Also, wo fangen wir an, vielleicht mal bei der Arbeit. Die vergangen zwei Wochen war ich am Krankenhaus in Chilonga aktiv, nachdem es ja wieder Diesel gibt. Apopro Diesel und Benzin. Kurz nachdem an der Tankstelle in Mpika (die Einzige im Umkreis von 200km) wieder beides vorhanden war, erreichte uns die Meldung, dass es in Lusaka, der Hauptstadt und in halb Sambia weder Diesel noch Benzin gibt. Das war vor zwei Wochen und daran hat sich bis jetzt noch nichts geändert. Der ganze Südteil des Landes hat weder Diesel noch Benzin. In Lusaka fährt mittlerweile kein einziges Auto mehr und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Das ganze ist aber keine Seltenheit sondern passiert anscheinend immer mal wieder. An was es wirklich liegt weiss keiner so recht. Offiziell heisst es, bei der einzigen Raffinerie im Land liegt eine technische Störung vor. Aber seit zwei Wochen??? Übergangsweise wollte die Regierung Sprit von anderen Ländern importieren, aber davon ist noch nichts angekommen. Man kann also abwarten, bis der Engpass auch die nördlichen Provinzen erreicht und dann sitz auch ich wieder in Mpika fest. Aber dass hier alltägliche Dinge, für die man bei uns schon gar keine Gedanken mehr verschwendet und die nebenher ablaufen, einem jeden Tag aufs neue den “Tagesplan” (wenn man hier überhaupt was planen kann :) ) durcheinanderwürfeln, habe ich mich ja schon so ziemlich gewöhnt. Das ist eben auch ein Bestandteil des Lebens hier. Wer keine Geduld hat, kann bzw. muss das hier definitv lernen. ;)
So, nun aber wieder zurück zur Arbeit in Chilonga. Alles immer hier aufzuzählen, was ich da tagtäglich so treibe, wäre unmöglich. Sagen wir einfach, es gibt immer irgendwo etwas zu basteln und reparieren. Nicht zuletzt auch wegen der abartigen Qualität der Teile die man hier kaufen kann. Das sind wohl die Glanzleistungen asiatischer Baukunst, die es für unseren Markt nicht schaffen und dann hier verwendet werden. In der kurzen Zeit in der ich hier bin musste etwa ein Schloss einer Tür bereits zum dritten Mal ausgetauscht warden. Beim letzten Mal war sogar eine Krankenschwester im Raum eingeschlossen und wir mussten mit Brecheisen und Schraubenziehern die Türe aufbrechen. Mal schauen, wie viele Tage das neue Schloss hält. Mit meinen Kollegen komme ich aber soweit wirklich sehr gut aus. Mittlerweile haben sie sich alle an meine Anwesenheit gewohnt und auch die letzten öffnen sich immer mehr mir gegenüber. Das macht schon echt Spass, gemeinsam mit ihnen eine Lösung zu beraten und nebenher ein wenig rumzuscherzen. Die Arbeit selbst kann oftmals aber wirklich mühsam sein aufgrund mangelnder Werkzeuge. Ich bringe jeden Tag vier Schraubenzieher und eine Zange mit, was wir zu viert benutzen. Das einzige, was vor ort ist, sind ein paar Sachen zum klempnern und ein Hammer. Es gibt auch keine Nägel oder Schrauben wodurch es teilweise schlicht unmöglich ist, manche Dinge zu reparieren. Tauscht man dann z.B. mal ein Schloss aus versuchen wir immer, die alten, verschlissenen Schrauben wieder zu verwenden, um die, die dem Neuen beiliegen, für andere Zwecke zu benutzen. Ich habe mich darüber auch schon mit Nyoka, der mich seitens der Diozöse koordiniert, unterhalten und er meinte, ich solle mal einen Bericht anfertigen, um dann gemeinsam mit Ihm so Sachen wie fehlendes Werkzeug mit dem Management des Krankenhauses zu besprechen. Allerdings habe ich von Rambo, einem meiner Kollegen mit dem ich oft zusammenarbeite, erfahren, dass es früher wohl jede Menge Werkzeug gab, dann allerdings von den Leuten auch ab und an mit nach Hause genommen wurde und nicht mehr auftauchte. Wir werden also sehen, wie es in diesem Bezug weitergeht. Aber ohne Werkzeug, kann man auch keine Geraete öffnen und somit erst recht nicht warten. Übrigens für jeden der sich schon gewundert hat, Rambo heißt eigentlich Daniel Chanda und erhielt seinen Spitznamen während seines Militärdienstes. Dort war er Scharfschütze und schaffte es jades Mal 10 von 10 Schüsse in die Mitte der Zielscheibe unterzubringen.
Zwei kleine Anekdoten von der Arbeit die mir gerade einfallen muss ich nun doch noch erzählen. Das Krankenhaus hat sich einen Bodenwirbel gekauft, den wir zusammenbauen mussten. Danach ging es natürlich ans Testen. Jeder, der schon einmal so ein Ding bedient hat, weiß, dass man ganz schön standhaft sein muss, um es unter Kontrolle zu halten. Die 20 Leute die beim Testen drum herum standen, inkl. der Reinigungskräfte welche letztendlich damit arbeiten sollten, hatten so ein Gerät noch nie in ihrem Leben gesehen. Der erste Kandidat wurde dann auch gleich nach 2 Sekunden samt Wirbel vom Weg gedrängt. In Folge durfte jeder einmal das neumodische Ding testen und jedes Mal wurde weniger der Wirbel über den Boden gewirbelt, als vielmehr der Anwender unter dem großen Gelächter aller Beteiligten. Dann verschwand er wieder im Abstellraum und ich habe ihn seither nicht mehr gesehen. Seine Zukunft ist also noch ungewiss. ;)
Die andere Geschichte trug sich erst kürzlich an einem Arbeitstag zu, an dem ich abermals den Großteil des morgens mit Warten auf meine Kollegen oder Dinge wie eine Leiter (“Ich hol mal kurz die Leiter” – 45min später war er immer noch nicht zurück) verbrachte. Um 11Uhr, eine Stunde vor der Mittagspause, wollte ich Martin, einem meiner Kollegen, beim Streichen der Babystation behilflich sein. Ich traf ihn dort als er gerade mit der Decke in einem Raum fertig war. Ich fragte ihn, ob er nur die Decke machen muss. Antwort: “Nein, die Wände auch noch und dann ebenfalls beides in zwei weiteren Räumen.” Ich fragte ihn, ob ich ihm jetzt dann beim streichen der Wände helfen kann. Antwort: “Ah, nee, ich bin jetzt zu kaputt. Das machen wir nach der Mittagspause. Jetzt geh ich erstmal zurück zur ‘Werkstatt’ und ruh mich etwas aus.” Und so machten wir uns auf den Weg zur Werkstatt. So einen Satz würde man bei uns wohl nie hören, ist hier aber an der Tagesordnung. An den Satz “Let’s rest a bit” (Ruhen wir uns etwas aus), was das Zeichen ist sich jetzt vor die Werkstatt zu setzen und sich zu unterhalten, habe ich mich ja mittlerweile schon gewohnt, aber da musste ich doch mal wieder sehr schlucken und meinen Arbeitseifer hintenanstellen. Man kann schon irgendwie sagen, dass die Menschen hier bei der Arbeit generell keinen Stress haben, was ich durchaus positiv finde, aber halt etwas ist an das man sich von unserer Kultur kommend erst gewöhnen und lernen muss, zu geniessen. Hätte nicht gedacht, dass auch ich tief in mir drin ein so schaffiger typ bin. :)
Neben der Arbeit war aber auch noch so einiges anderes geboten. Zum Beispiel ist Bella, eine unserer Hunde, schwanger. Um ihr und ihren Welpen einen Unterschlupf zu gewährleisten, wurde ich damit beauftragt, mir eine Hütte auszudenken und einen Zaun neben dem Haus in dem ich, Jean-Baptist und Andreas, die anderen beiden Freiwilligen, untergebracht sind zu bauen. Hierzu nahm ich mir vor einer Woche einen Tag in Chilonga frei und baute stattdessen Zaun und konstruierte eine Hundehütte, bei deren Bau mir zwei Sambier vom Fach, die ebenfalls Angestellte bei der Diozöse sind, behilflich waren. Zu Blöd nur, dass zur Mittagszeit Bella sich überlegte, dann doch auch gleich ihre Welpen zur Welt zu bringen. Hierfür hat sie sich auch noch zwischen zwei großen Schiffscontainern verrannt und konnte sich nicht mehr bewegen. Da war vielleicht kurz Hektik da. Mit Wagenhebern und Fahrzeugen versuchten wir, einen Container wegzubewegen und sie zu befreien. Während der ganzen Aktion kam dann auch schon der erste Welpe zur Welt. Ein heilloses durcheinander, aber wir schafften es schließlich, Mutter und erstes von insgesamt 17! Welpen zu befreien. Mittlerweile, eine Woche später, sind von den 17 nur noch 8 übrig. Es waren für sie wohl einfach zu viel zum Füttern und so ist eines nach dem andern verstorben. Die, die es geschafft haben, machen aber einen recht standhaften Eindruck und werden hoffentlich überleben. Wenn sie alt genug sind sollen sie verkauft oder an andere Stellen weitergegeben werden.
Am vorletzten Wochenende ging dann auch meine Nachhilfe in die nächste Runde. Sowohl am Samstag als auch am Sonntag morgen wollte Sie gemeinsam mit ihrer Mutter zur Diozöse kommen. Man kann an dem Satz schon ablesen, dass ich es wieder einmal mit der Afrikanischen Gleitzeit zu tun hatte. Am Samstag starteten wir 2 ½ Stunden später als geplant und am Sonntag wartete ich den ganzen Morgen wieder einmal vergeblich. Ich vertrieb mir die Wartezeit einfach mit einem Buch. Also alles halb so schlimm und eben Kultur pur. :)
An besagtem Sonntag machten wir (ich, Jean-Baptist und Andreas) dann noch einen kleinen Ausflug in Mpika. Eigentlich wollten wir nur Susanne, eine der Freiwilligen die mit mir hier her kam und bei einem Waisenhaus im Ort arbeitet, abholen und ein wenig die Gegend erkunden. Aus ein wenig wurde dann mehr, denn wir beschlossen, den an Mpika angrenzenden Hügel zu erklimmen um uns mal einen Überblick über das Gebiet zu verschaffen. Zuvor besuchten wir noch einen Arbeitskollege von Jean-Baptist, der wie er in einer Schule ein paar Kilometer nördlich von Mpika unterrichtet. Er war leider nicht zu Hause, dafür wurden wir gleich herzlich von seiner restlichen Familie begrüßt. Nach ein wenig Smalltalk beschloss einer seiner Söhne dann, sich uns anzuschließen und spielte sozusagen unseren Reiseführer. Unter der sengenden Nachmittagssonne im heißesten Monat im Jahr war der Aufstieg natürlich schon eine leichte Strapaze, aber wir kamen alle zum Glück ohne Sonnenstich davon. Weit sehen konnte man von oben nicht, weil es einfach zu diesig war. Dafür konnten wir uns einen guten Überblick über Mpika verschaffen. Beim Abstieg auf der anderen Seite kamen wir dann noch beim öffentlichen Schwimmbad von Mpika vorbei, welches einfach ein aufgestauter Bach ist und wo gerade viele Kinder nach etwas Abkühlung suchten und die uns mit greoßem Trara empfangen. Wir waren natürlich auch hier sofort DAS Highlight. Nachdem wir ein paar Brocken mit ihnen in Bemba ausgetauscht hatten, zogen wir schließlich weiter und machten uns auf dem Heimweg. War ein wirklich klasse Nachmittag.
Ein wenig sportlich betätigt habe ich mit den letzten Tagen ebenfalls. Ich, Jean-Baptist und Andreas machten uns mit einem Ball auf zum Fußballfeld auf dem Gelände der Diozöse. Sobald man mit einem Fußball in der Hand gesehen wird, schießen aus allen Ecken die Kinder und Leute um mitzuspielen. Und so fanden wir uns mit knapp 20 anderen auf dem Platz wieder und spielten bis es dunkel wurde. Danach war ich echt platt, aber es hat echt großen Spaß gemacht. Alle Achtung auch vor so manchen Mitspielern, die Barfuß über den Buschplatz spurteten. Da kann man sich oftmals echt nur die Augen reiben.
Eine Kuriose Geschichte zum Abschluss muss ich dann auch noch erzählen. Auf meinem täglichen Weg nach Chilonga muss ich eine von zahlreichen Straßensperren der Polizei passieren. Das ganze läuft eigentlich zumeist problemlos mit Winken und einem Lächeln im Gesicht ab, nachdem ich zu Beginn einmal angehalten wurde und ihnen erklärt habe, wo ich herkomme, wo ich hingehe und was ich dort mache. Seitdem kennen Sie mich eigentlich. Bis mich vorletzte Woche dann wieder einer angehalten hat. Der junge Polizist, welcher mir zuvor noch nie aufgefallen ist, fragte mich, ob ich heute wieder ins Krankenhaus nach Chilonga fahre. Ich sagte natürlich ja. Dann bat er mich, ihm Medikamente zu kaufen (natürlich von meinem Geld) denn er sei so krank. Ich meinte dann, dass ich ihm keine Medikamente mitbringen kann, ohne dass ich weiss was er eigentlich hat und er zuerst einen Doktor sehen sollte. Er meinte dann, ich solle einfach irgendein Medikament mitbringen. Ich erwiederte, dass es schädlich für den Körper ist wenn man die falschen Medikamente zu sich nimmt. Ich solle ihm einfach was gegen Erkältung und Kopfschmerzen bringen meinte er dann. Ich würgte das Gespräch dann ab, indem ich ihm sagte, dass ich es ja mal versuchen kann, ohne Verschreibung Medikamente zu erhalten, was ich allerdings nicht glaube. Dann lies er mich weiterfahren. Natürlich spielte ich zu keinerzeit mit dem Gedanken, für ihn wirklich nach Medikamenten zu fragen, denn heute sind es vielleicht Medikamente und morgen schon Bargeld. Am Abend dann nach der Arbeit traf ich ihn an der Straßensperre wieder. Er legte gleich los und fragte, wo sein Stoff sei. Ich sagte ihm, dass ich leider ohne Verschreibung keine Medikamente für ihn erhalten habe und er selbst dort hin muss um sich untersuchen zu lassen. Etwas verärgert sagte er daraufhin, dass so Leute wie ich Menschen doch helfen müssen, wenn es ihnen schlecht geht. Ich erwiederte, dass ich aber kein Arzt sei und schlecht eine Diagnose stellen kann. Aber er sei immer so beschäftigt, muss so viel arbeiten und kann daher keinen Arzt aufsuchen. Daraufhin entgegnete ich wieder, dass er wenn es ihm schlecht geht jederzeit ins Krankenhaus gehen kann um sich untersuchen zu lassen und sie ihn bestimmt nicht wegschicken. Außerdem kann er im Krankheitsfall auch sicher einen Tag frei nehmen. Etwas geknickt meinte er dann, er werde mal am Wochenende versuchen nach Chilonga zu gelangen. Ich entschuldigte mich höflich nochmals, dass ich ihm nicht helfen konnte und durfte daraufhin weiterfahren. Seitdem hatte ich keine Probleme mehr. War schon eine sehr komische Situation. Das ganze war bestimmt ein Test, ob es bei mir was zu holen gibt. Aber da hat er Pech gehabt.
So, dann soll es das auch mal wieder gewesen sein. Ist dieses Mal echt viel geworden und wer dies noch liest, dem danke ich schonmal für die Geduld. Vielleicht schaffe ich es ja, mal öfters etwas zu schreiben. Dann wirds nicht ganz so viel. :) Zum Abschluss habe ich dann noch ein paar Bilder. Zum einen habe ich das Album von Chilonga erweitert. Ich und Rambo haben an einem Tag eine kleine Tour zur Quelle gemacht, vopn wo das Krankenhaus sein Wasser bezieht. Dort liegen drei Rohre, die dann den „Berg“ runter in ein Reservoir beim Krankenhaus laufen und von wo aus es dann in Tanks weitergepumpt wird. Schon ein ziemlich ausgeklügeltes System. Zum anderen sind noch Schnappschuesse von unserem Ausflug auf den Hügel bei Mpika dabei, sowie von unserem Fußballplatz und von dem Independence Cup, welcher am 24.10., dem Unabhängigkeitstag von Sambia, stattfand. Das war schon echt verrückt. Das Spielfeld hatte keine wirkliche Linien, überall am Rand standen Menschen und tanzten zu Trommeln oder Musik aus der Dose. Echt wie beim Karneval und als das Spiel dann vorbei war und der Gewinner feststand stürmten alle den Platz und feierten mit den Spielern.
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| Chilonga |
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| 18.10.09 Ausflug in Mpika |
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| 24.10.09 Independence Cup |
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| Es lebe der Sport |
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| Bella und ihre Welpen |










