Wow, was für eine Nacht! Zuerst hatte es kurz nachdem wir im Zelt waren angefangen zu schütten wie aus Kübeln. Das ging dann die ganze Nacht schubweise so weiter. Hinzu kamen Sturmböen, die das Zelt wieder einmal auf eine ordentliche Belastungsprobe stellten. Als wir dann am nächsten Morgen aus dem Zelt krochen, stand aber noch alles da wie eine Eins! Kaum vorzustellen bei den Geräuschen im Zelt und wenn man dann auch noch sieht, wie das Dach zur Seite wegknickt. Aber deshalb ist es ja auch ein Zelt. :)
Nachdem wir gefrühstückt (Brot mit Wurst, Käse und Salatdressing, altbewährtes Wandererrezept :) ), Zähne geputzt und das Zelt in einem günstigen, regenfreien Moment wieder eingepackt hatten, ging es weiter. Diesmal stetig Bergauf auf eine Bergkette, die den höchsten Punkt unserer Wanderung markierte. Die Landschaft war noch immer atemberaubend.
Oben angekommen bot sich uns ein sagenhafter Ausblick in zwei Täler. Durch welches wir kamen und welches sich noch vor uns befand. Leider mussten wir auch feststellen, dass es nun in der Hälfte der zurückgelegten Strecke wieder bergab ging, was natürlich ein ordentliches Gefälle mit sich zog. Es wurde jetzt auch plausibel, warum dieser Weg eigentlich von der anderen Richtung gelaufen wird, da solche Steigungen bergauf natürlich wesentlich leichter zu erklimmen sind. Die andere Richtung war für uns aber einfach günstiger, also mussten wir da jetzt durch.
Problem Nummer 2: Auf der Bergkette befanden sich jede Menge große Steine, zwischen denen sich der Wanderweg total verlor. Wir liefen ein Stück oben entlang, bis wir den Weg wieder erkennen konnten. In unserem jugendlichen Leichtsinn beschlossen wir, ein Stück abzukürzen und nicht bis an das ganz andere Ende der Bergkette zu laufen, wo der Wanderweg evtl. seinen offiziellen Neubeginn gehabt hätte. Vor mir befand sich ein ca. 2 Meter hoher, schräger Felsen. Ich haderte kurz, ob wir das schaffen, entschied mich dann aber dafür. Böser Fehler! Durch den Regen war alles tierisch rutschig und beim aufsetzen meines ersten Fußes spürte ich schon, dass das nichts wird. So kam es wie es kommen musste. Ich rutschte ab und schlitterte den verbleibenden halben Meter auf Po und Seite hinunter. Beim versuch, mich noch festzuhalten, schnitt ich mir zusätzlich die Hand ein wenig auf. Viel tragischer war allerdings, dass ich eigentlich in weißer Voraussicht alle meine Gegenstände wie Handy, Portmonee usw. in die Jackentasche verteilt hatte. Alles, außer der Kamera. Diese befand sich in ihrer Hülle in meiner Hosentasche. Unten angekommen war Sie zwar noch funktionsfähig, allerdings mit einem kleinen Riss im Display. So ein Mist! Aber alles aufregen brachte da nun auch nichts mehr. Immerhin, ich konnte nach wie vor Bilder machen.
Ohne weiteren Zwischenfall schafften wir es dann, den weiteren, äußerst anspruchsvollen Weg bis hinab ins Tal wo es dann einigermaßen eben weiter bis zur Küste ging. Dabei konnten wir durch die immer wieder zwischen den dunklen, dicken Wolken hervorbrechende Sonne die Landschaft in unglaublich schönen Lichtverhältnissen bestaunen. Der Wind nahm nun stetig an Geschwindigkeit zu, je näher wir der Küste kamen. So stark, dass ich beim Laufen teilweise mit meinem großen Rucksack echte Probleme hatte. Ich kam fast vor wie ein LKW.
An der Küste angekommen legten wir erstmal eine Mittagspause ein. Wir beschlossen dann, den Weg am Ufer entlang wieder zurück nach Brodik im Süden zu wandern. Sollte die Zeit nicht reichen, gab es ja immer noch den Bus als Option. Dazwischen durchquerten wir zwei nette Ortschaften und in einer davon stärkten wir uns noch mal kurz in einem Pub mit Cola (Dominik) und Apfelsaftschorle (meiner einer). Abgesehen vom immer wieder einsetzendem Regen, der sich halbstündlich mit der Sonne abwechselte, hatten wir wirklich bestes Wanderwetter. Nicht zu heiß, nicht zu kalt.
In Brodik angekommen schafften wir es dann sogar noch auf die vorletzte Fähre. Anschließend fuhren wir mit dem Zug wider zurück nach Paisley und von dort mit dem Bus zum Wohnheim. Nachdem wir dann geduscht und Abendbrot (Spaghetti mit Tomatensoße) gegessen hatten, war es leider zu spät noch einen Abstecher ins Zentrum von Paisley für einen Pubbesuch zu machen. So blieben wir einfach in der Wohnung und feierten zu zweit in Dominik’s Geburtstag rein.