erste Regenfahrt inklusive. Die Straße kreuzten nun Flüsse und Schlaglöcher wurden zu großen Teichen. Der Regen wurde aber von allen Leuten hier schon sehnsüchtig erwartet, denn es ist schon lange Zeit, den Mais anzubauen, welcher ja zu Mehl gerieben die Grundlage des Sambischen Grundnahrungsmittel, Nyshima – den Brei, bildet. Der Regen hatte sozusagen Verspätung. Seitdem hat sich aber von einem Moment auf den anderen das Klima geändert. Es ist jetzt selbstverständlich schwüler geworden und hat auch etwas abgekühlt. Seit Donnerstag hat sich das nicht verändert und es regnet immer mal wieder. Am selben Tag redete ich noch mit Monica, einer Arbeiterin in der Werkstatt von der Diözese. Sie war ganz heiter, weil nun der Regen kommt und wollte am liebsten gleich nach Hause, um alles für die Landwirtschaft vorzubereiten, denn: „Ohne Acker bist du in Sambia ein Nichst!“ Darf ich also vorstellen: Sie lesen gerade den Blog eines Menschen auf dieser Erde, der in wirklichkeit ein Nichts und Niemand ist. :)
Mit dem Regen kamen nun auch verstärkte Stromausfälle. Dass eigentlich jeden Abend für mindestens 2 Stunden der Strom abgestellt wird, daran hat man sich ja schon gewohnt. Aber sobald es zu regnen beginnt geht der Strom weg und kann unter Umständen für einen halben Tag futsch sein. Da stellt man mal wieder fest, wie unwahrscheinlich hell doch eine Kerzenlicht gibt. :)
Und für jeden der in der Schule brav aufgepasst hat, der weiß, dass nach jedem Donnerstag ein Freitag folgt. An besagtem Freitag wurde der Herr Schulz gemeinsam mit Andreas, Jean-Baptist und Franziska, drei anderen Freiwilligen, zur Führerscheinprüfung gebeten. Ja, ganz recht. Wir fuhren 190km nach Kasama in den Norden, der Hauptstadt der nördlichen Provinz. Gefahren ist auf dieser Strecke Anton, der Chef der Werkstatt von der Diözese und welcher auch den Chef der Führerscheinstelle kennt, was schonmal sicherstellt, dass wir das ganze an einem Tag abschließen können. Für jeden der gerade von einem Hauptbahnhof zum nächsten rennt, hier die Erklärung: Ich habe selbstverständlich bereits einen Führerschein, dieser gilt jedoch nur für 3 Monate, eben so lange, wie auch das Touristenvisum gilt. Jeder der länger bleibt und auch dann noch seinen allerwärtesten hinter das Steuer eines Kraftfahrzeugs platzieren will, muss seine internationale Fahrerlaubnis in einen Sambischen Führerschein übertragen. Konkret heißt das, man lässt sich zuvor von einem Doktor untersuchen, ob man noch gut sehen kann und auch sonst dazu in der Lage ist, ein Fahrzeug zu manövrieren. Gesagt und in Chilonga getan. Dann begibt man sich mit zwei Passbildern im Gepäck nach Kasama. Dort angekommen bekommt man erst mal gesagt, dass der internationale Führerschein kein Führerschein ist, sondern nur eine Fahrerlaubnis. Was nach langer Diskussion daran lag, dass zwar alles im Führerschein wunderschön in mehreren Sprachen übersetzt ist, bis auf die Vorderseite, auf der Name, Gültigkeitsdatum sowie die Führerscheinnummer steht. Im Vergleich mit dem deutschen Führerschein überzeugt man dann den Beamten von der Richtigkeit des Lappens. Man fülle anschließend ein Antragsformular aus und zahle eine Summe für den Antrag des Führerscheins. Danach steigt man mit einem Prüfmeister in das selbst mitgebrachte Fahrzeug ein und demonstriert ca. 15 Minuten seine Künste im Straßenverkehr. Kurz vor Ende beantworte man dann noch die Frage des Prüfmeisters, ob man 180km/h fahren darf mit einem bestimmten NEIN und biegt wieder auf das Gelände des Straßenverkehrsamtes ein. Danach füllt man nochmal eine Seite aus und liefert seinen Daumenabdruck ab. Das ganze gepaart mit einer zweiten Übergabe von bunten Scheinen aus dem Portmonee. Nach 5 Stunden des Wartens mit ein wenig Aktivität zwischendurch verlässt man dann wieder das Amt und wartet einige Wochen oder Monate, manchmal sogar Jahre auf seinen sambischen Fürerschein. Währenddessen ist es aber trotzdem gestattet zu fahren, solange man seinen Beleg mit sich führt, dass man für einen neuen Führerschein bezahlt hat. Klingt komisch, ist ber so. :)
So und morgen geht’s schon wieder weiter. Da heißt es nämlich für mich, Andreas, Jean-Baptist und Franziska um 3:30Uhr in der früh Abfahrt nach Lusaka. Lutz holt seine Frau vom Flughafen ab und die anderen drei müssen zur Immigration um ihre Arebitserlaubnis abzuholen. Ich selbst muss zum einzigen Optiker im ganzen Land um meine Brille wieder gerade biegen zu lassen. Ich habe zwar selbst schon ein wenig daran herumgebastelt, so, dass sie zumindest nicht mehr ganz so schief ist und man einigermaßen tragen kann, jedoch nur unter der Bildung erheblicher Nasenschmerzen. Ein netter Nebeneffekt ist noch, dass am Montag, dem Tag des Falls der Berliner Mauer, die deutsche Botschaft zum Empfang geladen hat. Das bedeutet, das neben den zahlreichen, geladenen Gästen aus Sambia auch alle Deutschen, die gerade keine Touristen sind, dort erscheinen dürfen und auf Kosten des Staates schlemmen. Anscheinend zu deutschen Getränken und deutscher Küche. Ich bedanke mich also in diesem Sinne schon mal recht herzlich bei euch allen dafür, dass ihr mir mit euren monatlichen Abgaben diesen Abend ermöglicht. Ich werde natürlich alles daran setzen, voll auf meine Kosten zu kommen und euch anschließend davon berichten. :) Gegen Mittwoch oder Donnerstag werden wir dann wieder in Mpika zurück sein.
So, dann mach ich jetzt aber wirklich Feierabend. Nicht aber ohne wieder einmal auf meine aktualiserten Fotoalben hinzuweisen. Darunter sind neue Essensbilder, sowie ein paar Schnappschüsse von unserem Werk bei der Renovierung im Krankenhaus. Auch von unseren regelmäßigen Fußballpartien gibt es neues Bildmaterial und ein Update über den Zustand von Bellas Welpen. Die Acht haben mittlerweile ihre Augen geöffnet und wagen die ersten Gehversuche. Nicht mehr lange und mein Zaun wird auf eine harte Probe gestellt. :)
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| Essen und Trinken in Sambia |
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| Chilonga |
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| Es lebe der Sport |
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| Bella und ihre Welpen |














