Das Wetter in Sambias Hauptstadt
(manchmal gibt es keine Daten oder sie sind verzögert)

Sonntag, 13. Dezember 2009

Der Nikolaus in Sambia muss ein Geist sein

So meine lieben Blogleser, hier bin ich mal wieder. Der in der Adventszeit schwitzende Carsten. Man, man, man, ist das gefühlt schon wieder lange her seit meiner letzten Meldung. Dort habe ich euch ja meine Malaria geschildert. Ich kann nur so viel sagen: ich hatte nachdem ich gezwungendermaßen drei Tage flach lag am darauffolgenden Montag so viel Energie und Tatendrang, dass ich mich besser und fitter fühle als zuvor! Dementsprechend enthusiastisch war ich seither wieder unterwegs und am Werk, sodass die Zeit wie im Flug verging und es allerhöchste Eisenbahn für einen neuen Eintrag ist.

Also, wenn ich hier schon von Tatendrang berichte, fangen wir doch am besten gleich bei der Arbeit an. Nach der Malaria musste erstmal wieder umdisponiert werden. An meinem roten Businessflitzer hatte der Kühlerdeckel entgültig den Geist aufgegeben, nachdem er schon einen leichten Riss in der Dichtung hatte und ich alle drei bis vier Tage das Wasser nachfüllen musste. Dieser Riss hatte sich aber so stark vergrößert, dass mittlerweile knapp bei der Hälfte des Weges nach Chilonga die Temperaturanzeige (mit der Tankanzeige das einzig funktionierende Überwachungsinstrument im Cockpit des besagten Businessflitzers) zu steigen beginnt und der Kühler fast bis zum letzte Tropfen ausgedampft war. Da halfen auch die zwei 10l Kanister Wasser nix mehr, die ich immer mitschleppe bereits zur Standardausrüstung gehören. Da es besagten Deckel jedoch in Mpika nicht gab, musste eine Reparatur warten bis der Leiter der Werkstatt wieder aus Lusaka zurückkommt und gemeinsam mit den anderen Ersatzteilen selbigen mitbringt. So hatte ich mich am Montag nach meiner Genesung abermals um die Welpen gekümmert. Mittlerweile sind die übrigens richtig groß, lieben es ihr Gebiss an meinen Schuhen zu testen und sind Grobiane, was meine Hände und Füße bereits ein paar Mal zu Spüren bekamen. Auch der Mutter Bella sind die Zähne der Rabauken wohl mittlerweile zu bissfest geworden, wodurch sie ihnen keine Milch mehr geben will. Sie hat es zwar von Anfang nicht gerne getan, aber das bißchen ist nun zu einer großen Null geschrumpft. Wahre Mutterliebe schaut anders aus. Vor ein paar Tagen schoss sie allerdings den Vogel ab, als sie einen unnachgiebigen Welpen in der Nacht in zwei Stücke biss. Am nächsten Morgen war natürlich mal wieder ich der Erste, der die Sauerei entdeckte und beseitigen durfte. Hier der Kopft, da das Hinterteil, ein paar Organe dazwischen und seine Brüder und Schwestern knabberten fleißig an seinen Überresten rum. Na dann Prost Mahlzeit. Ein paar von ihnen sind mittlerweile an neue Besitzer vergeben worden. Hoffen wir mal, dass der Rest ebenfalls zu Beginn der neuen Woche ein neues zu Hause findet. Ich konnte allerdings auch noch ein paar Sachen reparieren wie z.B. ein Bügeleisen, eine Dusche, sowie eine neue Funkantenne gemeinsam mit Prichert, einem Arbeiter der Diözese, hissen und anschließen.

Am Dienstag konnte ich dann aber bis zur Fertigstellung meines eigentlichen Wagens (Freitag) ein anderes Auto für meine täglichen Tour nach Chilonga nehmen. An diesem Tag, dem 01.12., war dann auch der Welt-AIDS-Tag, welcher in den Afrikansichen Ländern groß zelebriert wird. Dieser Tag, sowie die Wochen davor und danach, lenkt eine große Aufmerksamkeit auf dieses Thema. Vor allem in Afrika ist HIV/AIDS natürlich ein großes Thema. Sambia im speziellen ist nach Süd-Afrika und Botswana sogar das Land mit der drittgrößten HIV-Rate auf der Welt. So bietet speziell dieser Tag eine große Gelegenheit, die Menschen vor Ort über diese Krankheit zu informieren, wie man sich dagegen schützt und den Umgang damit, wenn man infiziert ist. Zum Beispiel dass infizierte Menschen nicht ausgegrenzt werden dürfen, wie es hier vielerorts leider noch sehr häufig geschieht und man keine Berührungsängste zu haben bracht. Auch am Krankenhaus in Chilonga gab es den ganzen Morgen über viele Aktionen und eine große Veranstaltung. Es gibt hier eine eigene Station, welche sich ausschließlich um HIV Patienten kümmert. Begonnen hat der Tag mit einer (Mini-) “Demonstration” aus dem Krankenhaus hinaus, auf die “Schnellstraße”, welche von Lusaka bis hoch nach Dar-es-salam in Tanzania führt, eine kleine Runde durch Chilonga und wieder zurück ins Krankenhaus. Einziges Publikum waren ein paar verstört blickende Menschen und Kinder am Straßenrand, sowie drei große LKWs die für kurze Zeit ihre Fahrt stark verlangsamen mussten. Danach fand man sich um eine etwas größere Freifläche im Krankenhaus ein. Ein paar Leute sangen und machten Tanzaufführungen, es gab drei Sketche zum Thema HIV, Ausgrenzung betroffener und die Angst vor einem HIV Test und noch zwei, drei Reden von Ehrengästen. Am Nachmittag ging dann der Betrieb im Krankenhaus wieder zur Normalität über. Es war wirklich sehr interessant, wenn ich die Hälfte auch nicht verstanden habe da vieles in Bemba vorgetragen wurde. Aber mittlerweile verstehe ich wenigsten meist, um was es denn gerade geht. Ich bekam sogar einen Chetenge, der traditionelle Wickelrock den hier alle Fragen tragen, geschenkt, welcher extra für den Welt-Aids-Tag 2009 angefertigt wurde. Männer lassen sich aus dem Stoff meist ein T-Shirt schneidern oder hängen ihn an Anlässen wie diesen als Schärpe über die Schulter.

Meine sonstigen Tätigen im Krankenhaus in den vergangenen beiden Wochen waren wieder mal echt wahnsinnig vielfältig. Eine Aufgabe die mich für längere Zeit beschäftigt hatte war abermals, achtung Quiz……..genau! Streichen! :) Es handelte sich wieder mal um die selben Gebäude. Die Schwangeren- und Geburtsstation. Diese sollen nämlich auch noch außen neu gestrichen werden. Gesagt, getan, zumindest ein Gebäude. Für das zweite fehlte es an Farbe. Gemeinsam mit Moses schwang ich wieder mal Roller und Pinsel. Es ist wirklich unglaublich, wie man sich an alles gewöhnen kann. Mittlerweile komme auch ohne Farbsieb ziemlich gut zurecht. Teilweise war ich alleine am Streichen, da Moses ja unser einziger Klemptner ist und somit öfters mal für ein paar Reparaturen seine Streichausrüstung niederlegen musste. Natürlich kein Problem, das besondere war aber, dass ich sehr viel alleine an genau der langen Wand am streichen war, an dessen einen Ende die ganzen hochschwangeren Frauen sich und ihren Bäuchen ein Päschen gönnen und sich zum tratschen treffen. So strich ich so vor mich hin während knapp über zehn Frauen all meine Handgriffe beobachteten. Jedes Mal, wenn ich an ihrem Lager vorbeischlenderte um neue Farbe zu holen, ging das gekicher los. Ich kam mir echt vor wie ein Bauarbeiter in einem schlechten Film. War schon eine lustige Situation. Das war aber nicht das einzige was mir beim Streichen wiederfuhr. Es kamen noch zwei Kontrolleure vom Gesundheitsministerium vorbei. Was die hier wollten und kontrollierten habe ich nicht wirklich verstanden. Jedenfalls wurde ich ihnen vorgestellt. Als sie dann herausbekamen, dass ich aus Deutschland komme, nahmen sie ohne einen Kommentar ihre Mütze ab und zeigten mir wie getreue Soldaten den Hitlergruß, mit einem grinsenden Gesicht auf die Art: “So macht man doch in Deutschland oder?” Echt der Wahnsinn! Ich meine, schon in Singapur, Malaysia, Thailand, wie natürlich auch hier musste ich mich oftmals Fragen stellen wie “Hitler lebt noch oder?”, sowie Sätze anhören wie “Ich finde, er war ein sehr guter, starker Mann und wollte nur das allerbeste für sein Volk.”, doch bei dieser Aktion hat es mir echt die Sprache verschlagen. Aber sie können natürlich nicht wissen, dass man bei uns auf solche Dinge sehr empfindlich reagiert, sodass ich das ganze mit einem “Jetzt ja zum Glück nicht mehr” weglächelte. :)

Wie schon angedeutet wurde jedoch nicht nur gestrichen, nein nein. Die Wasserleitungen z.B. welche von der Bachquelle etwas oberhalb des an das Krankehaus angrenzenden Hügel zum Reservoir laufen hatten an zwei Stellen ein Leck. So schnitten wir aus einem alten Schlach eines Autoreifens uns mit einer Rasierklinge Gummibänder zurecht, welche wir um die gebrochenen Stellen spannten. Und siehe da, nix tropft mehr. Eine komplette Ersetzung wäre übrigens schlichtweg zu teuer und so geht’s ja auch. In der Regenzeit können auch immer wieder Wasserwurzeln die Enden der Wasserleitungen verstopfen. Auch da mussten wir Hand anlegen. Dazu unternahmen wir noch allerlei Elktroreparaturen. Steckdosen, Leuchtstofflampen, Verteilerkästen, alles dabei! Einer der Hammer in den letzten beiden Wochen war allerdings ein verstopfter Spülkasten einer Toilette auf der Geburtsstation. Dort waren wir gezwungen, die Ursache mit der Hand zu erforschen und es kamen ca. fünf benutzte Binden, sowie ein Kopftuch hervor. Was für ein Glück, dass man im Krankenhaus schnell mal etwas Desinfektionsmittel zur Hand hat. :) Dann habe ich mit meinem Vorschlag mal eine Bestandsaufnahme auf den Stationen zu machen, welche Glühbirnen und Leuchtstofflampen defekt sind oder wo erst gar keine Halterung vorhanden ist sondern nur die Kabel herumhängen gehör gefunden. Jetzt warten wir nur noch darauf, bis die knapp 40 bis 50 Birnen, sowie einige Halterungen eintreffen und das Krankenhaus nachts hell erleuchtet werden kann, natürlich nur sofern Strom vorhanden ist. :) Als eine weitere Großaufgabe hatten wir immernoch mit den Folgen eines schweren Gewitters mit einigen Blitzeinschlägen zu tun, die so ziemlich jades Gerät einen mittleren bis schweren Schaden zugefügt hatten. Unter anderem mussten wir die Röntgenanlage reparieren, sowie das interne Telefonsystem. Dort sind am zentralen Kasten einige Leitungen auf der Platine durchgebrannt gewesen, wodurch ich noch Löten als ein weiteres Tätigkeitsfeld am Krankenhaus anfügen kann. Wir redeten noch mit der Leitung des Krankenhaus, ob es nicht sinnvoll wäre an die Gebäuden Blitzableiter anzubringen, aber das wird wohl noch dauern bis dies entschieden wird. Bis dahin kann natürlich jederzeit wieder das gleiche geschehen. Auch über die Werkzeugsituation haben wir uns unterhalten. Dieses wurde ja in der Vergangenheit wohl immer mal wieder vom ein oder anderen unter den Nagel gerissen. Dementsprechend war die Leitung nicht besonders begeistert, neues zu besorgen. Immerhin, mein Vorschlag Martin, Rambo sowie Moses mit einem Grundset an Schraubenziehern und Zangen auszustatten, sodass jeder selbst dafür verantwortlich ist und man es abends im Lager bis zum nächsten Tag deponiert und von der dortigen Aufsicht auf Vollständigkeit geprüft wird, kam gut an und die Sache wird bei der nächsten Budgetplanung berücksichtigt. Zumindest wurde es mir so gesagt. Warten wir es einfach mal ab. Um die kunterbunten Wochen in der Adventszeit noch das i-Tüpfelchen aufzusetzen, haben wir sogar noch auf dem Bau malocht. Ein neues Regendach für eines der Autos soll gebaut werden. Also gruben wir Löcher, flexten Rohre zurecht und betonierten selbige in die gegrabenen Löcher ein. Der Beton wurde natürlich von Hand in einer alten Schubkarre angemischt. Dabei lernte ich noch, wie man mit einem Schweißgerät Löcher in ein Stahlrohr “bohren” kann, wenn man keinen Bohrer hat. Die Löcher werden benötigt, um die Holkonstruktion für das Dach festzunageln. Die Bretter sind allerdings noch nicht vorhanden, sodass auch hier eine Fortsetzung in den nächsten Tagen zu erwarten ist. Da musste ich wieder an den Satz von Benedikt, dem Elektriker mit dem ich mal die Woche in Mulilansolo auf dem Bau gearbeitet habe, denken: “In den westlichen Ländern wird alles zunehmend automatisiert, aber in Ländern wie Sambia ist alles noch Manuel.” :) Wie wahr, wie wahr.

Dann gab es noch zwei Naturspekatakel zu erleben. Am vergangen Sonntag, sowie am darauffolgenden Montag gab es jeweils in der Nacht mit Werten zwischen 5 und 6 zwei beachtliche Erdbeben. Ich bekam leider beide nicht mit. Mich scheint wohl wirklich nichts aus dem Schlaf reißen zu können. Das Zentrum lag jeweils ein paar Kilometer im Norden am Tanganikasee. In der Zeitung stand, dass die Leute dort das ganze als die Erscheinung von Geistern beschrieben, die jades Jahr auftauchen und beim Fortbewegen die Erde zum beben bringen. Als Randnotiz wurde noch bemerkt, dass irgendeiner aus der Universität behauptet hätte, es handele sich um die Bewegung von Erdplatten. Womit wir nun also endlich wissen, wodurch die Erdbeben wirklich enstehen. Irgendwas scheint da bei uns Bildungstechnisch schief zu laufen. ;) Vielleicht war es auch nur der Nikolaus, der sich an den Tanganikasee verlaufen hatte.

So, dass waren jetzt nur mal die herausstechenden Ereignisse der letzten beiden Wochen. Es gab aber noch so viel mehr zu tun. Also langweilig ist mir hier definitiv nicht. In der Zeit die dann noch übrig blieb konnte man aber auch mal ein Feierabendbierchen in einer der kleinen Kneipen genießen und/oder sich ein wenig mit den Leuten unterhalten. Das ist immer wahnsinnig interessant und zwei mit denen ich mich hier besonders gut verstehe musste ich nun sogar ein paar Brocken Deutsch bei bringen. Schließlich könne es ja nicht sein, dass ich ihre Stammessprache lerne und sie nicht meine. :) Es passieren einfach immer wieder so viele witzige und interessante Situation und ich hier schon gar nicht mehr alle aufführen kann. Aber selbst nach vier Monaten merke ich noch immer, dass die Menschen noch offener zu mir werden, also eine gewisse Einlebungsphase noch nicht abgeschlossen ist. Sei es bei der Arbeit oder bei normalen Gesprächen. Allerdings kann ich mittlerweile denke ich behaupten, mich in das Leben hier sehr gut eingefunden habe. Ich glaube, so manche großen Unterschiede zu Deutschland realisiert man gar nicht mehr. Man lebt einfach das Leben mit.

Dann wünsche ich euch einfach weiterhin eine schöne Adventszeit und trinkt nicht so viel Glühwein! Vielleicht denkt ihr beim ein oder anderen Schluck auch mal an mich. ;) Das einzige, was mich hier an die Adventszeit erinnert sind eigentlich die Orangen. Und selbst diese sind teilweise grün! Schmecken aber genauso süß wie die orangenen Orangen. :) Auf den Markt zu gehen ist echt immer wieder ein Highlight und DIE Adresse um Bemba zu üben. Also werde ich auch nach wie vor mich mit Obst eindecken und dabei hoffentlich die ein oder andere Vokabel hinzu lernen.

In diesem Sinne, oh du fröhliche!
Euer Carsten aus Sambia

Hier natürlich noch ein paar Bilder. Habe das Chilonga-Album wieder einmal um ein paar Schnappschüsse bereichert und auch vom Welt AIDS Tag gibt es visuelle Eindrücke.

Chilonga


01.12.09 World AIDS Day

Samstag, 28. November 2009

Die Malaria hat ein neues Opfer gefunden

So, nach längerer Zeit gibt’s mal wieder ein paar Neuigkeiten zu Berichten. Die Überschrift lässt natürlich eine davon schon erraten und manche wissen bzw. wussten es ja denke ich auch bereits. Mich hat es nun auch mit der Malaria mal erwischt.

Es war am vergangenen Mittwoch, als ich mich Morgens schon irgendwie nicht besonders wohl fühle. Mir war etwas schwummrig im Kopf und hatte einen ganz leichten Brechreiz im Hals. Da der plötzliche Wetterumschwung zur Regenzeit und die täglichen raschen Luftdruckänderrungen jedem hier ein wenig zu schaffen machten, schob ich es aber einfach mal darauf. Auch hatte ich tags zuvor ziemlich wenig getrunken. Ich fuhr also wie gewohnt zur Arbeit ins Krankenhaus nach Chilonga. Dort angekommen musste ich zuerst ein paar Türrahmen streichen, was ich auch schon tags zuvor getan hatte. Vielleicht kam das alles dann auch von der Lackfarbe dachte ich mir, da es beim streichen ein klein wenig schlimmer wurde. Es dauerte aber nicht lange, da musste ich mithelfen um die Geräte der Telefonanlage und die Satellitenschüssel für das Internet zu überprüfen. Am Abend zuvor gab es nämlich ein heftiges Gewitter, bei dem hier überall die Blitze einschlugen mit dem Resultat, dass so ziemlich jedes Gerät durchgebrannt war. Als wir gerade fertig waren, wurde mir dann extrem schwindelig und heiß im Kopf, konnte mich aber noch rechtzeitig hinsetzen. Als es mir wieder etwas besser ging, wurde ich dann gleich ins Labor geschickt um mein Blut zu untersuchen, u.a. auf Malaria. Also wieder zwei Mal Blut abnehmen, wobei ich kurz nach dem zweiten Mal einen noch stärkeren Schwindelanfall erlitt. Die Leute im Labor hilten mich Gott sei Dank auf dem Stuhl und verfrachteten mich auf ein anderes Sitzmobiliar, wo sich mein Kreislauf dann langsam wieder erholte, während mein Blut schon untersucht wurde. Ein Laborgehilfe versuchte mir dann noch den Blutdruck zu messen, was aber drei mal an nicht funktionierenden Geräten scheiterte. Das vierte Equipment war dann vom Erfolg gekrönt. Das Blutbild ergab dann einen bakteriellen Infekt, sowie leichte Malaria. Bakterielle Infekte treten hier wohl in der Regenzeit häufiger auf, da man nur mal einen kleinen Kratzer an der Hand zu haben braucht und schon kann man sich dem Körper unbekannte Bakterien einfangen. Bei meiner Tätigkeit also ohnehin. Jedenfalls bekam ich dann ein Malariamedikament, welches ich für drei Tage einnehmen musste, sowie Antibiotika gegen den bakteriellen Infekt. Ich war also pünktlich zum Mittagessen wieder in Mpika und war bis inkl. heute krankgeschrieben. Gestern Abend habe ich meine letzten Malariatabletten eingenommen und es geht mir schon wieder viel besser. Zwar etwas schlapp, aber ich fühlte mich sogar am Mittwoch abend schon viel besser. Das schwummrige Gefühl im Kopf war verschwunden und mein Kreislauf hatte seit dem Vorfall im Labor auch keine Probleme mehr gemacht. Ich spürte es nur jedes Mal wenn ich die Malariatabletten eingenommen hatte, dass diese für den Körper schon ganz schöne Brocken sind um zu verarbeiten. Wenn man sich daraufhin aber einfach für ein paar Stunden hinlegt, war das kein Pproblem. Ich hatte auch während der ganzen Zeit Appetit und konnte sogar immer mal wieder für ein weilchen aufstehen. Es war also wirklich eine sehr leichte Malaria und bin mittlerweile auch wieder auf dem Dampfer.

Soviel also zum Thema Krankheiten, jetzt aber auch noch ein paar Worte zu dem was sonst noch die letzten beiden Wochen los war. Die Woche nach unserer Rückkehr von Lusaka haben mich vor allem Bella und ihre Welpen getrietzt. Bella hat es sich nämlich zum Hobby gemacht, meine so liebevoll erstellten Zaun Stück für Stück nieder zu reißen, weshalb ich nun zwangsläufig ebenfalls ein Hobby habe, nämlich ihn Stück für Stück wieder aufzubauen. Da traf es sich ja gerade gut, dass zu Beginn der vergangenen Woche abermals kein Sprit vorhanden war und ich von Dienstag bis Donnerstag in Mpika festsaß. Jeden Tag war ich mit reparieren beschäftigt, um dann tags darauf wieder eine neue zerroppte Stelle vorzufinden. Die neuesten Veränderrungen die ich dann am Donnerstag schließlich abschließen konnte, haben immerhin bis heute Bestand und werden nun hoffentlich auch noch für eine weitere Woche halten. Ab dann können nämlich die Welpen an ihre neuen Besitzer abgegeben werden und der ganze Stress, sowie das tägliche gejaule hat ein Ende. :) Neben der Reparatur an Bellas Zaun habe ich dann noch in der KFZ-Werkstatt mitgeholfen. Dort wird gerade in einen VW Bus der Benzinmotor durch einen Dieselmotor ersetzt und ich konnte so einiges in Sachen Motor zerlegen und neu einsetzen hinzulernen, sowie auch ein wenig selbst mit anpacken. Es gibt also auch ohne Diesel viel zu tun. Die restlichen Tage, abgesehen von denen die ich mit der Malaria verbrachte, war ich dann aber wieder in Chilonga tätig, wo ich, wie bereits erwähnt, erneut am Streichen bin. Erneut in der Station für Schwangere und Neugeborene. Es gilt die Türen und Türrahmen noch zu weißeln, dann dürfte auch dieses Projekt abgeschlossen sein. Daneben haben wir noch zwei Herde repariert, sowie ein paar andere kleinere Elektrowartungen durchgeführt.

So, das wars auch schon wieder für heute mal in aller Kürze, da hier wetterbedingt jeden Moment der Strom ausfallen kann. Dafür habe ich nun ein paar Bilder von unserer Reise nach Lusaka und dem Botschaftsempfang hochgewuchtet, sowie ein paar neue Leckerbissen in mein Essen und Trinken Album gestellt. Bis die Tage und bleibt gesund! :)

08.11.09 - 13.11.09 Lusaka


09.11.09 Botschaftsempfang zum 20. Jahrestag des Berliner Mauerfalls


Essen und Trinken in Sambia

Sonntag, 15. November 2009

Spätzle und Geschnetzeltes

Da bin ich also wieder. Frisch zurück aus der Hauptstadt Lusaka, wo wir uns etwas länger aufhalten mussten als zuerst geplant. Aber ich beginne einfach mal ganz von vorne.

Am vergangenen Sonntag morgen um 4Uhr in der Frühe brachen wir, die Freiwilligen Jean-Baptist, Andreas, Franziska und ich sowie unser Fahrer und Nachbar Lutz, auf, um die fast neunstündige, 650km lange Reise in die Hauptstadt zurückzulegen. Vor allem die ersten 250km ab Mpika sind aufgrund des schlechten Zustands der Straße äußerst mühsam zu fahren. Je mehr man sich dann Lusaka nähert, desto besser wird es. Nach unserer Ankunft besuchten wir dann zuerst einmal Günter und Katja, wo wir auch schon bei unserer Ankunft in Sambia vor drei Monaten vorbeischneiten. Zur Erinnerung: Günter arbeitet auch immer mal wieder bei der Diozöse mit (Elektroinstallationen) und wohnt während dieser Zeit ein Haus weiter. Danach bezog jeder seine Unterkunft. Lutz und Franziska schlupften bei Günter und Katja unter, während ich, Jean-Baptist und Andreas uns in einem Gästehaus ganz in der Nähe einquartierten. Ebenfalls das Selbe wie schon bei unserer Ankunft vor drei Monaten. Am Nachmittag ging es dann noch geschlossen auf eine Art wöchentlichen Flomarkt, welcher vor allem viele Souvenirs wie Tücher, Kleidungsstücke, Trommeln, usw. im Aufgebot hatte. Ich besorgte mir aber an einem Stand mit gebrauchten Büchern etwas neue Freizeitlektüre für die kommenden Wochen/Monate. Abends saßen wir dann noch gemütlich bei Günter und Katja zusammen und spielten ein wenig Karten.

Am Montag war dann also der große Tag des Botschaftsempfangs im Garten der Privatresidenz des Botschafters anlässlich dem 20 jährigen Jubiläum des Berliner Mauerfalls. Wir waren alle schon sehr gespannt darauf, was uns am Abend wohl erwarten wird. Am Morgen ging es aber erstmal für Jean-Baptist, Andreas und Franziska zur Einwanderungsbehörde um die Arbeitserlaubnis abzuholen. Ein dreistündiger Prozess den ich schon vor drei Monaten hinter mich gebracht hatte. Franziskas Arbeitserlaubnis war zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht draußen. Während die drei also auf die übliche bürokratische Geduldsprobe gestellt wurden, begleitete ich Lutz bei seinen Besorgungen um dabei auch dem Optiker einen Besuch abzusatten, dem eigentlich Hauptgrund für meinen Reise nach Lusaka. Dort wurde ich sogleich überrascht, dass auch hier wie bei uns Brillenreparaturen kostenlos sind. Alle Achtung! Der gut gekleidete Techniker schnappte sich daraufhin meine Brille und bog einfach mal an allen möglichen Ecken und Enden drauf los, was bei mir allmählich den Gedanken nährte, ob er sich eigentlich darüber im Klaren ist, was er da genau tut. Auf seine Aussage „Das ist wirklich ein sehr schöner und guter Rahmen.“ dachte ich mir nur, ich weiß und ich würde ihn auch gerne noch ein wenig behalten. Ich versuchte ihn darauf hinzuweisen, wo das eigentliche Problem liegt und ein paar Zangenkniffe später hatte er es tatsächlich geschafft, die Brille an einem Stück zu lassen und gerade zu biegen. Ich war wirklich begeistert! Während Lutz dann am Nachmittag seine Frau Phoebe vom Flughafen abholte, sie war drei Monate für einen Intensivsprachkurs bei seinen Eltern in Deutschland, bereiteten wir uns schon einmal auf die Party am Abend vor. Auf der Einladung stand „Kleidung: formal“, woraufhin ich mir noch ein Hemd von Lutz leihen musste. Unserem französischen Kollegen Jean-Baptist, welchen wir mit einer Einladung reinschmuggeln wollten deren offizieller Inhaber nicht kommen konnte, brachten wir noch ein paar Brocken Deutsch bei, wie Guten Abend, Dankeschön, usw., damit er beim Händeschütteln am Einlass auch ohne Probleme durchgelangt. Um 18Uhr startete dann schließlich das ganze Spektakel. Am Eingang zum Gelände schüttelte man die Hand der obersten Botschaftsmitarbeiter, sowie der Frau Botschafterin, bevor man sich schließlich im mit einem Zelt überdachten Garten wiederfand. Es war schon irgendwie ein komisches Gefühl. Knapp 400 Leute, davon mindestens die Hälfte geladene Sambier sowie Diplomaten aus aller Herren Länder, der Rest Deutsche. Alle fein rausgeputzt mit Sektgläschen in der Hand. Schon der vergleich mit Lusaka allein reichte um zu realisieren, dass man gerade irgendwie in einer Parallelwelt angekommen ist. Auch auf einmal so viele Deutsche wieder um einen herum zu haben war wirklich seltsam. Es folgte eine Rede des Botschafters, sowie des sambischen Finanzministers als Vertreter der Regierung. Danach war zuerst die Bar eröffnet, an der es von Erfrischungsgetränken über Säfte, Südafrikansichem Wein bis zu Bier aus Sambia und Nambia (wo das Bier als Überbleibsel aus der Kolonialzeit noch nach dem „Reinheitsgebot“ gebraut wird und wirklich wie ein Bier aus Deutschland schmeckt) alles gab was das Herz begehrt. Nachdem sich jeder hier gut eingedeckt hatte folgte der zweite Streich, die Eröffnung des Buffets. Und was für eins. Das ganze war bestimmt gute 20m lang und es gab wirklich alles, was die (Süd-) Deusche Küche so zu bieten hat. Als Hauptgang wurden Bratartoffeln, Spätzle, Curry-Wurst, Gulasch, Reis, Züricher Geschnetzeltes, Pute, Gemüseauflauf sowie etliche Salate, u.a. Gurkensalat, Karrottensalat und Kartoffelsalat aufgefahren. Das Desert stand dem ganzen mit Mousse au Chocolat, Plätzchen, Käsekuchen, Bananenjoghurt und vielem mehr in nichts nach. Drei volle Teler, inkl. Desert, schaffte ich zu verdrücken, danach war Schicht im Schacht. Das Essen wurde von einem Deutschen Restaurant in Lusaka geliefert, dessen sambische Mitarbeiter in perfekter Aussprache der Speißen einem das Teller füllten. Man kann also sagen, ich bzw. wir sind mehr als auf unsere Kosten gekommen. Gegen 21Uhr war das ganze dann auch schon wieder vorbei und wir machten uns wieder auf den Rückweg. Es war aber wirklich nett, neben Lutz, Günter und co., die man ja schon kannte, noch ein paar andere Deutsche kennen zu lernen, von denen man teils auch schon gehört hatte und zu erfahren, was sie in Sambia so machen, wie sie leben und sich in der hießigen Gesellschaft zurechtfinden.

Am Dienstag wollten wir, vor allem Lutz, dann eigentlich die letzten Besorgungen in Lusaka erledigen, um evtl. am Mittwoch wieder aufzubrechen. Besorgungen in Lusaka zu machen ist aber alles andere als planbar, was mitunter daran liegt, dass man um in eine andere Himmelsrichtung der Stadt zu gelangen jedes Mal über das Zentrum fahren muss, wo sich alle Straßen treffen. Das Verkehrschaos ist also vorprogrammiert, vor allem im Berufsverkehr am Morgen, zur Mittagszeit und am späten Nachmittag. So kann es mitunter schonmal vorkommen, dass man zwischen den Geschäften geschlagene zwei Stunden im Auto verbringen muss. Es kam wie es kommen musste und bis zum Abend war noch lange nicht alles erledigt. Der nächste Tag musste also ebenfalls noch in Lusaka verbracht werden. Zum Abendessen holten wir uns alle Pizza, ein Pflichtprogramm für Lutz wenn er in Lusaka ist, da es hier die einzigen Pizzaläden im Land gibt. Bereits beim verzehr beschwerte sich aber vor allem Lutz über den komischen Geschmack, dachten uns allerdings nichts besonderes dabei.

Tagsdarauf beschlossen wir, die Freiwilligen, den extra Tag zu nutzen und anstatt mit Lutz und seiner Frau durch die Stadt zu irren lieber sebst ein wenig das Zentrum zu Fuß zu erkunden. Bereits beim Aufstehen klagte Andreas allerdings über Unwohlsein. Jean-Baptist, der in einem anderen Zimmer untergebracht war, kam gar nicht erst heraus und verkündete stattdessen per SMS, dass er die Nacht mit wenig Schlaf und viel Zeit auf dem stillen Örtchen verbrachte und ihm noch immer flau im Magen ist. Er bleibe lieber daheim. Andreas wollte trotzdem mit und so machten wir uns auf den Weg zu Günters Haus, wo wir uns mit dem Rest verabredeten. Dort angekommen trafen wir auf dem ebenfalls erkrankten Lutz, der die gleiche Nacht wie Jean-Baptist durchlebte. Seiner Frau Phoebe ging es am Morgen noch gut, allerdings wich im Laufe des Tages auch bei Ihr das Wohlbefinden. Lediglich ich und Franziska waren noch auf dem Damm und beschlossen einfach alleine in die Stadt aufzubrechen, während der Rest sich etwas ausruhen wollte. Mit einem der engen Minibusse, die hier das öffentliche Verkehrsnetz bilden, machten wir uns also auf den Weg ins Zentrum von wo aus wir weiter zu Fuß die Stadt erkunden wollten. Bei unserem Fußmarsch sind wir durch so manches Gebiet gekommen, in welches sich wohl kein Tourist (viel gibt es ja ohnehin nicht) mehr verirrt. Wie die Menschen dort zwischen all dem Müll (hier wird überall, auch in Mpika, der Müll einfach in Gruben geworfen und wenn sie voll sind verbrannt, teilweise Leben ist schon der Wahnsinn. Man sieht auch viele Obdachlose und Straßenkinder. Das ganze ist manchmal echt beklemmend und man weiß auch gar nicht so recht, wie man zum Beispiel mit einem Straßenkind das einen anbettelt umgehen soll. Dazwischen kommt man dann immer wieder an kleinen aber auch riesigen Märkten vorbei, wo es wirklich kunterbunt und chaotisch zugeht. Viele Menschen versuchen natürlich einem permanent was anzudrehen. Die meisten sind aber trotz allem nicht sonderlich aufdringlich und wenn man freundlich ablehnt, lassen sie einen auch schon wieder in Ruhe. Zum Beispiel wollte mir ein mit Gürteln behangener Verkäufer einen mit einer protzigen Obama Schnalle andrehen. Der würde mir super stehen. Ich sagte, dass ich schon einen habe und keinen neuen Benötige. Daruafhin wollte er meinen sehen und sagte, seiner sei doch viel besser. Wir unterhielten uns noch kurz und verabschiedeten uns schließlich mit einem Scherz wieder voneinander. Ohne neuen Gürtel. :) Vollbepackt mit neuen Eindrücken kehrten wir daraufhin am sptäten Nachmittag wieder zurück zur Invalidenstation. Unsere Patienten hatten mittlerweile eine Tour zum Krankenhaus hinter sich mit der Diagnose: Amöben, welche wohl von der Pizza kamen. Nach einer eintägigen Entwurmungskur und Antibiotika waren sie aber am nächsten Tag wieder alle auf dem Dampfer.

Nachdem am Donnerstag wie bereits erwähnt wieder alle einigermaßen Fit waren, beschloss Lutz mit seiner Frau am Morgen alleine in die Stadt aufzubrechen um mit etwas Glück zur Mittagszeit wieder zurück zu sein, was uns ermöglicht hätte noch am selben Tag zurück nach Mpika zu fahren (lange Nachtfahrten sind aufgrund der erwähnten Straßenverhältnisse und der vielen Menschen am Straßenrand nicht empfehlenswert). Auch dies sollte allerdings nicht gelingen und Lutz kehrte erst am späten Nachmittag wieder aus der Stadt zurück. Wir vertreiben uns derweil zu viert die Wartezeit im Haus mit Lesen oder Karten spielen. So verbrachten wir also noch eine (halbe) Nacht mehr in Lusaka und brachen schließlich am frühen Freitag Morgen um 4Uhr wieder richtung Norden auf wo wir, wie man lesen kann, gegen Nachmittag zwar leicht geschafft aber an einem Stück wieder ankamen. Am darauffolgenden Samstag, ein halber Arbeitstag für mich, nahm ich mir dann aufgrund anhaltendem Dieselmangel frei. Selbst in Lusaka war es schwer, Sprit aufzutreiben. Man konnte jedoch an den Meterlangen Schlangen gut erkennen, welche Tankstelle gerade mal wieder für einen halben Tag Sprit hatte. Mal schaun, wie es wohl morgen in Mpika ausschaut. Ich wünsch euch allen jedenfalls einen guten Start in die neue Woche (sofern ihr dies noch rechtzeitig lest :) ) und ich melde mich wieder. Dann hoffentlich noch immer Amöbenfrei. ;)

Ach ja, es gibt natürlich auch Bilder zu den ganzen Tagen. Auf die müsst ihr euch allerdings noch ein weilchen gedulden, da wir vor allem mit Franziskas Kamera Bilder geschossen haben, sie jedoch gleich von einem Auto ins nächste umgeladen wurde und nach Chalabesa weiterfuhr. Daher hatten wir noch keine Gelgeneheit, die Bilder zu tauschen. Diese folgen dann aber in ca. 2 Wochen, wenn sie mal wieder für ein, zwei Tage in Mpika weilt.

Samstag, 7. November 2009

„Ohne Acker bist du in Sambia ein Nichts!“

Was war das mal wieder eine ereignisreiche Woche, daher nutze ich gleich mal die Gelegenheit um zum Rundumschlag auszuholen und meine verehrten Blogleser ein wenig auf dem Laufenden zu halten.

Eigentlich begann die Woche ganz normal wie schon die letzte aufgehört hatte. An der Tankstelle gab es noch immer keinen Sprit und ich tuckerte mit meinem roten Geschäftswagen gemütlich nach Chilonga um im Krankenhaus die Renovierung der Schwangeren- und Neugeborenenstation voranzutreiben. Man will ja schließlich in diesen Zeiten nicht unnötig Sprit verbraten. So atmete ich gemeinsam mit Martin tag ein tag aus die Lackfarbe ein und brachten dabei auch noch was an die Wand. Natürlich hätte man wieder einmal den ein oder anderen Rollerstrich von Martin schöner machen können, auch die verschmierten Türrahmen und die Tropfen auf den Fließen hätten evtl. Nicht ganz so zahlreich ausfallen müssen, aber den Perfektionismus wie er bei uns üblich ist legt man hier schnell ab. Das Ergebnis sah und sieht auch so bei weitem besser aus, wie der Zustand in dem sich die Stationen vorher befanden. Und so am vorbeilaufen kann man die Tropfen an der Wand oder an den Fließen und Türrahmen auch nicht mehr erkennen. Die ganze Woche, inkl. heute (ich arbeite ja Montag bis Samstag) waren wir mit streichen beschäftigt und am kommenden Dienstag sollte das ganze dann, wenn nichts dazwischen kommt, eigentlich erledigt sein und die Patienten sind endlich davon erlöst, von einem Zimmer ins nächste zu ziehen.

Eines der Highlights dieser Woche war der Besuch zweier Tanklaster mit Benzin und Diesel am Mittwoch Nachmittag an der Tankstelle in Mpika, nachdem die Durststrecke bereits 6 Tage andauerte. Dieses Ereignis sorgte auch prompt dafür, dass alle mit sämtlichen Kanistern oder Tanks die sie nur irgendwie auftreiben konnten die Tankstelle stürmten und innerhalb drei Stunden war alles wieder futsch. Ich selbst bin leider leer ausgegangen. Also hieß es weiter tuckern, denn seit Mittwoch sitzen wir wieder auf dem trockenen. Vor Deinstag wird laut dem Tankstellenpersonal auch nichts ankommen und wenn es schon heißt, vor Dienstag.....über die Zeiteinteilung hier habe ich ja bereits ausführlich berichtet. :) Das Barbarische dabei ist wirklich, dass aufgrund politischen Geplänkel, wer jetzt dafür zuständig ist den Sprit zu importieren und mit großer Wahrscheinlichkeit auch wie viel von dem ganzen Kuchen in die eigene Tasche abbekommt, dazu führt, dass das ganze Land quasi still steht. Zugegeben, prozentual gesehen besitzen die wenigsten Sambier ein Auto und haben keinen anderweiligen Bedarf an Sprit. Aber ich erkundigte mich z.B. auch mal beim Krankenhaus, wie es denn nun mit den Autos weitergeht, jetzt, da kein Sprit da ist. Das Krankenhaus hat nämlich 3 Geländewagen, die die Patienten in Notfällen von den letzten Winkeln des Landes abholen und kostenlos ins Krankenhaus transportieren. Da sagte eine der Schwestern eiskalt zu mir: „Dann sterben eben die Leute im Busch.“ Schon echt hart. Hoffen wir einfach, die Lage entspannt sich bald.

Tagsdarauf, am Donnerstag, war es dann soweit. Der erste richtige Regenzeit-Regen brach über den Norden des Landes herein. Und wie. Es regnete sozusagen von 12:00Uhr bis 20:00Uhr durch. Somit hatte ich nach Feierabend auch gleich meine erste Regenfahrt inklusive. Die Straße kreuzten nun Flüsse und Schlaglöcher wurden zu großen Teichen. Der Regen wurde aber von allen Leuten hier schon sehnsüchtig erwartet, denn es ist schon lange Zeit, den Mais anzubauen, welcher ja zu Mehl gerieben die Grundlage des Sambischen Grundnahrungsmittel, Nyshima – den Brei, bildet. Der Regen hatte sozusagen Verspätung. Seitdem hat sich aber von einem Moment auf den anderen das Klima geändert. Es ist jetzt selbstverständlich schwüler geworden und hat auch etwas abgekühlt. Seit Donnerstag hat sich das nicht verändert und es regnet immer mal wieder. Am selben Tag redete ich noch mit Monica, einer Arbeiterin in der Werkstatt von der Diözese. Sie war ganz heiter, weil nun der Regen kommt und wollte am liebsten gleich nach Hause, um alles für die Landwirtschaft vorzubereiten, denn: „Ohne Acker bist du in Sambia ein Nichst!“ Darf ich also vorstellen: Sie lesen gerade den Blog eines Menschen auf dieser Erde, der in wirklichkeit ein Nichts und Niemand ist. :)

Mit dem Regen kamen nun auch verstärkte Stromausfälle. Dass eigentlich jeden Abend für mindestens 2 Stunden der Strom abgestellt wird, daran hat man sich ja schon gewohnt. Aber sobald es zu regnen beginnt geht der Strom weg und kann unter Umständen für einen halben Tag futsch sein. Da stellt man mal wieder fest, wie unwahrscheinlich hell doch eine Kerzenlicht gibt. :)

Und für jeden der in der Schule brav aufgepasst hat, der weiß, dass nach jedem Donnerstag ein Freitag folgt. An besagtem Freitag wurde der Herr Schulz gemeinsam mit Andreas, Jean-Baptist und Franziska, drei anderen Freiwilligen, zur Führerscheinprüfung gebeten. Ja, ganz recht. Wir fuhren 190km nach Kasama in den Norden, der Hauptstadt der nördlichen Provinz. Gefahren ist auf dieser Strecke Anton, der Chef der Werkstatt von der Diözese und welcher auch den Chef der Führerscheinstelle kennt, was schonmal sicherstellt, dass wir das ganze an einem Tag abschließen können. Für jeden der gerade von einem Hauptbahnhof zum nächsten rennt, hier die Erklärung: Ich habe selbstverständlich bereits einen Führerschein, dieser gilt jedoch nur für 3 Monate, eben so lange, wie auch das Touristenvisum gilt. Jeder der länger bleibt und auch dann noch seinen allerwärtesten hinter das Steuer eines Kraftfahrzeugs platzieren will, muss seine internationale Fahrerlaubnis in einen Sambischen Führerschein übertragen. Konkret heißt das, man lässt sich zuvor von einem Doktor untersuchen, ob man noch gut sehen kann und auch sonst dazu in der Lage ist, ein Fahrzeug zu manövrieren. Gesagt und in Chilonga getan. Dann begibt man sich mit zwei Passbildern im Gepäck nach Kasama. Dort angekommen bekommt man erst mal gesagt, dass der internationale Führerschein kein Führerschein ist, sondern nur eine Fahrerlaubnis. Was nach langer Diskussion daran lag, dass zwar alles im Führerschein wunderschön in mehreren Sprachen übersetzt ist, bis auf die Vorderseite, auf der Name, Gültigkeitsdatum sowie die Führerscheinnummer steht. Im Vergleich mit dem deutschen Führerschein überzeugt man dann den Beamten von der Richtigkeit des Lappens. Man fülle anschließend ein Antragsformular aus und zahle eine Summe für den Antrag des Führerscheins. Danach steigt man mit einem Prüfmeister in das selbst mitgebrachte Fahrzeug ein und demonstriert ca. 15 Minuten seine Künste im Straßenverkehr. Kurz vor Ende beantworte man dann noch die Frage des Prüfmeisters, ob man 180km/h fahren darf mit einem bestimmten NEIN und biegt wieder auf das Gelände des Straßenverkehrsamtes ein. Danach füllt man nochmal eine Seite aus und liefert seinen Daumenabdruck ab. Das ganze gepaart mit einer zweiten Übergabe von bunten Scheinen aus dem Portmonee. Nach 5 Stunden des Wartens mit ein wenig Aktivität zwischendurch verlässt man dann wieder das Amt und wartet einige Wochen oder Monate, manchmal sogar Jahre auf seinen sambischen Fürerschein. Währenddessen ist es aber trotzdem gestattet zu fahren, solange man seinen Beleg mit sich führt, dass man für einen neuen Führerschein bezahlt hat. Klingt komisch, ist ber so. :)

So und morgen geht’s schon wieder weiter. Da heißt es nämlich für mich, Andreas, Jean-Baptist und Franziska um 3:30Uhr in der früh Abfahrt nach Lusaka. Lutz holt seine Frau vom Flughafen ab und die anderen drei müssen zur Immigration um ihre Arebitserlaubnis abzuholen. Ich selbst muss zum einzigen Optiker im ganzen Land um meine Brille wieder gerade biegen zu lassen. Ich habe zwar selbst schon ein wenig daran herumgebastelt, so, dass sie zumindest nicht mehr ganz so schief ist und man einigermaßen tragen kann, jedoch nur unter der Bildung erheblicher Nasenschmerzen. Ein netter Nebeneffekt ist noch, dass am Montag, dem Tag des Falls der Berliner Mauer, die deutsche Botschaft zum Empfang geladen hat. Das bedeutet, das neben den zahlreichen, geladenen Gästen aus Sambia auch alle Deutschen, die gerade keine Touristen sind, dort erscheinen dürfen und auf Kosten des Staates schlemmen. Anscheinend zu deutschen Getränken und deutscher Küche. Ich bedanke mich also in diesem Sinne schon mal recht herzlich bei euch allen dafür, dass ihr mir mit euren monatlichen Abgaben diesen Abend ermöglicht. Ich werde natürlich alles daran setzen, voll auf meine Kosten zu kommen und euch anschließend davon berichten. :) Gegen Mittwoch oder Donnerstag werden wir dann wieder in Mpika zurück sein.

So, dann mach ich jetzt aber wirklich Feierabend. Nicht aber ohne wieder einmal auf meine aktualiserten Fotoalben hinzuweisen. Darunter sind neue Essensbilder, sowie ein paar Schnappschüsse von unserem Werk bei der Renovierung im Krankenhaus. Auch von unseren regelmäßigen Fußballpartien gibt es neues Bildmaterial und ein Update über den Zustand von Bellas Welpen. Die Acht haben mittlerweile ihre Augen geöffnet und wagen die ersten Gehversuche. Nicht mehr lange und mein Zaun wird auf eine harte Probe gestellt. :)

Essen und Trinken in Sambia


Chilonga


Es lebe der Sport


Bella und ihre Welpen

Samstag, 31. Oktober 2009

Im Zeichen der Raupe

Diese Woche war es also endlich soweit. Nach langem warten gibt es nun für ungefähr 1½ Monate Raupen zu essen. Eine Sambische Delikatesse und ein lukratives Geschäft, da jeder der will nur in den Busch zu gehen braucht um von den Bäumen die Raupen einzusammeln. Dementsprechend sieht man gerade auf der Straße und dem Markt neben der üblichen Dauerbrenner Erdnüsse und Bananen, die es an jeder Ecke gibt, nun Eimerweise Raupen zum Verkauf. Ich selbst habe natürlich bereits diese Woche schon ausgiebig gekostet (3 Mal) und man kann erkennen, dass sie auch mir unwahrscheinlich munden. :) Die Raupen werden kurz angebraten, sodass sie außen schön knusprig sind. Beim Essen kommt es einem die ersten beiden Bissen so vor, als würde man Chips essen, danach kommt man allerdings ziemlich ins kauen, vergleichbar mit der Konsistenz eines etwas härterem Gummibärchen. Der Geschmack ist auch einzigartig. Kann ich irgendwie mit gar nichts vergleichen, was ich bisher gegessen habe. Vermutlich ein weiterer Grund dafür, warum diese Speise hier so beliebt ist. Außerdem sollen sie sehr nahrhaft sein. Momentan gibt es noch die „Anfängerraupen“, weil Sie noch sehr klein sind. Jedoch erhält man schon bald größere mit Stacheln, die noch besser sein sollen. In ca. 1½ Monaten verwandeln sich dann die Überlebenden in Schmetterlinge und jeder freut sich wieder aufs nächste Jahr, auch wenn man sie wohl an ein paar Orten über das ganze Jahr erhalten soll. Manche fangen einfach so viel, damit sie sie dann noch weiter verkaufen können, allerdings natürlich zu höheren Preisen. Allgemein komme ich hier kulinarisch echt auf meine Kosten. Das sambische Essen schmeckt mir in all seinen Variationen sehr gut. Ich habe wirklich noch nichts gegessen, was mir nicht geschmeckt hat und auch die Standardgrundlage der Spiesen, Nyshima, könnte ich jeden Tag rund um die Uhr essen.

Neben dem kulinarischem Höhepunkt habe ich aber natürlich auch das Arbeiten nicht vergessen, wenn auch am Montag schon wieder der Sprit ausging. Am Mittwoch gab es dann für einen Tag wieder Diesel, der am Donnerstag aber schon wieder verbraucht war und die damit begonnene Durststrecke hält noch immer an. Gott sei Dank habe auch ich am Mittwoch ein paar Tropfen erhaschen können, sodass ich nach wie vor in Chilonga am werkeln bin. Diese Woche stand fast ausnahmslos die Renovierung der Geburts- und Neugeborenenstation an, was vor allem streichen, streichen und nochmals streichen mit sich bringt. Das ganze jedoch wieder einmal mit mangelnder Ausrüstung, da es nämlich weder Streichwanne oder Sieb gibt, den man in den Eimer reinstellt um die Rolle ein wenig von überflüssiger Farbe zu befreien, noch Malerkrep zum Abkleben der Türen, Schalter, etc. Dementsprechend tropfend und spritzend ging es zur Sache, auch wenn man sich noch so bemühte. Besonders fatal ist dies an den Wänden, welche mit Lackfarbe gestrichen werden und wenn man sich vermalt jedes Mal einen Lappen mit Verdünnung zur Seite ziehen muss. Hier schwang vor allem mein Kollege Martin enthusiastisch den Roller, der jeden Ratschlag vielleicht etwas weniger Farbe zu nehmen, wenn es auch schwer ist, gekonnt auswich. Naja, nächste Woche soll ich mal ein paar Wände bemalen und er schwingt den Pinsel für die Ecken und Ränder, wie ich bisher. Vielleicht kann ich ihn ja nonverbal durch Taten von einer anderen Taktik überzeugen. :) Aber abgesehen von dem beißenden Geruch der Lackfarbe macht die Arbeit mit Ihm gemeinsam echt Spaß. Man hat ja beim streichen auch immer sehr viel Zeit, sich über alles möglich zu unterhalten. Und da er bis vor knapp einer Woche für 10 Tage frei hatte, hat er ja auch ein paar Dinge zu erzählen.

So, nach meinem letzten Megaeintrag lasse ich es für heute dann auch mal wieder gut sein und euch stattdessen auf die Essensbilder los, welche ihr bestimmt schon sehnsüchtigst erwartet. Ich habe mir mal die Mühe gemacht und alle kulinarischen Bilder in ein eigenes Album zusammengetragen, da hier bestimmt noch ein paar mehr hinzukommen. Außerdem habe ich wieder einmal das Album von Chilonga ein klein wenig erweitert.

Bis zum nächsten Mal! mir geht’s sowit wirklich spitze, ich hoffe euch auch. Schaut, dass das so bleibt. :)

Essen und Trinken in Sambia


Chilonga