Also, wenn ich hier schon von Tatendrang berichte, fangen wir doch am besten gleich bei der Arbeit an. Nach der Malaria musste erstmal wieder umdisponiert werden. An meinem roten Businessflitzer hatte der Kühlerdeckel entgültig den Geist aufgegeben, nachdem er schon einen leichten Riss in der Dichtung hatte und ich alle drei bis vier Tage das Wasser nachfüllen musste. Dieser Riss hatte sich aber so stark vergrößert, dass mittlerweile knapp bei der Hälfte des Weges nach Chilonga die Temperaturanzeige (mit der Tankanzeige das einzig funktionierende Überwachungsinstrument im Cockpit des besagten Businessflitzers) zu steigen beginnt und der Kühler fast bis zum letzte Tropfen ausgedampft war. Da halfen auch die zwei 10l Kanister Wasser nix mehr, die ich immer mitschleppe bereits zur Standardausrüstung gehören. Da es besagten Deckel jedoch in Mpika nicht gab, musste eine Reparatur warten bis der Leiter der Werkstatt wieder aus Lusaka zurückkommt und gemeinsam mit den anderen Ersatzteilen selbigen mitbringt. So hatte ich mich am Montag nach meiner Genesung abermals um die Welpen gekümmert. Mittlerweile sind die übrigens richtig groß, lieben es ihr Gebiss an meinen Schuhen zu testen und sind Grobiane, was meine Hände und Füße bereits ein paar Mal zu Spüren bekamen. Auch der Mutter Bella sind die Zähne der Rabauken wohl mittlerweile zu bissfest geworden, wodurch sie ihnen keine Milch mehr geben will. Sie hat es zwar von Anfang nicht gerne getan, aber das bißchen ist nun zu einer großen Null geschrumpft. Wahre Mutterliebe schaut anders aus. Vor ein paar Tagen schoss sie allerdings den Vogel ab, als sie einen unnachgiebigen Welpen in der Nacht in zwei Stücke biss. Am nächsten Morgen war natürlich mal wieder ich der Erste, der die Sauerei entdeckte und beseitigen durfte. Hier der Kopft, da das Hinterteil, ein paar Organe dazwischen und seine Brüder und Schwestern knabberten fleißig an seinen Überresten rum. Na dann Prost Mahlzeit. Ein paar von ihnen sind mittlerweile an neue Besitzer vergeben worden. Hoffen wir mal, dass der Rest ebenfalls zu Beginn der neuen Woche ein neues zu Hause findet. Ich konnte allerdings auch noch ein paar Sachen reparieren wie z.B. ein Bügeleisen, eine Dusche, sowie eine neue Funkantenne gemeinsam mit Prichert, einem Arbeiter der Diözese, hissen und anschließen.
Am Dienstag konnte ich dann aber bis zur Fertigstellung meines eigentlichen Wagens (Freitag) ein anderes Auto für meine täglichen Tour nach Chilonga nehmen. An diesem Tag, dem 01.12., war dann auch der Welt-AIDS-Tag, welcher in den Afrikansichen Ländern groß zelebriert wird. Dieser Tag, sowie die Wochen davor und danach, lenkt eine große Aufmerksamkeit auf dieses Thema. Vor allem in Afrika ist HIV/AIDS natürlich ein großes Thema. Sambia im speziellen ist nach Süd-Afrika und Botswana sogar das Land mit der drittgrößten HIV-Rate auf der Welt. So bietet speziell dieser Tag eine große Gelegenheit, die Menschen vor Ort über diese Krankheit zu informieren, wie man sich dagegen schützt und den Umgang damit, wenn man infiziert ist. Zum Beispiel dass infizierte Menschen nicht ausgegrenzt werden dürfen, wie es hier vielerorts leider noch sehr häufig geschieht und man keine Berührungsängste zu haben bracht. Auch am Krankenhaus in Chilonga gab es den ganzen Morgen über viele Aktionen und eine große Veranstaltung. Es gibt hier eine eigene Station, welche sich ausschließlich um HIV Patienten kümmert. Begonnen hat der Tag mit einer (Mini-) “Demonstration” aus dem Krankenhaus hinaus, auf die “Schnellstraße”, welche von Lusaka bis hoch nach Dar-es-salam in Tanzania führt, eine kleine Runde durch Chilonga und wieder zurück ins Krankenhaus. Einziges Publikum waren ein paar verstört blickende Menschen und Kinder am Straßenrand, sowie drei große LKWs die für kurze Zeit ihre Fahrt stark verlangsamen mussten. Danach fand man sich um eine etwas größere Freifläche im Krankenhaus ein. Ein paar Leute sangen und machten Tanzaufführungen, es gab drei Sketche zum Thema HIV, Ausgrenzung betroffener und die Angst vor einem HIV Test und noch zwei, drei Reden von Ehrengästen. Am Nachmittag ging dann der Betrieb im Krankenhaus wieder zur Normalität über. Es war wirklich sehr interessant, wenn ich die Hälfte auch nicht verstanden habe da vieles in Bemba vorgetragen wurde. Aber mittlerweile verstehe ich wenigsten meist, um was es denn gerade geht. Ich bekam sogar einen Chetenge, der traditionelle Wickelrock den hier alle Fragen tragen, geschenkt, welcher extra für den Welt-Aids-Tag 2009 angefertigt wurde. Männer lassen sich aus dem Stoff meist ein T-Shirt schneidern oder hängen ihn an Anlässen wie diesen als Schärpe über die Schulter.
Meine sonstigen Tätigen im Krankenhaus in den vergangenen beiden Wochen waren wieder mal echt wahnsinnig vielfältig. Eine Aufgabe die mich für längere Zeit beschäftigt hatte war abermals, achtung Quiz……..genau! Streichen! :) Es handelte sich wieder mal um die selben Gebäude. Die Schwangeren- und Geburtsstation. Diese sollen nämlich auch noch außen neu gestrichen werden. Gesagt, getan, zumindest ein Gebäude. Für das zweite fehlte es an Farbe. Gemeinsam mit Moses schwang ich wieder mal Roller und Pinsel. Es ist wirklich unglaublich, wie man sich an alles gewöhnen kann. Mittlerweile komme auch ohne Farbsieb ziemlich gut zurecht. Teilweise war ich alleine am Streichen, da Moses ja unser einziger Klemptner ist und somit öfters mal für ein paar Reparaturen seine Streichausrüstung niederlegen musste. Natürlich kein Problem, das besondere war aber, dass ich sehr viel alleine an genau der langen Wand am streichen war, an dessen einen Ende die ganzen hochschwangeren Frauen sich und ihren Bäuchen ein Päschen gönnen und sich zum tratschen treffen. So strich ich so vor mich hin während knapp über zehn Frauen all meine Handgriffe beobachteten. Jedes Mal, wenn ich an ihrem Lager vorbeischlenderte um neue Farbe zu holen, ging das gekicher los. Ich kam mir echt vor wie ein Bauarbeiter in einem schlechten Film. War schon eine lustige Situation. Das war aber nicht das einzige was mir beim Streichen wiederfuhr. Es kamen noch zwei Kontrolleure vom Gesundheitsministerium vorbei. Was die hier wollten und kontrollierten habe ich nicht wirklich verstanden. Jedenfalls wurde ich ihnen vorgestellt. Als sie dann herausbekamen, dass ich aus Deutschland komme, nahmen sie ohne einen Kommentar ihre Mütze ab und zeigten mir wie getreue Soldaten den Hitlergruß, mit einem grinsenden Gesicht auf die Art: “So macht man doch in Deutschland oder?” Echt der Wahnsinn! Ich meine, schon in Singapur, Malaysia, Thailand, wie natürlich auch hier musste ich mich oftmals Fragen stellen wie “Hitler lebt noch oder?”, sowie Sätze anhören wie “Ich finde, er war ein sehr guter, starker Mann und wollte nur das allerbeste für sein Volk.”, doch bei dieser Aktion hat es mir echt die Sprache verschlagen. Aber sie können natürlich nicht wissen, dass man bei uns auf solche Dinge sehr empfindlich reagiert, sodass ich das ganze mit einem “Jetzt ja zum Glück nicht mehr” weglächelte. :)
Wie schon angedeutet wurde jedoch nicht nur gestrichen, nein nein. Die Wasserleitungen z.B. welche von der Bachquelle etwas oberhalb des an das Krankehaus angrenzenden Hügel zum Reservoir laufen hatten an zwei Stellen ein Leck. So schnitten wir aus einem alten Schlach eines Autoreifens uns mit einer Rasierklinge Gummibänder zurecht, welche wir um die gebrochenen Stellen spannten. Und siehe da, nix tropft mehr. Eine komplette Ersetzung wäre übrigens schlichtweg zu teuer und so geht’s ja auch. In der Regenzeit können auch immer wieder Wasserwurzeln die Enden der Wasserleitungen verstopfen. Auch da mussten wir Hand anlegen. Dazu unternahmen wir noch allerlei Elktroreparaturen. Steckdosen, Leuchtstofflampen, Verteilerkästen, alles dabei! Einer der Hammer in den letzten beiden Wochen war allerdings ein verstopfter Spülkasten einer Toilette auf der Geburtsstation. Dort waren wir gezwungen, die Ursache mit der Hand zu erforschen und es kamen ca. fünf benutzte Binden, sowie ein Kopftuch hervor. Was für ein Glück, dass man im Krankenhaus schnell mal etwas Desinfektionsmittel zur Hand hat. :) Dann habe ich mit meinem Vorschlag mal eine Bestandsaufnahme auf den Stationen zu machen, welche Glühbirnen und Leuchtstofflampen defekt sind oder wo erst gar keine Halterung vorhanden ist sondern nur die Kabel herumhängen gehör gefunden. Jetzt warten wir nur noch darauf, bis die knapp 40 bis 50 Birnen, sowie einige Halterungen eintreffen und das Krankenhaus nachts hell erleuchtet werden kann, natürlich nur sofern Strom vorhanden ist. :) Als eine weitere Großaufgabe hatten wir immernoch mit den Folgen eines schweren Gewitters mit einigen Blitzeinschlägen zu tun, die so ziemlich jades Gerät einen mittleren bis schweren Schaden zugefügt hatten. Unter anderem mussten wir die Röntgenanlage reparieren, sowie das interne Telefonsystem. Dort sind am zentralen Kasten einige Leitungen auf der Platine durchgebrannt gewesen, wodurch ich noch Löten als ein weiteres Tätigkeitsfeld am Krankenhaus anfügen kann. Wir redeten noch mit der Leitung des Krankenhaus, ob es nicht sinnvoll wäre an die Gebäuden Blitzableiter anzubringen, aber das wird wohl noch dauern bis dies entschieden wird. Bis dahin kann natürlich jederzeit wieder das gleiche geschehen. Auch über die Werkzeugsituation haben wir uns unterhalten. Dieses wurde ja in der Vergangenheit wohl immer mal wieder vom ein oder anderen unter den Nagel gerissen. Dementsprechend war die Leitung nicht besonders begeistert, neues zu besorgen. Immerhin, mein Vorschlag Martin, Rambo sowie Moses mit einem Grundset an Schraubenziehern und Zangen auszustatten, sodass jeder selbst dafür verantwortlich ist und man es abends im Lager bis zum nächsten Tag deponiert und von der dortigen Aufsicht auf Vollständigkeit geprüft wird, kam gut an und die Sache wird bei der nächsten Budgetplanung berücksichtigt. Zumindest wurde es mir so gesagt. Warten wir es einfach mal ab. Um die kunterbunten Wochen in der Adventszeit noch das i-Tüpfelchen aufzusetzen, haben wir sogar noch auf dem Bau malocht. Ein neues Regendach für eines der Autos soll gebaut werden. Also gruben wir Löcher, flexten Rohre zurecht und betonierten selbige in die gegrabenen Löcher ein. Der Beton wurde natürlich von Hand in einer alten Schubkarre angemischt. Dabei lernte ich noch, wie man mit einem Schweißgerät Löcher in ein Stahlrohr “bohren” kann, wenn man keinen Bohrer hat. Die Löcher werden benötigt, um die Holkonstruktion für das Dach festzunageln. Die Bretter sind allerdings noch nicht vorhanden, sodass auch hier eine Fortsetzung in den nächsten Tagen zu erwarten ist. Da musste ich wieder an den Satz von Benedikt, dem Elektriker mit dem ich mal die Woche in Mulilansolo auf dem Bau gearbeitet habe, denken: “In den westlichen Ländern wird alles zunehmend automatisiert, aber in Ländern wie Sambia ist alles noch Manuel.” :) Wie wahr, wie wahr.
Dann gab es noch zwei Naturspekatakel zu erleben. Am vergangen Sonntag, sowie am darauffolgenden Montag gab es jeweils in der Nacht mit Werten zwischen 5 und 6 zwei beachtliche Erdbeben. Ich bekam leider beide nicht mit. Mich scheint wohl wirklich nichts aus dem Schlaf reißen zu können. Das Zentrum lag jeweils ein paar Kilometer im Norden am Tanganikasee. In der Zeitung stand, dass die Leute dort das ganze als die Erscheinung von Geistern beschrieben, die jades Jahr auftauchen und beim Fortbewegen die Erde zum beben bringen. Als Randnotiz wurde noch bemerkt, dass irgendeiner aus der Universität behauptet hätte, es handele sich um die Bewegung von Erdplatten. Womit wir nun also endlich wissen, wodurch die Erdbeben wirklich enstehen. Irgendwas scheint da bei uns Bildungstechnisch schief zu laufen. ;) Vielleicht war es auch nur der Nikolaus, der sich an den Tanganikasee verlaufen hatte.
So, dass waren jetzt nur mal die herausstechenden Ereignisse der letzten beiden Wochen. Es gab aber noch so viel mehr zu tun. Also langweilig ist mir hier definitiv nicht. In der Zeit die dann noch übrig blieb konnte man aber auch mal ein Feierabendbierchen in einer der kleinen Kneipen genießen und/oder sich ein wenig mit den Leuten unterhalten. Das ist immer wahnsinnig interessant und zwei mit denen ich mich hier besonders gut verstehe musste ich nun sogar ein paar Brocken Deutsch bei bringen. Schließlich könne es ja nicht sein, dass ich ihre Stammessprache lerne und sie nicht meine. :) Es passieren einfach immer wieder so viele witzige und interessante Situation und ich hier schon gar nicht mehr alle aufführen kann. Aber selbst nach vier Monaten merke ich noch immer, dass die Menschen noch offener zu mir werden, also eine gewisse Einlebungsphase noch nicht abgeschlossen ist. Sei es bei der Arbeit oder bei normalen Gesprächen. Allerdings kann ich mittlerweile denke ich behaupten, mich in das Leben hier sehr gut eingefunden habe. Ich glaube, so manche großen Unterschiede zu Deutschland realisiert man gar nicht mehr. Man lebt einfach das Leben mit.
Dann wünsche ich euch einfach weiterhin eine schöne Adventszeit und trinkt nicht so viel Glühwein! Vielleicht denkt ihr beim ein oder anderen Schluck auch mal an mich. ;) Das einzige, was mich hier an die Adventszeit erinnert sind eigentlich die Orangen. Und selbst diese sind teilweise grün! Schmecken aber genauso süß wie die orangenen Orangen. :) Auf den Markt zu gehen ist echt immer wieder ein Highlight und DIE Adresse um Bemba zu üben. Also werde ich auch nach wie vor mich mit Obst eindecken und dabei hoffentlich die ein oder andere Vokabel hinzu lernen.
In diesem Sinne, oh du fröhliche!
Euer Carsten aus Sambia
Hier natürlich noch ein paar Bilder. Habe das Chilonga-Album wieder einmal um ein paar Schnappschüsse bereichert und auch vom Welt AIDS Tag gibt es visuelle Eindrücke.
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| Chilonga |
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| 01.12.09 World AIDS Day |












