Das Wetter in Sambias Hauptstadt
(manchmal gibt es keine Daten oder sie sind verzögert)

Donnerstag, 29. Juli 2010

Es werde Licht für den Pulleralarm am Wasserfall

Willkommen zu meinem Lebenszeichen mitten aus dem Endspurt. Ein Jahr, das einem zu Beginn so groß und lang vorkommt, ist mitlerweile auf neun Tage zusammengeschrumpft. Ich kann es selber kaum fassen, wenn ich es nur tippe. Dementsprechend befinde ich mich gerade in den letzten Arbeits-klimm-zügen. Heute und morgen sind meine letzten Arbeitstage bei der Diözese, am Wochenende gebe ich eine “kleine” Abschiedsparty, um mich gebührend vom größten Teil aller Leute zu verabschieden und nochmal ein wenig Spaß gemeinsam zu haben. Danach geht es auch schon ans packen, dann Lusaka und schwubs bin ich wieder zurück in Deutschland. Es ist noch alles so unwirklich und die Zeit zieht an mir gerade wie in Trance vorbei. Ich bin mit allem ein wenig überfordert, aber lasse einfach Tag für Tag, der mir hier noch verbleibt, auf mich zukommen und mache das Beste daraus.

Seit meinem letzten Eintrag gibt es noch ein paar Aktivitäten im Reisesektor zu verzeichnen. Vorletzte Woche wurde ich abermals und zum letzten Mal nach Nabwalya entführt. Waldemar, der Priester, der dort gerade eine Außenstelle der Diözese aufbaut, hat Spendengelder aufgetrieben, um die örtliche Buschklinik mit einer Solaranlage für Licht zu versorgen. Ich durfte mitgehen und die Installation mit zwei Leuten vom Dorf durchführen, die quasi gar keine Ahnung von Elektroinstallationen haben. Ich musste daher den Anschluss der Solaranlage, sowie die komplette Verkabelung der Lichter in sieben Räumen planen und mit den Beiden “Lehrlingen” durchführen. Puh, da habe ich erst mal ganz schön geschluckt. Ich hatte zwar eine Ahnung, wie ich alles angehen werde, aber es war das aller erste Mal überhaupt, dass ich so etwas alleine, ohne einen zusätzlichen Elektriker durchführen sollte. Aber man wächst ja schließlich an der Herausvorderrung. 2 ½ Tage arbeiteten wir ununterbrochen daran und am Ende funktionierte alles auf anhieb. Ich glaube, ich war noch nie so stolz auf mich, wie in diesem Moment und überglücklich, dass alles funktionierte. Wir schafftn es erst am Tag der Abreise zurück nach Mpika alles fertigzustellen, sodass ohnehin kein Puffer für Fehlerkorrekturen mehr übrig gewesen wäre. Waldemar hatte sich wohl verschätzt in der Zeit, die ich mit meinen beiden Kollegen für alles brauche, aber Qualität geht schließlich vor Quantität und am Ende hat ja auch alles genau hingehauen. Es hat mir wirklich sehr großen Spaß gemacht. Vor allem auch nochmals die ganzen Leute in Nabwalya zu sehen. Damit hatte ich schon gar nicht mehr gerechnet und konnte mich dadurch bei jedem persönlich verabschieden. Vor unserer Abreise wurde mir sogar in der Kirche von allen für meine diversen Arbeiten vor Ort gedankt, was wirklich super lieb war.

Am vergangenen Wochenende machten wir einen letzten Ausflug an den Tanganyikasee, hoch oben im äußersten Norden von Sambia. Mit dem Ende der vergangenen Woche hatten meine Beiden Mitfreiwilligen der Brücke der Freundschaft, Susanne und Franziska, ihre Arbeit bereits beendet und wir fanden uns alle in Mpika ein. Wie geplant stieß auch noch die gute Franzi aus Ndola zu uns und mit meinen beiden Mitbewohnern, Andreas und Jean-Baptiste, bildeten wir ein hochmotiviertes 6er Gespann, das sich anschickte in unserem alten, klapprigen Daihatsu “Rocky” die 450km bis zum Hafenstädtchen Mpulungu am See zurückzulegen, wo wir für drei Nächte bleiben wollten.

So weite Touren hatten wir mit unserem Wagen noch nie gewagt und mit vier Leuten im kleinen Laderaum war Platztechnisch das absolute Maximum erreicht. Aber Auto und Motor, die schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben und komplett in einem Fluß abgesoffen sind, schnurrten wie ein Kätzchen und beförderten uns über die ganzen Tage sicher von A nach B. Nicht einmal einen Platten hatten wir zu vermelden, nachdem wir seit Mai das komplette Auto mit neuen Reifen “aufmotzten”.

Der Tanganyikasee ist volumenmäßig der größte See Afrikas und der zweittiefste See der Welt, hinter dem Baikalsee. Mit seiner enormen Länge von 673km bildet er das Grenzgebiet von Sambia im Süden, Tansania im Osten, dem Kongo im Westen und Burundi am äußersten Norden. Um den ganzen See herum hat auch ein großer Teil des menschlichen Ursprungs seine Herkunft.

Mpulungu, der größte Ort am Tanganyikasee in Sambia, hat für das Land ohne einen Zugang zum Meer eine ziemlich große Bedeutung. So findet man hier den größten Hafen des Landes und der See verschafft Sambia eine direkte Grenze zu Burundi. Auch die große Vielzahl an Fisch, welcher sich aus dem See ziehen lässt, ist ein wichtiger Bestandteil für die Region und das ganze Land. Die Tanganyika-Sardine, Kapenta genannt, wird in ganz Sambia gegessen und gehört eigentlich schon zum Grundnahrungsmittel. Der Fisch wird meist vor Ort getrocknet und dann in großen Säcken über das ganze Land verteilt. Für mich zählt sie ebenfalls zu einem der schmackhaftesten und dabei günstigsten Fische, die es hier gibt.

Die Nähe zu Tansania verschafft dem Städtchen einen unverkennbaren Swahili-Einfluss. Swahili wird die Volksgruppe genannt, die sich entlang der Ostküste Afrikas niedergelassen hat. Vor allem im heutigen Kenia, Tansania und Mosambique. Dort wird auch Kiswahili als Amtssprache gesprochen. Durch die See spezialisierten sich diese Leute über die Jahre auf den Handel. Die Volksgruppe hat, wie die Bembas, welche sich in großen Teilen Sambias befinden, und vielen andere Stämmen Zentralafrikas ihren Ursprung aus dem Stamm der Bantu. Ihre Kultur ist durch den Handel jedoch stark von den indischen, arabischen und auch europäischen Ländern beeinflusst worden.

In Mpulungu hatten wir eine tolle Unterkünft mit total netten Betreibern, wo man sich gleich zu Hause fühlte. Wir aßen dort jeden Abend und Charity, die sambische Managerin, zauberte uns jedes Mal ein weltklasse Abendessen basierend auf dem Nkupi Fisch, einem der größten Fische des Tanganyikasee. Er schmeckt wirklich super lecker! Im restlichen Sambia ist dieser Fisch quasi gar nicht zu bekommen und wenn, erst recht nicht in der Qualität. Es war einfach klasse, genauso wie unsere Zimmer bzw. Chalets zum Campingpreis. Einziger Nachteil waren die dutzenden Moskitos, welche sich vor allem in den Duschen und WC’s gerne tummelten. Man musste sich quasi in einem Schwarm waschen und jetzt hoffen wir alle mal, dass wir von der Malaria verschont wurden. Ich hatte mal kein Stich festgestellt. *dreimalaufholzgeklopft* :)

Wir beschlossen, Mpulungu als Ausgangspunkt für zwei Tagesausflüge zu nehmen. Zuerst machten wir uns mit dem Boot auf den Weg in die etwas entfernt gelegene Isanga Bucht, wo es DEN Traumstrand von Sambia geben soll. Was soll ich sagen, die Geschichten, die wir hörten, sind absolut wahr! Nach 30min Bootsfahrt über den See gelangt man auf einmal in eine Bucht mit perfektem Sandstrand. Dort gibt es eine Lodge, die einige Palmen angepflanzt und Strohschirme aufstellt hat. Einfach wie im Bilderbuch. Sogar schnorcheln konnte man entlang der Steine am Rand der Bucht, wo es jede Menge bunte Fische zu bestaunen gab. Und das in einem Süßwassersee! Der Wahnsinn! Wir verbrachten den ganzen Tag am Strand, schnorchelten, spielten Frisbee, lasen und tranken ein paar tansanische Safari, das Beste Bier welches ich in Afrika bisher getrunken habe und wo sogleich viele schöne Erinnerungen an unsere vier Wochen in Tansania und Sansibar hochkamen. War ein perfekter Tag an einem perfekten Strand, wo man sich eher am Meer in der Karibik vorkam als an einem Süßwassersee mitten in Afrika.

Unser zweiter Ausflug verlangte uns da schon ein wenig mehr ab. Am darauffolgenden Tag wollten wir uns den Kalambo-Wasserfall anschauen. Der Kalombo ist ein Zufluss zum Tanganyikasee und bildet die Grenze zwischen Sambia und Tansania. Ein paar Kilometer vor dem See stürzt der schmächtige Fluß 235m im freien Fall in ein Tal hinab. Der dabei entstehende Wasserfall bildet den zweithöchsten Afrikas und den zwölfthöchsten der Welt. Um ihn zu erreichen mussten wir zuerst ins 40km entfernte Mbala fahren und von dort ging es weiter über 40km schlechter Buschpiste. Bei der harten Federrung und ohne richtige Sitze war das eine ganz schöne Belastungsprobe der vier Passagiere im Laderaum des Rocky. Hunzu kam strahlender Sonnenschein, der die Temperaturen in die höhe trieb. Durch die tiefere Lage des Sees ist es um ihn herum einige Grad wärmer als im restlichen Land und vor allem schwüler durch das Wasser. 1,5km vor Schluss war dann aufgrund fehlendem Allradantrieb Schluss und wir legten die restliche Strecke durch den Busch zu Fuß zurück. Da man sich den Fällen von hinten nähert, kann man sie erst hören, wenn man direkt an ihnen steht. Das Tal scheint das ganze Rauschen einfach wegzuschlucken. Es war ein absolut beeindruckender Anblick. Dieses riesige Tal, in welches ein ungebrochener Wasserschweif hinabstürtzt. Auf der Anhöhe, die wir entlanggingen, war der Stein quasi senkrecht abgebrochen. Einfach gigantisch und die strapaziöse Fahrt hat sich absolut gelohnt. Auf dem Rückweg hatte Jean-Baptiste dann die Idee, dass sich zwei auf den leeren Gepäckträger auf dem Dach setzen können, wodurch sich die Rückfahrt für die beiden verbleibenden Passagiere in der sogennanten Kapenta-Klasse wesentlich angenehmer gestaltete. :)

Es war wirklich ein super letzter Ausflug in einem wunderschönen Land, das einem in diesem Jahr schon ziemlich ans Herz gewachsen ist. Nach unserer Rückkehr in Mpika hieß es nun aber auch von Franzi Klein, der Ndola-Franzi ;), Abschied nehmen. Aber wenn wir es schon schafften, uns in Sambia über große Entfernungen zusammenzufinden, sollte das in Deutschland ja erst recht gelingen. Daher wird es, wie schon drei Wochen zuvor bei Linda in Ndola, mit Sicherheit kein Abschied für immer sein sondern man wird sich hoffentlich bald in Deutschland wieder sehen. Ganz bestimmt. :)

Jaja, die Zeit des Abschied nehmens. Sie ist wahrlich angebrochen. Vergangene Woche hatte ich bereits meinen letzten Arbeitstag im Krankenhaus in Chilonga. Auch ein merkwürdiges Gefühl. Ich werde vor unserer Fahrt nach Lusaka aber nochmals im Krankenhaus vorbeischaun und allen auf Wiedersehen sagen. Das wollte ich 2 ½ Wochen vor Abfahrt dann doch nicht schon machen.

Am kommenden Samstag ist dann die im Vorfeld schon erwähnte Abschiedsparty angesagt. Irgendwie habe ich da aber gar keine Vorfreude drauf, wenn es auch bestimmt schön wird, den Großteil aller Leute nochmal auf einem Haufen zu sehen und mit ihnen anzustoßen auf dieses unvergessliche Jahr. Aber Abschied nehmen ist natürlich auch nie wirklich schön. War ja schon genauso, als ich in Deutschland nach Sambia aufbrach. Für die Feier habe ich vergangenen Freitag mit meinem Kumpel Pritchard schon zwei Zeigen gekauft. Hierzu sind wir einige Kilometer Buscheinwärts gefahren, wo ich mir dann zwei Exemplare ausgewählt habe. Momentan grasen sie noch am Eingang zum Diözesengelände, bevor wir sie dann am Samstag morgen schlachten werden. So wie es aussieht, bekomme ich von Andrew, einem weiteren sehr guten Freund, sogar eine weitere Ziege für die Feier geschenkt, was dann drei macht. Da ich mit 40-50Leuten rechne, denke ich mal, sollten da nicht viel Reste übrig bleiben. :) Bin mal gespannt, wie alles wird. Vielleicht schaffe ich es ja noch vor meiner Abfahrt nach Lusaka euch nochmal ein paar Zeilen diesbezüglich zukommen zu lassen. Ich freue mich jetzt auch schon wieder wirklich darauf, euch alle wieder zu sehen. Dann haben auch diese komischen Abschiedsgefühle wieder ein Ende.

Von dem her, wir sehen uns in 10 Tagen! :) Bis dahin, macht’s gut allesamt!

15.07.10 - 18.07.10 Installation einer Solaranlage für die Buschklinik in Nabwalya


24.07.10 - 27.07.10 Ausflug zum Tanganyikasee

Sonntag, 11. Juli 2010

Lusaka, Mutinondo, Ndola, Kitwe – und der Countdown tickt schon…

In den letzten Wochen war wieder einiges geboten und die Zeit rast unaufhaltsam der Rückreise nach Deutschland entgegen, was einem nach und nach auch immer mehr bewusst wird.

Aber anfangen möchte ich erstmal da, wo ich bei meinem letzten Eintrag aufgehört habe. Dem Trip mit Franzi nach Lusaka, um ihre Eltern abzuholen, die für zwei Wochen ihrer Tochter einen Besuch abstatteten. Es kommt mir mal wieder schon ewig vor, dass wir dort waren, dabei ist es gerade mal drei Wochen her. Franziska und ich fuhren gemeinsam am Freitag Abend nach der Niederlage gegen Serbien leicht angeheitert mit dem Bus nach Lusaka. Nach unserer Ankunft am frühen morgen des darauffolgenden Tages holten wir Thomas (mein “Einsatzleiter”) Audi bei Josef, ein Deutscher, der dort einen Schlachthof betreibt und ein guter Freund von ihm ist, ab. Franzi und ihre Eltern bekommen ihn von für ihre Reise geliehen. Den restlichen Tag machten wir noch ein paar Besorgungen in der Stadt und konnten den Audi schon mal im etwas ruhigeren Wochenendverkehr testen. Funktionierte alles einwandfrei :), bis auf dass er eine provisorische Heckscheibe aus Plexiglas hatte, nachdem das Original im Februar kaputt ging. Diese war schon leicht beschädigt und am unteren Ende nicht mehr befestigt. Da die Regenzeit ja aber bereits vorbei ist, störte das nicht besonders. Blöd war nur, als sie uns dann am darauffolgenden Tag auf dem Weg zum Flughafen mit einem Knall komplett herausflog. Trotz geschlossener Fenster und einer Geschwindigkeit von 80km/h war der Sog wohl zu groß. Aber besser es passierte in Lusaka, als irgendwo unterwegs. Thomas und Christine, Franziska’s Eltern, hatten dadurch gleich mal ein Abholkommando der besonderen Art. :)

Eigentlich wollten wir am darauffolgenden Tag früh morgens die Tagesfahrt nach Mpika antreten, aber aufgrund der kaputten Scheibe ging es erst einmal zu einer Werkstatt, wo uns erneut eine provisorische Plexiglasscheibe eingesetzt wurde. Der Audi hat eine spezielle Heckscheibe mit einer Biegung am unteren Ende, die man leider nur in Deutschland erhält und im Frühjahr nächsten Jahres mit einem Container kommen soll. Während der Reparaturarbeiten verbrachten wir die Zeit im näheren Umfeld der Werkstatt, einem todschicken Industriegebiet in Lusaka. :) Von einem nahegelegenen Supermarkt kaufen wir uns ein paar Brote, Obst und Gemüse und machten erstmal ein Frühstückspicknick auf der Wiese vor der Werkstatt. Der Gesichtsausdruck der vorbeilaufenden Passanten sprach Bände über die Verwunderung, was diese vier verrückten Weißen da nur treiben. :)

Am frühen Nachmittag war das Werk dann vollbracht und wir konnten die Reise nach Mpika leicht verspätet, aber immerhin noch am gleichen Tag, antreten. Die ganze Strecke wollten wir uns aber nicht mehr antun, da Nachtfahrten generell schon risikoreich sind bzgl. der Schlaglöcher und Fußgänger am Straßenrand, die man teilweise erst im aller letzten Moment sieht und dann hatten wir noch nicht einmal einen Geländewagen, der zumindest kleinere Schlaglöcher problemlos wegsteckt. Knapp zwei Stunden Fahrt durch die stockfinstere Nacht mussten wir dann allerdings doch noch auf uns nehmen, um ein Gästehaus auf halber Strecke zu erreichen, wo wir dann die Nacht verbrachten. Dort hatten wir noch ein sau starkes Abendessen und ließen den Tag bei einem Bierchen und WM ausklingen.

Am nächsten Tag erreichten wir dann problemlos Mpika, von wo aus Franziska und ihre Eltern gleich die Weiterreise nach Chalabesa antraten. War wirklich eine sehr lustige Zeit zu viert, in der es in so einigen Situationen was zu lachen gab. :) Auch das Fahren im Verkehrchaos von Lusaka hat mir richtig Spaß gemacht! War einfach spitze!

Nach ein paar Tagen Arbeit folgte am darauffolgenden Wochenende gleich wieder das nächste Highlight. Ich und Susanne begleiteten Franziska und ihre Eltern zur Mutinondo Wilderness Area. Dieses Naturreservat habe ich nun schon ein paar Mal besucht und ich wollte mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, kurz vor dem Ende meiner Zeit in Sambia diese einzigartige Landschaft noch ein letztes Mal zu sehen und zu erleben. Rund vier Stunden wanderten wir durch den Busch und auf den Mayense, den höchsten der vielen Granithügel die sich in dem Gebiet befinden. Wir hatten bestes Wanderwetter. Sonnenschein aber kühles Klima bedingt durch die momentane Jahreszeit. Es war wieder einmal unglaublich schön und im Anschluss aßen wir mit Mike und Larry, den beiden sambischen Inhabern, zu Mittag. Echt ein super Tag!

Es folgte erneut eine Woche vollgestopft mit Arbeit und WM, bevor ich dann gemeinsam mit Susanne über das nächste, verlängerte Wochenende für vier Tage einen schon lange geplanten Besuch bei unseren Freunden und ebenfalls Freiwilligen Linda und Franzi Klein in ihrer sambischen Heimat Ndola antrat. Franzi Leidreiter war noch mit ihren Eltern unterwegs, weshalb wir dieses Mal lediglich ein Quartett bildeten. Ich kann aber nur eins sagen: es war ein geniales Wochenende und wir hatten, wie immer wenn wir uns alle sehen, jede Menge Spaß! Es war einfach total interessant und spannend, den Kupfergürtel, das wirtschaftliche Herz Sambias bedingt durch die dort ansässigen Kupfermienen, die Städte Ndola, Kitwe und das Leben von den Beiden zu sehen und zu erleben. Momentan ist auch der “Trade Fair”, ein Markt mit Ausstellern aus ganz Afrika, für eine Woche in der Stadt. Aufgrund dessen ist auch drumherum einiges geboten. Praktisch jeder Musikkünstler befand sich für dieses Wochenende in der Stadt, unter anderem DER Star in Sambia: Dandy Krazy. Als wir das Plakat sahen, dass er am Samstag ein Konzert gibt, beschlossen wir natürlich sofort, dort hinzugehen. Leider sang er viel Playback, aber die Lieder waren uns alle geläufig, da sie einem von jeder Straßenecke entgegenschallen und wir hatten einen sau witzigen Abend! :) Zuvor schauten wir noch die Demütigung Argentiniens in einer Bar ganz in der Nähe von Linda’s Unterkunft an. Die machten dort echt richtig Stimmung. Bei jedem Tor von Deutschland wurde der Ton ausgeschaltet und laute Musik lief. Ausnahmslos JEDER in der Bar war für Deutschland! Unglaublich, was für eine Deutschlandeuphorie in ganz Sambia ausgebrochen ist. Auch in Mpika. Erst recht nachdem Ghana ausgeschieden ist und es gab kein anderes Thema mehr, außer wie gut die Deutsche Mannschaft doch spiele. Aus dem Titel ist es ja nun leider doch nichts geworden, aber wir sind auch hier die Weltmeister der Herzen. :)

Übernachtet haben wir während der ganzen Tage alle bei Franzi, weil sie dir größere Wohnung hat. Neben dem Konzertbesuch und dem Trade Fair fuhren wir für einen Tag nach Kitwe, wo Franzi ihr erstes halbes Jahr in Sambia verbrachte. Anders als bei uns mussten die Beiden bei der Halbzeit ihre Stellen wechseln. Das ist von ihrer Organisation so vorgesehen. In Kitwe arbeitete Franzi bei einem Waisenhaus und wohnte bei einer sambischen Gastfamilie. Beiden statteten wir einen Besuch ab. Von meinem kurzen Eindruck von rund zwei Stunden fand ich das Waisenhaus wirklich total schön. Obwohl jede Menge Kinder dort leben, hatte ich trotzdem das Gefühl, das alle lieb umsorgt werden. Von dem halben Jahr, in dem Franzi dort arbeitete, hat sie uns ein paar andere Dinge erzählt. Wenn Gäste da sind, versuchen natürlich auch immer alle einen guten Eindruck zu machen. Aber an ihren Erfahrungen in ihrer neuen Arbeitsstelle in Ndola sieht man, dass es auch noch extremer geht. Franzi kommt jedenfalls immer wieder gerne hier her zurück und kann sich auch vorstellen, nach Sambia dem Waisenhaus von Deutschland aus immer mal wieder ein Paket zu schicken.

Geleitet wird das Haus von einer italienischen Nonne, die wirklich goldig ist. Ihre stolzen 80 Jahre sind ihr absolut nicht anzumerken. Mit 20 ging sie nach Chile um dort an einer Schule zu unterrichten. Mit 40 wechselte sie dann nach Sambia und ist dort bis heute. Sie, alle anderen Nonnen, die Angestellten und natürlich auch die Kinder haben sich sehr über unseren Besuch, vor allem aber natürlich über das Erscheinen von Franzi, gefreut. :) Wir wurden sogar noch mit einem echten italienischen Espresso und Kuchen verwöhnt.

Zwei Häuser weiter wohnt Franziska’s ehemalige Gastfamilie, die sich ebenfalls riesig über unseren Besuch gefreut haben. Sie ist dort wirklich in einer total lieben Gastfamilie untergekommen. Leider war es schon sehr spät und wir konnten nicht allzu lange bleiben, um unseren Bus zurück nach Ndola zu erwischen.

Vor unserer Besuchstour waren wir auf dem großen Markt von Kitwe, um uns vor allem mit Stoffen einzudecken. Durch die unmittelbare Nähe zum Kongo hat man hier die Beste und günstigste Auswahl aus beiden Ländern.

Am Ende hieß es dann schon wieder viel zu schnell Abschied nehmen. Mit Franzi werden wir in zwei Wochen nochmal eine Reise zum Tanganyikasee machen. Linda habe ich an diesem Wochenende jedoch zum letzten Mal gesehen. Wir haben allerdings schon fest beschlossen, uns in Deutschland nach unser aller Rückkehr bald wieder zu sehen. Nachdem wir jetzt alle das sambische Leben voneinander kennen, muss man ja auch das in Deutschland ein wenig erforschen. :)

Ein Highlight bei der Arbeit wartete dann gleich nach unserer Rückkehr von Ndola auf mich. In Chilonga startete endlich die Operation neue Wassertanks. Mit 23 Mann rückten wir an, um beide neuen Tanks auf den Turm zu hiefen. Alles durch reine Muskelkraft mit Taus und Seilen. Echt ein Knochenjob und gar nicht so einfach, die richtige Strategie zu finden. So zerrten wir gleich mal rund zwei Stunden am ersten Tank herum, bis wir ihn endlich in einem gemeinsamen Kraftakt auf den Turm gehieft hatten. Nachdem wir den zweiten Vorbereitet hatten, benötigten wir für ihn, dank einer besseren Strategie, nicht mal eine halbe Stunde. Trotz der Anstrengung hat es sehr großen Spaß gemacht. Vor allem war es total interessant, denn so etwas macht man schließlich nicht jeden Tag. Man wünscht sich das danach auch wirklich nicht. :) War echt klasse, wie wir alle an einem Strang zogen und am Ende über unser Werk jubeln konnten.

In den nächsten beiden Tagen war ich dann weiter mit Lennard, einem Klempner der Diözese und seinen beiden Helfer am Werk, die Tanks anzuschließen, sowie eines der Wasserrohre auszutauschen. Es war an einer Stelle total durchgerostet. Der Knochenjob ging hier in die nächste Runde. Rohre und Gewinde mussten von Hand geschnitten, das ganze Material auf den Turm gehieft und Rohrverbindungen, die nicht zum wieder öffnen vorgesehen waren, wieder getrennt werden. Um die Anschlussstücke an den Tanks zu befestigen musste Lennard in beide Tanks hineinsteigen. In einen gleich zwei Mal, da der Anschluss nach dem ersten Mal nicht richtig hielt. Am Ende schafften wir aber alles tropffrei anzuschließen und der Sieg war durch die ganzen Anstrengungen umso süßer. :)

Es ist schon ein seltsames Gefühl, das sich so langsam einschleicht. So langsam wird einem wirklich richtig bewusst, dass man nun bald die Heimreise nach Deutschland antritt und diese Welt hier, die in dem Jahr wirklich zu einem Teil von einem geworden ist, hinter sich lassen wird. Ich genieße die Zeit und das Leben hier wirklich sehr und nach einem Jahr Sambia hat man mitlerweile einfach auch das Gefühl, richtig angekommen zu sein. Ich freue mich aber auch schon wieder darauf, euch alle in Deutschland wieder zu sehen. Im Kopf bin ich schon mindestens zur Hälfte wieder zurück und befasse mich mit allerlei Dingen, die jetzt auf mich zukommen. Job, Wohnung, organisatorisches, das alles beschäftigt mich bereits. Auf der anderen Seite steht man hier noch voll im Leben, erlebt so viele Dinge und genießt die Zeit mit den Menschen. Ein wirklich komisches Gefühl und irgendwie hängt man zwischen zwei Welten. Ich sauge momentan aber alles noch viel intensiver auf. Auch Dinge, die schon alltäglich geworden sind, wie unsere Fußballrunde mit den Kindern der Nachbarschaft, die gestern zum Beispiel wieder extrem lustig war, mit Herscharen von Mädchen, die alle Torwart spielten und den Spaß des Jahrhunderts dabei hatten. Wenn man sich dann bewusst macht, wo man sich in genau einem Monat befindet, ist das irgendwie ein ganz unfassbares, unbeschreibliches Gefühl. Aber die Vorfreude auf euch alle ist definitiv vorhanden und da hab ich was, zum vorrauschauen und drauf freuen.

Bis dahin werkel ich hier noch weiter fleißig rum und genieße die letzten Wochen. Ich werde mich auf alle Fälle nochmal zu Wort melden, bevor ich die Heimreise antrete. Euch allen eine gute Zeit im Jahrhundertsommer Deutschlands und denkt vielleicht ab und zu an mich, wenn ich hier an manchen Tagen bei 9°C und eisigem Wind bibbere. :) Heute und gestern waren aber mal wieder überaus warme Tage, doch die kalte Jahreszeit ist noch nicht überstanden.

26.06.10 Mutinondo Wilderness Area


03.07.10 - 06.07.10 Auf Besuch bei Franzi und Linda in Ndola


05.07.10 Kitwe


07.07.10 - 09.07.10 Operation Wassertanks für Chilonga

Mittwoch, 30. Juni 2010

Weiterführendes Bloggen

Wem es mitlerweile zu langweilig ist, immer nur das Geschwalle dieses Nomadencarsten zu lesen, dem hab ich heute mal einen Leckerbissen zu bieten. So wie es ausschaut, beginnen die Leute vom SPIEGEL mir Konkurrenz zu machen und fuhren im Juni gleich mit zwei Artikeln über Sambia auf. Kann aber natürlich auch sein, dass das nur entfernt was mit der WM in Südafrika und der in Deutschland eingetretenen Afrikaeuphorie zu tun hat. ;) Zumal es auch Reiseartikel sind. Aber interessant und authentisch sind sie allemal. Daher wollte ich euch die Links nicht vorenthalten. Ein paar schöne Schnappschüse gibt’s dort auch noch zu sehen.

Artikel über die TAZARA Eisenbahn die Sambia und Tansania verbindet
http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,699951,00.html

Artikel über die Viktoriafälle
http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,700020,00.html

Ich sende euch ganz viele Grüße aus dem sambischen Winter ins (wie immer pünktlich zu ner WM) endlich sommerliche Deutschland! Im Gegensatz dazu konnte ich hier nun nach knapp 11 Monaten meine mitgebrachte und bereits eingestaubte Fleecejacke aus der Versenkung holen, welche im täglichen Einsatz ist. :)

Freitag, 18. Juni 2010

Wo geht nur all die Zeit hin?

Obwohl gerade einmal drei Wochen seit meinem letzten Eintrag und der Zeit in Nabwalya verstrichen sind, kommt es mir wie eine halbe Ewigkeit vor. Demnach gibt’s auch mal wieder ein paar Sachen zum aus dem Nähkästchen plaudern. ;)

Vermutlich kommt mir das alles so weit weg vor, weil ich mich nach Nabwalya in Mpika und Chilonga wieder voll in die Arbeit gestürzt habe, bzw. auch mit selbiger überhäuft wurde. Es wird irgendwie nicht weniger und es gibt immer wieder an vielen Ecken “kurz mal eine Kleinigkeit” zu tun. Es schleicht sich allmählich ein kleines Zeitproblem heran, denn wenn man ganz ungläubig auf den Kalender schaut, habe ich gerade mal noch sieben Wochen hier zur Verfügung. Echt der Wahnsinn, wie die Zeit gerade verfliegt.

In Puncto Programm für die Lagerverwaltung der KFZ-Werkstatt und Schreinerei habe ich den letzten Wochen mehrere Anläufe gestartet, die Datenbank mit der Inventur des Lagers zu füllen. Leider entdeckten wir dabei immer wieder Fehler im Programm, Fehler bei der Konfiguration auf dem Rechner oder es fielen uns Änderungen/Erweiterungen ein, die wir noch vor der Dateneingabe einbinden wollten. So ging es zwar stetig vorwärts, aber der wichtige Meilenstein der Dateneingabe, der schon seit Wochen vor der Nase umherschwirrt, ist noch immer nicht erreicht. Wir arbeiten aber daran und in den kommenden Tagen sollte es nun endlich auch mal klappen! :) Ich bin da jedenfalls zuversichtlich.

Am Krankenhaus in Chilonga ist, nachdem vor einigen Wochen bereits an einem der beiden Wassertanks des Krankenhauses ein Riss am oberen Rand entstand, während meines Aufenthalts in Nabwalya auch der zweite Tank kaputt gegangen. Dieses Mal bildete sich der Riss allerdings direkt über dem Boden des Tanks. Dadurch mussten die Tanks vom Netz genommen werden, weil die Pumpe nur in Beide parallel befüllen kann. So hängt das Krankenhaus seither permanent über ein Notfallrohr an den Tanks der angrenzenden Unterkunftshäuser für Angestellte, deren Kapazität für diesen hohen Konsum nicht ausgelegt ist. Aber lieber ab und an kein Wasser, als gar keins mehr.
Eigentlich sind diese Tanks so robust, dass sie für mindestens zehn Jahre keine Probleme bereiten. Die beiden Angesprochenen sind gerade mal ein Jahr alt. Nachdem wir die Herstellerfirma in Lusaka diesbezüglich mal angehauen haben, meinten die dann auch, dass in dieser Reihe einige Tanks mit fehlerhaftem Material produziert wurden und boten uns immerhin sofort an, die Tanks kostenlos umzutauschen, wenn wir die Defekten nach Lusaka fahren. Der Transport dieser großen, unhandlichen Dinger ist zwar auch nicht gerade kostengünstig, aber was bleibt einem anderes übrig. Die Tanks abzuschließen und vom Turm herabzulassen konnten wir an einem Tag erledigen. Mittlerweile hat die Diözese einen LKW nach Lusaka geschickt, der sie dem Hersteller übergibt und die Neuen abholt. Anfang nächste Woche wird der LKW wieder zurück sein und wir können sie dann anschließen, womit sich die Wassersituation wieder entspannen sollte.

Von ChilongaVon Chilonga


Bei meinem nächsten Arbeitstag in Chilonga haben wir uns auch noch vorgenommen, das komplette Krankenhaus nach Geräten und den dazugehörigen Handbüchern abzusuchen. Es passierte schon des Öfteren, dass ein Gerät defekt war oder man es neu einstellen musste, aber das Handbuch nicht mir aufzufinden war. Daher wollen wir zum einen mal erfassen, was eigentlich alles an Geräten da ist um anschließend alle Handbücher die sich finden lassen zentral abzulegen, damit man sich beim nächsten mal besser und schneller zu helfen weiß.

Wie schon erwähnt, es gibt einfach immer was zu tun. :) Die Arbeit im Krankenhaus ist nach wie vor noch viel Umfangreicher. An der Bachquelle mussten wir die Rohre abermals von jede Menge Laub befreien, wodurch der Bach wieder etwas mehr Wasser liefert und nicht mehr ganz so oft gepumpt werden muss. Und dann natürlich die tagtäglichen Handwerksarbeiten an den verschiedensten Ecken und Enden von Elektroinstallationen, über Klempnern bis zu kleinen Zimmermanns- und Schreinertätigkeiten.

Es bereitet mir alles einfach nach wie vor große Freude. Ob am Krankenhaus oder mit den Leuten in der Diözese. Zu meinen Kollegen habe ich überall so ein gutes und schönes Verhältnis. Vor allem im Krankenhaus kann ich zurückblickend richtig die Veränderung der Menschen nachvollziehen, wie sie Stück für Stück offener und entspannter wurden.

Ein Highlight der vergangenen Wochen war zweifellos das Eintreffen des großen Geschenkepakets der Familie Schweizer mit jeder Menge Kleidung und Spielsachen für das Waisenhaus St Francis in Mpika. Martha Magawa, die Betreiberin, ist eine sehr gute Bekannte von mir und Sie ist wirklich eine liebenswürdige, tolle Frau, die trotz zehn eigener Kinder, was selbst für sambische Verhältnisse eine sehr große Familie ist, noch so einiges mehr auf die Beine stellt. Das Paket kam jedenfalls sehr gut an und Frau Magawa hatte ihren Spaß daran, die Übergabe in einen Staatsakt mit offiziellem Foto zu verwandeln. Danach spielten wir mit den Kinder und den neuen Bällen ein wenig Fußball. Frau Magawa zeigte uns noch ihr Grundstück und wie sie sich mit Landwirtschaft, Hühnerzucht, sowie dem Bau eines Gästehauses sonst noch beschäftigt. Man hat ja sonst nix zu tun. :) War sehr schön und weiter unten könnt ihr euch ja selbst anhand der Bilder davon überzeugen.

Was war denn sonst noch….ach ja, es ist endlich Zeit für Afrika, wie es hier überall so schön heißt. :) Damit ist natürlich der Start der Fußball Weltmeisterschaft in Südafrika gemeint. Wie in wohl jedem Land Afrikas ist auch in Sambia das jagen der Lederkugel Sport Nr. 1 und fester Alltagsbestand der Menschen bis in die entlegensten Zipfel des Landes. So ist es ein Leichtes, abseits der Arbeit irgendwo ein Spiel zu verfolgen. Ob privat mit Leuten oder in einer der kleinen Bars. Beides schon ergiebig getestet und für erste Sahne empfunden. :) Die führenden Mannschaften in der Umfrage “Wen unterstützt du bei der WM?” sind natürlich vorneweg die Afrikanischen Teams, dicht gefolgt von Brasilien. Anstatt einer Vuvuzela wird hierzulande beim betrachten der Spiele an der Flimmerkiste aber lieber ein Flaschenhals an den Mund gesetzt. ;)

So, das waren dann auch schon wieder die heißesten Nachrichten aus Mpika/Sambia. Ich hoffe, sie haben diese Ausgabe genossen und ich würde mich freuen, wenn Sie auch beim nächsten Mal wieder vorbeiklicken. :) Dieses Wochenende geht’s für mich erstmal wieder auf Achse. Ich werde heute Abend (Freitag) mit Franziska aus Chalabesa einen Bus besteigen, um abermals die ca. neunstündige Fahrt, sofern ohne Zwischenfälle, nach Lusaka anzutreten. Grund dieses Mal ist der Besuch von Franziskas Eltern, die am Sonntag sambischen Boden betreten werden. Für ihren zweiwöchigen Urlaub mit der Tochter aus dem Busch leihen sie sich ein Auto von Thomas, meinem Chef, aus, welches gerade noch in Lusaka steht. Das ist natürlich alles schön und gut wird sich der geneigte Leser mittlerweile denken, aber komm mal zum Punkt. Meiner einer wird als Mentaltrainer mitreisen, wenn Franziska am Samstag nach zehnmonatiger Fahrpause ihre (hoffentlich nicht allzu sehr) eingerosteten Fahrkünste in Lusakas Chaos beim abholen des Autos wieder auffrischt. Wenn alles glatt läuft, werden wir am späten Montag Nachmittag zu viert Mpika erreichen.

Apopro Lusaka, das hätte ich nun doch noch fast vergessen zu berichten. Ich selbst bin nämlich vor einigen Wochen an einem Tag mit dem Auto meines Nachbars Lutz nach Lusaka gefahren, um ihn von seinem Deutschlandurlaub vom Flughafen abzuholen. Unterwegs lief natürlich, wie zu erwarten, nicht alles hundertprozentig glatt. Probleme mit der Alarmanlage des Autos, welche aber mit Improvisation eigenständig gelöst werden konnten, sowie ein kleines tä ta tä mit der Verkehrspolizei, welches aber ohne Folgen blieb. So erreichte ich nach 10h Fahrt um 15Uhr pünktlich zur Landung des Flugzeugs den Flughafen. Danach machten wir uns gleich wieder auf den Weg zurück nach Mpika, wo wir um 1Uhr morgens leicht müde, aber glücklich und zufrieden ankamen. Mpika-Lusaka-Mpika in 20h. Nicht schlecht und auch für Lutz nach 10 Jahren Sambia ein neuer Rekord. :) War echt ne tolle Erfahrung, die Strecke mal selbst hinter dem Steuer zurückzulegen.

07.06.10 & 13.06.10 St Francis Waisenhaus


Chilonga

Donnerstag, 27. Mai 2010

Ausbildung zum Buschpiloten

Ich bin wieder wohlbehalten aus den tiefen des sambischen Busch und Nabwalya nach Mpika zurückgekehrt. Es waren wirklich eindrucksvolle 1 ½ Wochen und ich habe die Arbeit dort sehr genossen.

Nachdem ich bei meinem vorletzten Nabwalyaaufenthalt ja selbst mit einem der beiden Autos von Waldemar durch den Busch nach Mpika fahren durfte, ging es nach fünf Tagen Reparatur- und Einkaufsaufenthalt in der Diözesenzentrale wieder mit beiden Autos zurück. Waldemar, der polnische Priester der in Nabwalya die Außenstelle der Diözese aufbaut, steuerte das andere Gefährt zurück. Die Autos waren voll beladen bzw. überladen, u.a. mit einem großen Generator den Waldemar während der fünf Tage in Lusaka erworben hatte und Zementsäcken. An einigen der steilen Hänge auf dem Weg nach Nabwalya musste ich mehrmals Anlauf nehmen, um hoch zu kommen, aber wir erriechten letztenendes wohlbehalten unser Ziel. Die letzten zwei Stunden mussten wir mal wieder durch die Nacht im Busch rumfahren. Kannte ich ja schon vom letzten Mal, aber war mal wieder ein extra besonderes Erlebnis. :)

Nach unserer Ankunft erreichte uns dann eine schlimme Nachricht. In unserer Abwesenheit starben bereits über zehn Kinder an Malaria und es erkranken immer mehr. Zufällig war momentan für einige Tage auch ein Untersuchungsteam des Gesundheitsministeriums bzgl. der Malariarate in Nabwalya vor Ort mit dem Ergebnis, dass fast 100% der Haushalte einen oder mehr Malariafälle haben. Und desto mehr Menschen infiziert sind, desto schneller breitet sich die Krankheit aus, da mehr Moskitos die Parasiten von den Menschen aufnehmen und zu neuen Überträgern werden. Mehr als diese erschreckende Zahl zu ermitteln hatten die Leute aus Lusaka dann aber auch nicht auf Lager und man fragte sich nach ihrer Abreise, was denn das Ganze jetzt eigentlich bringen sollte, aber egal. Der Grund für die Todesfälle war, dass der Buschklinik die Medikamente ausgegangen waren. Es war nicht absehbar, wann wieder Medikamente geliefert werden und das Gemeinschaftsauto der Gemeinde, welches für Aktionen wie Medikamententransport in der Regel zur Verfügung stehen sollte, hatte keinen Sprit. Waldemar dachte nicht lange nach und schickte mich nach nur einem Tag Aufenthalt in Nabwalya mit Anthony, dem Krankenpfleger der Buschklinik, sowie seinem Arbeiter Smart als Sicherheit, falls auf der Strecke irgendetwas passieren sollte, nach Mpika um neue Medikamente zu holen.

Um ca. 11Uhr fuhren wir los und kamen gegen 17Uhr in Mpika an. Auf dem Weg legten wir allerdings noch einen Zwischenstop beim Krankenhaus in Chilonga ein, wo Anthony nach einem kleinen Jungen schauen wollte, den er zur Behandlung hier her tranferierte. Am darauffolgenden Tag stattete ich mit Smart der Werkstatt der Diözese einen Besuch ab, um zwei defekte Bolzen an den Rädern auszutauschen, sowie ein plattes Ersatzrad zu reparieren. Währenddessen organisierte Anthony die Medikamente und zu unserer Freude bekam er auch welche vom Krankenhaus in Mpika. Wir kauften erneut einige Säcke Zement, um noch mehr Nutzen aus dieser Extratour zu ziehen und machten uns gegen 12:30Uhr wieder auf den Weg nach Nabwalya. Erneut kamen wir gegen Ende in die Nacht hinein, aber mitlerweile war ich das ja gewohnt. :) So hatte die Buschklinik endlich wieder Medikamente und zumindest das sterben hörte auf. Während wir unterwegs waren, sind nochmals zwei Kinder gestorben. Schon echt hart. Die hohe Malariarate hatte sich allerdings bis zu meiner Rückkehr nach Mpika nicht verbessert und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Medikamente wieder ausgehen. Dieses Mal wird aber hoffentlich schneller gehandelt werden können, da mitlerweile Sprit für das Gemeinschaftsauto organisiert werden konnte.

Erstaunlich ist wieder einmal, wie die Leute in Nabwalya auf die Situation reagieren.

“Ist halt einfach so. So ein Jahr an dem viele Kinder sterben. Kann man nichts machen.”

Schon der Wahnsinn, wenn man das einmal mit den Zuständen bei uns vergleicht und dem Aufschrei, sollte eine ganze Region ohne Medikamente dastehen. Da fällt einem echt nichts mehr ein.

Nachdem ich diese ungeplante Reise also gemeistert hatte konnte ich mich für die verbleibende Zeit voll und ganz auf meine geplanten Tätigkeiten konzentrieren. Angefangen von der Installation einer Satellitenschüssel für digitales Fernsehen. Ich habe denke ich in einem älteren Blogeintrag bereits erwähnt, dass Waldemar dort massig Solarzellen aufgestellt hat, die vor allem für die Beleuchtung und seine Arbeit am Laptop sorgen. Aufgrund der WM jetzt also auch noch für Fernsehen, was der einzige Grund ist weshalb er es sich überhaupt zugelegt hat. So gibt es also in wenigen Tagen ein kleines “public viewing” in Nabwalya, wobei sich einige andere im Dorf schon seit langem einen Fernseher zugelegt haben. Wer nicht nur von der Landwirtschaft lebt und es schafft, etwas Geld auf die Seite zu legen, legt sich zuerst ein Blechdach zu. Nächster Schritt ist dann Solar und die Krönung schließlich Fernsehen, um mal ein ideal standard Hausaufmotzen zu nennen. :) Das Aufstellen der Satellitenschüssel klappte jedenfalls wunderbar und habe es ziemlich schnell geschafft, den Satelliten perfekt zu treffen. Hat jedenfalls Spaß gemacht und am vergangenen Wochenende konnten wir dann die Fußballtauglichkeit beim Championsleague Finale testen. Resultat: Läuft! :)

Ansonsten war ich viel auf Achse, um mit seinen drei Jungs (Moses, Daniel und Casper) die für ihn immer arbeiten wenn es was zu bauen gibt, also permanent :), Steine zum Betonieren, Sand und Holzstangen zu holen. Alles um Nabwalya herum verstreut. Bin mit ihnen also immer zu den jeweiligen Orten gefahren, wo Steine geklopft oder Sand ausgebuddelt wird, haben die Ladefläche des Geländewagens vollgeladen um es dann an den jeweiligen Verwendungsort transportiert. Gerade stehen ein paar kleine Häuschen für die Arbeiter auf dem Gelände der Pfarrei an. Seine drei Arbeitstiere schlafen derzeit nämlich in kleinen Kämmerchen hinter der Kirche während der Woche und gehen über das Wochenende zurück zu ihren Familien in den umliegenden Dörfern. Wenn die Hütten inkl. Waschplatz fertig sind, finden sie dort neuen und geräumigeren Unterschlupf. Da ich aber schon mal da war, haben wir gleich einiges mehr geholt, damit für kommende Bauvorhaben (und davon gibt es genug) schon einiges an Material da ist.

Eine weitere Großaktion waren dann noch mehrere Autotrips zum Luangwa, der Fluß durch den das Tal seinen Namen trägt und der ebenfalls Namensgeber für den “North Luangwa National Park” im Norden und den “South Luangwa National Park” im Süden von Nabwalya ist. Nabwalya und die umliegenden Dörfer befinden sich in einem schmalen Korridor zwischen den Parks, in dem mit einer Abschusslizenz gejagt werden kann und sind durch die Gebirgsketten in Ost und West ziemlich isoliert, da die Orte so schwer erreichbar sind. Der Fluß ist auch gleichzeitig die Grenze zwischen der Nord- und Ostprovinz von Sambia. Auf der anderen Flußseite befindet sich einige Kilometer weiter die etwas größere Stadt Lundazi, wo Waldemar einige Materialien mehr einkaufte, u.a. 150 Säcke Zement, sowie Eisenstangen, Bretter und was man eben sonst noch so zum Bauen benötigt. An einem Tag machten wir eine Fahrt mit zwei Autos und luden beide voll bis nichts mehr ging, überwiegend mit Zement. Die Regenzeit ist noch nicht lange zu Ende und demnach ist der Wasserpegel des Luangwa sehr hoch und man muss den Fluß mit einer kleinen Fähre aus Ölfässern überqueren. Durch die Überlast saßen wir natürlich prompt in der Nähe des Ufers auf, sodass mal wieder Muskelkraft gefragt war.

Tags darauf ging es dann erneut bis zum Fluß. Wir erwarteten einen Allrad Laster, der die verbleibenden Materialien bis ans Ufer der Ostseite bringen sollte, von wo aus wir es auf die Fähre umluden und dann an der anderen Uferseite in die Autos. Alles lief wie geplant und wir hatten gut zu schwitzen bei den 100 Säcken Zement, Eisenstangen, etc. Alles immer unter genauer Beobachtung der Nilpferde, die sich Herdenweise überall im Fluß tümmelten. Neben den Nilpferden begegneten uns auf den Touren durch den Busch auch noch Zebras, Antilopen und vor allem Elefanten. Ich selbst pasierte einen der Dickhäuter mit vielleicht fünf Metern Abstand. Ich hatte ihn nicht einmal richtig gesehen, weil ich mich so auf die Piste konzentrierte, sondern mein Puls wurde vor allem von Moses “Fahr! Fahr! Fahr!” Rufen in die Höhe gejagt. Er nahm glücklicherweise nicht die Verfolgung auf und wir erreichten unversehrt Nabwalya. Waldemar, der bei einer Tour ein wenig später wie ich die Fahrt vom Luangwa nach Nabwalya antrat, sah sogar zwei männliche Löwen, die ihre Köpfe in wenigen Metern Entfernung aus dem hohen Gras reckten. Klingt für euch wohl alles wie im Bilderbuch und ist auch für mich immer wieder unfassbar, dass es solche Ecken hier wirklich gibt. :)

Wenn wir schon bei wilden Tieren sind, diese Welt machte auch auf dem Esstisch nicht halt. Vor ein paar Wochen überquerte Waldemar ebenfalls den Luangwa und bei dieser Aktion musste ein Nilpferd erschossen werden, da es eines der Boote angriff. Solche Ereignisse sind immer eine große Freude für alle Beteiligten, da es dann für jeden Fleisch für umme gibt. So auch für Waldemar, der ein großes Stück ergatterte und es für meinen Besuch aufbewahrte. Selbst zu zweit aßen wir ganze drei Tage dran rum, bis es endlich weg war. Ist ein wenig wie zähes Schweinefleisch, mit einer dezenten Eigennote im Geschmack. Sehr lecker jedenfalls! :)

So gab es also die ganze Zeit immer wieder was zu tun. Viele Kleinigkeiten, viele Großigkeiten und ich hab einfach überall mit angepackt. War echt klasse und habe die Zeit sehr genossen, die mal wieder an neuen Eindrücken überlief. Auch wenn wir die meiste Zeit von Sonnenauf- bis Untergang gearbeitet haben, so fand ich dennoch die Zeit, mir Nabwalya wieder einmal ein wenig genauer anzuschauen. Ich bin immer wieder von der friedvollen Atmosphäre, der Gelassenheit und Fröhlichkeit beeindruckt, die die Dörfer hier ausstrahlen. Wenn die meisten Menschen natürlich auch für unsere Verhältnisse in Armut leben, so merkt man das hier keineswegs und es kommt einem alles so………bodenständig/echt vor. Vermutlich, weil die Menschen sich gar kein anderes Leben vorstellen können und ihnen viel weniger zum glücklich sein reicht, als dies wohl bei uns der Fall ist, wo vieles im Alltag schon so kompliziert wurde.

Ich könnte ewig weitererzählen, aber dieser Blogeintrag ist schon jetzt mal wieder viel länger geworden, als ich es vor hatte. Man ists ja gewohnt. :) Daher schiebe ich an dieser Stelle wie immer noch ein neues Album mit Schnappschüssen hinterher und in gar nicht allzu langer Zeit habe ich ja die Gelegenheit, euch in Persona ein wenig mehr von meinen Erfahrungen zu berichten.

Ich hoffe, euch allen geht es gut und ihr genießt die ersten Frühlingsanzeichen!

14.05.10 - 26.05.10 Ausbildung zum Buschpiloten in Nabwalya