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Donnerstag, 27. Mai 2010

Ausbildung zum Buschpiloten

Ich bin wieder wohlbehalten aus den tiefen des sambischen Busch und Nabwalya nach Mpika zurückgekehrt. Es waren wirklich eindrucksvolle 1 ½ Wochen und ich habe die Arbeit dort sehr genossen.

Nachdem ich bei meinem vorletzten Nabwalyaaufenthalt ja selbst mit einem der beiden Autos von Waldemar durch den Busch nach Mpika fahren durfte, ging es nach fünf Tagen Reparatur- und Einkaufsaufenthalt in der Diözesenzentrale wieder mit beiden Autos zurück. Waldemar, der polnische Priester der in Nabwalya die Außenstelle der Diözese aufbaut, steuerte das andere Gefährt zurück. Die Autos waren voll beladen bzw. überladen, u.a. mit einem großen Generator den Waldemar während der fünf Tage in Lusaka erworben hatte und Zementsäcken. An einigen der steilen Hänge auf dem Weg nach Nabwalya musste ich mehrmals Anlauf nehmen, um hoch zu kommen, aber wir erriechten letztenendes wohlbehalten unser Ziel. Die letzten zwei Stunden mussten wir mal wieder durch die Nacht im Busch rumfahren. Kannte ich ja schon vom letzten Mal, aber war mal wieder ein extra besonderes Erlebnis. :)

Nach unserer Ankunft erreichte uns dann eine schlimme Nachricht. In unserer Abwesenheit starben bereits über zehn Kinder an Malaria und es erkranken immer mehr. Zufällig war momentan für einige Tage auch ein Untersuchungsteam des Gesundheitsministeriums bzgl. der Malariarate in Nabwalya vor Ort mit dem Ergebnis, dass fast 100% der Haushalte einen oder mehr Malariafälle haben. Und desto mehr Menschen infiziert sind, desto schneller breitet sich die Krankheit aus, da mehr Moskitos die Parasiten von den Menschen aufnehmen und zu neuen Überträgern werden. Mehr als diese erschreckende Zahl zu ermitteln hatten die Leute aus Lusaka dann aber auch nicht auf Lager und man fragte sich nach ihrer Abreise, was denn das Ganze jetzt eigentlich bringen sollte, aber egal. Der Grund für die Todesfälle war, dass der Buschklinik die Medikamente ausgegangen waren. Es war nicht absehbar, wann wieder Medikamente geliefert werden und das Gemeinschaftsauto der Gemeinde, welches für Aktionen wie Medikamententransport in der Regel zur Verfügung stehen sollte, hatte keinen Sprit. Waldemar dachte nicht lange nach und schickte mich nach nur einem Tag Aufenthalt in Nabwalya mit Anthony, dem Krankenpfleger der Buschklinik, sowie seinem Arbeiter Smart als Sicherheit, falls auf der Strecke irgendetwas passieren sollte, nach Mpika um neue Medikamente zu holen.

Um ca. 11Uhr fuhren wir los und kamen gegen 17Uhr in Mpika an. Auf dem Weg legten wir allerdings noch einen Zwischenstop beim Krankenhaus in Chilonga ein, wo Anthony nach einem kleinen Jungen schauen wollte, den er zur Behandlung hier her tranferierte. Am darauffolgenden Tag stattete ich mit Smart der Werkstatt der Diözese einen Besuch ab, um zwei defekte Bolzen an den Rädern auszutauschen, sowie ein plattes Ersatzrad zu reparieren. Währenddessen organisierte Anthony die Medikamente und zu unserer Freude bekam er auch welche vom Krankenhaus in Mpika. Wir kauften erneut einige Säcke Zement, um noch mehr Nutzen aus dieser Extratour zu ziehen und machten uns gegen 12:30Uhr wieder auf den Weg nach Nabwalya. Erneut kamen wir gegen Ende in die Nacht hinein, aber mitlerweile war ich das ja gewohnt. :) So hatte die Buschklinik endlich wieder Medikamente und zumindest das sterben hörte auf. Während wir unterwegs waren, sind nochmals zwei Kinder gestorben. Schon echt hart. Die hohe Malariarate hatte sich allerdings bis zu meiner Rückkehr nach Mpika nicht verbessert und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Medikamente wieder ausgehen. Dieses Mal wird aber hoffentlich schneller gehandelt werden können, da mitlerweile Sprit für das Gemeinschaftsauto organisiert werden konnte.

Erstaunlich ist wieder einmal, wie die Leute in Nabwalya auf die Situation reagieren.

“Ist halt einfach so. So ein Jahr an dem viele Kinder sterben. Kann man nichts machen.”

Schon der Wahnsinn, wenn man das einmal mit den Zuständen bei uns vergleicht und dem Aufschrei, sollte eine ganze Region ohne Medikamente dastehen. Da fällt einem echt nichts mehr ein.

Nachdem ich diese ungeplante Reise also gemeistert hatte konnte ich mich für die verbleibende Zeit voll und ganz auf meine geplanten Tätigkeiten konzentrieren. Angefangen von der Installation einer Satellitenschüssel für digitales Fernsehen. Ich habe denke ich in einem älteren Blogeintrag bereits erwähnt, dass Waldemar dort massig Solarzellen aufgestellt hat, die vor allem für die Beleuchtung und seine Arbeit am Laptop sorgen. Aufgrund der WM jetzt also auch noch für Fernsehen, was der einzige Grund ist weshalb er es sich überhaupt zugelegt hat. So gibt es also in wenigen Tagen ein kleines “public viewing” in Nabwalya, wobei sich einige andere im Dorf schon seit langem einen Fernseher zugelegt haben. Wer nicht nur von der Landwirtschaft lebt und es schafft, etwas Geld auf die Seite zu legen, legt sich zuerst ein Blechdach zu. Nächster Schritt ist dann Solar und die Krönung schließlich Fernsehen, um mal ein ideal standard Hausaufmotzen zu nennen. :) Das Aufstellen der Satellitenschüssel klappte jedenfalls wunderbar und habe es ziemlich schnell geschafft, den Satelliten perfekt zu treffen. Hat jedenfalls Spaß gemacht und am vergangenen Wochenende konnten wir dann die Fußballtauglichkeit beim Championsleague Finale testen. Resultat: Läuft! :)

Ansonsten war ich viel auf Achse, um mit seinen drei Jungs (Moses, Daniel und Casper) die für ihn immer arbeiten wenn es was zu bauen gibt, also permanent :), Steine zum Betonieren, Sand und Holzstangen zu holen. Alles um Nabwalya herum verstreut. Bin mit ihnen also immer zu den jeweiligen Orten gefahren, wo Steine geklopft oder Sand ausgebuddelt wird, haben die Ladefläche des Geländewagens vollgeladen um es dann an den jeweiligen Verwendungsort transportiert. Gerade stehen ein paar kleine Häuschen für die Arbeiter auf dem Gelände der Pfarrei an. Seine drei Arbeitstiere schlafen derzeit nämlich in kleinen Kämmerchen hinter der Kirche während der Woche und gehen über das Wochenende zurück zu ihren Familien in den umliegenden Dörfern. Wenn die Hütten inkl. Waschplatz fertig sind, finden sie dort neuen und geräumigeren Unterschlupf. Da ich aber schon mal da war, haben wir gleich einiges mehr geholt, damit für kommende Bauvorhaben (und davon gibt es genug) schon einiges an Material da ist.

Eine weitere Großaktion waren dann noch mehrere Autotrips zum Luangwa, der Fluß durch den das Tal seinen Namen trägt und der ebenfalls Namensgeber für den “North Luangwa National Park” im Norden und den “South Luangwa National Park” im Süden von Nabwalya ist. Nabwalya und die umliegenden Dörfer befinden sich in einem schmalen Korridor zwischen den Parks, in dem mit einer Abschusslizenz gejagt werden kann und sind durch die Gebirgsketten in Ost und West ziemlich isoliert, da die Orte so schwer erreichbar sind. Der Fluß ist auch gleichzeitig die Grenze zwischen der Nord- und Ostprovinz von Sambia. Auf der anderen Flußseite befindet sich einige Kilometer weiter die etwas größere Stadt Lundazi, wo Waldemar einige Materialien mehr einkaufte, u.a. 150 Säcke Zement, sowie Eisenstangen, Bretter und was man eben sonst noch so zum Bauen benötigt. An einem Tag machten wir eine Fahrt mit zwei Autos und luden beide voll bis nichts mehr ging, überwiegend mit Zement. Die Regenzeit ist noch nicht lange zu Ende und demnach ist der Wasserpegel des Luangwa sehr hoch und man muss den Fluß mit einer kleinen Fähre aus Ölfässern überqueren. Durch die Überlast saßen wir natürlich prompt in der Nähe des Ufers auf, sodass mal wieder Muskelkraft gefragt war.

Tags darauf ging es dann erneut bis zum Fluß. Wir erwarteten einen Allrad Laster, der die verbleibenden Materialien bis ans Ufer der Ostseite bringen sollte, von wo aus wir es auf die Fähre umluden und dann an der anderen Uferseite in die Autos. Alles lief wie geplant und wir hatten gut zu schwitzen bei den 100 Säcken Zement, Eisenstangen, etc. Alles immer unter genauer Beobachtung der Nilpferde, die sich Herdenweise überall im Fluß tümmelten. Neben den Nilpferden begegneten uns auf den Touren durch den Busch auch noch Zebras, Antilopen und vor allem Elefanten. Ich selbst pasierte einen der Dickhäuter mit vielleicht fünf Metern Abstand. Ich hatte ihn nicht einmal richtig gesehen, weil ich mich so auf die Piste konzentrierte, sondern mein Puls wurde vor allem von Moses “Fahr! Fahr! Fahr!” Rufen in die Höhe gejagt. Er nahm glücklicherweise nicht die Verfolgung auf und wir erreichten unversehrt Nabwalya. Waldemar, der bei einer Tour ein wenig später wie ich die Fahrt vom Luangwa nach Nabwalya antrat, sah sogar zwei männliche Löwen, die ihre Köpfe in wenigen Metern Entfernung aus dem hohen Gras reckten. Klingt für euch wohl alles wie im Bilderbuch und ist auch für mich immer wieder unfassbar, dass es solche Ecken hier wirklich gibt. :)

Wenn wir schon bei wilden Tieren sind, diese Welt machte auch auf dem Esstisch nicht halt. Vor ein paar Wochen überquerte Waldemar ebenfalls den Luangwa und bei dieser Aktion musste ein Nilpferd erschossen werden, da es eines der Boote angriff. Solche Ereignisse sind immer eine große Freude für alle Beteiligten, da es dann für jeden Fleisch für umme gibt. So auch für Waldemar, der ein großes Stück ergatterte und es für meinen Besuch aufbewahrte. Selbst zu zweit aßen wir ganze drei Tage dran rum, bis es endlich weg war. Ist ein wenig wie zähes Schweinefleisch, mit einer dezenten Eigennote im Geschmack. Sehr lecker jedenfalls! :)

So gab es also die ganze Zeit immer wieder was zu tun. Viele Kleinigkeiten, viele Großigkeiten und ich hab einfach überall mit angepackt. War echt klasse und habe die Zeit sehr genossen, die mal wieder an neuen Eindrücken überlief. Auch wenn wir die meiste Zeit von Sonnenauf- bis Untergang gearbeitet haben, so fand ich dennoch die Zeit, mir Nabwalya wieder einmal ein wenig genauer anzuschauen. Ich bin immer wieder von der friedvollen Atmosphäre, der Gelassenheit und Fröhlichkeit beeindruckt, die die Dörfer hier ausstrahlen. Wenn die meisten Menschen natürlich auch für unsere Verhältnisse in Armut leben, so merkt man das hier keineswegs und es kommt einem alles so………bodenständig/echt vor. Vermutlich, weil die Menschen sich gar kein anderes Leben vorstellen können und ihnen viel weniger zum glücklich sein reicht, als dies wohl bei uns der Fall ist, wo vieles im Alltag schon so kompliziert wurde.

Ich könnte ewig weitererzählen, aber dieser Blogeintrag ist schon jetzt mal wieder viel länger geworden, als ich es vor hatte. Man ists ja gewohnt. :) Daher schiebe ich an dieser Stelle wie immer noch ein neues Album mit Schnappschüssen hinterher und in gar nicht allzu langer Zeit habe ich ja die Gelegenheit, euch in Persona ein wenig mehr von meinen Erfahrungen zu berichten.

Ich hoffe, euch allen geht es gut und ihr genießt die ersten Frühlingsanzeichen!

14.05.10 - 26.05.10 Ausbildung zum Buschpiloten in Nabwalya

Dienstag, 11. Mai 2010

Bootle fahren mit Schnappi

So, endlich komme ich mal wieder dazu, einen neuen Eintrag reinzuwuchten. Es passiert momentan einfach so viel und werde einfach mal versuchen, das Ganze ein wenig aufzurollen.

Nach meinem Kurzurlaub in Livingstone bei den Viktoriafällen ging es nach zwei Tagen Arbeit auch schon wieder auf einen Wochenendausflug. Der Anlass war der Besuch zweier französischer Freiwilligen aus Monze (im Süden von Sambia zwischen Lusaka und Livingstone), Violene und Constance, die von der selben Organisation sind wie meine beiden Mitbewohner Andreas und Jean-Baptiste. Die Beiden hatten während meiner Abwesenheit einen Kurztrip nach Shiwa Ng’andu geplant, einem Ort ziemlich genau 100km nördlich von Mpika. Der Name Shiwa Ng’andu bedeutet “See der königlichen Krokodile”, welche sich dort im Gewässer tummeln. Der See sowie ein großflächiges Gebiet um ihn herum wurde ca. 1920 während der Kolonialzeit von dem britischen Gouvaneur Stuart Gore Brown vom Stammesoberhaupt des Gebiets abgekauft, weil er sich in Nordrodhesien (dem damaligen Name von Sambia) niederlassen wollte. Er war ein verfechter der britischen Kolonialpolitik gegenüber dem afrikanischem Volk, sodass er auf seinem Land einen Gegenpol schaffen wollte. Er arbeitete eng mit der Bevölkerung zusammen, baute mit ihnen Brücken, Schulen, ein Krankanhaus, für einige der Angestellte schöne, massive Häuser, die bis heute stehen, bewohnt sind und im ganzen Land ihres Gleichen suchen und betrieb mit ihnen Land- und Viehwirtschaft. Um 1925 beschäftigte er stolze 1800 Arbeiter und brachte beträchtlichen Wohlstand für die Menschen in der Region. Für sich selbst baute er ein großes Haus, besser gesagt Anwesen, auf einem kleinen Hügel, welcher den See überblickt. Er wurde bei den Einheimischen wie auch bei den Briten geschätzt, obwohl er oft uneins mit der britischen Kolonialregierung und maßgeblich an den Unabhängigkeitsbemühungen beteiligt war. Bei seinem Tod, Sambia hatte bereits die Unabhängigkeit erlangt, erhielt er als bisher einziger Weißer in Afrika ein Staatsbegräbnis und wurde auf einem Berg beerdigt, welcher Shiwa Ng’andu überblickt. Eine Ehre, welche sonst ebenfalls nur Bembahäuptlingen vorbehalten ist.

Heute wird das Haus von Charlie, einem seiner vier Enkel, und seiner Familie bewohnt. Er verwaltet das ganze Gebiet, sowie die noch immer stolze Zahl von rund 1200 Angestellten. Die Diözese steht mit ihm in guten Kontakt und er ist ein enger Freund von Thomas, unserem Chef und Schatzmeister, sodass wir bei unserer Ankunft eine exklusive Führung von Emma, seiner Tochter, erhielten. Es war sehr spannend durch die alten Gemäuer dieses Anwesens, welches genauso gut irgendwo in Großbritannien stehen könnte, zu schlendern. Man vergaß im Inneren wirklich für einen Moment, in welchem Land man sich gerade eigentlich befand.

Im Anschluss an die Tour im Shiwa-Haus besuchten wir die heißen Quellen in Kapishya, einem Ort ca. 20km vom See entfernt, welcher jedoch noch immer zum Privatgrundstück der Familie gehört. An den heißen Quellen befindet sich eine Lodge, welche von Charlie’s Bruder Mike betrieben wird. Es war für mich das zweite Mal, dass ich in dieses natürliche, heiße Bad hineinstieg, nachdem ich mit Andreas, Franzi Klein und Linda aus Ndola, sowie Franzi Leidreiter einen Tag vor Weihnachten schon einen Tagesausflug nach Kapishya machte. Glücklicherweise hatten wir erneut einen bedecken Himmel, sodass die Temperaturen mit einem kühlen Bier in der Hand erträglich waren. ;)

Als wir von den heißen Quellen wieder aufbrachen, wurde es bereits dunkel. Zuvor mussten wir allerdings noch eine Reifenwechsel-Aktion starten. Auf der Fahrt quetschten wir uns wieder einmal zu Fünft (Ich, Jean-Baptiste, Violene, Constance, sowie Franzi Leidreiter, die momentan noch in Mpika weilte und sich uns anschloss) in unseren treuen, roten Rocky. Andreas fuhr mit dem Motorrad, welches er von Thomas ausgeliehen hat, hinterher. Unser Gefährt leistete erneut gute Dienste, allerdings wurde die Belastung für eines der Hinterräder wohl zu viel, sodass wir unterwegs, mitten im Nirgendwo, eine Reifenpanne erlitten. Wir setzten unsere Fahrt mit dem Ersatzrad fort, beschlossen aber in Kapishya das etwas abgefahrene Ersatzrad, sowie den noch mehr abgefahrenen, zweiten Hinterreifen durch die noch besseren Vorderreifen auzutauschen.

Nach getaner Arbeit machten wir uns auf den Weg zurück zum See, wo wir die Nacht verbringen wollten. Die Diözese hat dort, ein paar Kilometer vom Shiwa-Haus entfernt, ein eigenes Haus errichtet, welches allerdings noch auf den letzten Schliff wartet. Zum darin übernachten, wenn auch in staubiger Umgebung, reicht es allerdings allemal und es wurde uns freundlicherweise für das Wochenende zur Verfügung gestellt. Die Küche ist schon sehr gut ausgestattet und wir grillten ein paar mitgebrachte Würste und Kartoffeln und machten einen Tomatensalat dazu. Fürs flüssige hatten wir mit einer 5l Box Wein vorgesorgt. :)

Am nächsten Morgen war eine Bootstour angesagt. Erneut ermöglicht mit freundlicher Unterstützung von Thomas, der im Besitz von drei Schlauchbooten ist und diese uns zur Verfügung stellte. Mit ihnen wollten wir direkt vom Haus aus den Mansya Fluß hinunterpaddeln, welcher sich vom See an durch die Landschaft schlängelt. Unsere Tour sollte an den heißen Quellen vorbei gehen, bis dann ca. 1 ½ Stunden später vier aufeinanderfolgende, kleine Wasserfälle unsere Endstation markierten. Unterwegs soll man in den Genuss kommen, über ein paar spektakuläre Stromschnellen zu reiten, was sich auch bewahrheitete. Ich saß mit Franziska in einem 2er-Boot und wenn man schon alleine keine großen Erfahrungen im Steuern eines Schlauchbootes aufzuweisen hat, kann man sich ja vorstellen, wie das zu zweit ausschaut. ;) Dementsprechnd mussten wir unterwegs an der ein oder anderen Stelle Wasser schlucken. Meine Badlatschen und Franziskas Flip Flops bezahlten das ganze sogar mit ihrem Leben und ihre Kadaver treiben vermutlich noch immer irgendwo auf dem Fluß herum. ;)

An einer etwas ruhigeren Stelle war der Fluß dann so eng und von Bäumen zugewuchert, dass es unmöglich war, unbeschadet durchzukommen. Wir trieben von einem Baum auf den Nächsten und wurden von den Ästen und Zweigen teilweise regelrecht verschandelt. An dieser Stelle rauschte die Motivation in unserer Truppe in den Keller, aber wir hatten keine andere Wahl, als uns irgendwie durchzuquälen. Schließlich waren wir noch gute drei Stunden von den heißen Quellen entfernt, wo wir die Tour frühestens beenden konnten. Glücklicherweise wurde der Fluß nach einer Weile wieder breiter, sodass wir die Fahrt unbeschadet fortsetzen konnten und es blieb bei uns allen bei einigen Kratzern.

Kurz vor Kapishya hatte Andreas dann noch ein Krokodil in den Fluß huschen sehen. Das Gebiet hatte seinen Namen ja schließlich nicht von irgendwo her, jedoch versicherte uns jeder, dass die Bootstour (abseits vom See und in schnellerem Gewässer) absolute sicher sei. Es passieren zwar Zwischenfälle (vor allem mit Hunden), jedoch fast ausschließlich im Dezember und auch nur sehr wenige. Krokodile greifen einen auch nur am Ufer an und gehen nicht auf Boote los. Trotzdem ein mulmiges Gefühl. Es blieb jedoch bei diesem einzigen, kurzen Sichtkontakt und auch nur für Andreas.

Ziemlich platt erreichten wir schließlich die Lodge in Kapishya, wo wir uns erst einmal stärkten, sowie in der Sonne aufwärmten und trockneten. Bis auf Constance, die nach der Krokodilsichtung eine Weiterfahrt scheute, setzten wir alle unsere Reise bis zu den Fällen fort. Auf diesem Weg befanden sich auch die meisten Stromschnellen, allerdings konnten wir im Laufe des Tages unsere Paddelkünste schon so weit verbessern, dass es dieses Mal kein weiteres Bad für mich und Franziska gab. Die Tatsache, dass Franziska mich auf der gesamten Bootstour kein einziges Mal anschreien musste (Zitat Franzi :) ), bestätigte unser gut funktionierendes Duo. Es hat sich echt gelohnt, an dieser Stelle nochmal den inneren Schweinehund zu überwinden und die letzten 1 ½ Stunden dranzuhängen.

Von einem Fahrer der Lodge wurden wir dann wieder zurück zum Haus der Diözese gebracht, allerdings hat sich unsere Bootstour so sehr in die Länge gezogen, dass es schon wieder Nacht war. So sahen wir von einer Fahrt nach Hause ab, erst recht ohne ein Ersatzrad und beschlossen, lieber noch eine Nacht am See zu verbringen. Von der Lodge und dem Shiwa-Haus kauften wir noch ein wenig Gemüse, Obst und einige Eier und wir bruzelten uns zu Hause noch, wie immer nach so einem ereignisreichen, wie anstengenden Tag, ein super duper Abendessen!

Nach unserer Rückkehr hielt es mich allerdings erneut nicht lange in Mpika. Genau einen Tag verbrachte ich im Büro, um daran zu arbeiten, das Programm für das Lager auf dem zugehörigen Computer aufzusetzen und einen weiteren Tag in Chilonga am Krankenhaus, da brach ich mit dem polnischen Priester Waldemar in seine Außenstelle Nabwalya im Luangwatal auf. Als kleine Gedankenstütze: Über Neujahr bin ich bereits mit Ihm, Andreas und zwei Sambiern unter schaufelnden und schiebenden Einsatz am Geländewagen hier gewesen. Jetzt also zum zweiten Mal mit Ihm und Smart (zu deutsch klug/fesch :) ), der aus Nabwalya stammt und vor Ort die beiden Fahrzeuge von Waldemar in Schuss hält. Auch das Autoschieben blieb aus, da es mittlerweile wieder trocken genug ist. Einige weggespülten Streckenabschnitte wurden mit Erde aufgeschüttet oder ein neuer Pistenabschnitt wurde durch den Busch gehauen. Für drei Nächte waren wir dort. Ich musste vor allem deshalb mit, um mit einigen Arbeitern Steine zu holen, ein wenig Ordnung in sein kleines Lager zu bringen, sowie vor allem mit seinem zweiten Auto zurück nach Mpika zu fahren. Er benötigt dort beide, um einige Materialien, vor allem Zement, zurück nach Nabwalya zu transporierten. Ich werde also noch ein weiteres Mal als Fahrer herhalten und die abendteuerliche Fahrt durch den Busch mit möglichen Tierbegegnungen (auf der Fahrt nach Nabwalya begegnete uns ein Elefant, sowie eine Antilope) antreten. Beim zweiten Besuch ist auch ein längerer Aufenthalt vor Ort geplant, in dem ich hier und da ein wenig mitarbeite und das Material im Tal umherkutschiere.

Überschattet wurden die Tage in Nabwalya allerdings durch eine kleine Verletzung meinerseits am linken Fuß. Ich hatte mir neben den zahlreichen Kratzern auf der Bootstour auch einen genau in der Falte des kleinen Zehs zugezogen, den ich allerdings nicht bemerkte. Die Wunde hat sich nach zwei Tagen entzündet und nachdem zuerst der Zeh anschwoll, folgte tags darauf bei der Arbeit im Krankenhaus der ganze Fuß. So war ich in den Tagen in Nabwalya an einen Minimalradius um meine Schlafstätte gebunden und verbrachte die Zeit mit Antibiotika schlucken und lesen. Anhaltendes laufen schmerzte einfach zu sehr. Zumindest das Lager konnte ich sortieren, was aber Fußtechnisch schon anstrengend genug war. Das einsammeln der Steine wäre allerdings ohnhin nicht möglich gewesen, da viele der Jungs nicht vor Ort waren. Einen Tag vor der Abfahrt erkrankte auch noch Waldemar ein wenig. Er wurde vor zwei Wochen von einem Skorpion gestochen und die Wunde an seinem Daumen hatte sich ebenfalls entzündet, sodass wir für einen Tag die Antibiotika teilten und uns nach der Rückkehr Nachschub im Krankenhaus holten.

Am Tag der Heimreise ging es mir, Pillen sei Dank, auch schon wieder soweit besser, dass ich ohne Probleme einen der Geländewagen steuern konnte. Das war echt ein Erlebnis und stellenweise über die unwegsamen Pisten echt eine Herausvorderrung. Wir benötigten für 70km, den schlechtesten Teil der Strecke, ganze 4 Stunden, was denke ich mal schon alles sagt. Kurz vor dem Ende der schlechten Strecke, im Aufstieg aus dem Tal über Felsen uns spitzes Geröll, wollte mir Waldemar, der voraus fuhr, eine gefährliche Stelle zeigen und stellte geistesgegenwärtig den Motor aus. Ein falscher Fehler bei einem Auto, das mit defekter Batterie und Anlasseser läuft. Im beiden Wagen saß jeweils noch eine gebrächliche, alte Frau, auf deren Hilfe beim schieben gar nicht erst zu denken war. So hantierten wir mit der Seilwinde und dem anderen Auto umher, bis er es schließlich schaffte, sein Gefährt rückwärts ohne Zündung wieder zu starten. Nach 5 ½ Stunden und 140km hatten wir dann wieder Mpika erreicht, inklusive zwei Stunden Nachtfahrt. Und ich kann mich nun rühmen, die wohl schlechteste Straße Sambias bezwungen zu haben. ;)

Viel Zeit zum Ausruhen bleibt allerdings nicht, denn am kommenden Freitag geht’s schon wieder los. Dieses Mal für mindestens eine, maximal zwei Wochen. In der Zwischenzeit versuche ich so viel wie möglich meiner Tätigkeiten in und um Mpika zu erledigen und ein paar Sachen für Nabwalya vorzubereiten, wie zum Beispiel Zement holen. Ich melde mich dann wieder, wenn ich aus dem Busch zurück bin. ;) Euch allen wünsche ich auch eine gute Zeit im frühlingslosen Deutschland! Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Positiv denken. :)

01.05.10 - 03.05.10 Shiwa Ng'andu und Bootstour auf dem Mansya-Fluß


06.05.10 - 09.05.10 Nabwalya

Samstag, 8. Mai 2010

Hochzeitsgrüße aus Sambia



Im heutigen Eintrag geht’s mal nicht um mich in Sambia, sondern um meinen lieben Bruder Jochen und seiner holden Maid Katrin im guten, alten Deutschland.

Ich wünsche euch Beiden heute ein wunderschönen Tag und alles, alles Gute für eure gemeinsame Zukunft! Viel Spaß auch bei euern Flitterwochen in Schottland auf dem West Highland Way! Da kann euer Sprößling ja nur ein Wandertier werden. ;) Hoffe, sie/er macht dir, Katrin, unterwegs nicht das Leben schwer.

Um eurer Hochzeit doch noch eine kleine, sambische Note zu geben hier zwei Musikbeispiele, welche hierzulande total angesagt sind und wozu man auf einer Feier das Tanzbein schwingt. :)



Freitag, 30. April 2010

Tage des Donners

Ich bin wieder zurück aus einer ereignisreichen und wunderschönen Woche in Livingstone. Aber lest selbst. ;)

Alleine trat ich am Donnerstag vergangener Woche die Reise nach Livingstone an. Um 23:00Uhr gings mit dem Bus von Mpika in die Hauptstadt Lusaka, wo ich um 05:00Uhr morgens ankam. Um 06:00Uhr gings dann mit einem anderen Bus weiter nach Livingstone, wo ich schließlich um ca. 12:30Uhr ein wenig platt, aber glücklich, ankam. Bus fahren in Sambia ist natürlich schon ein wenig besonders, wenn mans mal mit Deutschland vergleicht. Zum einen haben die Busse fünf anstatt vier Sitze in einer Reihe und natürlich auch so viele Reihen in den Bus eingebaut, damit es gerade noch für den minimal Platz reicht, den ein standard homo sapiens benötigt, um seinen Hintern auf einen der Sitze zu platzieren. Sprich, ich leide im Bus immer wieder unter chronischem Platzmangel. Wie es dabei viele der Leute schaffen, während der ganzen Fahrt ihr Kind bzw. ihre Kinder auf dem Schoß und zwischen sich und Vordersitz zu quetschen, ohne dass dabei sämtliche Körperteile einschlafen, ist mir wirklich ein Rätsel. Jedenfalls habe ich, trotz Ölsardinen-Dasein, die Hin- und Rückfahrt sehr genossen. Man bekommt das Gefühl, dass man einfach einer von vielen Sambiern ist und kann dabei noch super das Treiben auf den Straßen beobachten oder die monotonen Buschlandschaften genießen, die am Fenster vorbeibrausen.

In Livingstone checkte ich dann in eine Unterkunft nahe der Bushaltestelle ein, welche sehr beliebt bei vielen Rucksackreisenden ist. Da hier DAS Touristenherz Sambias schlägt, hat man im Gegensatz zum Rest vom Land, mal abgesehen von der Hauptstadt Lusaka, wirklich kein Problem, etwas für den schmalen Gelbeutel zu finden. Für schlappe 6€ die Nacht im 16er Schlafsaal hatte die Unterkunft sogar einen kleinen Pool, eine Lümmelecke mit vielen Kissen und eine Bar mit Billard. Nicht schlecht!

Ich verbrachte dann den Rest des Tages (welcher zu wunder aller komplett verregnet war), mit lesen und relaxen in der Unterkunft. War mal ganz schön, einfach ein wenig die Seele baumeln zu lassen.

Tags darauf sollten gegen späten Nachmittag Franzi Klein mitsamt Ute, ihrem Gast aus Deutschland, hinzustoßen. Ich ließ es am Morgen ein wenig ruhig angehen, ging zum Mittagessen in ein sambischen Restaurant an der Straße und besuchte anschließend bis sie kamen das Livingstone Museum. Es soll das beste Museum in Sambia sein mit vielen Infos und Ausstellungsstücken zu der Geschichte, vor allem der Kolonialzeit und die Jahre der Unabhängigkeit bis heute. Für Sambier beträgt der Eintritt nicht einmal 50cent, dank Arbeitserlaubnis also auch für mich. :) Hat sich echt gelohnt und war interessant, mal ein wenig mehr von Land, Leute und Geschichte zu erfahren.

Fast zur gleichen Zeit wie Franzi Klein und Ute kamen dann überraschend auch noch Susanne und Franzi Leidreiter nach Livingstone, meine beiden Mitfreiwilligen von der Brücke der Freundschaft (für alle, die in dem Namen wirr-warr sich noch nicht zurechtfinden ;) ). Die beiden kamen gerade von ihrem zweiwöchigen Urlaub aus Namibia zurück und mussten in Livingstone noch eine Nacht verbringen, da sie den Anschlussbus nach Lusaka verpassten. So gab es also ein überraschendes, gemeinsames Wiedersehen und wir gingen alle zusammen Essen, bevor wir anschließend den Rest des Abends bei ein paar Bier ausklingen ließen. Das war natürlich erste Sahne! :)

Am nächsten Morgen gönnten wir uns alle nach den Reisestrapatzen eine etwas längere Mütze Schlaf. Bis auf Franzi L. und Susanne, welche mit dem 06:00Uhr Bus die Weiterreise nach Lusaka antraten. Für heute war das erste Highlight angesetzt und die Hauptattraktion für jeden Besucher der nach Livingstone kommt: Die Viktoriafälle. Wenn der Sambesi wie jetzt, am Ende der Regenzeit, voll mit Wasser ist und er sich auf der gesamten Felsbreite von 1700m in eine 110m tiefe Schlucht stürzt, bilden die Viktoriafälle den breitesten, einheitlich herabstürzende Wasserfall der Erde. Ein wirklich unglaubliches Bild. Sie sind übrigens benannt nach der britischen Königin vom englischen Missionar und Forschungsreisenden David Livingstone, der als erster Europäer den Wasserfall zu Gesicht bekam. Wenn man am oberen Rand des Wasserfalls steht, kommt es einem so vor, als würde der Fluß einfach im Boden versinken. In der Schlucht wird das gesamte Wasser dann in einen engen “Flaschenhals” gepresst. Die Gischt, die durch die Fälle entsteht, steigt bis zu 300m hoch und durchnäßt alles und jeden, der sich dem Wasserfall nähert. Durch den ganzen Dunst hat man dementsprechend “nur” die Möglichkeit, einen kleinen Teil der Fälle frei zu sehen. Mit einem Regenmantel gewappnet kann man dann den Felsvorsprung, der den einen Teil des Flaschenhalses bildet, bis zur Grenze nach Simbabwe, der Hälfte der Wasserfälle, entlanglaufen und sich von der Gischt duschen lassen. Dazwischen kann man auch immer mal wieder die Fälle und ihre Außmaße erkennen, während diese unaufhaltsam vor sich hindonnern. So richtig beschreiben kann man diese Naturgewalt gar nicht, sondern muss es einfach erlebt haben. Wenn man so wie wir während dieser Zeit die Fälle zum ersten Mal sieht, kann man es sich kaum vorstellen, dass während der Trockenzeit und ganz extrem in einer Dürreperiode von den mächtigen Fällen nur noch ein kleiner Bruchteil auf der Simbabwe-Seite über die Kante plätschert. Schilder wie “Vorsicht beim entlangwandern an der Kante des Wasserfalls” kommen einem wie ein schlechter Scherz vor, aber vor allem in den Monaten von Juli bis Oktober soll das anscheinend möglich sein. So oder so, es war einfach unbeschreiblich und der absolute Wahnsinn! :) So, wie man sich die Fälle vorgestellt hat und doch so anders.

Nach unserer Rückkehr mit einem der kleinen Minibusse, die in ganz Sambia neben den Taxis das lokale Transportwesen bilden, ging auch schon fast wieder die Sonne unter und wir verpassten dem Tag bei einem gemütlichen Abendessen und ein paar Bierchen ein würdiges Ende.

Der nächste Tag begann für mich und Ute relativ früh um 05:30Uhr. Wir beide unternahmen eine Wandersafari im kleinen aber feinen Mosi oa Tunya Nationalpark, welcher sich ganz in der Nähe der Wasserfälle am Ufer des Sambesi entlangstreckt. Franziska setzte für heute aus und durchstreifte stattdessen wie ich zwei Tage zuvor das Museum. Mosi oa Tunya ist übrigens der Name für den Wasserfall in der Sprache des hier einheimischen Volksstamm der Kolo und bedeutet soviel wie “Donnernder Rauch”. Ich und Ute machten uns also alleine auf den Weg. Zu unserer Freude stellte sich heraus, dass wir sogar eine Privattour bekamen, da sich für heute keine weiteren Besucher angemeldet hatten. Es ging also gemeinsam mit unserem Rasta-Parkführer, der unglaublich nett und competent war, mit einem Jeep in den nahegelegenen Park, wo wir noch einen der in jedem Park vorhanden Parkwächter einluden, der uns im Notfall mit seinem Gewehr beschützen und darauf achten sollte, dass wir keinen Unfug anstellen. ;) Wir streiften den ganzen Morgen zu Fuß durch den Busch, keine Menschenseele weit und breit und nur die Geräusche der Tiere war zu hören. Es war wirklich unglaublich schön und spannend, mit unseren beiden Männern vom Fach die Spuren zu verfolgen um die Tiere zu finden. Die besondere Attraktion des Mosi oa Tunya Nationalparks sind zweifelsohne seine vier weißen Nashörner, die einzigen weißen Nashörner in ganz Sambia und eine vom aussterben bedrohte Tierart. Sollte einer von ihnen uns angreifen, dürfte ihn unser John Rambo auch nicht erschießen. Wir hatten Glück und konnten sogar einen von ihnen, das einzige Männlein, aufspüren. Er relaxte gerade im Schatten von ein paar Büschen und war in guter Laune, sodass wir uns ihm auf ca. zehn Meter annähern konnten. Ein unbeschreibliches Gefühl wenn man so einem riesen Tier in seiner natürlichen Umgebung ohne Zaun und Gitter gegenübersteht. Neben dem Nashorn konnten wir noch Antilopen, eine Giraffe, Geier und Büffel aufspüren und bestaunen. Letztere gelten für viele als die gefährlichsten Tiere im Busch, da man ihre Laune sehr schwer einschätzen kann und wenn sie einen angreifen nur noch die Flucht auf einen Baum ergreifen kann. Dementsprechend vorsichtig näherten wir uns ihnen und blieben auch auf etwas größerer Distanz, um sie nicht zu provozieren. Nach knapp drei Stunden wandern war unsere Tour auch schon zu Ende. Zurück bleibt eine traumhafte Wanderrung durch noch traumhaftere Buschlandschaften am Sambesi und das unbeschreibliche Gefühl, diesen mächtigen Tieren eins zu eins gegenüberzustehen.

Abends kehrten wir drei dann wieder gemeinsam in ein sambisches Restaurant ein und genossen ein wenig traditionelle Küche. Denn nur ein Tag mit Nyshima (Maisbrei) ist ein guter Tag. ;)

An meinem letzten Tag in Livingstone gönnten wir Drei uns noch eine große Tour. Wir brachen zu einer Safari in den Chobe Nationalpark auf. Dieser befindet sich in Botswana, unweit von der Grenze zu Sambia. Die beiden Länder berühren sich eigentlich nur an einem kleinen Punkt. An dieser Stelle treffen sich am Sambesi mit Sambia, Simbabwe, Botswana und Namibia vier Länder. Erneut brachen wir früh morgens um 06:00Uhr auf. Bereits auf dem Weg zur Grenze begegnete uns am Straßenrand der erste Elefant. Die Dickhäuter bewegen sich in dieser Region frei zwischen den vier Ländern umher, sodass es schwer zu sagen ist, wie groß die Elefantenpopulation in den vereinzelten Ländern genau ist. Jedoch ist der Chobe Nationalpark für seine Elefantenvielzahl bekannt (mit rund 50 000 Elefanten die größte Population von allen Parks in Afrika), was wir am Ende des Tages auch bestätigen konnten. In Botswana angekommen wurden wir von einem Safari Geländewagen abgeholt und an den Chobe Fluß transportiert, wo es zuerst für drei Stunden auf Bootssafari ging und von dem der Park seinen Namen erhielt. Gemeinsam mit vier anderen Besuchern schipperten wir mit unserem Kahn den Fluß entlang und erspähten Marabus, Krokodile, Antilopen und Nilpferde. Ganz zu schweigen von den wunderschönen Landschaften. Anschließend gab es Mittagessen, welches im Paket mit drin war und in einem nobel hobel Lodge stattfand. Irgendwie fühlten wir uns auch ein wenig komisch, aber das Essen war wirklich der Wahnsinn. Es gab ein riesen Buffet mit diversen Salaten, einer kalten Platte, verschiedenen Hauptgängen und eine Vielzahl an Desserts, unter anderem Eis und Obstsalat! Ich versuchte mich einmal querbeet durchzukosten und nahm von allem nur ein bißchen, was schon eine mächtige Portion formte und ich schaffte es nicht einmal, alles zu probieren. Papp satt ging es nach einer Stunde Mittag auch schon wieder zurück in den Nationalpark. Dieses Mal 2 ½ Stunden mit dem Geländewagen und wir bekamen noch mehr Tiere aus kürzester Distanz zu sehen. Vor allem, wie bereits erwähnt, Elefanten. Mehrere Herden kreuzten während der Fahrt unseren Weg und wir konnten sie beim essen und baden beobachten. Daneben sahen wir erneut Nilpferde, dieses Mal jedoch grasend außerhalb des Wassers, sowie jede Menge Antilopen, Warzenschweine, ein paar Büffel, diverse Vögel, Giraffen und Affen. Es ist einfach unglaublich beeindruckend, all diese Tiere in Freiheit und der wunderschönen Natur zu beobachten und ihnen sogar richtig nahe zu kommen. Um ca. 16:30Uhr betraten wir wieder Sambischen Boden und waren vollgepackt bis oben hin mit neuen Eindrücken.

Nach einem schönen, entspannten letzten Abend in Livingstone machte ich mich am nächsten Morgen mit dem 06:00Uhr Bus wieder auf den Weg nach Lusaka, wo ich nach 6 ½ Stunden Fahrt und einer kurzen Wartezeit um 15:30Uhr meinen vollbepackten Anschlussbus zurück nach Mpika nahm. Der Bus war so sehr überladen, dass unterwegs bei den Polizeisperren teilweise die Leute aussteigen mussten, um mit dem Taxi vorzufahren, damit unser Bus unbestraft die Fahrt fortsetzen konnte. An der letzten Polizeisperre kurz vor Mpika wurde unser Bus erneut gewogen. Dieses Mal mit allen Passagieren an Board und war prompt zu schwer. Eine Weiterfahrt wäre nun eigentlich nicht mehr gestattet. Jedoch mit ein paar Kwacha mehr an deinen Freund und Helfer ging es schließlich doch weiter und ich erreichte mein sambisches zu Hause um ca. 01:00Uhr. Und so endete diese wunderschöne Woche in Sambia, in der ich wieder um einen riesen Sack voller neuer Eindrücke reicher wurde.

25.04.10 Die Viktoriafälle


26.04.10 Wandersafari im Mosi-oa-Tunya Nationalpark


27.04.10 Safari im Chobe Nationalpark (Botswana)

Dienstag, 20. April 2010

Von Duschen in Chilonga und Livingstone

Nach dem ereignisreichen Osterwochenende fällt dieser Eintrag dementsprechend magerer aus.

Nach Ostern drehte sich bei mir alles um die Arbeit, die mehr und mehr Fortschritte macht. Mein Programm für die Lager der Werkstätten und Baufirma beihnhaltet mittlerweile die wichtigsten Funktionen, wenn es nur um die Verwaltung der Daten, sowie die Ein- und Ausgabe von Artikeln/Waren geht. Das Ausdrucken der Inventur (am Bildschirm ist sie bereits sichtbar), sowie die Ausgabe von ein paar Statistiken sind noch die größten Baustellen. Die vorläufige Version kann ich aber in den nächsten Tagen endlich im Lager einführen und die Leute darin anlernen. Da freue ich mich schon sehr darauf.

Am kommenden Donnerstag, also übermorgen, fahre ich allerdings erstmal ne Woche nach Livingstone und zu den Viktoriafällen im Süden an der Grenze von Sambia und Simbabwe (siehe Karte). Somit muss die Einführung wohl noch bis Mai warten, aber auf die Woche kommt es jetzt auch nimmer an. :) Dort verbringe ich nach meiner Ankunft einen Tag alleine, bevor dann Franzi Klein (die Ndola-Franzi ;) ) gemeinsam mit ihrer Nachbarin aus Deutschland, welche ihr momentan einen Besuch abstattet, hinzustoßt. Bin schon tierisch darauf gespannt und freue mich, diese Naturgewalt, welche kurz nach der Regenzeit (also genau jetzt) am imposantesten sein soll, hautnah zu erleben. Dunstdusche garantiert! ;)

Auch am Krankenhaus in Chilonga gibt es nach wie vor jede Menge zu tun. Seit letzter Woche haben wir ein großes Problem mit einem der beiden Wassertanks, welche das Krankenhaus mit dem flüssigen Lebenselexier versorgen. An der oberen Kante hat sich mit der Zeit ein großer Riss gebildet, aus dem nun bei vollem Tank eine große Dusche von oben herabregnet. Wir vermuten, dass das Gewicht der Metallrohre, welche angebracht sind um den Überlauf abzuleiten, durch ihr Gewicht das Plastik verbogen haben bis es schließlich unter dem Wasserdruck gerissen ist. Als nächstes werden wir nun erst einmal Kontakt mit dem Hersteller aufnehmen und dann im Anschluss die Metallrohre durch welche aus Kunststoff ersetzen. Den Riss wollen wir dann mit einem Heißluftföhn und alten Tankteilen wieder “verschweißen”. Soweit zur Theorie. Mal schauen, wie schnell wir das alles schaffen und ob es danach auch hält. Hier ein Bild des Tanks:

Von Chilonga


Das Ausfüllen der neuen Wartungs- und Pumpliste für die Pumpe am großen Reservoir und das Ventil der Zulaufleitung von der Bachquelle wurde zu Beginn von meinen beiden Kollegen Martin und Daniel alias Rambo nicht sonderlich berücksichtigt. Lag wohl auch daran, dass momentan im wöchentlichen Wechsel immer einer von ihnen im Urlaub ist um Urlaubstage abzubauen. Aber mittlerweile denken sie daran. :) Das hat mich echt riesig gefreut, als ich das heute bei meinem Besuch im Krankenhaus feststellen durfte.

Abseits der Arbeit jage ich meinen Körper noch immer über den Fußballplatz auf der Suche nach dem runden Leder, was mir nach wie vor große Freude bereitet und sich gerade jetzt, da ich arbeitstechnisch wieder etwas mehr vor der Flimmerkiste sitze, super als Ausgleich eignet. Letzten Freitag war ich mal wieder im Städtchen, wo ich zufällig den schon verschollen geglaubten Louis wieder traf und sogleich ein paar Bierchen mit ihm und Lutz hob. Das war echt ein schöner Abend und klasse Start ins Wochenende. :) Hier noch ein Foto von einem Album ganz am Anfang meiner Zeit in Sambia, für all diejenigen, die sich nicht mehr an ihn erinnern:

Von 23.08.09 Ein ganz normaler Sonntag in Mpika


So, das soll es dann für heute auch mal wieder gewesen sein. Jetzt seid ihr wieder auf dem Stand der Dinge, bevor ich mich für eine Woche zu den Viktoriafällen verabschiede. Donnerstag Abend um ca. 19:00Uhr geht’s mit dem Bus los, um dann mit ein Mal Umsteigen in Lusaka und einer Fahrt ohne Zwischenfälle am Freitag gegen 16:00Uhr Livingstone zu erreichen. Melde mich dann nach meiner Rückkehr mit brandheißen Geschichten aus dem Nähkästchen wieder.

Bis dahin, machts gut und haut rein! ;)

Zum Abschluss noch ein Link zu meinem aktualisierten Album kulinarischer Köstlichkeiten aus Sambia. Viel Spaß dabei!

Essen und Trinken in Sambia