Das Wetter in Sambias Hauptstadt
(manchmal gibt es keine Daten oder sie sind verzögert)

Samstag, 28. November 2009

Die Malaria hat ein neues Opfer gefunden

So, nach längerer Zeit gibt’s mal wieder ein paar Neuigkeiten zu Berichten. Die Überschrift lässt natürlich eine davon schon erraten und manche wissen bzw. wussten es ja denke ich auch bereits. Mich hat es nun auch mit der Malaria mal erwischt.

Es war am vergangenen Mittwoch, als ich mich Morgens schon irgendwie nicht besonders wohl fühle. Mir war etwas schwummrig im Kopf und hatte einen ganz leichten Brechreiz im Hals. Da der plötzliche Wetterumschwung zur Regenzeit und die täglichen raschen Luftdruckänderrungen jedem hier ein wenig zu schaffen machten, schob ich es aber einfach mal darauf. Auch hatte ich tags zuvor ziemlich wenig getrunken. Ich fuhr also wie gewohnt zur Arbeit ins Krankenhaus nach Chilonga. Dort angekommen musste ich zuerst ein paar Türrahmen streichen, was ich auch schon tags zuvor getan hatte. Vielleicht kam das alles dann auch von der Lackfarbe dachte ich mir, da es beim streichen ein klein wenig schlimmer wurde. Es dauerte aber nicht lange, da musste ich mithelfen um die Geräte der Telefonanlage und die Satellitenschüssel für das Internet zu überprüfen. Am Abend zuvor gab es nämlich ein heftiges Gewitter, bei dem hier überall die Blitze einschlugen mit dem Resultat, dass so ziemlich jedes Gerät durchgebrannt war. Als wir gerade fertig waren, wurde mir dann extrem schwindelig und heiß im Kopf, konnte mich aber noch rechtzeitig hinsetzen. Als es mir wieder etwas besser ging, wurde ich dann gleich ins Labor geschickt um mein Blut zu untersuchen, u.a. auf Malaria. Also wieder zwei Mal Blut abnehmen, wobei ich kurz nach dem zweiten Mal einen noch stärkeren Schwindelanfall erlitt. Die Leute im Labor hilten mich Gott sei Dank auf dem Stuhl und verfrachteten mich auf ein anderes Sitzmobiliar, wo sich mein Kreislauf dann langsam wieder erholte, während mein Blut schon untersucht wurde. Ein Laborgehilfe versuchte mir dann noch den Blutdruck zu messen, was aber drei mal an nicht funktionierenden Geräten scheiterte. Das vierte Equipment war dann vom Erfolg gekrönt. Das Blutbild ergab dann einen bakteriellen Infekt, sowie leichte Malaria. Bakterielle Infekte treten hier wohl in der Regenzeit häufiger auf, da man nur mal einen kleinen Kratzer an der Hand zu haben braucht und schon kann man sich dem Körper unbekannte Bakterien einfangen. Bei meiner Tätigkeit also ohnehin. Jedenfalls bekam ich dann ein Malariamedikament, welches ich für drei Tage einnehmen musste, sowie Antibiotika gegen den bakteriellen Infekt. Ich war also pünktlich zum Mittagessen wieder in Mpika und war bis inkl. heute krankgeschrieben. Gestern Abend habe ich meine letzten Malariatabletten eingenommen und es geht mir schon wieder viel besser. Zwar etwas schlapp, aber ich fühlte mich sogar am Mittwoch abend schon viel besser. Das schwummrige Gefühl im Kopf war verschwunden und mein Kreislauf hatte seit dem Vorfall im Labor auch keine Probleme mehr gemacht. Ich spürte es nur jedes Mal wenn ich die Malariatabletten eingenommen hatte, dass diese für den Körper schon ganz schöne Brocken sind um zu verarbeiten. Wenn man sich daraufhin aber einfach für ein paar Stunden hinlegt, war das kein Pproblem. Ich hatte auch während der ganzen Zeit Appetit und konnte sogar immer mal wieder für ein weilchen aufstehen. Es war also wirklich eine sehr leichte Malaria und bin mittlerweile auch wieder auf dem Dampfer.

Soviel also zum Thema Krankheiten, jetzt aber auch noch ein paar Worte zu dem was sonst noch die letzten beiden Wochen los war. Die Woche nach unserer Rückkehr von Lusaka haben mich vor allem Bella und ihre Welpen getrietzt. Bella hat es sich nämlich zum Hobby gemacht, meine so liebevoll erstellten Zaun Stück für Stück nieder zu reißen, weshalb ich nun zwangsläufig ebenfalls ein Hobby habe, nämlich ihn Stück für Stück wieder aufzubauen. Da traf es sich ja gerade gut, dass zu Beginn der vergangenen Woche abermals kein Sprit vorhanden war und ich von Dienstag bis Donnerstag in Mpika festsaß. Jeden Tag war ich mit reparieren beschäftigt, um dann tags darauf wieder eine neue zerroppte Stelle vorzufinden. Die neuesten Veränderrungen die ich dann am Donnerstag schließlich abschließen konnte, haben immerhin bis heute Bestand und werden nun hoffentlich auch noch für eine weitere Woche halten. Ab dann können nämlich die Welpen an ihre neuen Besitzer abgegeben werden und der ganze Stress, sowie das tägliche gejaule hat ein Ende. :) Neben der Reparatur an Bellas Zaun habe ich dann noch in der KFZ-Werkstatt mitgeholfen. Dort wird gerade in einen VW Bus der Benzinmotor durch einen Dieselmotor ersetzt und ich konnte so einiges in Sachen Motor zerlegen und neu einsetzen hinzulernen, sowie auch ein wenig selbst mit anpacken. Es gibt also auch ohne Diesel viel zu tun. Die restlichen Tage, abgesehen von denen die ich mit der Malaria verbrachte, war ich dann aber wieder in Chilonga tätig, wo ich, wie bereits erwähnt, erneut am Streichen bin. Erneut in der Station für Schwangere und Neugeborene. Es gilt die Türen und Türrahmen noch zu weißeln, dann dürfte auch dieses Projekt abgeschlossen sein. Daneben haben wir noch zwei Herde repariert, sowie ein paar andere kleinere Elektrowartungen durchgeführt.

So, das wars auch schon wieder für heute mal in aller Kürze, da hier wetterbedingt jeden Moment der Strom ausfallen kann. Dafür habe ich nun ein paar Bilder von unserer Reise nach Lusaka und dem Botschaftsempfang hochgewuchtet, sowie ein paar neue Leckerbissen in mein Essen und Trinken Album gestellt. Bis die Tage und bleibt gesund! :)

08.11.09 - 13.11.09 Lusaka


09.11.09 Botschaftsempfang zum 20. Jahrestag des Berliner Mauerfalls


Essen und Trinken in Sambia

Sonntag, 15. November 2009

Spätzle und Geschnetzeltes

Da bin ich also wieder. Frisch zurück aus der Hauptstadt Lusaka, wo wir uns etwas länger aufhalten mussten als zuerst geplant. Aber ich beginne einfach mal ganz von vorne.

Am vergangenen Sonntag morgen um 4Uhr in der Frühe brachen wir, die Freiwilligen Jean-Baptist, Andreas, Franziska und ich sowie unser Fahrer und Nachbar Lutz, auf, um die fast neunstündige, 650km lange Reise in die Hauptstadt zurückzulegen. Vor allem die ersten 250km ab Mpika sind aufgrund des schlechten Zustands der Straße äußerst mühsam zu fahren. Je mehr man sich dann Lusaka nähert, desto besser wird es. Nach unserer Ankunft besuchten wir dann zuerst einmal Günter und Katja, wo wir auch schon bei unserer Ankunft in Sambia vor drei Monaten vorbeischneiten. Zur Erinnerung: Günter arbeitet auch immer mal wieder bei der Diozöse mit (Elektroinstallationen) und wohnt während dieser Zeit ein Haus weiter. Danach bezog jeder seine Unterkunft. Lutz und Franziska schlupften bei Günter und Katja unter, während ich, Jean-Baptist und Andreas uns in einem Gästehaus ganz in der Nähe einquartierten. Ebenfalls das Selbe wie schon bei unserer Ankunft vor drei Monaten. Am Nachmittag ging es dann noch geschlossen auf eine Art wöchentlichen Flomarkt, welcher vor allem viele Souvenirs wie Tücher, Kleidungsstücke, Trommeln, usw. im Aufgebot hatte. Ich besorgte mir aber an einem Stand mit gebrauchten Büchern etwas neue Freizeitlektüre für die kommenden Wochen/Monate. Abends saßen wir dann noch gemütlich bei Günter und Katja zusammen und spielten ein wenig Karten.

Am Montag war dann also der große Tag des Botschaftsempfangs im Garten der Privatresidenz des Botschafters anlässlich dem 20 jährigen Jubiläum des Berliner Mauerfalls. Wir waren alle schon sehr gespannt darauf, was uns am Abend wohl erwarten wird. Am Morgen ging es aber erstmal für Jean-Baptist, Andreas und Franziska zur Einwanderungsbehörde um die Arbeitserlaubnis abzuholen. Ein dreistündiger Prozess den ich schon vor drei Monaten hinter mich gebracht hatte. Franziskas Arbeitserlaubnis war zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht draußen. Während die drei also auf die übliche bürokratische Geduldsprobe gestellt wurden, begleitete ich Lutz bei seinen Besorgungen um dabei auch dem Optiker einen Besuch abzusatten, dem eigentlich Hauptgrund für meinen Reise nach Lusaka. Dort wurde ich sogleich überrascht, dass auch hier wie bei uns Brillenreparaturen kostenlos sind. Alle Achtung! Der gut gekleidete Techniker schnappte sich daraufhin meine Brille und bog einfach mal an allen möglichen Ecken und Enden drauf los, was bei mir allmählich den Gedanken nährte, ob er sich eigentlich darüber im Klaren ist, was er da genau tut. Auf seine Aussage „Das ist wirklich ein sehr schöner und guter Rahmen.“ dachte ich mir nur, ich weiß und ich würde ihn auch gerne noch ein wenig behalten. Ich versuchte ihn darauf hinzuweisen, wo das eigentliche Problem liegt und ein paar Zangenkniffe später hatte er es tatsächlich geschafft, die Brille an einem Stück zu lassen und gerade zu biegen. Ich war wirklich begeistert! Während Lutz dann am Nachmittag seine Frau Phoebe vom Flughafen abholte, sie war drei Monate für einen Intensivsprachkurs bei seinen Eltern in Deutschland, bereiteten wir uns schon einmal auf die Party am Abend vor. Auf der Einladung stand „Kleidung: formal“, woraufhin ich mir noch ein Hemd von Lutz leihen musste. Unserem französischen Kollegen Jean-Baptist, welchen wir mit einer Einladung reinschmuggeln wollten deren offizieller Inhaber nicht kommen konnte, brachten wir noch ein paar Brocken Deutsch bei, wie Guten Abend, Dankeschön, usw., damit er beim Händeschütteln am Einlass auch ohne Probleme durchgelangt. Um 18Uhr startete dann schließlich das ganze Spektakel. Am Eingang zum Gelände schüttelte man die Hand der obersten Botschaftsmitarbeiter, sowie der Frau Botschafterin, bevor man sich schließlich im mit einem Zelt überdachten Garten wiederfand. Es war schon irgendwie ein komisches Gefühl. Knapp 400 Leute, davon mindestens die Hälfte geladene Sambier sowie Diplomaten aus aller Herren Länder, der Rest Deutsche. Alle fein rausgeputzt mit Sektgläschen in der Hand. Schon der vergleich mit Lusaka allein reichte um zu realisieren, dass man gerade irgendwie in einer Parallelwelt angekommen ist. Auch auf einmal so viele Deutsche wieder um einen herum zu haben war wirklich seltsam. Es folgte eine Rede des Botschafters, sowie des sambischen Finanzministers als Vertreter der Regierung. Danach war zuerst die Bar eröffnet, an der es von Erfrischungsgetränken über Säfte, Südafrikansichem Wein bis zu Bier aus Sambia und Nambia (wo das Bier als Überbleibsel aus der Kolonialzeit noch nach dem „Reinheitsgebot“ gebraut wird und wirklich wie ein Bier aus Deutschland schmeckt) alles gab was das Herz begehrt. Nachdem sich jeder hier gut eingedeckt hatte folgte der zweite Streich, die Eröffnung des Buffets. Und was für eins. Das ganze war bestimmt gute 20m lang und es gab wirklich alles, was die (Süd-) Deusche Küche so zu bieten hat. Als Hauptgang wurden Bratartoffeln, Spätzle, Curry-Wurst, Gulasch, Reis, Züricher Geschnetzeltes, Pute, Gemüseauflauf sowie etliche Salate, u.a. Gurkensalat, Karrottensalat und Kartoffelsalat aufgefahren. Das Desert stand dem ganzen mit Mousse au Chocolat, Plätzchen, Käsekuchen, Bananenjoghurt und vielem mehr in nichts nach. Drei volle Teler, inkl. Desert, schaffte ich zu verdrücken, danach war Schicht im Schacht. Das Essen wurde von einem Deutschen Restaurant in Lusaka geliefert, dessen sambische Mitarbeiter in perfekter Aussprache der Speißen einem das Teller füllten. Man kann also sagen, ich bzw. wir sind mehr als auf unsere Kosten gekommen. Gegen 21Uhr war das ganze dann auch schon wieder vorbei und wir machten uns wieder auf den Rückweg. Es war aber wirklich nett, neben Lutz, Günter und co., die man ja schon kannte, noch ein paar andere Deutsche kennen zu lernen, von denen man teils auch schon gehört hatte und zu erfahren, was sie in Sambia so machen, wie sie leben und sich in der hießigen Gesellschaft zurechtfinden.

Am Dienstag wollten wir, vor allem Lutz, dann eigentlich die letzten Besorgungen in Lusaka erledigen, um evtl. am Mittwoch wieder aufzubrechen. Besorgungen in Lusaka zu machen ist aber alles andere als planbar, was mitunter daran liegt, dass man um in eine andere Himmelsrichtung der Stadt zu gelangen jedes Mal über das Zentrum fahren muss, wo sich alle Straßen treffen. Das Verkehrschaos ist also vorprogrammiert, vor allem im Berufsverkehr am Morgen, zur Mittagszeit und am späten Nachmittag. So kann es mitunter schonmal vorkommen, dass man zwischen den Geschäften geschlagene zwei Stunden im Auto verbringen muss. Es kam wie es kommen musste und bis zum Abend war noch lange nicht alles erledigt. Der nächste Tag musste also ebenfalls noch in Lusaka verbracht werden. Zum Abendessen holten wir uns alle Pizza, ein Pflichtprogramm für Lutz wenn er in Lusaka ist, da es hier die einzigen Pizzaläden im Land gibt. Bereits beim verzehr beschwerte sich aber vor allem Lutz über den komischen Geschmack, dachten uns allerdings nichts besonderes dabei.

Tagsdarauf beschlossen wir, die Freiwilligen, den extra Tag zu nutzen und anstatt mit Lutz und seiner Frau durch die Stadt zu irren lieber sebst ein wenig das Zentrum zu Fuß zu erkunden. Bereits beim Aufstehen klagte Andreas allerdings über Unwohlsein. Jean-Baptist, der in einem anderen Zimmer untergebracht war, kam gar nicht erst heraus und verkündete stattdessen per SMS, dass er die Nacht mit wenig Schlaf und viel Zeit auf dem stillen Örtchen verbrachte und ihm noch immer flau im Magen ist. Er bleibe lieber daheim. Andreas wollte trotzdem mit und so machten wir uns auf den Weg zu Günters Haus, wo wir uns mit dem Rest verabredeten. Dort angekommen trafen wir auf dem ebenfalls erkrankten Lutz, der die gleiche Nacht wie Jean-Baptist durchlebte. Seiner Frau Phoebe ging es am Morgen noch gut, allerdings wich im Laufe des Tages auch bei Ihr das Wohlbefinden. Lediglich ich und Franziska waren noch auf dem Damm und beschlossen einfach alleine in die Stadt aufzubrechen, während der Rest sich etwas ausruhen wollte. Mit einem der engen Minibusse, die hier das öffentliche Verkehrsnetz bilden, machten wir uns also auf den Weg ins Zentrum von wo aus wir weiter zu Fuß die Stadt erkunden wollten. Bei unserem Fußmarsch sind wir durch so manches Gebiet gekommen, in welches sich wohl kein Tourist (viel gibt es ja ohnehin nicht) mehr verirrt. Wie die Menschen dort zwischen all dem Müll (hier wird überall, auch in Mpika, der Müll einfach in Gruben geworfen und wenn sie voll sind verbrannt, teilweise Leben ist schon der Wahnsinn. Man sieht auch viele Obdachlose und Straßenkinder. Das ganze ist manchmal echt beklemmend und man weiß auch gar nicht so recht, wie man zum Beispiel mit einem Straßenkind das einen anbettelt umgehen soll. Dazwischen kommt man dann immer wieder an kleinen aber auch riesigen Märkten vorbei, wo es wirklich kunterbunt und chaotisch zugeht. Viele Menschen versuchen natürlich einem permanent was anzudrehen. Die meisten sind aber trotz allem nicht sonderlich aufdringlich und wenn man freundlich ablehnt, lassen sie einen auch schon wieder in Ruhe. Zum Beispiel wollte mir ein mit Gürteln behangener Verkäufer einen mit einer protzigen Obama Schnalle andrehen. Der würde mir super stehen. Ich sagte, dass ich schon einen habe und keinen neuen Benötige. Daruafhin wollte er meinen sehen und sagte, seiner sei doch viel besser. Wir unterhielten uns noch kurz und verabschiedeten uns schließlich mit einem Scherz wieder voneinander. Ohne neuen Gürtel. :) Vollbepackt mit neuen Eindrücken kehrten wir daraufhin am sptäten Nachmittag wieder zurück zur Invalidenstation. Unsere Patienten hatten mittlerweile eine Tour zum Krankenhaus hinter sich mit der Diagnose: Amöben, welche wohl von der Pizza kamen. Nach einer eintägigen Entwurmungskur und Antibiotika waren sie aber am nächsten Tag wieder alle auf dem Dampfer.

Nachdem am Donnerstag wie bereits erwähnt wieder alle einigermaßen Fit waren, beschloss Lutz mit seiner Frau am Morgen alleine in die Stadt aufzubrechen um mit etwas Glück zur Mittagszeit wieder zurück zu sein, was uns ermöglicht hätte noch am selben Tag zurück nach Mpika zu fahren (lange Nachtfahrten sind aufgrund der erwähnten Straßenverhältnisse und der vielen Menschen am Straßenrand nicht empfehlenswert). Auch dies sollte allerdings nicht gelingen und Lutz kehrte erst am späten Nachmittag wieder aus der Stadt zurück. Wir vertreiben uns derweil zu viert die Wartezeit im Haus mit Lesen oder Karten spielen. So verbrachten wir also noch eine (halbe) Nacht mehr in Lusaka und brachen schließlich am frühen Freitag Morgen um 4Uhr wieder richtung Norden auf wo wir, wie man lesen kann, gegen Nachmittag zwar leicht geschafft aber an einem Stück wieder ankamen. Am darauffolgenden Samstag, ein halber Arbeitstag für mich, nahm ich mir dann aufgrund anhaltendem Dieselmangel frei. Selbst in Lusaka war es schwer, Sprit aufzutreiben. Man konnte jedoch an den Meterlangen Schlangen gut erkennen, welche Tankstelle gerade mal wieder für einen halben Tag Sprit hatte. Mal schaun, wie es wohl morgen in Mpika ausschaut. Ich wünsch euch allen jedenfalls einen guten Start in die neue Woche (sofern ihr dies noch rechtzeitig lest :) ) und ich melde mich wieder. Dann hoffentlich noch immer Amöbenfrei. ;)

Ach ja, es gibt natürlich auch Bilder zu den ganzen Tagen. Auf die müsst ihr euch allerdings noch ein weilchen gedulden, da wir vor allem mit Franziskas Kamera Bilder geschossen haben, sie jedoch gleich von einem Auto ins nächste umgeladen wurde und nach Chalabesa weiterfuhr. Daher hatten wir noch keine Gelgeneheit, die Bilder zu tauschen. Diese folgen dann aber in ca. 2 Wochen, wenn sie mal wieder für ein, zwei Tage in Mpika weilt.

Samstag, 7. November 2009

„Ohne Acker bist du in Sambia ein Nichts!“

Was war das mal wieder eine ereignisreiche Woche, daher nutze ich gleich mal die Gelegenheit um zum Rundumschlag auszuholen und meine verehrten Blogleser ein wenig auf dem Laufenden zu halten.

Eigentlich begann die Woche ganz normal wie schon die letzte aufgehört hatte. An der Tankstelle gab es noch immer keinen Sprit und ich tuckerte mit meinem roten Geschäftswagen gemütlich nach Chilonga um im Krankenhaus die Renovierung der Schwangeren- und Neugeborenenstation voranzutreiben. Man will ja schließlich in diesen Zeiten nicht unnötig Sprit verbraten. So atmete ich gemeinsam mit Martin tag ein tag aus die Lackfarbe ein und brachten dabei auch noch was an die Wand. Natürlich hätte man wieder einmal den ein oder anderen Rollerstrich von Martin schöner machen können, auch die verschmierten Türrahmen und die Tropfen auf den Fließen hätten evtl. Nicht ganz so zahlreich ausfallen müssen, aber den Perfektionismus wie er bei uns üblich ist legt man hier schnell ab. Das Ergebnis sah und sieht auch so bei weitem besser aus, wie der Zustand in dem sich die Stationen vorher befanden. Und so am vorbeilaufen kann man die Tropfen an der Wand oder an den Fließen und Türrahmen auch nicht mehr erkennen. Die ganze Woche, inkl. heute (ich arbeite ja Montag bis Samstag) waren wir mit streichen beschäftigt und am kommenden Dienstag sollte das ganze dann, wenn nichts dazwischen kommt, eigentlich erledigt sein und die Patienten sind endlich davon erlöst, von einem Zimmer ins nächste zu ziehen.

Eines der Highlights dieser Woche war der Besuch zweier Tanklaster mit Benzin und Diesel am Mittwoch Nachmittag an der Tankstelle in Mpika, nachdem die Durststrecke bereits 6 Tage andauerte. Dieses Ereignis sorgte auch prompt dafür, dass alle mit sämtlichen Kanistern oder Tanks die sie nur irgendwie auftreiben konnten die Tankstelle stürmten und innerhalb drei Stunden war alles wieder futsch. Ich selbst bin leider leer ausgegangen. Also hieß es weiter tuckern, denn seit Mittwoch sitzen wir wieder auf dem trockenen. Vor Deinstag wird laut dem Tankstellenpersonal auch nichts ankommen und wenn es schon heißt, vor Dienstag.....über die Zeiteinteilung hier habe ich ja bereits ausführlich berichtet. :) Das Barbarische dabei ist wirklich, dass aufgrund politischen Geplänkel, wer jetzt dafür zuständig ist den Sprit zu importieren und mit großer Wahrscheinlichkeit auch wie viel von dem ganzen Kuchen in die eigene Tasche abbekommt, dazu führt, dass das ganze Land quasi still steht. Zugegeben, prozentual gesehen besitzen die wenigsten Sambier ein Auto und haben keinen anderweiligen Bedarf an Sprit. Aber ich erkundigte mich z.B. auch mal beim Krankenhaus, wie es denn nun mit den Autos weitergeht, jetzt, da kein Sprit da ist. Das Krankenhaus hat nämlich 3 Geländewagen, die die Patienten in Notfällen von den letzten Winkeln des Landes abholen und kostenlos ins Krankenhaus transportieren. Da sagte eine der Schwestern eiskalt zu mir: „Dann sterben eben die Leute im Busch.“ Schon echt hart. Hoffen wir einfach, die Lage entspannt sich bald.

Tagsdarauf, am Donnerstag, war es dann soweit. Der erste richtige Regenzeit-Regen brach über den Norden des Landes herein. Und wie. Es regnete sozusagen von 12:00Uhr bis 20:00Uhr durch. Somit hatte ich nach Feierabend auch gleich meine erste Regenfahrt inklusive. Die Straße kreuzten nun Flüsse und Schlaglöcher wurden zu großen Teichen. Der Regen wurde aber von allen Leuten hier schon sehnsüchtig erwartet, denn es ist schon lange Zeit, den Mais anzubauen, welcher ja zu Mehl gerieben die Grundlage des Sambischen Grundnahrungsmittel, Nyshima – den Brei, bildet. Der Regen hatte sozusagen Verspätung. Seitdem hat sich aber von einem Moment auf den anderen das Klima geändert. Es ist jetzt selbstverständlich schwüler geworden und hat auch etwas abgekühlt. Seit Donnerstag hat sich das nicht verändert und es regnet immer mal wieder. Am selben Tag redete ich noch mit Monica, einer Arbeiterin in der Werkstatt von der Diözese. Sie war ganz heiter, weil nun der Regen kommt und wollte am liebsten gleich nach Hause, um alles für die Landwirtschaft vorzubereiten, denn: „Ohne Acker bist du in Sambia ein Nichst!“ Darf ich also vorstellen: Sie lesen gerade den Blog eines Menschen auf dieser Erde, der in wirklichkeit ein Nichts und Niemand ist. :)

Mit dem Regen kamen nun auch verstärkte Stromausfälle. Dass eigentlich jeden Abend für mindestens 2 Stunden der Strom abgestellt wird, daran hat man sich ja schon gewohnt. Aber sobald es zu regnen beginnt geht der Strom weg und kann unter Umständen für einen halben Tag futsch sein. Da stellt man mal wieder fest, wie unwahrscheinlich hell doch eine Kerzenlicht gibt. :)

Und für jeden der in der Schule brav aufgepasst hat, der weiß, dass nach jedem Donnerstag ein Freitag folgt. An besagtem Freitag wurde der Herr Schulz gemeinsam mit Andreas, Jean-Baptist und Franziska, drei anderen Freiwilligen, zur Führerscheinprüfung gebeten. Ja, ganz recht. Wir fuhren 190km nach Kasama in den Norden, der Hauptstadt der nördlichen Provinz. Gefahren ist auf dieser Strecke Anton, der Chef der Werkstatt von der Diözese und welcher auch den Chef der Führerscheinstelle kennt, was schonmal sicherstellt, dass wir das ganze an einem Tag abschließen können. Für jeden der gerade von einem Hauptbahnhof zum nächsten rennt, hier die Erklärung: Ich habe selbstverständlich bereits einen Führerschein, dieser gilt jedoch nur für 3 Monate, eben so lange, wie auch das Touristenvisum gilt. Jeder der länger bleibt und auch dann noch seinen allerwärtesten hinter das Steuer eines Kraftfahrzeugs platzieren will, muss seine internationale Fahrerlaubnis in einen Sambischen Führerschein übertragen. Konkret heißt das, man lässt sich zuvor von einem Doktor untersuchen, ob man noch gut sehen kann und auch sonst dazu in der Lage ist, ein Fahrzeug zu manövrieren. Gesagt und in Chilonga getan. Dann begibt man sich mit zwei Passbildern im Gepäck nach Kasama. Dort angekommen bekommt man erst mal gesagt, dass der internationale Führerschein kein Führerschein ist, sondern nur eine Fahrerlaubnis. Was nach langer Diskussion daran lag, dass zwar alles im Führerschein wunderschön in mehreren Sprachen übersetzt ist, bis auf die Vorderseite, auf der Name, Gültigkeitsdatum sowie die Führerscheinnummer steht. Im Vergleich mit dem deutschen Führerschein überzeugt man dann den Beamten von der Richtigkeit des Lappens. Man fülle anschließend ein Antragsformular aus und zahle eine Summe für den Antrag des Führerscheins. Danach steigt man mit einem Prüfmeister in das selbst mitgebrachte Fahrzeug ein und demonstriert ca. 15 Minuten seine Künste im Straßenverkehr. Kurz vor Ende beantworte man dann noch die Frage des Prüfmeisters, ob man 180km/h fahren darf mit einem bestimmten NEIN und biegt wieder auf das Gelände des Straßenverkehrsamtes ein. Danach füllt man nochmal eine Seite aus und liefert seinen Daumenabdruck ab. Das ganze gepaart mit einer zweiten Übergabe von bunten Scheinen aus dem Portmonee. Nach 5 Stunden des Wartens mit ein wenig Aktivität zwischendurch verlässt man dann wieder das Amt und wartet einige Wochen oder Monate, manchmal sogar Jahre auf seinen sambischen Fürerschein. Währenddessen ist es aber trotzdem gestattet zu fahren, solange man seinen Beleg mit sich führt, dass man für einen neuen Führerschein bezahlt hat. Klingt komisch, ist ber so. :)

So und morgen geht’s schon wieder weiter. Da heißt es nämlich für mich, Andreas, Jean-Baptist und Franziska um 3:30Uhr in der früh Abfahrt nach Lusaka. Lutz holt seine Frau vom Flughafen ab und die anderen drei müssen zur Immigration um ihre Arebitserlaubnis abzuholen. Ich selbst muss zum einzigen Optiker im ganzen Land um meine Brille wieder gerade biegen zu lassen. Ich habe zwar selbst schon ein wenig daran herumgebastelt, so, dass sie zumindest nicht mehr ganz so schief ist und man einigermaßen tragen kann, jedoch nur unter der Bildung erheblicher Nasenschmerzen. Ein netter Nebeneffekt ist noch, dass am Montag, dem Tag des Falls der Berliner Mauer, die deutsche Botschaft zum Empfang geladen hat. Das bedeutet, das neben den zahlreichen, geladenen Gästen aus Sambia auch alle Deutschen, die gerade keine Touristen sind, dort erscheinen dürfen und auf Kosten des Staates schlemmen. Anscheinend zu deutschen Getränken und deutscher Küche. Ich bedanke mich also in diesem Sinne schon mal recht herzlich bei euch allen dafür, dass ihr mir mit euren monatlichen Abgaben diesen Abend ermöglicht. Ich werde natürlich alles daran setzen, voll auf meine Kosten zu kommen und euch anschließend davon berichten. :) Gegen Mittwoch oder Donnerstag werden wir dann wieder in Mpika zurück sein.

So, dann mach ich jetzt aber wirklich Feierabend. Nicht aber ohne wieder einmal auf meine aktualiserten Fotoalben hinzuweisen. Darunter sind neue Essensbilder, sowie ein paar Schnappschüsse von unserem Werk bei der Renovierung im Krankenhaus. Auch von unseren regelmäßigen Fußballpartien gibt es neues Bildmaterial und ein Update über den Zustand von Bellas Welpen. Die Acht haben mittlerweile ihre Augen geöffnet und wagen die ersten Gehversuche. Nicht mehr lange und mein Zaun wird auf eine harte Probe gestellt. :)

Essen und Trinken in Sambia


Chilonga


Es lebe der Sport


Bella und ihre Welpen

Samstag, 31. Oktober 2009

Im Zeichen der Raupe

Diese Woche war es also endlich soweit. Nach langem warten gibt es nun für ungefähr 1½ Monate Raupen zu essen. Eine Sambische Delikatesse und ein lukratives Geschäft, da jeder der will nur in den Busch zu gehen braucht um von den Bäumen die Raupen einzusammeln. Dementsprechend sieht man gerade auf der Straße und dem Markt neben der üblichen Dauerbrenner Erdnüsse und Bananen, die es an jeder Ecke gibt, nun Eimerweise Raupen zum Verkauf. Ich selbst habe natürlich bereits diese Woche schon ausgiebig gekostet (3 Mal) und man kann erkennen, dass sie auch mir unwahrscheinlich munden. :) Die Raupen werden kurz angebraten, sodass sie außen schön knusprig sind. Beim Essen kommt es einem die ersten beiden Bissen so vor, als würde man Chips essen, danach kommt man allerdings ziemlich ins kauen, vergleichbar mit der Konsistenz eines etwas härterem Gummibärchen. Der Geschmack ist auch einzigartig. Kann ich irgendwie mit gar nichts vergleichen, was ich bisher gegessen habe. Vermutlich ein weiterer Grund dafür, warum diese Speise hier so beliebt ist. Außerdem sollen sie sehr nahrhaft sein. Momentan gibt es noch die „Anfängerraupen“, weil Sie noch sehr klein sind. Jedoch erhält man schon bald größere mit Stacheln, die noch besser sein sollen. In ca. 1½ Monaten verwandeln sich dann die Überlebenden in Schmetterlinge und jeder freut sich wieder aufs nächste Jahr, auch wenn man sie wohl an ein paar Orten über das ganze Jahr erhalten soll. Manche fangen einfach so viel, damit sie sie dann noch weiter verkaufen können, allerdings natürlich zu höheren Preisen. Allgemein komme ich hier kulinarisch echt auf meine Kosten. Das sambische Essen schmeckt mir in all seinen Variationen sehr gut. Ich habe wirklich noch nichts gegessen, was mir nicht geschmeckt hat und auch die Standardgrundlage der Spiesen, Nyshima, könnte ich jeden Tag rund um die Uhr essen.

Neben dem kulinarischem Höhepunkt habe ich aber natürlich auch das Arbeiten nicht vergessen, wenn auch am Montag schon wieder der Sprit ausging. Am Mittwoch gab es dann für einen Tag wieder Diesel, der am Donnerstag aber schon wieder verbraucht war und die damit begonnene Durststrecke hält noch immer an. Gott sei Dank habe auch ich am Mittwoch ein paar Tropfen erhaschen können, sodass ich nach wie vor in Chilonga am werkeln bin. Diese Woche stand fast ausnahmslos die Renovierung der Geburts- und Neugeborenenstation an, was vor allem streichen, streichen und nochmals streichen mit sich bringt. Das ganze jedoch wieder einmal mit mangelnder Ausrüstung, da es nämlich weder Streichwanne oder Sieb gibt, den man in den Eimer reinstellt um die Rolle ein wenig von überflüssiger Farbe zu befreien, noch Malerkrep zum Abkleben der Türen, Schalter, etc. Dementsprechend tropfend und spritzend ging es zur Sache, auch wenn man sich noch so bemühte. Besonders fatal ist dies an den Wänden, welche mit Lackfarbe gestrichen werden und wenn man sich vermalt jedes Mal einen Lappen mit Verdünnung zur Seite ziehen muss. Hier schwang vor allem mein Kollege Martin enthusiastisch den Roller, der jeden Ratschlag vielleicht etwas weniger Farbe zu nehmen, wenn es auch schwer ist, gekonnt auswich. Naja, nächste Woche soll ich mal ein paar Wände bemalen und er schwingt den Pinsel für die Ecken und Ränder, wie ich bisher. Vielleicht kann ich ihn ja nonverbal durch Taten von einer anderen Taktik überzeugen. :) Aber abgesehen von dem beißenden Geruch der Lackfarbe macht die Arbeit mit Ihm gemeinsam echt Spaß. Man hat ja beim streichen auch immer sehr viel Zeit, sich über alles möglich zu unterhalten. Und da er bis vor knapp einer Woche für 10 Tage frei hatte, hat er ja auch ein paar Dinge zu erzählen.

So, nach meinem letzten Megaeintrag lasse ich es für heute dann auch mal wieder gut sein und euch stattdessen auf die Essensbilder los, welche ihr bestimmt schon sehnsüchtigst erwartet. Ich habe mir mal die Mühe gemacht und alle kulinarischen Bilder in ein eigenes Album zusammengetragen, da hier bestimmt noch ein paar mehr hinzukommen. Außerdem habe ich wieder einmal das Album von Chilonga ein klein wenig erweitert.

Bis zum nächsten Mal! mir geht’s sowit wirklich spitze, ich hoffe euch auch. Schaut, dass das so bleibt. :)

Essen und Trinken in Sambia


Chilonga

Sonntag, 25. Oktober 2009

Nachwuchs und viel Action im heissesten Monat des Jahres

Seit meiner letzten Meldung sind nun abermals zwei Wochen vergangen und in der Zwischenzeit ist schon wieder so viel passiert, dass es allerhöchste Zeit ist, wieder einmal einen neuen Eintrag zusammenzubasteln.

Also, wo fangen wir an, vielleicht mal bei der Arbeit. Die vergangen zwei Wochen war ich am Krankenhaus in Chilonga aktiv, nachdem es ja wieder Diesel gibt. Apopro Diesel und Benzin. Kurz nachdem an der Tankstelle in Mpika (die Einzige im Umkreis von 200km) wieder beides vorhanden war, erreichte uns die Meldung, dass es in Lusaka, der Hauptstadt und in halb Sambia weder Diesel noch Benzin gibt. Das war vor zwei Wochen und daran hat sich bis jetzt noch nichts geändert. Der ganze Südteil des Landes hat weder Diesel noch Benzin. In Lusaka fährt mittlerweile kein einziges Auto mehr und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Das ganze ist aber keine Seltenheit sondern passiert anscheinend immer mal wieder. An was es wirklich liegt weiss keiner so recht. Offiziell heisst es, bei der einzigen Raffinerie im Land liegt eine technische Störung vor. Aber seit zwei Wochen??? Übergangsweise wollte die Regierung Sprit von anderen Ländern importieren, aber davon ist noch nichts angekommen. Man kann also abwarten, bis der Engpass auch die nördlichen Provinzen erreicht und dann sitz auch ich wieder in Mpika fest. Aber dass hier alltägliche Dinge, für die man bei uns schon gar keine Gedanken mehr verschwendet und die nebenher ablaufen, einem jeden Tag aufs neue den “Tagesplan” (wenn man hier überhaupt was planen kann :) ) durcheinanderwürfeln, habe ich mich ja schon so ziemlich gewöhnt. Das ist eben auch ein Bestandteil des Lebens hier. Wer keine Geduld hat, kann bzw. muss das hier definitv lernen. ;)

So, nun aber wieder zurück zur Arbeit in Chilonga. Alles immer hier aufzuzählen, was ich da tagtäglich so treibe, wäre unmöglich. Sagen wir einfach, es gibt immer irgendwo etwas zu basteln und reparieren. Nicht zuletzt auch wegen der abartigen Qualität der Teile die man hier kaufen kann. Das sind wohl die Glanzleistungen asiatischer Baukunst, die es für unseren Markt nicht schaffen und dann hier verwendet werden. In der kurzen Zeit in der ich hier bin musste etwa ein Schloss einer Tür bereits zum dritten Mal ausgetauscht warden. Beim letzten Mal war sogar eine Krankenschwester im Raum eingeschlossen und wir mussten mit Brecheisen und Schraubenziehern die Türe aufbrechen. Mal schauen, wie viele Tage das neue Schloss hält. Mit meinen Kollegen komme ich aber soweit wirklich sehr gut aus. Mittlerweile haben sie sich alle an meine Anwesenheit gewohnt und auch die letzten öffnen sich immer mehr mir gegenüber. Das macht schon echt Spass, gemeinsam mit ihnen eine Lösung zu beraten und nebenher ein wenig rumzuscherzen. Die Arbeit selbst kann oftmals aber wirklich mühsam sein aufgrund mangelnder Werkzeuge. Ich bringe jeden Tag vier Schraubenzieher und eine Zange mit, was wir zu viert benutzen. Das einzige, was vor ort ist, sind ein paar Sachen zum klempnern und ein Hammer. Es gibt auch keine Nägel oder Schrauben wodurch es teilweise schlicht unmöglich ist, manche Dinge zu reparieren. Tauscht man dann z.B. mal ein Schloss aus versuchen wir immer, die alten, verschlissenen Schrauben wieder zu verwenden, um die, die dem Neuen beiliegen, für andere Zwecke zu benutzen. Ich habe mich darüber auch schon mit Nyoka, der mich seitens der Diozöse koordiniert, unterhalten und er meinte, ich solle mal einen Bericht anfertigen, um dann gemeinsam mit Ihm so Sachen wie fehlendes Werkzeug mit dem Management des Krankenhauses zu besprechen. Allerdings habe ich von Rambo, einem meiner Kollegen mit dem ich oft zusammenarbeite, erfahren, dass es früher wohl jede Menge Werkzeug gab, dann allerdings von den Leuten auch ab und an mit nach Hause genommen wurde und nicht mehr auftauchte. Wir werden also sehen, wie es in diesem Bezug weitergeht. Aber ohne Werkzeug, kann man auch keine Geraete öffnen und somit erst recht nicht warten. Übrigens für jeden der sich schon gewundert hat, Rambo heißt eigentlich Daniel Chanda und erhielt seinen Spitznamen während seines Militärdienstes. Dort war er Scharfschütze und schaffte es jades Mal 10 von 10 Schüsse in die Mitte der Zielscheibe unterzubringen.

Zwei kleine Anekdoten von der Arbeit die mir gerade einfallen muss ich nun doch noch erzählen. Das Krankenhaus hat sich einen Bodenwirbel gekauft, den wir zusammenbauen mussten. Danach ging es natürlich ans Testen. Jeder, der schon einmal so ein Ding bedient hat, weiß, dass man ganz schön standhaft sein muss, um es unter Kontrolle zu halten. Die 20 Leute die beim Testen drum herum standen, inkl. der Reinigungskräfte welche letztendlich damit arbeiten sollten, hatten so ein Gerät noch nie in ihrem Leben gesehen. Der erste Kandidat wurde dann auch gleich nach 2 Sekunden samt Wirbel vom Weg gedrängt. In Folge durfte jeder einmal das neumodische Ding testen und jedes Mal wurde weniger der Wirbel über den Boden gewirbelt, als vielmehr der Anwender unter dem großen Gelächter aller Beteiligten. Dann verschwand er wieder im Abstellraum und ich habe ihn seither nicht mehr gesehen. Seine Zukunft ist also noch ungewiss. ;)

Die andere Geschichte trug sich erst kürzlich an einem Arbeitstag zu, an dem ich abermals den Großteil des morgens mit Warten auf meine Kollegen oder Dinge wie eine Leiter (“Ich hol mal kurz die Leiter” – 45min später war er immer noch nicht zurück) verbrachte. Um 11Uhr, eine Stunde vor der Mittagspause, wollte ich Martin, einem meiner Kollegen, beim Streichen der Babystation behilflich sein. Ich traf ihn dort als er gerade mit der Decke in einem Raum fertig war. Ich fragte ihn, ob er nur die Decke machen muss. Antwort: “Nein, die Wände auch noch und dann ebenfalls beides in zwei weiteren Räumen.” Ich fragte ihn, ob ich ihm jetzt dann beim streichen der Wände helfen kann. Antwort: “Ah, nee, ich bin jetzt zu kaputt. Das machen wir nach der Mittagspause. Jetzt geh ich erstmal zurück zur ‘Werkstatt’ und ruh mich etwas aus.” Und so machten wir uns auf den Weg zur Werkstatt. So einen Satz würde man bei uns wohl nie hören, ist hier aber an der Tagesordnung. An den Satz “Let’s rest a bit” (Ruhen wir uns etwas aus), was das Zeichen ist sich jetzt vor die Werkstatt zu setzen und sich zu unterhalten, habe ich mich ja mittlerweile schon gewohnt, aber da musste ich doch mal wieder sehr schlucken und meinen Arbeitseifer hintenanstellen. Man kann schon irgendwie sagen, dass die Menschen hier bei der Arbeit generell keinen Stress haben, was ich durchaus positiv finde, aber halt etwas ist an das man sich von unserer Kultur kommend erst gewöhnen und lernen muss, zu geniessen. Hätte nicht gedacht, dass auch ich tief in mir drin ein so schaffiger typ bin. :)

Neben der Arbeit war aber auch noch so einiges anderes geboten. Zum Beispiel ist Bella, eine unserer Hunde, schwanger. Um ihr und ihren Welpen einen Unterschlupf zu gewährleisten, wurde ich damit beauftragt, mir eine Hütte auszudenken und einen Zaun neben dem Haus in dem ich, Jean-Baptist und Andreas, die anderen beiden Freiwilligen, untergebracht sind zu bauen. Hierzu nahm ich mir vor einer Woche einen Tag in Chilonga frei und baute stattdessen Zaun und konstruierte eine Hundehütte, bei deren Bau mir zwei Sambier vom Fach, die ebenfalls Angestellte bei der Diozöse sind, behilflich waren. Zu Blöd nur, dass zur Mittagszeit Bella sich überlegte, dann doch auch gleich ihre Welpen zur Welt zu bringen. Hierfür hat sie sich auch noch zwischen zwei großen Schiffscontainern verrannt und konnte sich nicht mehr bewegen. Da war vielleicht kurz Hektik da. Mit Wagenhebern und Fahrzeugen versuchten wir, einen Container wegzubewegen und sie zu befreien. Während der ganzen Aktion kam dann auch schon der erste Welpe zur Welt. Ein heilloses durcheinander, aber wir schafften es schließlich, Mutter und erstes von insgesamt 17! Welpen zu befreien. Mittlerweile, eine Woche später, sind von den 17 nur noch 8 übrig. Es waren für sie wohl einfach zu viel zum Füttern und so ist eines nach dem andern verstorben. Die, die es geschafft haben, machen aber einen recht standhaften Eindruck und werden hoffentlich überleben. Wenn sie alt genug sind sollen sie verkauft oder an andere Stellen weitergegeben werden.

Am vorletzten Wochenende ging dann auch meine Nachhilfe in die nächste Runde. Sowohl am Samstag als auch am Sonntag morgen wollte Sie gemeinsam mit ihrer Mutter zur Diozöse kommen. Man kann an dem Satz schon ablesen, dass ich es wieder einmal mit der Afrikanischen Gleitzeit zu tun hatte. Am Samstag starteten wir 2 ½ Stunden später als geplant und am Sonntag wartete ich den ganzen Morgen wieder einmal vergeblich. Ich vertrieb mir die Wartezeit einfach mit einem Buch. Also alles halb so schlimm und eben Kultur pur. :)

An besagtem Sonntag machten wir (ich, Jean-Baptist und Andreas) dann noch einen kleinen Ausflug in Mpika. Eigentlich wollten wir nur Susanne, eine der Freiwilligen die mit mir hier her kam und bei einem Waisenhaus im Ort arbeitet, abholen und ein wenig die Gegend erkunden. Aus ein wenig wurde dann mehr, denn wir beschlossen, den an Mpika angrenzenden Hügel zu erklimmen um uns mal einen Überblick über das Gebiet zu verschaffen. Zuvor besuchten wir noch einen Arbeitskollege von Jean-Baptist, der wie er in einer Schule ein paar Kilometer nördlich von Mpika unterrichtet. Er war leider nicht zu Hause, dafür wurden wir gleich herzlich von seiner restlichen Familie begrüßt. Nach ein wenig Smalltalk beschloss einer seiner Söhne dann, sich uns anzuschließen und spielte sozusagen unseren Reiseführer. Unter der sengenden Nachmittagssonne im heißesten Monat im Jahr war der Aufstieg natürlich schon eine leichte Strapaze, aber wir kamen alle zum Glück ohne Sonnenstich davon. Weit sehen konnte man von oben nicht, weil es einfach zu diesig war. Dafür konnten wir uns einen guten Überblick über Mpika verschaffen. Beim Abstieg auf der anderen Seite kamen wir dann noch beim öffentlichen Schwimmbad von Mpika vorbei, welches einfach ein aufgestauter Bach ist und wo gerade viele Kinder nach etwas Abkühlung suchten und die uns mit greoßem Trara empfangen. Wir waren natürlich auch hier sofort DAS Highlight. Nachdem wir ein paar Brocken mit ihnen in Bemba ausgetauscht hatten, zogen wir schließlich weiter und machten uns auf dem Heimweg. War ein wirklich klasse Nachmittag.

Ein wenig sportlich betätigt habe ich mit den letzten Tagen ebenfalls. Ich, Jean-Baptist und Andreas machten uns mit einem Ball auf zum Fußballfeld auf dem Gelände der Diozöse. Sobald man mit einem Fußball in der Hand gesehen wird, schießen aus allen Ecken die Kinder und Leute um mitzuspielen. Und so fanden wir uns mit knapp 20 anderen auf dem Platz wieder und spielten bis es dunkel wurde. Danach war ich echt platt, aber es hat echt großen Spaß gemacht. Alle Achtung auch vor so manchen Mitspielern, die Barfuß über den Buschplatz spurteten. Da kann man sich oftmals echt nur die Augen reiben.

Eine Kuriose Geschichte zum Abschluss muss ich dann auch noch erzählen. Auf meinem täglichen Weg nach Chilonga muss ich eine von zahlreichen Straßensperren der Polizei passieren. Das ganze läuft eigentlich zumeist problemlos mit Winken und einem Lächeln im Gesicht ab, nachdem ich zu Beginn einmal angehalten wurde und ihnen erklärt habe, wo ich herkomme, wo ich hingehe und was ich dort mache. Seitdem kennen Sie mich eigentlich. Bis mich vorletzte Woche dann wieder einer angehalten hat. Der junge Polizist, welcher mir zuvor noch nie aufgefallen ist, fragte mich, ob ich heute wieder ins Krankenhaus nach Chilonga fahre. Ich sagte natürlich ja. Dann bat er mich, ihm Medikamente zu kaufen (natürlich von meinem Geld) denn er sei so krank. Ich meinte dann, dass ich ihm keine Medikamente mitbringen kann, ohne dass ich weiss was er eigentlich hat und er zuerst einen Doktor sehen sollte. Er meinte dann, ich solle einfach irgendein Medikament mitbringen. Ich erwiederte, dass es schädlich für den Körper ist wenn man die falschen Medikamente zu sich nimmt. Ich solle ihm einfach was gegen Erkältung und Kopfschmerzen bringen meinte er dann. Ich würgte das Gespräch dann ab, indem ich ihm sagte, dass ich es ja mal versuchen kann, ohne Verschreibung Medikamente zu erhalten, was ich allerdings nicht glaube. Dann lies er mich weiterfahren. Natürlich spielte ich zu keinerzeit mit dem Gedanken, für ihn wirklich nach Medikamenten zu fragen, denn heute sind es vielleicht Medikamente und morgen schon Bargeld. Am Abend dann nach der Arbeit traf ich ihn an der Straßensperre wieder. Er legte gleich los und fragte, wo sein Stoff sei. Ich sagte ihm, dass ich leider ohne Verschreibung keine Medikamente für ihn erhalten habe und er selbst dort hin muss um sich untersuchen zu lassen. Etwas verärgert sagte er daraufhin, dass so Leute wie ich Menschen doch helfen müssen, wenn es ihnen schlecht geht. Ich erwiederte, dass ich aber kein Arzt sei und schlecht eine Diagnose stellen kann. Aber er sei immer so beschäftigt, muss so viel arbeiten und kann daher keinen Arzt aufsuchen. Daraufhin entgegnete ich wieder, dass er wenn es ihm schlecht geht jederzeit ins Krankenhaus gehen kann um sich untersuchen zu lassen und sie ihn bestimmt nicht wegschicken. Außerdem kann er im Krankheitsfall auch sicher einen Tag frei nehmen. Etwas geknickt meinte er dann, er werde mal am Wochenende versuchen nach Chilonga zu gelangen. Ich entschuldigte mich höflich nochmals, dass ich ihm nicht helfen konnte und durfte daraufhin weiterfahren. Seitdem hatte ich keine Probleme mehr. War schon eine sehr komische Situation. Das ganze war bestimmt ein Test, ob es bei mir was zu holen gibt. Aber da hat er Pech gehabt.

So, dann soll es das auch mal wieder gewesen sein. Ist dieses Mal echt viel geworden und wer dies noch liest, dem danke ich schonmal für die Geduld. Vielleicht schaffe ich es ja, mal öfters etwas zu schreiben. Dann wirds nicht ganz so viel. :) Zum Abschluss habe ich dann noch ein paar Bilder. Zum einen habe ich das Album von Chilonga erweitert. Ich und Rambo haben an einem Tag eine kleine Tour zur Quelle gemacht, vopn wo das Krankenhaus sein Wasser bezieht. Dort liegen drei Rohre, die dann den „Berg“ runter in ein Reservoir beim Krankenhaus laufen und von wo aus es dann in Tanks weitergepumpt wird. Schon ein ziemlich ausgeklügeltes System. Zum anderen sind noch Schnappschuesse von unserem Ausflug auf den Hügel bei Mpika dabei, sowie von unserem Fußballplatz und von dem Independence Cup, welcher am 24.10., dem Unabhängigkeitstag von Sambia, stattfand. Das war schon echt verrückt. Das Spielfeld hatte keine wirkliche Linien, überall am Rand standen Menschen und tanzten zu Trommeln oder Musik aus der Dose. Echt wie beim Karneval und als das Spiel dann vorbei war und der Gewinner feststand stürmten alle den Platz und feierten mit den Spielern.

Chilonga


18.10.09 Ausflug in Mpika


24.10.09 Independence Cup


Es lebe der Sport


Bella und ihre Welpen