So, etwas später als eigentlich geplant kommt hier nun meine erste Meldung aus dem seit meiner Ankunft dauerbewölkten Pasiley/Schottland.
Gestern (Montag) morgen ging es ja schon in aller hergottsfrühe, die S-Bahn fuhr um 05:00Uhr, los zum Stuttgarter Flughafen. Danke auch noch mal an Sabrina und Katrin für das Asyl und dass Ihr die Aufbruchhektik ertragen habt :). Nach einem Hollywoodreifen Abschied am Flughafen ging es dann auch schon los, d.h. aufgrund des Schneefalls mit etwas Verspätung, da die Maschine kurz vor dem Start noch enteist werden musste. Hab ich bisher auch noch net mitgemacht, wenn man da schon fast auf der Startbahn steht und dann zwei LKWs angefahren kommen und die ganzen Tragflächen mit einer Salzwasserlösung abspritzen. Der Start war dann witterrungsbedingt auch nicht gerade der sauberste, den ich mitgemacht habe, aber wie man sieht sind wir ja glücklich hoch und wieder runtergekommen, soviel sei schon einmal verraten. Vielleicht merkt man auch, dass mir beim Fliegen immer ein klein wenig mulmig ist, auch wenn ich jeden Flug bisher immer voll und ganz genossen habe. Ist einfach komisch, so ewig weit oben zu sein und sein Leben in ein bisschen Metall und Elektronik zu legen. Aber zurück zum Thema. Der Flug verlief dann über den Wolken problemlos, bis auf einige starke Turbulenzen überm Ärmelkanal. Dann also Ankunft in London Heathrow, dem berühmt berüchtigten Chaos-Flughafen und ich kann das auch nur bestätigen. Ich kam an am Terminal 5 und konnte Gott sei Dank auch dort in die andere Maschine umsteigen, da um allein vom ersten zum letzten Gate zu kommen man schon 30Minuten einplanen muss (an einem einzigen Terminal und mit Bus oder Zug, die hin und her pendeln!) Zuvor musste ich mich aber erstmal noch in die richtige Warteschlange einreihen (Weiterreise in ein Europäisches Land, weiterreise in ein nicht-europäische Land, weiterreise innerhalb Großbrittaniens, EU Bürger, nicht-EU Bürger). Nach zweifacher Pass – und Ticketkontrolle mit anschließendem Fototermin wurden dann wieder alle Schlangen zusammengeführt um einen erneuten Sicherheitscheck durchzuführen. Zur Erinnerung: Ich habe seit meinen Abflug das Flughafengelände nie verlassen, habe also keine Möglichkeit gehabt, mich mit irgendwelchen „gefährlichen“ Utensilien zu bestücken und in Stuttgart hatte ich selbstverständlich schon einen Sicherheitscheck durchlaufen. In London hieß es dann aber erstmal 30 Minuten anstehen um dann (fast) alles auszuziehen, d.h. sogar Gürtel und Schuhe. Nachdem ja ein paar Mal hier Alarm war, nimmt man es wohl mit den Sicherheitsvorkehrungen ganz genau. Vielleicht auch ein bisschen zu genau meiner Ansicht nach. Naja, jedenfalls ging es dann nach den ganzen Querelen auch schon bald wieder los Richtung Glasgow. Im Landeanflug gab es erneut heftige Turbulenzen aufgrund von Schlechtwetterwolken. Außerdem ist mir vor lauter Druck auf den Ohren bei beiden Landungen fast der Kopf geplatzt. Irgendwie scheint es aber nur mir so gegangen zu sein, wenn ich mich so umschaute, da der Rest immer sehr relaxt dagesessen ist. Verglichen mit London ist der Glasgower Flughafen ein echtes Wohnzimmer und es gab nicht einmal mehr eine Passkontrolle (obwohl internationaler Flughafen!).
Als ich dann nach draußen kam wurde ich sogleich vom Nieselregen begrüßt, welcher waagerecht von einer anhaltenden „Briese“ über das Land gepeitscht wurde. Willkommen in Schottland! Trotz schwerem Gepäck habe ich mich dann aber gegen ein Taxi entschlossen und versuchte, meine zuvor in Deutschland geplante Bustour mit einmal umsteigen durchzuziehen. Obwohl ich den im Internet gefunden Bussteig am Flughafen dann nicht vorfand, habe ich wenigstens den Bus gefunden. Das ist ja schon mal die Hauptsache. Problem nur, dass es in Schottland trotz Großstadt keine Ticketautomaten gibt sondern es wird noch ganz klassisch im Bus bezahlt. Das hat dann aber auch gut geklappt, obwohl die gute Frau mir hätte auch alles verkaufen können. Trotz ebenfalls fehlender Haltestellenanzeige oder Durchsage habe ich es geschafft, meine Haltestelle zum Umsteigen nicht zu verpassen. Im nächsten Bus musste ich dann gleich nochmals bezahlen, da, nächstes Problem, der komplette Busverkehr von 4 verschiedenen, völlig voneinander unabhägigen Busgesellschaften betrieben wird und man eigentlich generell immer in eine andere umsteigt. Komischerweise unterschieden sich sogar die Ticketpreise ziemlich stark, sodass es sein kann, man bezahlt für dieselbe Strecke 80 cent mehr als bei einer anderen. (Ich spreche hier natürlich selbstverständlich aus Erfahrung)
Nachdem dies alles wie am Schnürchen geklappt hat bin ich dann bei meiner Unterkunft angekommen, welche komplett mitten im Grün liegt. Man sieht wirklich kein einziges Haus mehr drumherum. Aber wenigsten mit Bushaltestelle davor. Man braucht ca. 10 Minuten bis in das Zentrum von Paisley, wo auch eine Bahnverbindung mit Glasgow besteht. Als ich mich dann beim Hausmeisterbüro angemeldet habe, wurde mir erstmal mitgeteilt, dass abweichend von meinen bisherigen Informationen keine Bettsachen bereitgestellt werden, d.h. außer eine nichtüberzogene Matratze ist nichts vorhanden. Aber man könne Bettwäsche bei Ihnen für 53 Pfund (momentan ungefähr 60€) kaufen. Habe darauf erstmal verzichtet und die erste Nacht in mitgebrachten Schlafsack und auf kleinem Campingkissen verbracht, was übrigens echt gar nicht übel war. Werd aber nachher mal im Einkaufszentrum schauen, ob ich da nicht was günstigeres finde. Jedenfalls wurde mir anschließend der Schlüssel in die Hand gedrückt mit einem Infozettel über öffentliche Verkehrsmittel, Internet, nächster Supermarkt, usw. Das Wohnheim auf dem „Thornley Park Campus“ (so heißt das Areal auf dem es sich befindet) besteht aus mehreren Häusern (manche neuer, manche älter - meins ist älter), welche in der Regel drei Etagen besitzen mit jeweils zwei Appartements. Pro Appartement kommen dann bei vollständiger Belegung 6 Leute, jeder sein eigenes Zimmer, die sich einen Aufenthaltsraum inkl. Küche und zwei Badezimmer (beide mit WC, eines mit Dusche, das andere mit Badewanne) teilen. Als ich dort ankam, wurde ich erstmal von den beiden Putzfrauen begrüßt, die jeden Tag die Gemeinschaftsräume reinigen und dann habe ich noch Steffen kurz getroffen. Dass er auch Deutscher ist, stellte sich erst beim zweiten Treffen am Abend heraus. Wir haben aber sofort beschlossen, dass wir Englisch reden werden und das hat dann gestern auch prima funktioniert. Sonst ist ja der ganze Aufenthalt der Sprache wegen für die Katz. Außerdem wohnen in unserer WG noch zwei Chinesen, Jean und Scott (warum auch immer sie mir diese Namen nannten), die man aber laut Aussage anderer anscheinend nicht sehr oft zu Gesicht bekommt und sich nur von Eiern ernähren (wir haben in der Küche mindestens 10 so große Stapelkartons wie man Sie beim Eierhändler sieht) und noch James, einen Inder mit ebenfalls typisch indischem Namen. Mein eigenes Zimmer ist echt nicht schlecht mit viel Stauraum und ansonsten eben zweckmäßig eingerichtet. Da kann man sich nicht beschweren.
Anschließend bin ich dann ohne Rast gleich mal an die Uni gefahren, welche sich im Zentrum von Pasiley befindet, um vielleicht gleich so organisatorische Sachen wie Einschreiben usw. zu erledigen. Außerdem musste ich mich noch für die Internetnutzung im Wohnheim registrieren. In der Uni wurde ich dann erstmal 5 mal von Amt zu Amt geschickt, bis ich endlich ankam, wo man mir weiterhelfen konnte, aber auch nur bedingt. Erledigen konnte ich noch nichts, aber immerhin alles anschieben und spätestens am Mittwoch habe ich dann hoffentlich meinen Studentenausweis und dann steht zumindest schon mal der ganze Verwaltungskram. Für das Internet konnte ich mich immerhin gleich anmelden, aber selbst hier an der Uni, wo ich mich gerade befinde, ist es stellenweise so langsam, dass ich mit Modem echt noch schneller wäre und was am traurigsten war, im Wohnheim funktionierte es überhaupt nicht bzw. nur mal kurz, da sich das W-LAN Gerät wohl irgendwo befindet, aber nur nicht in Zimmerreichweite. Das Problem haben übrigens alle die dort wohnen. Heute wurde mir dann auch noch von der Computerverwaltung an der Uni erzählt, dass Sie schon seit MONATEN Probleme mit dem Internet im Wohnheim haben und auch hier an der Uni kommt es immer wieder zu Störungen. Na super sag ich da nur. Dann wird es wohl doch schwieriger, ab und zu mal über Skype zu telefonieren. Schaun mer mal.
Am Abend dann war gleich noch ne Feier. Ein Franzose von der Nachbar-WG hat in den Geburtstag reingefeiert. James, der Inder, hat daher Abendessen gekocht und danach haben wir noch mit Dosenbier, Wein und einer Bowle aus Sekt und Zitronenlimonade reingefeiert. War echt ein super Abschluss und es kamen noch ein paar andere Stunden aus anderen WG’s vorbei. Als sich dann noch herumsprach, dass mein Geburtstag auch schon quasi vor der Tür steht, war die Begeisterrung groß, die Feier schon fast organisiert und das Datum für die Party hängt auch schon aus. So schnell kanns gehen und ich musste nicht mal nen Finger rühren. :)
Ansonsten geht es mir hier wirklich sehr gut. Ich habe mich sofort zurechtgefunden und auf meinen Orientierungssinn konnte ich mich auch sofort verlassen. Hat auch was, wenn man hier komplett nach der Ankunft auf sich allein gestellt ist (in Singapur hat mir ja ein Dozent vor Ort gleich alles gezeigt, wo ich was finde) und sich dann so irgendwie zurechtfinden muss. Aber wie gesagt, hab das alles bestens hinbekommen. Der schottische Dialekt ist natürlich noch gewöhnungsbedürftig und ab und zu verschlucken sie mir doch mal ein Wort zu viel, sodass ich nachfragen muss. Klappt aber auch prima. Nur das Essen hier, tja, was soll man sagen. Sehr fettig oder ölig. Es gibt zu allen Gerichten die ich irgendwo gesehen habe Pommes. Außer Salat gibt es eigentlich nichts, dass nicht in irgendeiner Weise Fett oder Öl in der Pfanne oder Fritteuse gesehen hat. Und wenn beim Salat mal Dressing dabei ist, dann meist etwas mit mayo. Heute morgen habe ich mir mal ein original Britisches Frühstück gegönnt, was mit 3,50 Pfund (ungefähr 4€) auch richtig günstig war. Es beinhaltete Ein Spiegelei, 2 Streifen gebratenen Speck, Blutwurst (gebraten!), eine Art Kartoffelpfannkuchen, gebratenes Hackfleisch vom Schwein, einen Tost und gebackene Bohnen. Dazu noch Englischen Tee mit Milch. War eigentlich echt nicht schlecht, nur eben alles ziemlich fettig und ich bin nach 4 Stunden immer noch papp satt. Das will echt was heißen. Sprich, wenn ich hier jeden Tag echt Britisch essen würde, könnte sich mein Aussehen evtl. ein wenig verändern. An manchen Schotten kann man die hiesigen Essgewohnheiten schon ziemlich gut erkennen. Selbst im Supermarkt bekommt man außer frischen Sachen nur fettiges Zeug. Es gibt sogar Supermärkte, die ausschließlich gefrorene Fertigprodukte verkaufen. Am krassesten viel mir das beim Brot auf. Dieses ist extrem weich, sodass es sich bei der kleinsten Belastung zu einem Klumpen verformt. Dann gibt es natürlich fast ausschließlich Weißbrot und wenn mal Vollkorn draufsteht, ist da zwar irgendwas anderes und vielleicht noch ein paar Körner drin, aber ganze bestimmt kein anderes Mehl, wenn dies überhaupt drin ist. Schenkt sich also nicht viel. Darauf werd ich mich also wohl am meisten freuen wenn ich mal wieder in Deutschland bin. Eine richtig schöne Brotzeit. :) So schlimm ist es dann aber auch nicht. Generell sind die Schotten, beurteilt anhand derer die ich bisher kennen gelernt habe, ein sympathisches Völkchen das wie es den Anschein hat den Alltag auch noch ein wenig ruhiger angehen lässt. Zum Beispiel musste ich allein an der Supermarktkasse 15 Minuten anstehen, obwohl gerade mal drei Kunden vor mir waren. Gestört hat das aber niemanden.
Bezüglich der Diplomarbeit war ich heute morgen schon bei Neil Pitcher, dem Dozenten, mit dem ich im Vorfeld schon viel Kontakt hatte und der meinen Aufenthalt hier auch ein wenig zu managen scheint. Es sieht so aus, also würde sich nun endlich ein Betreuer für mich herauskristallisieren. Gleich nachher soll ich nochmal bei Ihm vorbeikommen. Vielleicht gibt’s ja schon irgendwelche Neuigkeiten.
So, das soll es dann fürs erste auch mal gewesen sein. Natürlich gäbe es noch viel mehr zu erzählen, da einfach momentan jede Minute wieder etwas neues passiert. Unten finden Ihr wieder einen Link zu ein paar Bildern, die ich gestern gemacht habe. So ein paar erste Eindrücke. Die Tage werde ich auch mal Unterkunft usw. ein wenig ablichten. Einfach bei Gelegenheit und Interesse mal wieder vorbeischauen. Ich hoffe, euch geht’s soweit auch ganz gut. Abgesehen von der Dauerbewölkung und dem ab und zu einsetzenden Nieselregen lässt es sich bei konstant 10-11°C hier eigentlich echt gut aushalten. Da habt Ihr es ja glaube ich noch ein klein wenig kälter… Also, bis die Tage!