Nachdem ich bei meinem vorletzten Nabwalyaaufenthalt ja selbst mit einem der beiden Autos von Waldemar durch den Busch nach Mpika fahren durfte, ging es nach fünf Tagen Reparatur- und Einkaufsaufenthalt in der Diözesenzentrale wieder mit beiden Autos zurück. Waldemar, der polnische Priester der in Nabwalya die Außenstelle der Diözese aufbaut, steuerte das andere Gefährt zurück. Die Autos waren voll beladen bzw. überladen, u.a. mit einem großen Generator den Waldemar während der fünf Tage in Lusaka erworben hatte und Zementsäcken. An einigen der steilen Hänge auf dem Weg nach Nabwalya musste ich mehrmals Anlauf nehmen, um hoch zu kommen, aber wir erriechten letztenendes wohlbehalten unser Ziel. Die letzten zwei Stunden mussten wir mal wieder durch die Nacht im Busch rumfahren. Kannte ich ja schon vom letzten Mal, aber war mal wieder ein extra besonderes Erlebnis. :)
Nach unserer Ankunft erreichte uns dann eine schlimme Nachricht. In unserer Abwesenheit starben bereits über zehn Kinder an Malaria und es erkranken immer mehr. Zufällig war momentan für einige Tage auch ein Untersuchungsteam des Gesundheitsministeriums bzgl. der Malariarate in Nabwalya vor Ort mit dem Ergebnis, dass fast 100% der Haushalte einen oder mehr Malariafälle haben. Und desto mehr Menschen infiziert sind, desto schneller breitet sich die Krankheit aus, da mehr Moskitos die Parasiten von den Menschen aufnehmen und zu neuen Überträgern werden. Mehr als diese erschreckende Zahl zu ermitteln hatten die Leute aus Lusaka dann aber auch nicht auf Lager und man fragte sich nach ihrer Abreise, was denn das Ganze jetzt eigentlich bringen sollte, aber egal. Der Grund für die Todesfälle war, dass der Buschklinik die Medikamente ausgegangen waren. Es war nicht absehbar, wann wieder Medikamente geliefert werden und das Gemeinschaftsauto der Gemeinde, welches für Aktionen wie Medikamententransport in der Regel zur Verfügung stehen sollte, hatte keinen Sprit. Waldemar dachte nicht lange nach und schickte mich nach nur einem Tag Aufenthalt in Nabwalya mit Anthony, dem Krankenpfleger der Buschklinik, sowie seinem Arbeiter Smart als Sicherheit, falls auf der Strecke irgendetwas passieren sollte, nach Mpika um neue Medikamente zu holen.
Um ca. 11Uhr fuhren wir los und kamen gegen 17Uhr in Mpika an. Auf dem Weg legten wir allerdings noch einen Zwischenstop beim Krankenhaus in Chilonga ein, wo Anthony nach einem kleinen Jungen schauen wollte, den er zur Behandlung hier her tranferierte. Am darauffolgenden Tag stattete ich mit Smart der Werkstatt der Diözese einen Besuch ab, um zwei defekte Bolzen an den Rädern auszutauschen, sowie ein plattes Ersatzrad zu reparieren. Währenddessen organisierte Anthony die Medikamente und zu unserer Freude bekam er auch welche vom Krankenhaus in Mpika. Wir kauften erneut einige Säcke Zement, um noch mehr Nutzen aus dieser Extratour zu ziehen und machten uns gegen 12:30Uhr wieder auf den Weg nach Nabwalya. Erneut kamen wir gegen Ende in die Nacht hinein, aber mitlerweile war ich das ja gewohnt. :) So hatte die Buschklinik endlich wieder Medikamente und zumindest das sterben hörte auf. Während wir unterwegs waren, sind nochmals zwei Kinder gestorben. Schon echt hart. Die hohe Malariarate hatte sich allerdings bis zu meiner Rückkehr nach Mpika nicht verbessert und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Medikamente wieder ausgehen. Dieses Mal wird aber hoffentlich schneller gehandelt werden können, da mitlerweile Sprit für das Gemeinschaftsauto organisiert werden konnte.
Erstaunlich ist wieder einmal, wie die Leute in Nabwalya auf die Situation reagieren.
“Ist halt einfach so. So ein Jahr an dem viele Kinder sterben. Kann man nichts machen.”
Schon der Wahnsinn, wenn man das einmal mit den Zuständen bei uns vergleicht und dem Aufschrei, sollte eine ganze Region ohne Medikamente dastehen. Da fällt einem echt nichts mehr ein.
Nachdem ich diese ungeplante Reise also gemeistert hatte konnte ich mich für die verbleibende Zeit voll und ganz auf meine geplanten Tätigkeiten konzentrieren. Angefangen von der Installation einer Satellitenschüssel für digitales Fernsehen. Ich habe denke ich in einem älteren Blogeintrag bereits erwähnt, dass Waldemar dort massig Solarzellen aufgestellt hat, die vor allem für die Beleuchtung und seine Arbeit am Laptop sorgen. Aufgrund der WM jetzt also auch noch für Fernsehen, was der einzige Grund ist weshalb er es sich überhaupt zugelegt hat. So gibt es also in wenigen Tagen ein kleines “public viewing” in Nabwalya, wobei sich einige andere im Dorf schon seit langem einen Fernseher zugelegt haben. Wer nicht nur von der Landwirtschaft lebt und es schafft, etwas Geld auf die Seite zu legen, legt sich zuerst ein Blechdach zu. Nächster Schritt ist dann Solar und die Krönung schließlich Fernsehen, um mal ein ideal standard Hausaufmotzen zu nennen. :) Das Aufstellen der Satellitenschüssel klappte jedenfalls wunderbar und habe es ziemlich schnell geschafft, den Satelliten perfekt zu treffen. Hat jedenfalls Spaß gemacht und am vergangenen Wochenende konnten wir dann die Fußballtauglichkeit beim Championsleague Finale testen. Resultat: Läuft! :)
Ansonsten war ich viel auf Achse, um mit seinen drei Jungs (Moses, Daniel und Casper) die für ihn immer arbeiten wenn es was zu bauen gibt, also permanent :), Steine zum Betonieren, Sand und Holzstangen zu holen. Alles um Nabwalya herum verstreut. Bin mit ihnen also immer zu den jeweiligen Orten gefahren, wo Steine geklopft oder Sand ausgebuddelt wird, haben die Ladefläche des Geländewagens vollgeladen um es dann an den jeweiligen Verwendungsort transportiert. Gerade stehen ein paar kleine Häuschen für die Arbeiter auf dem Gelände der Pfarrei an. Seine drei Arbeitstiere schlafen derzeit nämlich in kleinen Kämmerchen hinter der Kirche während der Woche und gehen über das Wochenende zurück zu ihren Familien in den umliegenden Dörfern. Wenn die Hütten inkl. Waschplatz fertig sind, finden sie dort neuen und geräumigeren Unterschlupf. Da ich aber schon mal da war, haben wir gleich einiges mehr geholt, damit für kommende Bauvorhaben (und davon gibt es genug) schon einiges an Material da ist.
Eine weitere Großaktion waren dann noch mehrere Autotrips zum Luangwa, der Fluß durch den das Tal seinen Namen trägt und der ebenfalls Namensgeber für den “North Luangwa National Park” im Norden und den “South Luangwa National Park” im Süden von Nabwalya ist. Nabwalya und die umliegenden Dörfer befinden sich in einem schmalen Korridor zwischen den Parks, in dem mit einer Abschusslizenz gejagt werden kann und sind durch die Gebirgsketten in Ost und West ziemlich isoliert, da die Orte so schwer erreichbar sind. Der Fluß ist auch gleichzeitig die Grenze zwischen der Nord- und Ostprovinz von Sambia. Auf der anderen Flußseite befindet sich einige Kilometer weiter die etwas größere Stadt Lundazi, wo Waldemar einige Materialien mehr einkaufte, u.a. 150 Säcke Zement, sowie Eisenstangen, Bretter und was man eben sonst noch so zum Bauen benötigt. An einem Tag machten wir eine Fahrt mit zwei Autos und luden beide voll bis nichts mehr ging, überwiegend mit Zement. Die Regenzeit ist noch nicht lange zu Ende und demnach ist der Wasserpegel des Luangwa sehr hoch und man muss den Fluß mit einer kleinen Fähre aus Ölfässern überqueren. Durch die Überlast saßen wir natürlich prompt in der Nähe des Ufers auf, sodass mal wieder Muskelkraft gefragt war.
Tags darauf ging es dann erneut bis zum Fluß. Wir erwarteten einen Allrad Laster, der die verbleibenden Materialien bis ans Ufer der Ostseite bringen sollte, von wo aus wir es auf die Fähre umluden und dann an der anderen Uferseite in die Autos. Alles lief wie geplant und wir hatten gut zu schwitzen bei den 100 Säcken Zement, Eisenstangen, etc. Alles immer unter genauer Beobachtung der Nilpferde, die sich Herdenweise überall im Fluß tümmelten. Neben den Nilpferden begegneten uns auf den Touren durch den Busch auch noch Zebras, Antilopen und vor allem Elefanten. Ich selbst pasierte einen der Dickhäuter mit vielleicht fünf Metern Abstand. Ich hatte ihn nicht einmal richtig gesehen, weil ich mich so auf die Piste konzentrierte, sondern mein Puls wurde vor allem von Moses “Fahr! Fahr! Fahr!” Rufen in die Höhe gejagt. Er nahm glücklicherweise nicht die Verfolgung auf und wir erreichten unversehrt Nabwalya. Waldemar, der bei einer Tour ein wenig später wie ich die Fahrt vom Luangwa nach Nabwalya antrat, sah sogar zwei männliche Löwen, die ihre Köpfe in wenigen Metern Entfernung aus dem hohen Gras reckten. Klingt für euch wohl alles wie im Bilderbuch und ist auch für mich immer wieder unfassbar, dass es solche Ecken hier wirklich gibt. :)
Wenn wir schon bei wilden Tieren sind, diese Welt machte auch auf dem Esstisch nicht halt. Vor ein paar Wochen überquerte Waldemar ebenfalls den Luangwa und bei dieser Aktion musste ein Nilpferd erschossen werden, da es eines der Boote angriff. Solche Ereignisse sind immer eine große Freude für alle Beteiligten, da es dann für jeden Fleisch für umme gibt. So auch für Waldemar, der ein großes Stück ergatterte und es für meinen Besuch aufbewahrte. Selbst zu zweit aßen wir ganze drei Tage dran rum, bis es endlich weg war. Ist ein wenig wie zähes Schweinefleisch, mit einer dezenten Eigennote im Geschmack. Sehr lecker jedenfalls! :)
So gab es also die ganze Zeit immer wieder was zu tun. Viele Kleinigkeiten, viele Großigkeiten und ich hab einfach überall mit angepackt. War echt klasse und habe die Zeit sehr genossen, die mal wieder an neuen Eindrücken überlief. Auch wenn wir die meiste Zeit von Sonnenauf- bis Untergang gearbeitet haben, so fand ich dennoch die Zeit, mir Nabwalya wieder einmal ein wenig genauer anzuschauen. Ich bin immer wieder von der friedvollen Atmosphäre, der Gelassenheit und Fröhlichkeit beeindruckt, die die Dörfer hier ausstrahlen. Wenn die meisten Menschen natürlich auch für unsere Verhältnisse in Armut leben, so merkt man das hier keineswegs und es kommt einem alles so………bodenständig/echt vor. Vermutlich, weil die Menschen sich gar kein anderes Leben vorstellen können und ihnen viel weniger zum glücklich sein reicht, als dies wohl bei uns der Fall ist, wo vieles im Alltag schon so kompliziert wurde.
Ich könnte ewig weitererzählen, aber dieser Blogeintrag ist schon jetzt mal wieder viel länger geworden, als ich es vor hatte. Man ists ja gewohnt. :) Daher schiebe ich an dieser Stelle wie immer noch ein neues Album mit Schnappschüssen hinterher und in gar nicht allzu langer Zeit habe ich ja die Gelegenheit, euch in Persona ein wenig mehr von meinen Erfahrungen zu berichten.
Ich hoffe, euch allen geht es gut und ihr genießt die ersten Frühlingsanzeichen!
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| 14.05.10 - 26.05.10 Ausbildung zum Buschpiloten in Nabwalya |










