Ein recht herzliches Grüß Gott an alle Blogleser! Nein, ich bin noch nicht verschollen, wenn auch lange Zeit seit meinem letzten Eintrag vergangen ist. Dies lag daran, dass sich kruzfristig mein Aufenthalt in Tansania verlängert hat, nachdem aus meinen Nigeriaplänen nun leider nichts geworden. Spontan habe ich mich auf der Zugfahrt nach Tansania dazu entschlossen, mich meinen Mitreisenden (Franzi L., Franzi K., Linda und Susi) nach dem Zwischenseminar in Bagamoyo/Tansania anzuschließen und zwei Wochen Urlaub dranzuhängen um einen Abstecher auf Sansibar zu machen. Ich kann schonmal vorweg nehmen, dass wir dabei so einiges erlebt haben, fange jetzt aber erstmal ganz von vorne an.
Wie bereits erwähnt und auch schon in meinem letzten Blogeintrag angedeutet, machten wir Fünf uns mit der Tansanisch-Sambischen-Eisenbahn, kurz TAZARA, auf nach Dar es Salaam, von wo aus es in das sich 70km nördlich befindliche Bagamoyo weiterging. Dort fand das Zwischenseminar statt. Das einwöchige Seminar ist eine Pflichtveranstaltungen für den Freiwilligendienst über das Programm “Weltwärts”, d.h. man wird vom Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit finanziell unterstützt. Dementsprechend fällt das Seminar selbst auch nicht unter die Kategorie Urlaub und man bekommt die Reisekosten erstattet. Die Zugfahrt war wirklich ein wahnsinniges Erlebnis für uns alle. Wir hörten im Vorfeld die buntesten Stories von stundenlangen Aufenthalten mitten im Busch aufgrund technischer Probleme und allgemein von einer elend langen und langweiligen Zugfahrt. Nun, das elend lange trifft bei einer 48 stündigen Zugfahrt von Mpika nach Dar es Salaam zwar zu, langeweile kam dabei aber zu keiner Zeit auf und es war dazu noch wahnsinnig komfortabel, mal von dem schwankenden Zug der es nur durch stoßweise Vollbremsungen schafft anzuhalten abgesehen. Wir hatten uns zwei erste Klasse Abteile gebucht, was jeden für die ganze Fahrt knapp 30€ kostete, also für die Strecke fast nix. In den Abteils gab es vier Betten (zwei unten, zwei oben) und ein kleines Tischchen. Eines der Abteile nutzten wir aber eigentlich nur zum schlafen, da, wer jetzt gut aufgepasste, bestimmt schon festgestellt hat, dass wir für ein Abteil eine Person zu viel waren. Für die erste Klasse gibt es zusätzlich noch einen Wagon mit einer Bar, an der man sich während der ganzen Fahrt mit Tansanischem Bier versorgen kann, was wir gerne in Anspruch genommen haben. Beim Bierchen oder Cola trinken genießt man dann die an einem vorbeiziehende Landschaft. Auf die unendlichen Buschweiten in Sambia folgen die bergigen Landschaften im Süden von Tansania, die dann, je mehr man sich Dar es Salaam nähert, wieder abflachen. Kurz vor dem Ziel durchquerten wir mit dem Zug noch einen Nationalpark und kamen so sogar in den Genuss einer kostenlosen Safari! Zebras, Giraffen, Elefanten, Warzenschweine, Antilopen und Gnus konnten wir am vorbeifahren erspähen. Gegen 23:30Uhr Ortszeit und ziemlich genau 48h Zugfahrt erreichten wir dann das wahnsinnig heiße Dar es Salaam. Fast ganz Sambia befindet sich über 1000m, sodass man schon einen ganz schönen Unterschied im Klima feststellen konnte, zumal in Sambia gerade ohnehin die etwas kühlere Regenzeit ist. Nach unserer Ankunft wurden wir auch gleich von einem Taxifahrer abgeholt, den uns die Seminarleitung schickte. Im Anschreiben hieß es “Abholdienst für große Gruppen in Dar es Salaam möglich”. Hätten wir gewusst, dass es sich dabei um ein Taxi handelt, hätten wir das auch selbst organisieren können. Noch dazu schickten sie uns ein Standardtaxi um fünf Personen mit großem Gepäck abzuholen. Allein das Gepäck in den kleinen Kofferraum zu verstauen war eine Aktion für sich, dann mussten sich die vier Mädels auch noch für eine Stunde zu viert hinten rein quetschen. Das ganze ist hier aber eigentlich kein Problem und oft genug auch gang und gebe, wenn man nicht gerade von der Polizei erwischt wird. Aber genau das musste natürlich uns passieren. Der Taxifahrer brachte uns in Dar es Salaam noch zu einem Geldautomaten und als wir wieder kamen, standen auf einmal zwei bis auf die Zähne bewaffnete Polizisten bei unserem Fahrer. Die Anklage lautete nicht nur das Transportieren von zu vielen Persponen, sondern zusätzlich noch falsch parken. Unser Taxifahrer hatte anscheinend kein Geld dabei, sodass sich dein Freund und Helfer an uns wendete. Die beiden verlangten rund 50€ für beides. Auf die Antwort, so viel Geld haben wir nicht kam zurück: “Wie viel habt ihr denn?” Die Korruption lies also mal wieder grüßen. Am Ende bekamen wir die beiden auf 25€ für beide Verstoße runter und wir durften mit überladenem Taxi weiterfahren. So einfach ist das. Als wir unser Ziel Bagamoyo erreichten und unser Taxifahrer dies auch freudig mit einem “Wir sind jetzt in Bagamoyo” verkündete, platzte im selben Moment der rechte Vorderreifen. Er hatte weder Wagenheber noch Ersatzrad dabei, sodass er sich auf die Suche begab, während die Weißschnäbel um ein Uhr nachts das Taxi bewachten. Nach knapp 30min war dann alles vor Ort, der Reifen fluchs gewechselt und wir konnten die restlichen paar hundert Meter bis zum Seminarhaus fortsetzen. Es waren also bereits zwei sehr abwechslungsreiche Tage, bevor überhaupt mal alles losging.
So fanden wir uns also in dem historischen Küstenstädtchen Bagamoyo in einer 1A Unterkunft wieder. Der brüh warme Indische Ozean war gerade mal 5min Fußweg entfernt, sodass wir während der ganzen Seminarwoche immer mal wieder das Meer genießen konnten. Das Seminar an sich war dann eine sehr, sehr pädagogische und eher zähe Veranstaltungen. Wir waren 32 Freiwillige von kleinen Organisation aus den verschiedensten Ländern. Irgendwie war jeder mit seinen eigenen Eindrücken so voll, dass es schwer war sich auf so ein Seminar einzulassen. Es waren ein paar gute Dinge dabei, aber leider hat man sich eben auch sehr oft gefragt, was jetzt der Sinn an dem nächsten Punkt ist oder dass der heutige Tag leider nichts gebracht hat. Es war jetzt nicht total schlecht, aber ob es wirklich nötig ist dafür diese lange Strecke zurückzulegen und zwei Wochen die Arbeit zu verlassen, ist zumindest fragwürdig. Wir machten aber einfach das Beste daraus, genossen das Meer, erkundeten ein wenig Bagamoyo und saßen eigentlich jeden Abend noch gemütlich bei nem Bierchen zusammen. An einem Seminartag war auch noch eine Stadtführung angesetzt, wo man noch ein wenig mehr zu sehen bekam. Tansania war z.B. bis nach dem ersten Weltkrieg deutsche Kolonie und Bagamoyo wurde zum Verwaltungssitz gemacht. Daher findet man noch heute viele Gebäude aus der Kolonialzeit. Bereits viel früher errichteten aber die Araber einen Posten in Bagamoyo und kolonialisierten eigentlich die ganze Küstenregion, sowie vor allem Sansibar. Aus ganz Ostafrika wurden damals Sklaven eingesammelt und nach Bagamoyo verfrachtet. Von dort ging es weiter auf den Sklavenmarkt nach Sansibar und von dort in alle Herren Länder, vor allem aber die arabischen Länder, sowie nach Süd Asien. Bagamoyo und die ganze Küstenregion Tansanias ist daher bis heute noch sehr vom Islam geprägt und man findet einiges an arabischer Architektur. Alles in allem war es echt eine super schöne Woche in der wir viel gesehen und vor allem viel Spaß hatten.
Nach dem Seminar machten wir uns gemeinsam mit dem größten Teil der anderen Freiwilligen auf den Weg nach Dar es Salaam, wo es sich dann verteilte. Wir Fünf fuhren gemeinsam mit Christian, einem Freiwilligen in Südafrika und den wir auf dem Seminar kennengelernt hatten, direkt zur Fähre, welche uns in 1 ½ Stunden nach Sansibar transportierte. Sansibar ist eine große Insel unweit vom Festland entfernt. Auf ihr leben knapp eine Millionen Menschen und als in den 60er Jahren sowohl Sansibar als auch Tanganika, das Festland, die Unabhängigkeit erlangten gründeten sie gemeinsam den Staat Tansania. Sansibar ist weltberühmt für seine traumhaften Strände und die historische, arabisch geprägte Hauptstadt Stone Town, was wir uns einmal selbst genauer ansehen wollten. Wir verbrachten die ersten vier Tage in Stone Town, wo wir auch mit der Fähre ankamen. Man merkt sofort, dass es eine wirklich besondere Stadt ist mit vielen alten Häusern, arabischer Architektur und unzähligen engen Gassen. Es ist aber auch ein Ort mit vielen Touristen aus aller Welt, vor allem aber Deutschland. Logischerweise haben sich die Menschen darauf eingestellt und so trifft man an jeder Ecke irgendjemand, der einem Schmuck, CD’s, Trikots und T-Shirts oder eine der vielen Touren auf Sansibar andrehen möchte. Ich habe das auf Dauer doch als anstrengend empfunden, nicht, dass es mich besonders genervt hatte, aber weil man einfach ständing in diese Touri-Rolle gedrückt wird und fast keine Chance hat, das Leben der Leute einfach so zu genießen und beobachten. In den vier Tagen haben wir vor allem die Stadt erkundet und den Nachtmarkt genossen. Dieser wird jeden Abend in den Forodhani Gärten direkt am Meer aufgebaut und man kann allerlei gegrillten Fisch, Meeresfrüchte und die berühmte Sansibar-Pizza bei einem Glas Zuckerrohrsaft mit Limette probieren. Ich kam kulinarisch also wieder voll und ganz auf meine Kosten. Daneben unternahmen wir an einem Tag eine Tour durch die Gewürz- und Obstlandschaft Sansibars, auf der wir sahen, wie die verschiedenen Gewürze angebaut werden (auch dafür ist Sansibar sehr bekannt) und noch einiges an tropischen Früchten kosten konnten. Unter anderem wird auf Sansibar Durian angebaut! Die Stinkfrucht, die als König der Früchte bezeichnet wird und mir schon in Singapur ans Herz gewachsen ist. Mein Herz hüpfte vor Freude! :) Unser Aufenthalt auf Sansibar fiel dazu noch genau in die Zeit eines sechstägigen Festivals mit vielen Künstlern aus Ostafrika. Auch diesem statteten wir an einem Abend noch einen Besuch ab. Dort hatten wir echt eine geniale Zeit. Ich lernte unter anderem noch den Mohammed, einen Sansibari, kennen. Er ist Fischer und wir hatten uns den ganzen Abend über total nett unterhalten und am Ende noch das Tanzbein geschwungen. Einfach klasse. Am ersten Abend auf Sansibar feierten wir dann noch in den Geburtstag von Franzi K. (also die, die ihren Freiwilligendienst in Ndola macht) bei Kerzenschein auf der Dachterrasse unserer Unterkunft hinein. Kerzenschein deshalb, da Sansibar bereits seit drei Monaten ohne Strom ist. Die Stromleitung zum Festland ging kaputt und bis heute hatte sich noch keiner dafür verantwortlich gefühlt, sie zu reparieren. Es dreht sich wohl viel um Politik, sodass die Leute vermuten, dass sich vor der nächsten Wahl wohl nichts an dem Zustand ändern wird. Und die Wahlen sind wohlgemerkt erst Ende 2010! Das kann man sich echt nicht vorstellen. Nachts sind die Gassen streckenweise stock finster. Alle Preise sind angestiegen, vor allem von Getränken, da die Kühlschränke, wer es sich leisten kann, mit Generatoren angetrieben werden müssen. Man findet in ganz Stone Town momentan eigentlich keinen Fleck, an dem man nicht irgendwo einen Generator knattern hört und steht in den engen Gassen standing in ihren Abgasen. Echt der Wahnsinn, zumal viele den Strom auch benötigen um mit Pumpen ihre Wassertanks zu füllen.
Nach vier Tagen Stone Town machten wir uns allerdings erstmal an die Ostküste auf, wo wir für ein paar Tage Strand und Meer genießen, sowie einfach ein wenig die Seele baumeln lassen wollten. Christian kam ebenfalls mit, allerdings nur für zwei Tage, dann musste er mit dem Flieger wieder zurück nach Süd Afrika. Wir kamen in einer netten, kleinen Unterkunft unter, die uns zuvor von jemanden in Stone Town empfohlen wurde, da diese eigentlich keine Werbung machen und preislich günstig sind. Es war echt super schön. Die Anlage bestand aus vielen kleinen Bungalows die wie in einem Dorf zusammen standen mit einem großen, offenen Gebäude in dem eine Bar und das Restaurant untergebracht waren. Noch dazu waren wir die einzigsten Gäste und wurden von den Leuten super nett empfangen und hatten einfach eine schöne Zeit gemeinsam. Der Strand war nur eine Minute Fußweg entfernt und besteht auf fast ganz Sansibar aus feinem, weißen Korallenstaub, welcher schwerer ist wie normaler Sand und das Meerwasser unglaublich klar macht. Es war alles wie im Bilderbuch, bis morgens an Tag 4 unseres Aufenthaltes wir alle in und um die Bar/Restaurant saßen, Postkarten schrieben, gelesen haben oder musik hörten. Auf einmal sagte Franzi L., welche im Restaurant drin saß, “kuckt mal, das Dach brennt!” Alle Dächer waren aus getrockneten Bananenblättern gebaut und tatsächlich, über dem Bereich wo sich die Bar befand began das Dach fast schon ganz oben zu brennen. Keiner der Angestellten war in der Nähe, sodass wir zuerst einmal versuchten sie herbeizuholen und das Durcheinander startete. Weil es ja keinen Strom gibt, hatte die Unterkunft eigentlich nie Wasser im Tank. Wollten wir duschen, mussten wir ihnen bescheid geben und sie schmissen Generator und Pumpe an. Das ganze natürlich um Kosten zu sparen. In dem Fall war jetzt aber einfach kein Wasser da, um mit einem Schlauch zu versuchen das Feuer zu löschen. Nachdem einer vom Personal versuchte, mit einem Eimerwurf das Feuer am Dach zu erreichen, was natürlich völlig sinnlos war, begannen wir mit den Leuten die Möbel aus dem Gebäude nach draußen zu räumen und zu retten was zu retten ist. Mittlerweile brannte das Dacht schon lichterloh und als wir alles draußen hatten kam Gott sei Dank Franzi L. auf die Idee, auch unsere Sachen aus den Bungalows zu räumen, bevor das Feuer überschlägt. Als wir uns auf dem Weg machten fing auch schon einer der größeren Bungalows feuer. Wir packten alles provisorisch zusammen und schafften es erstmal nach draußen, später dann zum Strand. Beim ausräumen fing auch unser Häuschen schon Feuer, was aber gerade noch, vorerst, gelöscht werden konnte. Alles ging resend schnell. Mittlerweile war auch ein riesen Menschenauflauf da. Viele um zu helfen, aber leider, wie sich später herausstellte, auch viele Plünderer. Ich hatte bei der Aktion mein MP3-Player verloren, den ich als das Feuer startete einfach ins Gebüsch geworfen hatte und danach nicht mehr wieder zu finden war, sowie mein Ersatzhandy, welches wohl unter das Bett rutschte und als wir wieder kamen nicht mehr da war. Also verkraftbar. Nach knapp 15 Minuten war die ganze Anlage abgebrannt. Ein paar Häuser konnten noch gesichert werden indem das Dach immer wieder mit Wasser benetzt wurde. Irgendwann, als fast alles schon vorbei war, kam dann sogar noch die Feuerwehr. Die spritzte kurz für ca. 30 Sekunden in der Gegend herum, dann war das Auto leer und die abgebrannten Teile mussten wieder mit Eimern erloschen werden. Wie das ganze losgegangen ist kann sich bis heute noch immer keiner Erklären, da das Feuer auch so weit oben am Dach anfing. Tags darauf musste ich den Hergang nochmal bei der Polizei zu Protokoll geben. Zu zwei Polizisten, die kaum Englisch konnten und denen ich jedes zweite Wort buchstabieren musste. Zumindest der Umzug in eine andere Unterkunft verlief problemlos und wir haben was nettes gleich in der Nachbarschaft gefunden. Ibrahim, der Besitzer, und seine Leute waren wirklich super nett und haben uns nochmal zwei schöne letzte Tage an der Ostküste beschert.
Danach ging es nochmals für zwei weitere Nächte zurück nach Stone Town, wo wir uns mit Mohammed zum wiedersehen verabredet hatten. Mit ihm und seinem Boot wollten wir auf eine kleine Insel fahren, auf der man Riesenschildkröten hautnah sehen kann und um die Insel herum noch ein wenig schnorcheln. Es war echt schön, ihn nochmal wieder zu sehen. Wir hatten einen super schönen Tag mit Mittagessen am Strand, interessanten Gesprächen und das Schnorcheln war wie immer der Wahnsinn. Ich habe es sogar geschafft mit einem Schwarm Sardinen zu schwimmen, die immer geschlossen versuchen einem auszuweichen. Einfach perfekt!
Tags darauf ging zur Mittagszeit unsere Fähre zurück nach Dar es Salaam. Hier wollten wir noch eine gemeinsame Nacht verbringen. Dann sind Franzi K. und Linda mit dem Flieger nach Ndola zurückgereist, während die andere Franzi, Ich und Susi noch zwei weitere Nächte ausharren mussten bis unser Zug fuhr. Dieser fährt nämlich nur zwei Mal die Woche. Dar es Salaam ist irgendwie echt eine witzige Stadt. Man merkt sofort, dass es eine der wichtigsten Städte in Ostafrika und das wirtschaftliche Zentrum von Tansania ist, besonders durch den Hafen. Dementsprechend findet man hier auch einige mehrstöckige Gebäude und ein Stadtzentrum, welches man wirklich als Stadtzentrum sehen kann. Vergleichen mit Lusaka, der Hauptstadt von Sambia, ein Unterschied wie Tag und Nacht. Wir verbrachten die ganzen drei Tage eigentlich damit, einfach ein wenig durch die Stadt zu flanieren und das Leben zu beobachten. Am Tag unserer Abreise (unser Zug fuhr am späteren Nachmittag) beschloss ich dann noch den morgen für ein paar kleinere Besorgungen in der Stadt zu nutzen. Ich machte mich alleine auf den Weg, denn tagsüber ist dies eigentlich wirklich unbedenklich und ich wollte noch eine tansanische Flagge besorgen, was sich als äußerst schwierig herausstellte. Meine Suche wurde dann wohl von einem Passanten bemerkt, der mich freundlich ansprach und wir unterhielten uns ein wenig. Unter anderem kam eben zum Gespräch, dass ich auf der Suche einer Flagge bin. Er war sofort sehr hilfsbereit und empfohl mir eine Marktgegend mit vielen kleinen Läden. Er bot noch an, dass er mich begleiten kann, denn er muss sowieso in diese Richtung. Ich nahm das Angebot einfach mal an und wir unterhielten uns unterwegs noch richtig nett und lachten viel über dies und das. Er war echt sehr gebildet und konnte auch super gut Englisch. Dort angekommen half er mir noch die Läden abzuklappern und fragte auch immer wieder ein paar andere Leut. Sein “Bruder” kam noch dazu, den er treffen wollte. Genau der gleiche Typ mit sehr gutem Englisch, höflich und richtig nett. Am Ende stellte sich heraus, dass das Verkaufen von Flaggen in Tansania verboten ist. Aus welchem Grund auch immer. Jedenfalls redeten wir noch kurz und dann wollte ich mich auf den Rückweg machen. Daraufhin boten sie mir an, mich zu fahren, denn der Bruder ist mit dem Auto da. Sie würden jetzt auch nach Hause fahren und können mich bei der Unterkunft rauslassen. Ich überlegte kurz, ob ich wirklich bei jemanden, den ich noch nicht lange kenne, ins Auto einsteigen soll. Aber weil die einfach so freundlich waren und ich auch nicht hinter jeder Ecke einen Verbrecher sehen will, entschied ich mich einfach dazu, ihnen zu trauen. Unterwegs mussten sie noch einen Freund aufsammeln. Danach fuhren wir um ein paar Ecken, das Auto hielt an und der eben eingestiegene Freund sagte nur, dass ich jetzt ein Problem hätte. So wurde ich im Auto von den Dreien ausgeraubt. Ich hatte zum Glück nie viel Bargeld bei mir und auch meine Kreditkarte immer an der Unterkunft gelassen, sodass sie mir nur 30€ an Bargeld nehmen konnten, sowie meine Kamera und mein Handy. Meine Chipkarte von der Kamera konnte ich sogar behalten, nachdem ich sagte, dass sie und meine Bilder ja bestimmt keinen Wert für sie hätten. Sogar meine Nummern durfte ich, nachdem ich fragte, noch auf die Simkarte ziehen. Sie wollten aber immer wieder mehr Geld, sonst würden sie mich nicht frei lassen und drohten immer, sie fahren mich zum Strand, dann werde ich schon sehen was passiert. Ich redete mich einfach immer wieder um Kopf und Kragen, dass ich nicht mehr hätte, usw. Am Ende ließen sie mich dann nahe einer Bushaltestelle gehen und sagten, ich solle den Bus zurück nehmen. Die ganzen Drohungen waren also nur dazu da, dass ich meine letzten Reserven aktiviere. Ich war echt Gott froh, als ich wieder aus dem Auto draußen war und für den Rest des Tages schon noch ein wenig geschockt. Es ist einfach traurig, dass, wenn man offen auf die Menschen zugeht und aufgeschlossen ist, so enttäuscht werden kann. Nichts desto trotz habe ich schon so viele gute Erfahrungen gemacht und dadurch ist es nur noch trauriger, dass auf viele positive Menschen die man hier kennen lernt aufgrund einer Minderheit immer wieder ein schlechtes Licht fällt. Dennoch habe ich natürlich aus der Situation gelernt, auch wenn ich trotzdem noch genauso offen auf die Leute zugehen werde, vielleicht aber einfach ein bißchen vorsichtiger. Es ist nichts passiert und auch der materielle Schaden ist nicht übermäßig groß. Ich war jedoch auch sehr froh, dass mit Franzi und Susi gleich zwei da waren, mit denen ich drüber reden konnte. Auch auf der Heimreise, da meine Gedanken doch noch lange um dich Sache herum kreisten.
Die Heimfahrt verlief dann aber wieder wie geschmiert. Dieses Mal hatten wir sogar einen schnelleren Zug und schafften es bereits nach 36 Stunden wieder in Mpika zu sein. Wir drei haben die Zugfahrt wirklich nochmal sehr genossen und es war ein schöner Abschluss einer schönen Zeit in Tansania. Daran können auch die negativen Erlebnisse nichts ändern. :)